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Die doppelte Geiselhaft der Deutschen

von Anabel Schunke

Das Narrativ des ewig unterdrückten Muslims muss aus den Köpfen der Helfer und Zuständigen. Es muss aufhören, Muslime wie privilegierte rohe Eier zu behandeln, denen mehr Hilfe und Toleranz als allen anderen zusteht. Nur dann werden sich Regeln und Werte durchzusetzen, die ein friedliches Zusammenleben überhaupt erst möglich machen.

„Unter Christen geht die Angst um“, schrieb Sabine Menkens die Tage auf WELT online. Anlass, wie so oft in den letzten Monaten, muslimische Mitflüchtlinge. Grund dieses Mal: Der muslimische Fastenmonat Ramadan. Dabei hatte man in Berlin, um zusätzlichen Spannungen in dieser Zeit entgegenzuwirken, extra nahezu alle Hebel in Bewegung gesetzt, um es den muslimischen Flüchtlingen in den Unterkünften während des Ramadans so angenehm wie möglich zu machen. Sozialarbeiter wurden aufgestockt, dazu zwei zusätzliche Essenstermine. Einer am späten Abend und einer zur Frühstücksausgabe in der Nacht. Natürlich alles zusätzlich zu den drei regulären Essensausgaben für die Bewohner, die nicht fasten.

Glaubt man dem Berliner Pfarrer Gottfried Martens, bringt das dennoch relativ wenig – zumindest in Martens christlicher Flüchtlingsgemeinde im Ortsteil Steglitz, die die Größte dieser Art in Berlin ist. Demnach berichteten christliche Flüchtlinge darüber, dass sie seit Beginn des Fastenmonats nicht mehr schlafen könnten, da sie gezwungen seien, den Tag-Nacht-Rhythmus der muslimischen Flüchtlinge mitzumachen. Daneben würde man nicht zuletzt auch vom muslimischen Wachschutz zur Einhaltung des Ramadans gezwungen werden. In einem Heim seien mittlerweile alle Kühlschränke nur noch für Muslime reserviert. Auch andernorts kommt es zu Übergriffen und Schikanen.

So musste jüngst am vergangenen Wochenende eine vierköpfige christliche Familie aus dem Irak im hessischen Seligenstadt nach einem Angriff muslimischer Asylbewerber in Sicherheit gebracht werden. Die Gruppe, die insgesamt aus sechs muslimischen Heimbewohnern bestand, hatte sich Berichten zufolge darüber beschwert, dass die Christen die Fastenregeln nicht eingehalten hätten.

Daraufhin griff man die Familie mit Besenstielen, einer Wasserpfeife und einer Pfanne an und verletzte sie so schwer, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In München kam es indes schon vor dem Fastenmonat immer wieder zu Übergriffen und Schikanen muslimischer Asylbewerber. So wurden Bewohner einer Einrichtung gezwungen, die fünf Gebetszeiten mitzubeten. Darüber hinaus gab es aus mehreren Heimen Beschwerden, wonach strenggläubige muslimische Flüchtlinge die Toilettenbrillen während des Ramadans nicht mit „Ungläubigen“ hätten teilen wollen, weshalb es nach Angaben der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zu „fäkalen Missständen“ gekommen sei.

Man muss sich schon wundern, was in diesem Land alles möglich ist. Angesichts Toiletten-Faschismus und damit einhergehenden „fäkalen Missständen“ erscheinen andere Meldungen, wie jene, dass die Nachtruhe in den Heimen im Ramadan um eine Stunde nach hinten verschoben wurde und auch christliche Flüchtlinge in vielen Unterkünften erst zum Fastenbrechen ihr Abendessen bekommen, fast schon harmlos. Dabei runden sie das Bild der muslimischen Herrschaft in den Flüchtlingsheimen nur einmal mehr ab.

Gewiß fragt man sich als normal denkender Mensch ohne zweifelhafte Toleranzvorstellungen, was eigentlich in diesem Land und vor allem: was eigentlich mit den Zuständigen vor Ort los ist, die diesen Wahnsinn, dieses systematische Mobbing durch muslimische Asylbewerber durch Duldung und zusätzliche Anbiederung an die muslimische Mehrheit in den Heimen auch noch unterstützen.

Die offensichtlich vor allem Verständnis und Empathie für muslimische Asylbewerber, nicht aber für christliche besitzen. Wie groß ist die Angst als rassistisch zu gelten, wenn man Muslime kritisiert oder auch nur die Einhaltung von Regeln von ihnen fordert im Vergleich zur Angst, andere vielleicht unfair zu behandeln bzw. ihnen sogar massiv zu schaden?

