Der nächste bizarre Rätselfall

Mit dem Skandal um den Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als Asylbewerber ausgegeben hat, und nach seiner angeblichen Todesliste Joachim Gauck und Heiko Maas umbringen wollte, wird im Mysterienbuch dieser Bunten Republik Deutschland ein weiteres ominöses Kapitel aufgeschlagen.

Wie zuvor in den Fällen der „NSU-Morde“, des Terroranschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt oder im Fall des Bombenanschlags auf den BVB-Bus gibt es auch um die Geschichte des Oberleutnants vielfältige Ungereihmtheiten, die keinen Sinn erkennen lassen.

Angeblich soll Franco A. geplant haben, einen Anschlag unter falscher Flagge zu verüben, um syrische Kriegsflüchtlinge in Verruf zu bringen. Dazu habe er sich die falsche Identität eines syrischen Flüchtlings zugelegt. Seine Zielpersonen sollen die erwähnten Maas und Gauck gewesen sein. Eine solche Schwachsinnsstory kann jeder Klippschüler in der Luft zerreißen.

  1. Der 28-jährige Franko A. war im Jägerbataillon 291 im französischen Illkirchim nach Straßbourg stationiert, als er sich bei einer Erstaufnahmeeinrichtung in Hessen als Flüchtling aus Syrien registrieren läßt. Anfang 2016 wird er der bayerischen Erstaufnahmestelle Zirndorf zugewiesen. Von dort ging es nach Erding, wo er in der dortigen Flüchtlingsunterkunft auch seine Post abholte. Bei dieser Darstellung ergibt sich vor allen Dingen diese Frage:
    Wieviel Diensturlaub hat ein aktiver Soldat, um eine solche Flüchtlingsagenda durchzuziehen?
  2. Wenn der Oberleutnant mit einem Attentat auf eine hochrangige politische Persönlichkeit den Hass auf Syrer lenken wollte, dürfte sein Konterfei anschließend niemals in der Presse auftauchen, sonst wäre seine „Ich-bin-Syrer-Story“ auf der Stelle geplatzt. Niemand im Jägerbatallion 921 hätte ihm diesen Unsinn abgenommen.
  3. Kein Oberleutnant kommt wohl auf die Idee, die Zielpersonen seines Terrorplans auf einem Zettel zu notieren und diesen bei sich zu tragen.
  4. Ebenso dumm ist es, die vorbereitete Tatwaffe in einer Toilette des Flughafens Wien-Schwechat zu deponieren. Kein Autor wird nicht mal in seinem Erstlingskrimi seinem Bösewicht diese Dummheit unterstellen; zu groß ist die Gefahr, daß ein solches corpus delicti  entdeckt wird und zur Falle für den Mordbrenner werden könnte. (was Franko A. dann ja passiert ist.)
  5. Und dann haben die österreichischen Behörden den Mann wieder laufen lassen, nachdem seine Personalien festgestellt wurden. Allerdings hat man die deutschen Kollegen über den Fall informiert und die gingen sofort von einem Terrorverdachtsfall aus.

Um das rätselhafte Strickmuster dieser Story irgendwie plausibel in das rechtsradikale Umfeld einzupassen, hat die Verteidigungsministerin nebulös von möglicherweise weiteren rechtsradikalen Problemen in ihrer Truppe gesprochen, sowie „Haltungsprobleme“ und „Führungsschwäche“ kritisiert.  Die Empörung folgt prompt. Jetzt rudert von der Leyen zurück und macht den Vorgang damit noch mysteriöser.

Auf jeden Fall aber scheint auch dieser Vorgang so geheimnisvoll, schwerwiegend und beunruhigend zu sein, daß der Bevölkerung nicht die ganze Wahrheit erzählt werden darf. Ein Schelm, wer dabei nicht erkennt, daß mit solcher Geheimniskrämerei bei einem Teil der Deutschen die Angst vor der rechten Gefahr wieder auf Skala 10 hochgeschraubt wird, der andere Teil wird eher den Kopf schütteln und sich fragen,

‚bin ich beschränkt oder die anderen?‘


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