CONIFA – die andere Fussballwelt

von Freeman

Komme gerade zurück von der Eröffnungsfeier der Weltfussballmeisterschaft am Samstagabend, um diesen Artikel zu schreiben. Jetzt werden sich viele Fussballexperten fragen, welche „WM“?

Wie ich hier aufgezeigt habe, gibt es noch eine andere und schöne Welt da draussen, eine die Euch von den Medien vorenthalten wird. Warum? Weil es diese Welt ausserhalb nach westlicher Politik offiziell gar nicht gibt. Die sogenannten seriösen Medien verdrehen nicht nur die Tatsachen, viel schlimmer, sie verschweigen auch viele Fakten. Über was sie nicht berichten, ist der eigentliche Skandal und darin besteht die Lüge. Eine „alternative“ WM des Fussballs ausserhalb der FIFA gibt es nicht, obwohl es sie in Form der CONIFA gibt.

CONIFAIch will hiermit die andere Welt zeigen. Es gibt nämlich die Gemeinschaft der nicht-anerkannter Staaten, die sich unabhängig erklärt haben, aber von der UNO und vom Westen nicht anerkannt werden. Sie sind nach der Drei-Elemente-Theorie aber tatsächlich legitime Staaten. Diese besagt, ein Staat ist dann einer, wenn es ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und eine Staatsgewalt hat. Diese Staaten werden aus strategischen und politischen Gründen nicht vom Westen anerkannt, obwohl sie laut Urteil des Internationalen Gerichtshofs von 2010 durch die einseitige Unabhängigkeitserklärung gegen keine Regeln des Völkerrechts verstossen haben.

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist eines der Grundrechte des Völkerrechts. Es besagt, dass ein Volk das Recht hat, frei über seinen politischen Status, seine Staats- und Regierungsform und seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu entscheiden. Dies schliesst seine Freiheit von Fremdherrschaft ein. Dieses Selbstbestimmungsrecht ermöglicht es einem Volk, eine Nation bzw. einen eigenen nationalen Staat zu bilden oder sich in freier Willensentscheidung einem anderen Staat anzuschliessen.

Der von Washington beherrschte Westen, oder wie ich es nenne, die amerikanische Besatzungszone, erkennt das Selbstbestimmungsrecht nur bedingt an, nur wenn es in die geopolitischen Strategie passt. Zum Beispiel, die Auflösung von Jugoslawien und Aufteilung in viele einzelne Kleinstaaten, was man Balkanisierung nennt, hat der Westen gefördert und diese neuen Staaten sofort anerkannt. Wie Slowenien, Bosnien, Kroatien, Montenergo, Mazdonien und Kosovo. Das gleiche hat der Westen nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht generell so gemacht.

Nur ein Teil der ehemaligen Sowjetrepubliken wurden vom Westen nach der Erklärung ihrer Selbständigkeit als Staaten anerkannt, wie Estland, Lettland und Litauen, sowie Aserbaidschan, Weissrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. Die anderen Teile der Sowjetunion, die sich auch unabhängig erklärten, wie Abchasien, Bergkarabach, Südossetien und Transnistrien, werden nicht anerkannt, obwohl sie de-facto Staaten sind. Den Westen kümmert das Selbstbestimmungsrecht nur dann, wenn es dem eigenen Interesse dient.

Hier ein Link zu der Liste der von den Vereinten Nationen nicht als selbstständige Staaten anerkannten Gebiete. Dazu gibt es noch die UNPO, eine Organisation der nicht-repräsentierten Nationen und Völker. In diesen selbständigen Staaten wird natürlich Sport betrieben, aber sie werden genau wie sie politisch nicht existieren, auch sportlich von den internationalen Verbänden als nicht existent behandelt und boykottiert. Wie vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), oder vom Weltleichtathletikverband (IAAF), oder vom Weltfussballverband (FIFA).

Damit sind wir beim Fussball angelangt und bei CONIFA, die Abkürzung für Confederation of Independent Football Associations, oder auf Deutsch, Konföderation der unabhängigen Fussballverbände, die ihre Weltfussballmeisterschaft ab Sonntag austragen und am Samstag war die Eröffnungsfeier, in der Hauptstadt der Republik Abchasien, in Suchum, bei der ich anwesend war und davon berichten werde.

