Der rote Faden – Teil 6: Prinzip der Geschichte

von Alexander Berg

In der Schule wird Geschichte für gewöhnlich als Ansammlung von Zahlen, Fakten und Akteuren vermittelt – nicht selten der Hinweis auf so manchen Akteur, der sich durch ein „besonderes Verhalten“ hervorgetan hat – einschließlich der Saurier, die dann irgendwann mal „unter die Räder gekommen“ sind.

Sicher mag sie für den einen oder anderen auch mehr sein – für andere wiederum vielleicht von gar keinem Interesse.

Es heißt immer „die“ Geschichte, sinniger wäre jedoch „das“ Geschichte – besser noch: „das Geschichtete“ zu sagen. Und wie jeder weiß, wird Geschichte von „Siegern“ diktiert, bzw. geschrieben, nicht selten auch erfunden. Ab einem gewissen Betrachtungspunkt spielt das aber keine Geige mehr, wenn man sich dazu entschließt, das dahinter wirkende Prinzip zu ergründen.

Geschichtsdarstellungen beziehen sich in der Regel auf im Außen sichtbare vernetzte, in sich kaskadierende und gelegentlich eskalierdende Sachverhalte, wie bspw. ein recht kurzer Ausschnitt auf Arte die eigentlichen Ursachen des ersten WKs darstellt oder anhand aufwendig recherchierter Zusammenhänge, die zum zweiten WK führten, wie sie bspw. aus den Ausführungen von Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof hervorgehen.

Ich bin inhaltlich kein Geschichtsexperte oder war bei der Bundeswehr (die hatten mich vergessen).

Dennoch könnte sich der involvierte Deutsche auf diesen Erkenntnissen ausruhen und schon mal mit dem Zeigefinger in die gewünschte Richtung bringen, wenn ihm dabei das Prinzip, warum(!) sich Geschichte grundsätzlich wiederholt, weiterhin nicht interessieren mag.

Diese Frage hat sich mir vor einiger Zeit gestellt, warum sich Geschichte stets wiederholt. Es herrscht offensichtlich ein Prinzip, eine Art „Regelwerk“ dahinter, welches sich über die Jahrtausende behauptet hat. Gewohnt würde man vom „Spiel (oder Kampf) um die Macht“ sprechen.

Doch selbst die Existenz der Macht beruht auf einer Ursache, welche mir in den zweieinhalb Jahren meiner „Deutschland-Tour“ oft begegnet ist und ich Zeit fand, dieses „Phänomen“ zu beobachten:

Das Ich, was seine eigenen Programmierungen (und damit sich selbst) erhalten will, während es versucht seinem Gegenüber diese auferlegen zu wollen. Wie beim Schachspiel – wie bei nahezu allen Spielen.

Und damit ein Spiel funktioniert, bedarf es mindestens eines u. a. Gegners, in Form eines geschaffenen Feindbildes – einer Projektion (aus dem Ich selbst auf den anderen projiziert): Die anderen sind ja immer die Bösen und man versucht stets der „Gute“ – besser: der Bessere oder am Besten der „Beste“ sein zu wollen.

Mental motiviert, wird im Außen beim Gegenüber geübt (gespielt), was im Inneren bei einem selbst unterlassen wird. Die verdrehte Dschihad-Nummer, vor dem das Ich und sein Großer Bruder („Meta-Ich“) ziemliche „Muffe“ haben, wie auch dem eigentlichen Dschihad (im Inneren, also der Arbeit an sich selbst).

Im Außen gibt es – welch‘ ein Glück – dafür ja stets die entsprechende Truppe, die dann „drüben aufräumt“.

Der Krieg ist, neben der Absicht mit eroberten, fremden Resourcen und Wertschöpfern, die eigenen heimischen Strukturen aufrecht halten zu wollen, auch der Versuch des Ichs, seine Denk- und Verhaltensmuster übertragen und aufrechthalten zu wollen.

Die Abwendung vom natürlichen Lernprozess und somit auch die Abkehr vom Leben selbst, nimmt komische Züge an.

Das muss auch so sein. Denn wie sollte der Mensch, sonst begreifen, dass mit seiner Softwareversion vom „Ich“ kein Blumenstrauß mehr zu „gewinnen“ ist?

