Das Ende der deutschen Sprache

Von Ulrich Abramowski

Manchmal sind es eher banale Anlasse, die mich dazu bringen, einen Text zu verfassen.

Heute war es eine Mitteilung der Lidl Handelskette und der Deutschen Bahn, die zusammen im nächsten Jahr einen Fahrradverleih an einigen Bahnhöfen starten wollen. Dieser Fahrradverleih wird unter dem Begriff „Call-A-Bike“ vermarktet werden. In der gleichen Nachricht war von einem weiteren Unternehmen die Rede, dass in Leipzig ebenfalls einen Fahrradverleih aufmachen möchte – mit dem Namen „Next Bike“.

Ist unsere Sprache zwischenzeitlich so arm an Ausdrücken geworden, dass wir auf englische Begriffe zurückgreifen müssen? Wohl kaum, aber ich muss selber auch zugeben, dass „Call-A-Bike“ sich irgendwie moderner, frischer, internationaler anhört als das vielleicht biedere, deutsche „Fahrradverleih“. Natürlich steckt nichts anderes dahinter, als das schon vor Jahren durch die Deutsche Bahn aufgegebene System des „Fahrrad am Bahnhof“, dass seinerzeit nicht mehr zum gewollt, aber nicht gekonnt modernem Image der Bahn passte.

Sprachen sind nicht statisch. Sie entwickeln sich jeden Tag weiter, verändern sich laufend. Motor der Veränderung ist der technische Wandel, der neue Worte einfach erzwingt.

Schon immer sind dabei Begriffe aus fremden Sprachen in die eigene eingeflossen. Viele Begriffe, die in unserem täglichen Sprachgebrauch enthalten sind, sind sogenannte Fremdworte, die wir ohne Gedanken an ihren Ursprung verwenden. Die Anzahl dieser Begriffe ist schier endlos. Fremde Worte in der eigenen Sprache stellen aber nichts ungewöhnliches oder bedrohliches dar, auch wenn man im Dritten Reich da anderer Meinung war und manche Begriffe auf Krampf „eindeutschte“.

Aus Portemonnaie wurde Geldbörse, aus Trottoir Bürgersteig und auch der Bahnsteig hieß früher einmal Perron. Manche Begriffe wurden zwar beibehalten, wurden aber in der Schreibweise pseudo-germanisiert, so wie der Friseur, der zum Frisör wurde.

In der letzten Zeit verändert sich aber unsere Sprache nicht nur durch die technische Entwicklung. Immer mehr Anglizismen verdrängen uns vertraute Worte und machen die deutsche Sprache zu einem fast babylonischen Gewirr von Worten unterschiedlichen Ursprungs, ohne jeden Sinn und Verstand.

  • Schon längst gibt es in deutschen Unternehmen keine Sitzungen mehr, sondern werden Meetings abgehalten.
  • Fahrkarten wurden durch Tickets abgelöst, die man nicht mehr am Fahrkartenschalter kauft, sondern am Ticket-Counter.
  • Da ist die Ablösung der Auskunft durch Information noch harmlos, aber die muss man ja am Information-Desk abholen.
  • Schon längst feiern wir nicht mehr, sondern machen Party, zu der wir uns nicht mehr verabreden, sondern ein Date vereinbaren.

In unserem Berufsleben hat die englische Sprache ebenfalls mit Vehemenz Einzug gehalten. Altehrwürdige Berufsbezeichnungen wurden durch englische Begriffe abgelöst.

  • Abteilungsleiter gibt es kaum noch, dafür aber umso mehr „Manager“.
  • Wer den Beruf des Hausmeisters ausübt, hat ihn nur verschämt genannt. Heute ist der Hausmeister ein Facility Manager, aber er darf trotzdem die Mülltonnen zur Straße rollen und den Hof fegen.

Auch unsere Behörden spielen munter mit.

  • Aus dem früheren Arbeitsamt sind Job­Center geworden, ohne dass sich durch die Umbenennung deren Wirksamkeit in der Vermittlung von Stellen verbessert hätte.

Aber es geht noch viel besser.

In unserer Wut, unsere Sprache zu zerstören haben wir Begriff in unsere Sprache gebracht, die englisch klingen, aber in keinem englischsprachigen Land bekannt sind oder begriffsgleich dort verwendet werden. Die Hitliste dieser Unsinnigkeiten führt das Wort Handy an, mit dem wir ein Mobiltelefon bezeichnen.

Die Begriffe „Talkmaster“ oder „Showmaster“ sind im englischen Sprachraum gänzlich unbekannt, dort verwendet man den schlichten Begriff “Host“, was Gastgeber bedeutet.

Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 tauchte dann ein Begriff auf, der jedem Briten ein breites Grinsen abnötigt, „Public Viewing“. Damit bezeichnet man hier das gemeinschaftliche Anschauen von Fernseh-Übertragungen von Sportveranstaltungen im Freien. Im Vereinten Königreich versteht man allerdings unter Public Viewing das öffentliche Aufbahren von Verstorbenen.

Mich verblüfft immer wieder, wie sorglos wir mit unserer Sprache, die einmal die Sprache der Dichter und Denker war, umgehen. Als ob es selbstverständlich wäre, lassen wir die Zerstörung zu, ja treiben sie selbst voran, ohne uns der Gefahr bewusst zu sein, die darin liegt.

Die eigene Sprache ist das wichtigste Element der Kultur und der Identität eines Volkes. Wer die Sprache eines Volkes durch die Überflutung mit fremden Begriffen aufweicht, zerstört seine Kultur und Identität.

Vielleicht ist das ja gerade so gewollt, denn die gemeinsame Sprache war das Band, das Deutschland erst zusammengeführt hat! Einst stellte der Dichter Ernst Moritz Arndt in den Anfängen des 19. Jahrhundert die Frage

„Was ist des Deutschen Vaterland?“

In seinem Gedicht kommt er zu dem Schluss

„So weit die deutsche Zunge klingt…“

Vielleicht wäre es besser, wir würden uns endlich unserer eigenen Kultur und Identität erinnern und wieder Deutsch sprechen, anstatt dieses unerträgliche Kauderwelsch, das uns von den amerikanischen Besatzern verordnet und im vorauseilendem Gehorsam durch uns selbst zur Kultur erklärt wurde, weiterhin kritiklos zu verwenden.

Vergessen wir nicht, dass die Amerikaner das einzige Volk der Erde ist, dass die Entwicklung aus der Primitivität in die Dekadenz ohne den Umweg über die Kultur gemacht hat!


Muttersprache Denglisch


Quelle und Kommentare hier:
Print Friendly, PDF & Email

Das könnte Dich auch interessieren: