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Blutiger Sonntag in Katalonien zu erwarten

von O24

Katalonien: Die Konfrontation scheint unvermeidbar. Schwerbewaffnete Polizeieinheiten sollen am Sonntag alle 6300 Wahllokale schließen und Wahlurnen beschlagnahmen. Es ist kaum vorstellbar, dass die Befürworter des Referendums einfach so klein beigeben.

Da sich die Operation nicht wie beim G20 Gipfel auf eine überschaubare Lokalität erstreckt, müssen die Einheiten schon sehr sorgfältig planen, damit Proteste so eingedämmt werden, dass möglichst wenig Gewalt eingesetzt werden muss. Jede Eskalation wird Spaniens Regierung nicht gut dastehen lassen, doch es kommt letzten Endes darauf an, was die Presse daraus macht.

In deutschsprachigen Medien klingt manchmal verhalten so etwas wie Sympathie für die Katalanen durch, doch nur um anschließend kräftig auszuteilen. Hier ein Beispiel aus der Provinz:

„Ein einseitiges regionales Referendum, das gegen ein Verbot des spanischen Verfassungsgerichts durchgepeitscht wird, kann man nicht demokratisch nennen. Obgleich die katalanische Sezessionsregierung so tut, als ob in Spanien immer noch eine Diktatur herrsche, Katalonien unter einer spanischen Besatzungsmacht leide und die Katalanen deswegen das Recht zum Ungehorsam haben. Dies ist Propaganda.“  Neue Westfälische

Wenn es am Sonntag hart zur Sache geht und Spanien am Rand eines Bürgerkriegs steht, wird man in keinem EU-Land ein Benefizkonzert für die Opfer organisieren auf dem Gutmensch Bono von U2 „Sunday, bloody Sunday“ singt. Kritische Berichterstattung über angebliche Polizeigewalt erscheint nur dann in den Gazetten, wenn rotlackierte Gewalttäter ihre kriminelle Energie als Ideologie tarnen.

Aus Terroristen werden im Spiegel „Rote Flora Aktivisten“ und kriminelle bewaffnete Drogendealer in den USA zu Opfern von Rassismus gelabelt so sie denn schwarz sind und im Land der lockeren Colts erschossen werden wie jeder andere auch, der den meist schlecht ausgebildeten Polizisten über den Weg läuft und dabei eine falsche Bewegung macht.

Weiße, Chinesen oder Latinos kommen in der weltweiten „antirassistischen Presse“ nicht vor. Die Sympathie gilt meist den Zerstörern – Gruppierungen, die ihren Besitzstand wahren und Souveränität anstreben, finden nur Unterstützung, wenn es in die Agenda passt.

So wurden aus „nationalistischen“ Schotten nach dem Brexit plötzlich „wahre Europäer“ und die Schlächter der Rohingya zu armen verfolgten Muslimen. Die von ihnen hinterlassenen Massengräber spielen keine Rolle – oder handelte es sich dabei um einen aus dem „Recht zum Ungehorsam“ abgeleiteten Akt der Notwehr?

Im Netz sind neben Sympathisanten der Katalanen auch zahlreiche Gegner – und nicht nur menschliche – unterwegs. Nach jedem Katalonien-Artikel wurde unsere Seite von Bot-Kommentaren geflutet, die dank funktionierender Firewall sogleich abgewehrt wurden. Putin steckt sicher nicht dahinter, eher die spanischen Behörden. Das aber kann gar nicht sein, denn angeblich ist der Faschismus dort ja längst überwunden.

Damit trotz aller Verbote abgestimmt werden kann, hat sich Wikileaks auf die Seite der Katalanen geschlagen und hilft mit Spiegelservern aus.

Wie aber ein repräsentatives Ergebnis zustande kommen soll, wenn nicht sichergestellt ist, dass alle Bürger abstimmen können, ist fraglich. Das wissen die katalanischen Befürworter der Unabhängigkeit und auch sie werden daher auf die Macht der Bilder und Schlagzeilen setzen. Damit ließe sich die spanische Regierung eventuell dann doch noch zum Einlenken bewegen, so vielleicht die Hoffnung. Was die deutschsprachige Presse anbelangt, haben die Katalanen diese Schlacht bereits verloren.