Dänische Nachkriegsverbrechen – Wie deutsche Soldaten systematisch beim Minensuchen verheizt und Kinder zu Tausenden totgehungert werden

Von Zeitzeuge

Nicht nur in der Sowjetunion, in Jugoslawien oder in Frankreich waren kriegsgefangene Deutsche nach dem 8. Mai 1945 vielfach schlimmsten Unterdrückungen ausgesetzt, sondern auch bei den angeblich „liberalen Dänen“.

Systematisch, konnte vor einigen Jahren ein dänischer Zeithistoriker enthüllen, wurden deutsche Gefangene nach Kriegsende von ihren dänischen Bewachern beim Minenräumen verheizt.

Das Kriegsverbrechen, das der Jurist und Historiker Helge Hagemann in seinem Buch „Under Tvang“ („Unter Zwang“) enthüllte, wurde von der sogenannten „dänischen Brigade“ begangen, einer Einheit dänischer Freiwilliger, die während des Krieges in Schweden ausgebildet worden waren. Nach Kriegsende griff sie auf die noch im Lande befindlichen gefangenen Wehrmachtsoldaten zurück und ließ sie –übrigens mit ausdrücklicher Billigung des britischen Militärs, das auch deutsche Gefangene beim Minenräumen in der Nordsee einsetzte – entlang der gesamten dänischen Küste Minen räumen.

Gefangene deutsche Soldaten marschieren in Kettenformation die Minenfelder an der dänischen Küste ab. Trotz ihrer mißlichen Lage, lächelt mancher freundlich in die Kamera.

Von 1942 an hatte die Wehrmacht Dänemark in die Planungen für den „Atlantikwall“ einbezogen. Im Zuge der Arbeiten waren zum Schutz gegen eine etwaige alliierte Landung rund 1,5 Millionen Landminen verlegt worden. Ansonsten gehörte das kleine Königreich zu jenen Ländern in Europa, die vom Krieg so gut wie verschont blieben – keine alliierten Bombardements, kein Hunger. Die Bevölkerung stellte sich mit den Deutschen gut. Nach dem 8. Mai 1945 mußten die in Dänemark gefangenen deutschen Landser für die stillschweigende Kollaboration der Dänen büßen. Die dänische Legion „kannte kein Erbarmen: Ungenügend instruiert, ließ sie Wehrmachtangehörige teils mit bloßen Händen nach Minen graben oder trieb sie in Kettenformation durch minenverseuchtes Gelände. Fast täglich gab es tödliche Detonationen.

Zurecht beschämt: Buchautor Helge Hagemann

Organisiert wurden die verbrecherischen Räumeinsätze von Poul Christian Florian-Larsen Hagemann, einem Major der „dänischen Brigade“. Er war der Vater von Buchautor Hagemann.

Dieser gesteht heute:

„Mein Vater war ein Kriegsverbrecher. Ich schäme mich für ihn.“

Hagemann sieht sich seit der Veröffentlichung seiner Studie dem Haß vieler Landsleute gegenüber, die ihn für einen „Nestbeschmutzer“ halten. Aber Hagemann bleibt dabei:

„Wir müssen uns zu diesem schrecklichen Abschnitt unserer Geschichte bekennen.“

Dem damaligen Haß einiger Dänen auf Deutsche fielen im übrigen nicht nur gefangene Wehrmachtsoldaten beim Minenräumen zum Opfer, sondern auch Tausende deutscher Flüchtlinge, die es in den Wirren des Kriegsendes – meist auf der Flucht aus dem Osten – nach Dänemark geschafft hatten. Als die Waffen endlich schwiegen, mußten sie schnell erkennen, daß sie auch in Dänemark nicht etwa „befreit“, sondern auf schlimmste Weise drangsaliert wurden.

In Zahlen: Rund 250.000 deutsche Flüchtlinge wurden nach dem 8. Mai 1945 in dem kleinen skandinavischen Land unter meist menschenunwürdigen Umständen interniert. Unter ihnen befanden sich mindestens 10.000 Kinder. Rund 7000 von ihnen starben in den folgenden Jahren, weil ihnen von den dänischen Behörden systematisch Nahrung und medizinische Versorgung vorenthalten wurden.

