Das hier ist ein freies Land!

von thomas

Einmal im Jahr findet in der Bodensee-Stadt Lindau ein Stadtfest statt und das schon seit 34 Jahren. Da könnte man fast meinen, die Lindauer hätten sich schon daran gewöhnt, dass es an diesem Tag und in dieser Nacht etwas ausgelassener zugeht.

Doch irgendeinem Anwohner war das Feiern bis vier Uhr in der Früh einfach zu viel, weswegen er/sie die Polizei rief, weil sich ein paar Feierer in den Gassen Lindaus herumtummelten, in der Nähe der Bar Symposium. Just in dem Moment, bekam thomas Lust auf eine Zigarette – eine teure Zigarette, wie sich später noch herausstellen sollte.

Die Ruhestörer waren gerade frisch vertrieben, da fiel den Polizisten thomas auf, der es sich, schon etwas angetrunken – das hat eine Bar so an sich, dass man dort was trinkt – vor der Bar gemütlich machte, um dort ganz entspannt eine zu rauchen.

Falsche Zeit, falscher Ort, um eine zu rauchen, dachten sich die Personen in Polizeiuniform und forderten thomas auf, seine Zigarette woanders zu rauchen oder wieder in die Bar zu gehen. Warum auch immer – das bleibt ein Geheimnis.

Da könnte ja jeder kommen

Thomas fand das gar nicht lustig, zumal er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Er wollte nur seine Zigarette in Ruhe rauchen, was ja in der Bar verboten ist. Da hätte man ihn rausgeschmissen, draußen wollte man ihn wieder reinschmeißen – ja, was denn jetzt?

Und da er keinen Grund sah, sich von seinem auserwählten Raucherplatz zu bewegen, sagte er den Personen in Polizeiuniform, dass dies ein freies Land sei und er hier machen könne, was er will. Falsche Aussage!

Offensichtlich sahen die Personen in Polizeiuniform das völlig anders, denn sie ließen nicht ab von ihrer Forderung, er solle sofort den Platz auf dem er stehe verlassen. Warum auch immer – das bleibt weiterhin ein Geheimnis. Dann muss sich thomas doch echt gefragt haben: Wer sind die eigentlich? Sind das wirklich Polizisten? Man hört und liest ja so viel. Und so kam es, dass er genau DIE Frage stellte, die in der Regel jede Menge Ärger mit sich zieht: „Können sie sich überhaupt ausweisen?“ Ups… falsche Frage!!!

Obwohl dies eine berechtigte Frage ist – so in der Früh, um vier Uhr, in den Gassen vor einer Bar. Zumindest die Kriminalinspektion in Idar-Oberstein empfiehlt

„…sich durch Polizeibeamte gegebenenfalls Dienstausweise vorlegen zu lassen und im Verdachtsfall über den Notruf 110 umgehend die örtlich zuständige Polizeidienststelle in Kenntnis zu setzen.“ (Quelle: Falsche Polizisten unterwegs)

Noch bevor thomas diesem Aufruf folge leisten, telefonieren und Hilfe ordern konnte, drehten die Personen in Polizeiuniform einfach den Spieß um und forderten von ihm, dass er sich ausweise – was er nicht tat. Die Tatsache, dass diese Personen eine Polizeiuniform trugen, war für ihn kein Beweis, dass es sich dabei um „echte“ Polizisten handele. Man hört und liest ja so viel. Außerdem, so meinte er noch, könne man sich solch eine Uniform auch in Polen auf dem Flohmarkt besorgen und auch Autos könne man umlackieren – alles kein Problem. Falsche Vermutung!

Üblicher Polizeigriff ist keine Gewalt als solches

Nein, der Polizeigriff hat nichts mit brachialer Gewalt zu tun, sondern ist nur ein Mittel zum Zweck, um freche betrunkene Aufmüpfige zum Schweigen zu bringen, die behaupten, man lebe hier in einem freien Land und nach dem Ausweis fragen.

So zumindest rechtfertigte einer der anscheinend doch „echten“ Polizisten später vor Gericht die Schürfwunden und Rippenfraktur sowie die Verletzungen an Halswirbelsäule und Schulter. Man habe ihn zu Boden bringen müssen. Wie sonst bekommt man einen betrunkenen Raucher dazu, endlich seine Klappe zu halten und zu tun, was man von ihm verlangt? Das mit dem freien Land hat er sicherlich irgendwo mal, wahrscheinlich völlig aus dem Kontext gezogen, aufgeschnappt.