ConfiaTeilnehmerFolgende 12 Teilnehmer an der WM haben sich qualifiziert: Abchasien, Autonome Region Kurdistan, Türkische Republik Nordzypern, Punjab, Padanien, Sápmi, Chagos-Inseln, Szeklerland, Somaliland, Westarmenien, Vereinigte Koreaner in Japan und Raetia. Insgesamt werden 28 Spiele ausgetragen und am 5. Juni ist Endspiel. Siehe weitere Spieldaten hier.

Wie in diesem Link zu lesen, wurde die CONIFA 2013 gegründet, hat insgesamt 35 Mitglieder, Präsident ist Per-Anders Blind und Generalsekretär ist Sascha Düerkop. Das CONIFA-Team arbeitet ehrenamtlich, wie auch die 15 Schiedsrichter, welche die Spiele leiten werden. Ausgetragen wird das Turnier an zwei Spielorten, in Suchum und in Gagra.

SuchumStadionIn einem aktuellen interview hat Sascha Düerkop gesagt:

Die FIFA hinterlässt weisse Flecken auf der Weltkarte. Viele Nationen sind nicht Teil der Welt, zumindest fussballerisch nicht. Es gibt im Sport generell kaum Bemühungen, Minderheiten oder vergessene Regionen einzubinden.

FAR-LOGOAls „Schweizer“ Team spielt die Fussballauswahl Raetia im Turnier, der Name der ehemaligen römischen Provinz Raetia. Es handelt sich um Fussballspieler aus dem Kanton Graubünden, welche die rätoromanische Sprache sprechen.

Das neue Fussballstadion von Suchum liegt mitten in der Stadt, fasst ca. 10’000 Besucher und die Eintrittskarten für die Eröffnungsfeier waren schon Tage vorher ausverkauft, so gross war das Interesse in der einheimischen Bevölkerung. Ich konnte beobachten, wie anreiste Fussballfans aus Europa vergeblich versuchten an der Stadionkasse Tickets für den Abend zu bekommen. Fand ich schade. Es hat sowieso ausgesehen, wie wenn mehr Tickets verkauft wurden als Leute Platz hatten. Die Menschen konnten gar nicht alle auf den Sitzen untergebracht werden, mussten auf den Aufgangsstufen und vor der Absperrung zum Platz stehen.

Die Polizei war mit grossem Aufgebot anwesend und die Strassen rund um das Stadion waren für den Autoverkehr gesperrt, denn dieses „Jahrhundertereignis“ mit der Austragung eines internationalen Fussballturniers in Abchasien, macht die Sicherheitsbeauftragen offensichtlich ziemlich nervös. So eine grosse Veranstaltung hat es noch nie im Land gegeben, mit internationalen Mannschaften und Besucher. Die Beamten und Beamtinnen waren wohl streng bei der Kontrolle, aber freundlich und ich konnte mehr oder weniger ungestört meine journalistische Arbeit verrichten.

Um 21:00 Uhr sollte die Eröffnungsfeier beginnen, aber es wurde einiges später, bis die Darbietungen der lokalen Folklore mit Lichtshow, Musik, Gesang und Tänze auf dem Spielfeld begann. Es wurde ein Potpourri an typischer abchasischer Kultur präsentiert, die über 90 Minuten ablief. So eine grosse Show in dieser Kulisse haben die Abchasier noch nie gesehen und sie waren begeistert. Anschliessend hielt CONIFA-Präsident Per-Anders Blind auf Englisch seine Eröffnungsrede, die ins Russische übersetzt wurde.

Blind1Er erklärte, wie wichtig es sei, den nicht anerkannten Staaten eine Möglichkeit zu geben, ihren geliebten Fussball im Wettbewerb mit anderen austragen zu können. Dann lobte er die lokalen Organisatoren, den abchasischen Fussballverband, für die gelungenen Vorbereitungsarbeiten und wünschte den Abchasiern und allen Besuchern aus der Ferne schöne Spiele und ein erfolgreiches Turnier. Der Präsident der Republik Abchasiens, Raul Khajimba, sagte auch einige Worte und bedankte sich bei CONIFA-Präsident Per-Anders Blind für die Entscheidung, Abchasien als Austragungsort der WM gewählt zu haben.

Hier einige Aufnahmen der Mannschaften, wie sie sich im Stadion präsentierten:

DSC00458 DSC00462 DSC00465 DSC00466 DSC00467 Mannschaften1 Mannschaften2 Mannschaften3

Fortsetzung folgt …


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