Die ARD-Tagesshow: Bundeswehr oder Denunziantenstadl?

von Max Erdinger

Unter der Überschrift: „Mehr Beschwerden über Fehlverhalten“, berichtet die Tagesschau über einen unschönen Sachverhalt, ohne zu erwähnen, daß er unschön ist. Dafür erzählt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, warum der Sachverhalt schön ist.

Zitat: „In der Bundeswehr häufen sich Meldungen über Fehlverhalten von Vorgesetzten, sexuelle Belästigungen und Rechtsextremismus. Das belegen Daten des Verteidigungsministeriums für das erste Halbjahr diesen Jahres.“ – Zitatende.

Mit anderen Worten. Im Bundesverteidungsministerium hat einer aufgeschrieben, wie viele Petzen es aktuell bei der Bundeswehr gibt. Das ist alles, was belegt ist.

Zitat: „Die Beschwerden über sexuelle Belästigung, rechtsextreme Auswüchse und Fehlverhalten von Vorgesetzten in der Bundeswehr haben in der ersten Jahreshälfte massiv zugenommen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium. Zunächst hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet.“ – Zitatende.

Also gut, nochmal dasselbe: Im Bundesverteidungsministerium hat einer aufgeschrieben …. – wieso bekomme ich denselben Inhalt eigentlich in zwei Absätzen nacheinander doppelt präsentiert? Ist es das, was mir im Kopf unbedingt hängen bleiben soll: „Ministerium-rechtsextrem-Bestätigung-sexuell-Belästigung-Fehlverhalten“? – Doppelt genäht hält besser? Es ändert nichts: Im Bundesverteidigungsministerium hat einer aufgeschrieben …

Zitat: „Besonders stark zugenommen haben Verdachtsfälle, in denen Fehlverhalten Vorgesetzter gegenüber Untergebenen gemeldet wurde.“ – Zitatende.

Hätten immer mehr Vorgesetzte sich wie die Heulsusen über sexuelle Belästigung durch untergebene Geilistinnen beim Ministerium ausgepetzt, dann hätte mich das auch sehr gewundert. Ach was, Sorgen hätte ich mir gemacht.

Zitat: „Während 2016 nur 28 solche Fälle gemeldet wurden, seien es bis zum 9. Juli 2017 schon 56 gewesen, heißt es in dem Bericht. Bei Meldungen zu Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung sei mit 127 erfassten Verdachtsfällen schon jetzt das Vorjahresniveau von 128 Fällen quasi erreicht.“ – Zitatende.

Mit anderen Worten: Petzerei + 100 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Respekt.

Zitat: „Und auch bei Meldungen über Vorfälle mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund habe das Verteidigungsministerium bereits im ersten Halbjahr 96 Verdachtsanzeigen gelistet – nach 63 im gesamten Vorjahr.“ – Zitatende.

Fast bekommt man den Eindruck, Uschis Defensivministerium sei auf dem besten Weg, vom Verteidigungsfallministerium zum Verdachtsfallministerium zu werden.

Zitat: „Ein Ministeriumssprecher führte den Anstieg auch auf eine neue Einstellung in der Truppe zurück.“ – Zitatende.

Gerade eben sage ich es noch: Die neue Einstellung – Petzen bis der Arzt kommt.

Zitat: „Die Sensibilität in der Truppe für Vorkommnisse, wie wir sie im Frühjahr öffentlich diskutiert haben, ist messbar gestiegen“ – Zitatende.

Sensibilität für Vorkommnisse ist etwas anderes als systemkonformes Denunziantentum.

Zitat: >Er betonte, dass es sich um intern angezeigte Verdachtsfälle handele. „Gemeldet wurden dabei nicht nur frische neue Fälle, sondern auch eine Vielzahl alter Vorkommnisse, die aus der Perspektive der Betroffenen zuvor noch nicht angemessen bearbeitet oder gewürdigt wurden.“ Viele dieser Verfahren würden nun neu überprüft. < – Zitatende.

Einer, der sich mit dem Militär und seinen Eigenheiten bestens auskennt, ist der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld. Sollten „die Menschen“ bei den Streitkräften – fast egal, welche Streitkräfte – innerhalb der letzten 10 – 15 Jahre nicht zu wahren Engeln mutiert sein, dann dürfte noch immer gelten, was van Creveld vor bereits 15 Jahren belegen konnte: Bei einer internen Untersuchung der US-Army entpuppten sich satte 60 Prozent aller Klagen über sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte als Falschbeschuldigungen.

Der Vorwurf wurde fast ausschließlich von weiblichen Untergebenen gegen ihre männlichen Vorgesetzten erhoben. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß der Vorwurf der sexuellen Belästigung als probates Mittel angesehen worden war, sich an Vorgesetzten für Sachverhalte zu rächen, die anderenfalls nicht zu beanstanden gewesen wären.

Martin van Creveld gilt in Deutschland nicht umsonst als persona non grata.

Die Tagesschau berichtet also über obrigkeitshörige Eiferer in einem politisch-korrekten Denunziantenstadl, nicht über eine Armee. Vielleicht kommen wir eines Tages noch so weit, daß der Krieg unterbrochen werden muß, solange der Deutsche eine Beschwerde schreibt. Die wichtigen Dinge zuerst. (ME)


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