Minensuchen mit bloßen Händen

Tapfer durch die Angst: Mit bloßen Händen werden die Minen geräumt.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht vom Mai 1945 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa hätten die deutschen Kriegsgefangenen eigentlich in die Heimat entlassen werden müssen.

Doch viele wurden noch jahrelang in den Gewahrsamsländern zurückgehalten, mußten Zwangsarbeit leisten oder wurden gar zu Himmelfahrtskommandos eingesetzt. Zu letzteren gehörte der Einsatz deutscher Kriegsgefangener zum Minenräumen in den dänischen Dünen.

Zu diesem düsteren Kapitel ist im Herbst 1998 das Buch „Under Tvang“ („Unter Zwang“) des dänischen Juristen und Historikers Helge Hagemann erschienen. In Deutschland berichtete das Magazin Focus darüber. Nach Hagemanns zehnjährigen Nachforschungen kamen mindestens 250 gefangene deutsche Soldaten beim Minenräumen in Dänemark nach Kriegsende ums Leben, etwa ebensoviele wurden dabei schwer verletzt. Es handelte sich nach seinem Urteil dabei um ein Kriegsverbrechen.

Im Zuge des Baus des Atlantikwalls gegen eine westalliierte Invasion hatte die deutsche Besatzungsmacht 1942 rund 1,5 Millionen Landminenanden dänischen Küsten verlegt.

„Sollen die Deutschen ihre Minen selbst wegräumen“,

hatte die führende dänische Tageszeitung Politikern nach der Niederlage der Deutschen gefordert.

In diesem Geist hatte die sogenannte „dänische Brigade“, eine während des Zweiten Weltkrieges im unbesetzten Schweden ausgebildete dänische Einheit, unter Leitung von Major Poul Christian Florian-Larsen Hagemann, dem Vater des Buchautors, deutsche Gefangene nach Kriegsende zum Zwangseinsatz an der gesamten Westküste Jütlands zwischen Kap Skagen im Norden und der Insel Romo im Süden verpflichtet, obwohl die Genfer Konvention eindeutig bestimmt, daß Kriegsgefangene nicht zu lebensgefährlichen Arbeiten herangezogen werden dürfen. Hagemanns Urteil darüber:

„Dänemark hat sich eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht.“

„Mit Billigung der britischen „Befreier“ schickten die Dänen Wehrmachtsoldaten in die Minenfelder. Ungenügend instruiert, mußten sie nach den Sprengsätzen graben. Die Dänen schreckten nicht zurück, die Kriegsgefangenen in Kettenformationen durch lebensgefährliche Terrains schreiten zulassen, Folge: fast täglich tödliche Detonationen.“

„Die Deutschen sammelten danach herumliegende Arme und Beine ein. Die Leichen steckten sie in Säcke und brachten sie zum nächsten Friedhof“,

berichtete ein früherer dänischer Bewacher und Zeitzeuge im Herbst im Fernsehen.

Mit bloßen Händen mußten die Minen im Dünensand aufgespürt und unschädlich gemacht werden. In den frühen Morgenstunden des 22. Juli 1945 explodierten 480 untereinander vernetzte Minen auf einmal. Fünf deutsche Soldaten waren sofort tot, zwei weitere starben an den erlittenen Verletzungen.

„Das waren die schrecklichsten Wochen meines Lebens“,

erklärte der noch lebende Walter R. Rielitz. Der Theologe war während des Krieges Adjutant von General Hermann von Hanneken gewesen, dem Wehrmachtbefehlshaber in Dänemark, und wurde von den deutschen Kriegsgefangenen zum Vertrauensmann gewählt. Er erlebte täglich die Angst der in die Minen gejagten Deutschen vor den Einsätzen:

„Die jungen Soldaten wußten morgens nicht, ob sie abends heil in ihre Baracken zurückkehren.“

Weil er auf den Friedhöfen die Grabreden für die umgekommenen Männer halten mußte, hatte er das Glück, nicht selbst nach Minen suchen zu müssen.


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