Am Ende sah es so aus, dass sie thomas freundlich gebeten haben, sich doch in Handschellen legen zu lassen… nein, so war das natürlich nicht. Eigentlich haben sie ihn gegen seinen Willen in Handschellen gelegt und er hat sich – welch Überraschung – auch noch gewehrt. Er steht wohl nicht auf Fesselspiele!

Trari, trara, die Reichsbürger sind da

Und so kam es, dass thomas einen Strafbefehl erhielt, wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Den hat er natürlich reumütig akzeptiert und sofort bezahlt… nein, so war das natürlich nicht. Irgendwie fand er es nämlich ziemlich doof, dass man ihm den Arm verdreht, die Rippen gebrochen und ihn wie einen Kriminellen behandelt hat und er jetzt dafür auch noch bezahlen soll.

Also schrieb er dem Richter, dass er das Ganze mal wirklich als ziemlich ungerecht empfindet. Doch die Art und Weise, wie er das dem Richter schrieb, ließ den super gut geschulten Behördenapparat darauf schließen, dass er der „Reichsbürger-Bewegung“ angehöre. Falsche Wortwahl!

Eigentlich ist es inzwischen egal, wie man sich gegen einen Strafbefehl wehrt. Alleine die Tatsache DASS man sich wehrt, lässt schon vermuten, dass hier ein Querulant am Werke ist. Außer, man hat einen teuren Anwalt, der die richtigen Worte findet. Dann wird man wenigstens nicht in die Reichsbürger-Ecke gestellt.

Und so kam es zu einer Verhandlung, zu der thomas einige Freunde einlud – darf man doch machen, ist doch schließlich öffentlich gewesen. Zu dieser Verhandlung kamen dann auch noch andere Unbeteiligte. Die stellten sich ganz frech vor die Saaltüre und verlangten von jedem „Besucher“ einen Ausweis!!! Ja, da schau her… in Polen verkaufen sie auch Uniformen mit „Justiz“ drauf?

Wer ihn nicht zeigte, durfte nicht rein, in die öffentliche Verhandlung, in einem freien Land. Das mit dem freien Land muss thomas echt nochmal überdenken. Und so zeigte jeder seinen von der Bundesrepublik Deutschland ausgestellten Personalausweis vor. Da könnte man doch fast denken, die würden alle die BRD als Staat anerkennen – oder? Denn kein Einziger zeigte einen „Reichsbürger-Ausweis“ (so was gibt es ja auch gar nicht). Egal, in der Hinsicht sollte man nicht so kleinlich sein. Reichsbürger sind alle die, die… ja, wer denn jetzt eigentlich??? Na, alle halt!!!

Nachdem thomas dann zu 15 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt wurde (vorher 30 TS à 40 €), nahmen sie  dann noch – als Bonus sozusagen – einen der Zuschauer mit. Das „Schaf im Wolfspelz“ zeigte nämlich nur seinen amtlich ausgestellten Geburtsschein vor. Das war einfach zu viel, für das indoktrinierte Polizeigehirn – trigger, trigger… Reichsbürger… klink, klink…

Und so nahmen sie ihn in Gewahrsam, zur Polizeifiliale Lindau, wo er dann quasi eine kostenlose Schulung über das Ausweisgesetz (übrigens ein BRD-Gesetz) abhielt. Eigentlich sollte er viel früher wieder raus dürfen, doch das Thema muss so spannend gewesen sein, dass sie einfach noch mehr hören wollten. Ist doch schlimm, mit dieser Reichsbürger-Seuche – voll ansteckend!!!

Das Mücke-Elefanten-Prinzip

Seht Ihr einen Menschen irgendwo im Dunkeln rauchen, dann provoziert ihn, in dem ihr seine Freiheit einschränkt, prügelt ihn arztreif, legt ihn in Handschellen und zerrt ihn anschließend vor Gericht. wo er dann mit Sicherheit – also nicht höchstwahrscheinlich – zu einer Geldstrafe verdonnert wird.

So habt Ihr im Nullkomma aus Nix mal eben mindestens 150 Euro gemacht. Kein schlechter Deal. Blöd nur, wenn der in-einem-freien-Land-Denkende arbeitslos ist. Aber wie heißt es so schön:

„Besser den Spatz in Handschellen anstatt die schelmisch lachende Krähe auf dem Dach!“

Und das alles nur wegen einer Zigarette!!!

(Naja, es heißt ja immer: Zigaretten sind schädlich!!!)

Ach so, hier noch der passende Presseartikel dazu – damit ja das Limit an Reichsbürger-Artikeln in der Mainstream-Presse pro Woche erreicht wird.

http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Amtsgericht-wird-zur-Buehne-fuer-Reichsbuerger-_arid,10577383_toid,441.html


Quelle und Kommentare hier:
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