Acht Lehren aus dem verheerenden wirtschaftlichen Zusammenbruch Venezuelas

von Michael Snyder

Vor unseren Augen versinkt ein ganzes Land im Elend. Wenn Sie diesen Artikel lesen, kommt es in Venezuela in der Versorgung mit fast allen denkbaren Gütern zu massiven Engpässen. Lebensmittel, Toilettenpapier, medizinische Güter, Strom und sogar Coca-Cola sind Mangelware. Im ganzen Land bilden sich vor den Läden lange Schlangen von Menschen, die oft stundenlang ausharren müssen und hoffen, dass sie dann schließlich einige Lebensmittel kaufen können, um die hungrige Familie satt zu bekommen. Und wenn es dann doch nichts zu kaufen gibt, obwohl die Menschen so lange gewartet haben, kommt es manchmal zu regelrechten Ausschreitungen.

Diese Verschärfung der sozialen Lage ist eingetreten, ohne dass sich Venezuela in einem Krieg befände oder sich eine schwere Naturkatastrophe oder ein massiver Terroranschlag ereignet hätte. Es kam auch nicht zu einem Elektromagnetischen Puls oder einem anderen unerwarteten, aber nicht grundsätzlich auszuschließenden Ereignis, einem sogenannten »Schwarzen Schwan«.

Welche Folgen es haben kann, wenn die Schuldenkrise außer Kontrolle gerät, Währungsmanipulationen aus dem Ruder laufen und die Einmischung der Regierung in das Leben ihrer Bürger ein unvorstellbares Ausmaß erreicht, zeigen die gegenwärtigen Entwicklungen in Venezuela. Die folgenden acht Lehren können wir aus der jetzigen Zusammenbruchskrise in dem südamerikanischen Land ziehen:

1. Im Falle einer wirtschaftlichen Zusammenbruchskrise kann es sehr rasch zu massiven Engpässen bei der Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs kommen:

»›In gewisser Hinsicht ist praktisch alles zur Mangelware geworden‹, sagte Ricardo Cusanno, Vizepräsident der venezolanischen Handelskammer. Nach seinen Angaben haben 85 Prozent der Unternehmen in Venezuela ihre Produktion zum Teil eingestellt.«

Sogar Coca-Cola musste die Produktion einstellen, weil Zucker nicht mehr in ausreichender Menge geliefert werden konnte.

2. Wenn man keine Lebensmittel als Reserve für schlechte Zeiten gelagert hat, wird der Speiseplan im Falle eines größeren Notfalls schnell auf einfache Gerichte reduziert. Die Los Angeles Times berichtete vor Kurzem über die schwierige Lage der 42-jährigen alleinerziehenden Maria Linares aus Venezuela. Sie erzählte, ihre Familie habe seit letztem Dezember kein Hähnchenfleisch mehr gegessen:

»Im Dezember musste sie die Hälfte ihres Lohnes für Lebensmittel aufwenden. Heute werden praktisch ihre ganzen Einkünfte für die Ernährung ihrer beiden Kinder aufgebraucht. Die kärglichen Mahlzeiten bestehen aus Maniok (auch unter der Bezeichnung Cassava oder Yuca bekannt), Eiern und Maisfladen, die Arepas genannt und mit Butter und Kochbananen serviert werden.

›Im Dezember haben wir zum letzten Mal Hähnchen gegessen‹, berichtet sie.

Die günstigsten Angebote sind gegenwärtig in von der Regierung betriebenen Läden wie Mercal und Bicentario zu erhalten, in denen die Preise reguliert werden.

Um dort einzukaufen, so Linares weiter, muss sie sich bereits in der Nacht in die Schlange vor dem Geschäft einreihen. Aber selbst dann kann es vorkommen, dass sie mit leeren Händen nach Hause kommt, weil alles ausverkauft war, bevor sie an die Reihe kam – oder weil sie ausgeraubt wurde, nachdem sie den Laden verlassen hatte.«

3. Wenn Menschen Hunger leiden, wächst die Verzweiflung. Und verzweifelte Menschen neigen dazu, auch zu ungewöhnlichen »Lebensmitteln« zu greifen, um den Hunger zu stillen.

