Bei Anruf doch kein Mord

von Hans Altmann

Die Fernstenliebe der deutschen Frau war lange vor der „Willkommenskultur“ ziemlich ausgeprägt. Denn schon in den 80ern war der deutsche Mann das Feindbild. Selbst, wenn er helfen musste…

„Ich mach dich platt, du Hund!. Morgen bist du weg.“

Ich steh an unserem alten Bakelit-Telefon im Flur unserer Wohngemeinschaft, meine Freundin, deren Freundin und ich (über uns war übrigens noch eine reine Frauen-WG, klingt trotzdem doller, als es war). Im Wohnzimmer Studentenparty Bier und Rauchwaren, die Stimmung am Siedepunkt.

Weil ich noch weiter einer lustigen Geschichte zuhörte, hatte ich das Telefon abgenommen, ohne mich zu melden, als ich mit Grabesstimme über mein baldiges Ableben informiert wurde.

Aber ich konnte nicht gemeint sein.

Also nehme ich das Telefon mit dem extralangen Kabel, gehe ein Stück ins Wohnzimmer und frage: „Telefon für Hund, soll morgen geschächtet werden. Fühlt sich da jemand angesprochen?“

Ich ahnte es schon. Meine Freundin bricht in Tränen aus.

Ich also wieder zum Telefon: „Hör mal, du dummes Stück. Wenn du Probleme hast, du weist ja, wo wir wohnen. Komm gleich. Sonst komm ich morgen. Denn in einer Minute weiß ich, wer du bist.“

Um es klar zu sagen, zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es sich um einen Afghanen am Telefon handelt. Das Deutsch des Telefonterroristen war einwandfrei.

Sie erzählte uns dann unter Tränen, dieser Afghane hatte im Studentenwohnheim, in dem meine Freundin vorher gelebt hatte, versucht sie zu vergewaltigen. Das sei dem schmächtigen Kerlchen zwar nicht gelungen, aber seit dem terrorisierte er, wenn angetrunken, gerne seine Opfer, denn meine Freundin war nicht die Einzige, wie sich raus stellte.

Später, als die Gäste gegangen waren, Stimmung natürlich im Eimer, die ganze Geschichte.

Ja den „Anrufer“ hätte sie im Wohnheim kennen gelernt, der wäre immer so nett und freundlich gewesen, da hätte sie ihn mal auf einen Wein in ihr Zimmer eingeladen. Er hätte ihr leid getan.

„Das war aber ziemlich blöde, man weiß doch, wie diese Typen ticken und das sie das als Aufforderung verstehen.“

„Du immer mit deinen Vorurteilen. Der war ja nicht strenggläubig, trank ja sogar Alkohol.“

Das Trinken bei diesen Zeitgenossen schon ein Kulturleistung ist, habe ich nie verstanden. Nach wie vielen Bestätigungen ein Vorurteil zum Urteil wird, weiß ich immer noch nicht.

Jedenfalls sei er dann mit Rotwein im Blut über sie hergefallen, ganz vorurteilsfrei versteht sich. Denn das westliche Frauen alles Huren sind, ist ja kein Vorurteil.

Sie konnte sich zur Wehr setzen, aber seit dem die Terroranrufe, wenn er einen auf hat. Und das setzte ihr zu.

„Warum hast du ihn nicht angezeigt?“

„Es ist ja nicht passiert. Er hat sich ja auch entschuldigt.“

„Entschuldigt er sich auch nach jedem Anruf?“

Kleinlautes Ja. Nüchtern sei er ein anderer Mensch und ganz lieb.

Mir war mittlerweile aufgefallen, dass es in den letzten Monaten reichlich Anrufe gegeben hatte, bei denen plötzlich aufgelegt wurde. Machte plötzlich Sinn. Auch dass meine Süße bei „falsche verbunden“ plötzlich so leicht paranoid guckte, verstand ich auf einmal.

