Australien: Armee getürmt – Moslem-Flüchtlinge übernehmen Kontrolle

Australien bringt illegale Einwanderer in Lager im Indischen Ozean. Auf der Weihnachtsinsel kommt es nun zum Aufstand. Das Zentrum ist zertrümmert, Feuer wurde gelegt, das Sicherheitspersonal ist weg.

DWO-AP-Weihnachtsinsel-jsIn einem australischen Haftzentrum für Flüchtlinge ist am Sonntag ein Aufstand ausgebrochen, nachdem ein Asylbewerber ums Leben gekommen war. Die Einwanderungsbehörde bestätigte am Montag, dass es einen heftigen Aufruhr („large scale riot“) im Haftzentrum auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel gebe, einer Insel im Indischen Ozean.

Es werde daran gearbeitet, die Situation zu lösen. Der Behörde war von Verletzten zunächst nichts bekannt. Insassen sollen dort Feuer gelegt, das Zentrum zertrümmert und die Kontrolle übernommen haben.

Ian Rintoul von der Flüchtlingsorganisation „Refugee Action Coalition“ (RAC), der in ständigem Kontakt zu Migranten auf der Insel steht, sagte der „Welt“, dass die Betreuer und das Sicherheitspersonal das Lager verlassen haben, nachdem Feuer gelegt und Verwaltungsräume und Büros verwüstet wurden. Die Schlafräume seien jedoch nicht betroffen.

„Ich vermute, dass die Polizei morgen einen Versuch unternimmt, das Personal wieder in das Lager zu bringen und die Kontrolle wieder zu übernehmen.“

Auch die Einwanderungsbehörde gab bekannt, dass sich das Personal aus Sicherheitsgründen zurückgezogen habe. Die Lage sei angespannt, man bemühe sich um Entspannung. Angaben über Verletzte beim Personal lägen nicht vor. Die Behörden wollten keine näheren Einzelheiten mitteilten, laut Radio Neuseeland (RNZ) bewaffneten sich die Aufständischen mit Schlagstöcken und Stangen.

Sehr harte Flüchtlingspolitik

Zu den Unruhen war es nach dem Tod eines Häftlings am Sonntag gekommen, der aus dem Lager ausgebrochen war. Es soll sich um einen Kurden aus dem Iran handeln, der seit 2010 dort festgehalten wurde. Laut Augenzeugen war er außerhalb des Grenzzauns eine Klippe hinabgestürzt.

Riot-at-Australian-migration-detention-centre-after-death-of-inmaDas klassische Einwanderungsland Australien verfolgt neben Israel die härteste Flüchtlingspolitik aller entwickelten Staaten. Flüchtlinge, die es an Land schaffen, werden in Auffanglagern festgehalten, die das Land auch in Papua-Neuguinea oder im mikronesischen Nauru betreibt. Selbst bei Anerkennung als Flüchtling sollen sie nur dort – nicht aber in Australien – ein Aufenthaltsrecht erhalten.

Ihnen wird die Einreise verweigert, selbst wenn sie als Flüchtlinge anerkannt werden. Seit dem vergangenen Jahr werden in Australien ansässige Ausländer, die wegen einer Straftat verurteilt wurden, ähnlich behandelt. Neuseeland hat dagegen protestiert und darauf verwiesen, dass viele nach Jahrzehnten in Australien keine Verbindungen mehr zu ihrem Heimatland hätten.

In dem Lager auf der Weihnachtsinsel befinden sich laut Ian Rintoul von RAC neben den Schutzsuchenden und anerkannten Flüchtlingen auch viele Neuseeländer, die in Australien gegen Gesetze verstießen. „Doch nicht nur wegen der teilweise kriminellen Insassen ist die Situation im Lager eskaliert. Auch die Sicherheitsangestellten stehen im Ruf extrem gewalttätig zu sein, das macht es nicht einfacher, das Lager wieder zu übernehmen“, sagte er der „Welt“.


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