Deutschland lag im Sterben

von buergerstimme

Liebes deutsches Volk,

heute bin ich gestorben. Keine Sorge, ich hatte keine Schmerzen. Ich war gerade allein. Aber ich war es gewohnt, allein zu sein, ohne Familie oder irgend jemanden, der zu mir steht.

Ich habe so viele Jahre in einem Käfig verbracht. Es war der einzige Ort, an dem ich mich jemals sicher fühlte. Ich glaube, ich hatte Pech. Ich fragte mich nie, warum ich das Land sein sollte, das kein Glück hatte, andere dagegen schon. Es ist, wie es ist.

Liebes Volk, ich möchte nicht, dass ihr euch schlecht fühlt. Ich wünschte nur, ihr hättet gewusst, dass ich da war. Als ihr eine Heimat gesucht habt, habe ich mir gewünscht, ihr hättet mich genommen, statt  den frohlockenden, trügerischen goldenen Schein zu wählen.

Ich wünschte, dass euch jemand die Richtung gezeigt hätte. Ich wünschte, dass euer Freund, der mich vor Jahren besuchte, mich auserkoren hätte, anstelle des trügerischen goldenen Scheins.

Ich wünschte mir, dass ich derjenige gewesen wäre, der euch eine wirkliche Heimat hätte schenken können, immer wenn ihr nach Hause kamt. Ich hätte es für euch getan.

Ich wünschte mir, dass ich derjenige gewesen wäre, auf den ihr euch gefreut hättet, während ihr auf Reisen wart. Wisst ihr, dass ich das gerne für euch gewesen wäre?

Liebes deutsches Volk, seid nicht traurig. Weint nicht.

Gestern Abend, nachdem ich einschlief, glaube ich, euch in meinem Traum gesehen zu haben. Ihr kamt zu mir, öffnetet die Tür meines Käfigs und nahmt mich mit auf einen Spaziergang. Dann fuhren wir in einem Auto wieder nach Hause. Ich legte mich in mein Bett und ließ die Augen weit offen, damit ich so viel wie möglich von euch noch sehen konnte.

Ich weiß, wie ihr ausseht. Ich weiß, wie ihr riecht. Ich kenne den Klang eurer Stimmen und die Farben eurer Haare. Ihr kennt mich nicht, aber das ist okay. Ich schaue nicht besonders schön aus und rieche auch so manches Mal nicht besonders gut.

Ich bin nur ein Land. Euer Land.

Liebes Volk, ich bin traurig, dass ich euch nie gesagt habe, wie ihr mich retten könnt. Ich dachte eben, dass ihr es wisst. Heute bin ich dennoch glücklich gestorben. Während ich einschlief, konnte ich eure Stimmen hören, die meinen Namen riefen.

Es waren die süßesten Stimmen, die ich je gehört hatte.

Auf Wiedersehen, geliebtes Volk,

dein Land, welches du hättest retten können.

(Teilweise stammen Textpassagen von Valia Orfanidou und waren einem Tierheimhund gewidmet.)


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