„Wenn der hier dauernd anruft, warum sagst du mir nichts?“

„Weil ich wusste, das du dann Stress machst.“

„Das ist deine größte Sorge?“

„Wenn er abgeschoben wird, wer weiß was ihm dann passiert.“

„Also noch mal. Du wirst vergewaltigt und machst dir Sorgen, um deinen Vergewaltiger?“

„Deswegen hab ich es dir nicht erzählt. Die anderen Frauen haben es genau wie ich gemacht.“

Es wird immer besser, dachte ich. Er hatte also versucht in dem Wohnheim mehrere Frauen zu vergewaltigen, mindestens hat er sie aggressiv belästigt, und die Damenwelt war sich einig. Das kann kein Abschiebegrund sein. Auch das er sie nachts mit Morddrohungen belästigt. Man muß man doch einfach Verständnis haben.

Am nächsten Mittag bimmelt mich unser Telefon aus dem verdienten Studentenschlaf.

Mein „Freund“, der Afghane, ganz kleinlaut. Kriecherisch, wie immer wenn solche Typen Angst haben. Er möchte sich entschuldigen, wird nicht wieder vorkommen…

„Mein lieber Freund, ich habe meiner Ansprache von gestern nichts hinzuzufügen. Ich finde dich und dann Gnade dir Gott. Alles klar.“

Konnte er gar nicht verstehen. „Ich hab doch heute morgen schon mit Birgit gesprochen, die hat mir verziehen. Ich bin halt durchgedreht.“

Ich war noch nicht aufm Klo, hatte die Zähne noch nicht geputzt, von Kaffee will ich mal gar nicht reden, also ganz schlechter Zeitpunkt für so eine dumme Scheiße.

„Was, sie hat sich heute morgen mit dir getroffen.“

„Ja, die steht hier neben mir.“

„Gib sie mir mal.“

Ich brüll in den Hörer: „Hast du noch alle Latten am Zaun?“

„Ich will nicht, dass du etwas Unüberlegtes tust. Wir haben das hier besprochen. Für mich ist die Sache erledigt. Und ich will nicht, dass du dich da weiter einmischt.“

„Was ich mache, geht dich nichts an. Gib mir mal das Schwein.“

Hörerwechsel.

„Mein lieber Freund, in deiner Welt ist es ja egal, was Frauen sagen. In dem Fall ist das bei mir genau so. Sie kann dir verzeihen, wie sie will, ich verzeihe dir nicht. Und damit du nicht noch einmal durchdrehst, werde ich dir das persönlich erklären.“

„Aber, also…“

Ich hab aufgelegt.

Mit einem Freund haben wir ihn dann eine Weile gesucht. Im Wohnheim nicht zu finden, Foto hatte ich ja auch nicht, aber mein Kumpel hatte ihn schon mal gesehen. Er hatte auch in dem Wohnheim gelebt. Parallelwelten zum Untertauchen gab es damals noch nicht, auch konnte er keinen Familienclan aufbieten. Er war „alone, a long way from home.“

Als wir ihn in der Cafeteria der Uni dann aufscheuchten, hätte man ihn auch so gleich erkannt. Denn nur einer sprang auf wie ein panisches Rebhuhn und rannte los, als wären 1000 Teufel hinter ihm her.

Was für ein jämmerliches Kerlchen dachte ich, als wir ihn im Treppenhaus stellten. Kein Wunder, dass der noch nicht einmal Frauen überwältigen kann. Der zweite Schlag wäre Leichenschändung.

Wir klärten ihn auf, dass er Stadt und Uni so schnell wie möglich zu verlassen hat. Sollte uns noch etwas zu Ohren kommen…

Dann gab es noch ein paar körperliche Übungen zur Unterstützung des Denkvermögens. Damit er uns auch ernst nimmt.

Abends kommt meine Freundin in die WG. Leichenbittermiene. Mein Auftritt an der Uni… Ihre Freundinnen…

„Du, ist mir egal. Hier wird der sich genau überlegen, ob er es noch mal versucht. Die ganze Aktion wäre völlig unnötig gewesen, wenn du und deine Freundinnen ihn angezeigt hätten, wie ihr es bei jedem Deutschen sofort getan hättet. Ich habe es für die Frauen getan, die noch von ihm bedroht werden. Dir scheinen die ja völlig egal zu sein. Ohne deine Dummheit gäbe es die ganze Geschichte gar nicht.“

„Wenn der angeschoben wird, droht dem die Todesstrafe.“

„Das hat er dir erzählt, weil du doch kreuznaiv bist. Und wenn? Sympathy for the Rapist? Was kümmert dich das.“

Ich wäre ja immer schon ein Rassist gewesen. War mir zwar neu, aber die Trennung stand aus anderen Gründen eh im Raum. Das hat mich nur bestätigt. Ich verließ die Frau, die WG und die Stadt. Der Afghane verschwand auch, zumindest aus der Stadt.