Vor Kurzem wurde tatsächlich berichtet, dass zahlreiche Menschen in Venezuela so verzweifelt sind, dass sie Hunde und Katzen jagen, um sie anschließend zu verzehren.

Können Sie sich vorstellen, so etwas zu tun? Ich könnte nicht so handeln, aber ähnlich wie in Venezuela gibt es auch in den USA Menschen, die alles essen würden, was ihnen in die Hände fällt, wenn sie Hunger leiden und ihre Kinder weinen, weil sie nichts zu essen haben.

4. Wenn eine Volkswirtschaft zusammenbricht, werden nicht nur Lebensmittel zur Mangelware. In dieser Woche berichteten verschiedene Mainstreammedien, dass es in Venezuela zu massiven Engpässen bei der Versorgung mit Hygieneartikeln kommt:

»Im ganzen Land wird das Angebot an Hygieneartikeln knapp. Viele Venezolaner berichten, dass Menschen in langen Schlangen stundenlang warten, um grundlegende Hygieneartikel kaufen zu können, die sie dann für einen sehr viel höheren Preis auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen.

Bloomberg meldete im vergangenen Jahr, der karibische Inselstaat Trinidad und Tobago habe Venezuela ein Tauschgeschäft von Toilettenpapier für Erdöl angeboten. Es sei nicht bekannt, ob es zu diesem Tausch gekommen sei.

Kondome und andere Verhütungsmittel sind kaum noch aufzutreiben, erzählen viele Venezolaner. Das Gleiche gelte auch für Zahnpasta, Seife, Toilettenpapier oder Haarshampoo. Und [Staatspräsident] Maduro fordert die Frauen auf, keine Haartrockner mehr zu benutzen.«

Wie sähe Ihr Leben aus, wenn Ihnen keine Zahnpasta, Seife, Toilettenpapier oder Shampoo mehr zur Verfügung stünden? Wenn Sie auf diese Utensilien auch in Zukunft nicht verzichten wollen, sollten Sie vielleicht jetzt damit beginnen, einen entsprechenden Vorrat anzulegen.

5. Unter den Bedingungen einer zusammenbrechenden Volkswirtschaft können Sie von Glück reden, wenn Ihnen medizinische Hilfe zuteilwird, wenn Sie sie benötigen. Erkrankte Venezolaner stehen gegenwärtig vor massiven Problemen, berichtete die britische Tageszeitung Daily Mail:

»Das Luis-Razetti-Krankenhaus in der venezolanischen Hafenstadt Puerto la Cruz macht den Eindruck, als befände es sich inmitten eines Kriegsgebietes.

Man sieht Patienten, die sich krampfhaft bemühen, in ihren halb zerbrochenen Betten das Gleichgewicht zu halten. Viele von ihnen weisen Spuren tagealten Blutes auf ihren Körpern auf.

Und sie sind noch glücklich zu nennen: Die meisten Patienten liegen einfach blutüberströmt und mit schwarz verfärbten Gliedmaßen auf dem Boden.

Kinder liegen zwischen schmutzigen Pappkartons in den Gängen, ohne Essen, Wasser oder medizinische Versorgung.