Dass in der Regel auch der Gegner das „Geheimnis der Feindbildprojektion“ seitens seiner eigenen Leute nicht gerade in den offenen Raum brüllt, liegt daran, dass man es tunlichst vermeidet, diese entscheidene Grundlage eines Spielens (egal ob dabei Leben verkürzt wird) zu erwähnen, weil man „gezwungen“ wäre, sich plötzlich „an die eigene Nase fassen“ zu müssen: „Und dafür gitz keine Flocken.“

Und da es stets ein Ich zu geben scheint, was es tunlichst zu unterlassen versucht, sich natürlich entwickeln zu wollen und womöglich in der hinteren Ecke auf einer Kneipenbank auf seinen „richtigen Moment“ lauert, herrscht im Kern ständiger Alarmzustand in Form eines Hintergrundrauschens. Das ist kein Frieden, sondern nur die Ruhe – vor einem Sturm – rumorend.

Der eigentliche(!) Frieden fängt nicht auf einem Stück Papier an, sondern im Inneren des Einzelnen selbst und damit auch erzwungener Maßen und bedeutet einen Umkonditionierungsprozess für das Ich selbst.

„Siehste! Erwischt“

Denn der Vertrag im Außen, ist nur die verdrängte Arbeit im Inneren, damit alle Beteiligten im Kern in der „alten Soße“ weiter „herumrühren“ können. (Der Handlungsantrieb der Verdrängung ist der Urmechanismus des Systems, erwachsen aus der Bedingung: „Du bist solange gut, solange mir das gefällt.“ (Wie ich dies des Öfteren bereits beschrieben habe.)

Verdrängung schafft im Außen Komplexität und sorgt irgendwann dafür, dass man den Überblick verliert. Denn auf dem Konzept der Verdängung basiert auch das klassische Problem-Lösungsverhalten, da nur das Symptom kaschiert wird und so der Aufwand zur Erhaltung durch weiter auftretende „Phänomene“ ungewollt zunimmt – am Ende Ruhe ist und es knallt ordentlich. Das nennt sich dann Endstadium „Insuffienz“ (vereinfacht ausgedrückt: Organversagen).

Und so bietet die Geschichte reichliche Bestrebungen Einzelner, Gruppen oder Völker, eine Grundlage mit Bestand schaffen zu wollen, durch Recht und Gesetz (im Außen). Doch auch die Schaffung von Ländern, als räumliche Geltungsbereiche (Spielfläche) für das jeweils geltende Recht mit seinen Gesetzen, ist letztlich nur ein Mittel künstlicher Abgrenzung.

Ob derartige „Unterteilungsmaßnahmen“ und damit verbundene, jeweilige Beherrschung „von oben herab“ (oktroyiert) oder von unten nach oben (Revolution, also im Kern auswechseln der regierenden Köpfe)) geschieht, ist dabei vollkommen gleich: Der Mensch in der aktuellen Version seiner „Ich-Software“, ist in der Regel nur in der Lage, die von ihm geschaffene Welt(Anschauung) als eine lose Ansammlung einzelner Teil wahrzunehmen und zu gestalten und stets weiter zu unterteilen und eine Hierarchie nach der anderen ins Leben zu rufen – während „Unangenehmes“ verdrängt wird.

Ein Unterteilen, um sich vor dem „großen Ganzen“ immer weiter wegbewegen zu wollen, während der nach seinem Ich „funktionierende“ Mensch sich letztlich doch nur im Kreise dreht und selbst in jene Lage bringt, umdenken zu müssen, wenn „kollektives Organversagen“ droht.

„Teilen und Herrschen“ ist nicht nur ein Prinzip der Herrschenden, sondern der jeweils(!) Herrschenden. Nicht selten beginnend in der Familie, in der Gemeinschaft bis hinauf zum klassischen Staatsgebilde. Nahezu überall wird geherrscht von subtil, über „benevolent“ bis offensichtlich diktatorisch.

Da ist es vollkommen gleich, welcher Akteur gerade auf dem Posten sitzt: Gierige brauchen einfach eine Re-Gierung. Basta! Sie wollen sich ja selbst nicht entwickeln! Das wäre ja auch eine Katastrophe, wenn sie davon wüssten. Da würde man ja keinen „Führer“ mehr benötigen.

Und die Gierigen wollen gewöhnlich auch gern heimlich „gierig“ bleiben, haben sie sich an diesen Zustand ja gewöhnt, weil es ihnen zu Eigen ist und sich vordringlich(!) mit Hab und Gut, dessen Mehrung, Sicherung und Verteidigung zu beschäftigen wissen.