Danke. Nie gehört.

Vor zwei Jahren hatte ich beruflich in der Gegend zu tun und meine Ex-Freundin, die ich seit der Schulzeit kenne, lebte immer noch dort.

Wir trafen uns in einem Cafe. Nachdem sie mir erst erzählen wollte, ihre roten 58-jährigen Haare, die als wir zur gemeinsam Schule gingen, noch dunkelblond waren, seien nicht gefärbt, kamen wir auch auf früher.

Ihre Erinnerung. Ich war ein rassistischer Gewaltmensch, der alles mit den Fäusten lösen wollte. Muss man nicht haben, oder? Ich hab mich hinterher gefragt, warum sie überhaupt gekommen ist.

Und leider ist die Dame kein Einzelfall. Ich habe mehrmals Frauen versteckt, die vor ihrem Moslem-Freund untertauchen mussten. Komischerweise war es immer ein Moslemfreund, aber das ist sicher eine Anhäufung von Einzelfällen.

Eine war so paranoid, dass sie nicht einmal bei mir bleiben wollte, weil der ja „Beziehungen zur PLO habe und wenn der ihr Telefonbuch findet, ja auch ganz schnell bei mir vor der Tür steht.“ Es war eine Stahltür, hinter der ein Baseballschläger stand…

Ich brachte sie bei einem Freund unter, weil sie wirklich völlig durchdrehte.

Am nächsten Tag ruft er mich an und erzählt mir, das sie die halbe Nacht auf seine Rechnung mit ihrem Palästinenser telefoniert hat.

„Schmeiß sie raus.“

Und das ist seitdem meine Haltung. Wer nicht hören kann, muss fühlen.

Das es nichts nützen wird, ist mir schon klar.

Da braucht man nur auf Seiten zu gehen wie 1001Geschichte.de, auf denen Frauen ihre traurigen Opfer-Geschichten zum Besten geben. Der Fachbegriff für „dumme Frauen abziehen“ ist übrigens Bezness.

Für mich traurig: Diese Seite gibt es „seit mehr als 14 Jahren“ und die Bezness-Geschichten sind alle gleich. Jeder hatte gewarnt, man wollte nicht hören, dann hätte er sie betrogen, geschlagen… Aber sie wollte es nicht einsehen… Aber jetzt schreibt sie hier, um andere Frauen…“

Da fragt man sich schon, wie das gehen soll. Sie haben ja unisono gerade selbst geschrieben, dass sie beratungsresistent sind und erst aufwachen, wenn das Geld weg und das Auge blau ist.“

Dabei hab ich gelernt, diese Dickfelligkeit hat einen Namen. AMIGA-Prinzip.

Aber Meiner Ist Ganz Anders.

Ich nenne es Dummheit.

Der Gassenhauer dieser Jahre war übrigens: „Neue Männer braucht das Land.“

Ist doch voll aufgegangen.

Zu dieser Geschichte sprach ich mit einem befreundeten Psychater. Frage: Was ist mit den Frauen los? Warum hängt denen jeder „Straftäter mit ausländischen Wurzeln“ so sehr am Herzen, während man sonst die Hardcore-Feministin gibt?

Die Suche nach dem Macho, kann man auch hier befriedigen. Längst nicht alle deutschen Männer sind Softies. Das ist doch ein Gerücht.

Er hatte dafür keine Erklärung zu bieten, warum unsere Mädels so ne Ethno-Klatsche haben.

Dann muss ich eben auf Charlie Sheen zurückgreifen und seinen ewigen Quell der Weisheit, die Serie „Two and a half man“:

„Frauen, ja die Frauen.

Sie sind wie ein Puzzle, bei dem immer ein Teil fehlt. Oder wie Bücher, die man nie zu Ende liest.

Vielleicht hat aber auch mein alter Vater Recht:

Die meisten sind wohl einfach bestusst.“


Quelle und Kommentare hier:
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