Das Pflegepersonal und die Ärzte müssen improvisieren, da der Strom immer wieder ausfällt oder die Geräte nicht funktionieren. Bei zwei Männern, die sich Beinoperationen unterziehen mussten, wurden die Gliedmaßen behelfsmäßig mit Haltesystemen unter Zuhilfenahme von Wasserflaschen als Gewichte fixiert.«

6. Kommt es zu einem Währungszusammenbruch, gewinnt der Besitz von Edelmetallen wie Gold oder Silber sehr große Bedeutung. Dies gilt nicht nur für einzelne Personen oder Gruppen, sondern auch für ganze Länder. Venezuela musste in der gegenwärtig tobenden Krise bereits Gold im Wert von 2,3 Mrd. Dollar in die Schweiz schaffen, weil die Banker die venezolanische Papierwährung, den Venezolanischen Bolivar, nicht länger als Zahlungsmittel akzeptieren:

»Der Regierung Venezuelas gehen allmählich die Devisenreserven aus, und sie muss buchstäblich Gold einsetzen, um ihre Schulden zu begleichen. Im März verfügte Venezuela laut den neuesten Zahlen der Zentralbank nur noch über Devisenreserven in Höhe von 12,1 Mrd. Dollar.

Damit sind die Reserven gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte geschrumpft. Um überhaupt noch Kassendarlehen zu bekommen, musste Venezuela in diesem Jahr bereits Gold im Wert von 2,3 Mrd. Dollar als Pfand in die Schweiz verschiffen. Das zeigen Zahlen der schweizerischen Regierung über die Importe.«

7. In schweren Wirtschaftskrisen steigt die Verbrechensrate massiv an. Wie ich bereits an anderer Stelle dargestellt habe, kam es allein im ersten Vierteljahr 2016 in Venezuela zu 107 schweren oder versuchten Plünderungen durch größere Gruppen von Menschen. Und in den vergangenen Monaten hat sich die Lage noch weiter verschärft.

Aber auch in den amerikanischen Großstädten steigen die Verbrechenszahlen weiter an. Nach Angaben der Internetseite Breitbart kamen allein in Chicago am Wochenende des Memorial Day, der immer am letzten Montag im Mai zu Ehren der im Krieg Gefallenen begangenen wird, 55 Menschen durch Schusswaffengebrauch ums Leben – die höchsten Opferzahlen, die bisher an einem Wochenende zu verzeichnen waren. In Chicago sind seit Jahresbeginn insgesamt schon mehr als 1500 Menschen erschossen worden. Und die Polizei befürchtete in diesem Jahr einen sehr chaotischen Sommer.

8. Dieser Punkt betrifft möglicherweise die umstrittenste Lehre in dieser Auflistung. Manchmal ist eine große Erschütterung notwendig, um eine Nation wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Natürlich will niemand freiwillig eine solche Erschütterung durchleben müssen, aber letzten Endes kann sie zu sehr positiven Ergebnissen führen – so geschehen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas:

»Vor Kurzem riefen die Kirchen der Hauptstadt Caracas zu einem »Gebets-Spaziergang« auf. Tausende folgten der Aufforderung und versammelten sich in den Hauptstraßen der Stadt und beteten zu Gott, er möge ihr Elend beenden.

Unter dem Motto ›Ich bete für mein Land‹ zogen zahlreiche Christen durch die Stadt, beteten für die Einheit der Kirche und zu Gott, damit er die Notlage ihres Landes endlich beende.«

Wird auch in den USA eine vergleichbare Erschütterung notwendig sein, um Amerika zum Niederknien zu bewegen? Was wird erforderlich sein, damit es auch in den USA zu einer umfassenden Erschütterung kommt, die uns aufwachen lässt und uns wieder auf den rechten Weg bringt?

Diejenigen, die meine Arbeit seit Längerem verfolgen, wissen, dass ich fest davon überzeugt bin, den USA stehe eine gewaltige Erschütterung bevor. Diese Erschütterung wird noch sehr viel stärker ausfallen, als das, was Venezuela derzeit durchlebt, und wird die USA bis in ihre Grundfesten erschüttern.

Aber es könnte sich erweisen, dass eine solche gewaltige Erschütterung genau das ist, was die USA derzeit brauchen, denn ich bezweifele, dass es ohne eine solche Erschütterung zu einem allgemein verbreiteten Aufwachen in den USA kommen würde.


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