„Die Eroberung des Planeten der Affen.“

Dass das Gros der Kriegsprotagonisten, deren Unterstützer und wie auch deren Antagonisten mehr oder weniger unter der Flagge gleicher Verhaltensmuster unterwegs ist, die darauf beruhen, dass ein Ich-Glaubensgebilde zum Feind eines anderen erklärt wird, weil man sich selbst nicht zu entwickeln vorhat. Das mit dem Krieg verbundene Geschäft ist dabei sehr vielversprechend.

Erst liefert man die Waffen, um alsdann die so geschaffene Bedrohung wieder einstampfen zu wollen. Ein lebensgefährlicher Kindergarten.

Das anfänglich vom Ich ins Leben gerufene Feindbild wird von ihm selbst erzeugt und später so zu einer realen Bedrohung seiner(!) Existenz. Der Mensch hat ein Ich, er ist nicht das Ich. Das klingt verdammt nach „Person“.

„Wenn Gesetze für Personen gelten“, dann macht diese Aussage auf einmal auch Sinn, wenn ihr Ursprung das Ich selbst ist und dessen Bestreben darin liegt, den Zustand seiner es ausmachenden Programmierungen möglichst als „ewig gültig“ deklarieren zu wollen – zur Aufrechterhaltung der „öffentlichen Ordnung“ – natürlich. Was sonst?!

Und da sind sich die kollektiven Ichs auch einig: Es darf keinen Verstoß geben – schon gar nicht im Denken oder gar eine „Verseuchung“ durch fremde Informationen, die womöglich zu einer Veränderung führen würden, was förmlich nach einer Verdrängungshandlung durch Stigmatisierung und Ausgrenzung schreit.

Lässt sich dies nicht mehr vermeiden, und verweilt das Ich mit seinen Handlungen weiter im Außen, während der Druck zur Veränderung stetig bei ihm zunimmt (den es durch Widerstand auch noch selbst(!) erzeugt), bleiben ihm am Ende seiner „Uneinsichtigkeit“ nur vier Optionen: Gewalt nach Außen gerichtet, Gewalt gegen sich selbst gerichtet oder die Flucht (Verdrängung und damit verbunden: zunehmender Realitätsverlust.) oder die Erkenntnis mal über den „Tellerand“ hinauszudenken.

Eine „Flucht“ stellt also nur eine Verdrängung vor dem eigenen Weiterdenkprozess dar. Wie lange gedenkt man sich also noch gegen Informationen, die man bereits vernommen hat, zur Wehr setzen und dabei noch weiter kräftig Feindbilder hochhalten zu wollen? Ganz einfach: Man kann diesen Zustand eine Weile mit Geld kaschieren!

„Du kannst wegrennen, doch vor dir selbst, kannst du dich nicht verstecken.“ Joe Louis, Boxer

Hitler:

„Gemeinsam werden wir ein 1000jähriges Reich erschaffen!“

Das Ich:

„Alder, stell’ dich hinten an!“

Vielleicht versteht nun so mancher, warum plötzlich überall „Reichsbürger“ in Erscheinung treten, sind es lediglich jene, die dem System (Meta-Ich, Matrix, alte Ordnung) durch ihr Andersdenken und ihrem Prozess der Infragestellung diesem förmlich auf den mentalen Leib (Ich) rücken.

„Die alte Ordnung“, ein Begriff, der weit über die Grenzen von „BRD“, „DDR“ und „Deutsches Reich“ hinweg in eine Vergangenheit zurückwirkt – ein Gedankengut, das sogar über die Schaffung von Staaten und Verfassungen hinaus zurückreicht und in einer natürlichen, jedoch später künstlich weitergeführten Fremdbestimmung ihren Anfang nimmt.

Solange eine Mehrheit sich also auf gewohnte Mittel der alten Ordnung stützt, die im Kern alles überlagert, solange mögen Länder, Gemeinden, Gebiete oder sonstige Institutionen noch so hübsch bezeichnet sein: Solange das Verhältnis zwischen Vorgesetzten jeder Art und ihren belohnten Untergebenen gewahrt bleibt, ist  Selbstbestimmung nur eine Worthülse „wohlwollender Vorgesetzter“ und ihren hörigen „Mitstreitern“.

Dass sich so mancher, wie ich dies oft genug gehört habe, schwer mit meinen Texten tut, liegt daran, dass sein Ich sich mit Veränderung und damit verbundenen Informationen schwer tut, weil es gewohnt ist, mögliche Impulse, die auf eine „möglich-eventuelle“ Veränderung hindeuten könnten, diese verdrängen zu wollen. Doch gerade an diesem Punkt, findet der Weg des Menschen – hin zur Freiheit – seinen Anfang.

