Auf den Spuren von Wladimir Putin – Eine Stadtführung durch Dresden

von Sputnik

Fünf Jahre verbrachte der heutige russische Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin an der Elbe. Zu seinem 65. Geburtstag machte sich Sputnik auf den Weg nach Dresden, um mehr über diesen Lebensabschnitt des jungen KGB-Majors zu erfahren.

Unsere Stadtführung „auf den Spuren von Wladimir Putin“ beginnt in der Radeberger Str. 101. In einem Plattenbau im dritten Stockwerk bekam Putin eine Zweizimmerwohnung. Im Alter von 33 Jahren wurde Wladimir Putin im September 1985 nach Dresden beordert. Ein Jahr später folgten ihm seine Frau Ljudmila und seine erste Tochter, Maria. Das zweite Kind, Ekaterina, sei dann in Dresden geboren worden, erinnert sich eine Nachbarin Renate von der Radeberger Straße:

„Eine ganz normale Familie. Sie waren dann oft am Spielplatz. Es war früher so üblich, dass auf dem Hof viel Privates gemacht wurde. Dort, wo es offensichtlich war, waren sie dabei. Bei Hausfeiern oder Grillabenden. Ansonsten habe sich Putin abgeschirmt. Man hat vom privaten Putin nicht sehr viel mitbekommen”, erzählt die Nachbarin.

Radeberger Straße 101. Das Haus, in der die Familie Putin (1985-1990) wohnte.

Viele würden das Thema mittlerweile meiden und wollten nicht mehr über diese Zeit sprechen, es sei denen unangenehm, bemerkt Renate:

„Dieser Block war früher vorwiegend von Mitarbeitern der Staatssicherheit bewohnt. Und die wollen davon nichts mehr wissen.”

Fünf Minuten von dem Haus entfernt liegt die Gedenkstätte Bautzener Straße, ehemalige Bezirkszentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und Untersuchungshaft.

Gedenkstätte Bautzener Straße. Ehemalige Bezirkszentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und Untersuchungshaft.

Auch Putin besuchte die Stasi-Zentrale. Davon zeugt ein gemeinsames Foto von KGB- und Stasi-Mitarbeitern in den Ausstellungsräumen der Gedenkstätte.

Gemeinsames Foto vom Besuch der ersten Gardepanzerarmee im Museum. (W. Putin, zweiter von links; H. Böhm, in der Sitzreihe vierter von Links)

Auf dem Foto kann man ganz deutlich W. Putin (Zweiter von links) erkennen. Auch der Stasi-General und Chef der Bezirkszentrale des MfS, Horst Böhm ist auf dem Bild zu erkennen (In der Sitzreihe vierter von links).

In einem Büro in der Angelikastraße. 4 war Putin u.a. neben der Informationsbeschaffung für das KGB damit beschäftigt für den sowjetischen Geheimdienst Personal zu rekrutieren.

Nachdem am fünften Dezember 1989 5.000 Demonstranten die Untersuchungshaft und die Bezirkszentrale des MfS besetzten und den Stasi-General Horst Böhm zum Rücktritt zwangen, versuchten einige der Protestler kurz darauf die KGB-Villa zu stürmen, erklärte im Sputnik-Interview ein Zeitzeuge und Vorsitzender der Gedenkstätte Bautzener Straße in Dresden, Dr. Herbert Wagner:

„Eine Gruppe von Menschen verließ die Stasi-Zentrale. Sie sagten mir: ‘Und jetzt lösen wir den KGB auf.’”

Als Wagner das hörte bekam er Angst, dass man damit der Sowjetunion einen Anlass zum Eingreifen bieten könnte. Die Menschen seien froh gewesen, dass die sowjetischen Panzer während der friedlichen Revolution in der Kaserne blieben. So rief er den Protestlern zu:

“Passt bloß auf euch auf, dass nichts passiert!”

Rudolf-Steiner-Haus, Sitz der Anthroposophischen Gesellschaft Dresden. Ehemalige KGB-Zentrale. Arbeitsplatz von W. Putin.

Als die aufgebrachte Menge an der KGB-Zentrale eintraf und auch diese stürmen wollte, wurde sie von Wladimir Putin und bewaffneten Kollegen empfangen. Putin war bereits zum Oberstleutnant des KGB aufgestiegen und fragte eigenen Angaben zufolge die wütende Menge:

„Was wollen Sie hier? Das ist eine sowjetische Militäreinrichtung.“

Die Menge zog sich zwar zurück, die KGB-Zentrale in Dresden wurde aber trotzdem aufgelöst, wie Wladimir Putin in einem Interview mit dem russischen Fernsehen erklärte:

,,Ich selbst habe eine riesige Masse von Dokumenten verbrannt. Wir haben so viel verbrannt, dass der Ofen explodierte. Wir haben Tag und Nacht Sachen ins Feuer geworfen … Alle Kontakte waren abgebrochen, die Arbeit mit den Informationsquellen aus Sicherheitsgründen beendet, jegliches Material wurde vernichtet oder an das Archiv übergeben. Amen!“

Eine kleine Ecke soll in dem Lokal „Am Thor” daran erinnern, dass der russische Präsident hier ein gerngesehener Gast war.

Wer verbarg sich hinter dem KGB-Agenten Putin? Ein Kneipengänger war er nicht, jedoch besuchte er öfter die Gaststätte,,Am Thor“ am Albertplatz. Damals war es der ,,Platz der Einheit“. In diesem Lokal in der Hauptstraße kann man auch heute sächsische Küche und einheimische Biersorten genießen.

„Am Thor“

Das Radeberger Bier hatte es wohl dem Oberstleutnant des KGB angetan, erzählt ein ehemaliger Kellner, der über 12 Jahre in diesem Lokal gearbeitet hatte. Der Betreiber Joachim Loch, von den Medien als Putins Kneiper bezeichnet, starb vor einigen Jahren.

Die Bierbar “Am Thor” in der Hauptstraße in Dresden

Doch manche Stammgäste von damals kann man auch heute noch antreffen. So auch Lothar Gärtner. Als Wladimir Putin 1999 die Amtsgeschäfte vom russischen Präsidenten Jelzin übernommen habe und zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen gewesen sei, habe der Stammgast Gärtner ihn erkannt und durch das Lokal gerufen:

“Das ist doch der kleine Russe von Früher.”

Hier endet unser Spaziergang durch das Putinsche Dresden. Ob der russische Präsident sich noch an diese Menschen erinnert? Die Dresdner wünschen ihm zum 65. Geburtstag jedenfalls „ewigen Sonnenschein“, „Gesundheit“ und „Stabilität für Russland“.


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