Adrian Ursache: „Erschießt mich doch“

Von Steffen Könau

Halle (Saale) – Aufnahmen einer sogenannten Bodycam haben am zweiten Tag des Strafverfahrens wegen versuchten Mordes gegen den selbsternannten Staatsgründer Adrian Ursache für neue Fragen gesorgt.

Es ist nach anfänglichen Verzögerungen durch den Angeklagten, der immer wieder an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens zweifelt, schon fast Mittag, als Richter Jan Stengel die Filme abspielt. Sie zeigen den Polizeieinsatz im August 2016 in Reuden (Elsteraue). Wacklige Bilder, teils von Händen verdeckt, die Pistolen halten. Ganz klein ein Mann, der Unverständliches ruft.

Frau von Adrian Ursache sagt vor Gericht aus

Später wird Ursaches Frau Sandra beschreiben, „dass alles Schwarz war, drei, vier Männer standen Adrian gegenüber“. „Erschießt mich doch“, habe ihr Mann gerufen. Dann seien Schüsse gefallen.

Eine Schießerei, die laut Anklage begann, als der frühere Mister Germany aus einem Revolver Marke Arminus auf den Kopf eines Beamten zielte und abdrückte. Im Video allerdings ist nach Ansicht Ursaches deutlich zu hören, dass zuerst zweimal großkalibrige Polizeipistolen feuern, ehe der Revolver vom Kaliber 22 bellt.

„Hören Sie hin, bumm, bumm und dann peng“,

fordert Ursache, der dem Prozess nach wie vor im Stehen und mit Fußfesseln folgt. Er habe sich in der Situation hingekniet gehabt,

„weil ein Beamter kniend auf mich angelegt hatte“.

Als er wieder aufgestanden sei, „ist es dann schlagartig dunkel geworden.“

Warum sich der Schuss aus der Waffe gelöst haben soll

Ursache behauptet zudem, der Schuss aus seiner Waffe habe sich nur gelöst, weil die SEK-Beamten seinen rechten Arm getroffen hätten.

„Ich bin ein friedlicher Mensch, aber ich schütze meine Familie und bin deshalb an diesem Tag hinausgegangen, um zu sterben und damit den Rechtsbankrott zu beweisen.“

Dass ihr Mann ein „toller Vater“ und „absolut friedlich“ ist, bestätigt Sandra Ursache später im Zeugenstand. Er habe Zivildienst im Krankenhaus geleistet und in den 17 Jahren, die sie ihn kenne, sei nie die Rede von Waffen gewesen.

„Er hat bei den Kindern sogar immer genau geguckt, was sie für Videospiele spielen.“

Geheimnisse habe man niemals voreinander gehabt, aber sie habe respektiert, dass ihr Mann sich „politisch engagiert“ habe, wie Sandra Ursache die Gründung des „Reiches Ur“ und Ursaches Vortragstätigkeit vor einem Publikum nennt, das die Existenz der Bundesrepublik anzweifelt.

„Er hat akzeptiert, dass ich gesagt habe, ich bin da raus, ich will das alles gar nicht wissen.“

Adrian Ursache: „Adrian sagte, da gehe nichts schief“

Ihr Mann erfuhr dafür nicht, dass sie sich in den letzten Tagen vor der drohenden Zwangsräumung des gemeinsamen Hauses auf eigene Faust um eine gütliche Einigung mit der Bank und dem Abwasserzweckverband (AZV) kümmerte. „Adrian sagte, da gehe nichts schief, er werde den Gerichtsvollzieher überzeugen – aber ich hatte solche Angst.“ Deshalb habe sie mit beim AZV einen Teil der säumigen Summe bezahlt, der habe dafür versprochen, er werde den Antrag auf Räumung zurückziehen.

„Die Bank hatte mir vorher zugesichert, dass sie dann auch einlenken würde.“

Das aber sei nicht geschehen.

„Ich habe plötzlich telefonisch niemanden mehr erreicht“,

beschreibt Sandra Ursache, die in schwarzer Hose und schwarzer Kostümjacke äußerlich gefasst und konzentriert wirkt, die Füße in den schwarzen Stiefeln unter dem Zeugenstuhl aber ruhelos übereinanderschlägt.

Einen Tag nach dem ursprünglich avisierten Termin seien dann die SEK-Leute gekommen.

„Man hat meinen Mann niedergeschossen, meine 70-jährige Mutter zu Boden geworfen und mit Kabelbindern gefesselt“, sagt Sandra Ursache. „Ich war wie zugeschnürt, wie leblos.“

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (mz)


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