Aktion und Reaktion
Schreibt man bspw. einer Gruppe (Partei), worin einige Gedanken formuliert sind, die im Nachgang das grundsätzliche Handeln dieser Gruppe in Frage stellen, wird sich das „Meta-Ich“ dieser Gruppe zur Wehr setzen und entsprechend agieren. Ne, Jungens?! Erlebtes. 😀

Aus diesem Grunde kann klassische Politik immer nur die Vergangenheit vorleben, da so sichergestellt ist, dass die geschaffene „öffentliche Ordnung“ (Hierarchie) und Betreuungsaufgabe erhalten bleibt. Durch die Wahl der belohnten Untergebenen, werden lediglich die Handlungsakteure nach Gutdünken ausgetauscht.

Dieser Vorgang ist damit vergleichbar, als ob man eine Gemüsesuppe umrühren wollte, wo mal mehr Erbsen, ein anderes Mal mehr Kartoffeln und später mehr Linsen an der Oberfläche zum Vorschein kommen, und der Eindruck beim Wähler entsteht, er habe es mit einer, seinen Vorstellungen entsprechenden Kategorie von „Suppe“ zu tun.

Bei der Wahl geht es nicht darum wirklich etwas zu verändern, sondern möglichst auftretende Probleme verdrängen zu wollen, indem man seine Akteure „beauftragt“ (vorschickt), jene Probleme (im eigentlichen Sinne: Symptome) lösen zu lassen – durch ein Kreuz, was man am Ende doch wieder zu tragen hat, wenn die „politische Verantwortung übernommen“ wird.

Dass es auf der anderen Seite darum geht, die Struktur und das Gesicht nach außen hin nur wahren zu wollen, während man gleichzeitig über die Art der Belohnung der wählenden Gläubigen und Mitstreiter nachzudenken versucht und welches selbstgeschaffene Feindbild man – einem Don Quichotte gleich – demnächst zu bekämpfen versucht.

Ein aktueller und naheliegender, politischer Sachverhalt deutet offensichtlich(!) und nachweisbar darauf hin, dass auf dem Rücken der Bürger der Strukturerhalt auf dessen Kosten vollzogen wird, während der betroffene Bürger noch schneller im ökonomischen Rad zu strampeln hat.

Geschichte hat also auch immer etwas mit Politik zu tun – im Wesentlichen jedoch mit den Konditionierungen aller Geschichtsteilnehmer und ihrer Befürworter sowie den Gleichgültigen und den betroffenen „Feinden“, die unter ihrer Ich-Programmierung „funktionieren“.

Und keiner mag es, wenn er sich von außen her gezwungen zu ändern hat und somit einen triftigen „Kriegsgrund“ darstellt – das hat er mal so gelernt, ohne es zu merken.

Das alles findet jedoch nur statt, weil man sich zur Aufgabe gemacht hat, keinen natürlichen Entwicklungsprozess bei sich selbst in Gang setzen zu wollen und man lieber im Haben (Materie, Macht- und Bestandserhaltung) als sich zur Abwechslung auch mal im Sein (innere Entwicklung) engagieren zu wollen.

Einen „trällernden Souverän“ kann man dabei recht gut von einem echten unterscheiden. Ist ja auch immer ein Entwicklungsprozess. Selbstbestimmung beendet das Spiel vom „so tun, also ob.“ Aus diesem Grund gleicht dieser Wandel auch mehr einer „Saulus-Paulus-Transformation“ und auf der anderen Seite einem knallharten „Ausfilterungsprozess“.

Da alles auf mentaler Ebene zunächst geschieht, findet sich eine Art „Gedankenpolizei“ bereits in all jenen, die sich den belohnten Regeln der alten Ordnung unterordnen und jeden Andersdenkenden an den „Großen Bruder“ verpetzen – letztlich sich jedoch nur selbst verrät. (siehe: die 30 Silberlinge).

Das ist auch der Grund, warum es auch sehr viele Gedanken-U-Boote gibt, die nicht verraten, bestraft und ausgegrenzt werden wollen. Es macht auch nicht vor der Familie oder sonstigen Gemeinschaften halt, wenn der „Große Bruder“ wirkt, und sich das „kleine Ich“ ihm artig unterordnet.

„Was passiert in Zimmer 101?“

 


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