Und ist man nur dann ein Rassist, wenn man dies von Muslimen fordert? Offensichtlich. Denn Angst vor der Reaktion christlicher Flüchtlinge scheint man umgekehrt nicht zu haben. Und auch die Angst, dass einen hier die Rassismuskeule erwartet, existiert wohl nicht. Stattdessen zeigt diese Duldung und Anbiederung gegenüber den muslimischen Asylbewerbern einmal mehr, wie selektiv die Auslegung und Verwendung des Rassismusbegriffes in Deutschland mittlerweile ist und wie sehr uns genau das in moralische Geiselhaft mit verheerenden Konsequenzen für diese Gesellschaft nimmt.

Das Recht des Stärkeren ist zurück …

Wenn wir alle in dieser Gesellschaft mit Ausnahme der Muslime zur Einhaltung unserer Regeln und Werte verpflichten, dann führt dies zwangsläufig und mit rasender Geschwindigkeit zum Ausverkauf unserer freiheitlichen Werte und zu einer einseitigen muslimischen Dominanz. Die vielen Flüchtlingsheime in der Bundesrepublik dienen hierbei lediglich als Blaupause dessen, was uns gesellschaftlich erst noch bevorsteht.

Der Islam hat das Recht des Stärkeren wieder zu uns gebracht. Zeigt sich der Staat, die deutsche Mehrheitsgesellschaft jetzt nicht langsam als eben dieser Stärkere, werden wir uns künftig den islamischen Geboten anpassen dürfen und nicht umgekehrt. In den Flüchtlingsheimen ist es – das zeigen die Berichte – längst so weit.

Aber machen wir uns nichts vor: Allzu optimistisch sollte man da nicht sein. Also eigentlich gar nicht. Die doppelte Geiselhaft, die sowohl pseudo-moralische Erpressung der Deutschen als auch die ganz konkrete Angst vor aggressiven Muslimen, legen das Land in Bezug auf die dringend erforderliche Härte gegenüber integrations- und anpassungsunwilligen muslimischen Flüchtlingen, die vor allem jetzt gleich am Anfang erfolgen müsste, komplett lahm.

Man könnte auch sagen: Erstens will man kein Rassist sein und zweitens will man vor allem nicht von einem muslimischen Aggressor, der den ganzen Tag noch nichts gegessen hat, auf’s Maul bekommen. Immerhin weiß man ja nicht zuletzt seit Düsseldorf, wohin es beispielsweise führen kann, wenn so manch einem Asylbewerber sein Schokopudding vorenthalten wird.

Aber so ist das halt, wenn man dem in Bezug auf Ansprüche an Anpassung vollkommen unbewaffnetem und auch sonst körperlich wehrlosem Deutschen, der es im Laufe der Geschichte erlernt hat, seine Konflikte mit Worten zu lösen und Toleranz gegenüber jeder noch so absurden Weltanschauung zu empfinden, plötzlich mehr als 1,5 Millionen weitere mehrheitlich muslimische – noch dazu arabische – Einwanderer gegenüberstellt, die ganz genau um diese wehrlose Dumpfbackigkeit und Gutgläubigkeit wissen.

Noch immer ist es den meisten Deutschen wichtiger, nicht als Rassist zu gelten, denn mal tatsächlich jene Werte und gesellschaftlichen Regeln zu verteidigen, die den Westen erst so erfolgreich gemacht haben und uns so viel „Humanität“ erst ermöglichen. Da spielt es letztlich auch keine Rolle, dass der Rassismusbegriff hierbei vollkommen ins Leere führt, da es sich, wenn überhaupt um Kritik an einer Religion handelt, die man eher als aufklärerische Pflicht bezeichnen sollte, denn als irgendetwas anderes.

Dass es sich eigentlich in den geschilderten Fällen nicht einmal um Religionskritik handelt, sondern schlicht um die zivilisatorische Selbstverständlichkeit, sich an hiesige Gepflogenheiten anzupassen und nicht auch noch andere mit seiner Religion zu drangsalieren. Im Prinzip würde man auf nichts anderes Bestehen als die Einhaltung von Artikel 1 und vor allem Artikel 4 GG. Denn ja, auch die deutsche Religionsfreiheit ist keine Einbahnstraße und alleiniges Machtinstrument für Muslime hierzulande, um die Ansprüche und Forderungen durchzudrücken. Sie gilt genauso für christliche Flüchtlinge in Flüchtlingsheimen, für deutsche Christen und auch für Atheisten, deren Religionsfreiheit ex negativo ebenso gewährleistet sein sollte.

… und die Angst vor den Rücksichtslosen

Stattdessen herrscht die Angst, mit der sich kein Land der Welt, keine Werte verteidigen lassen. Hätten all die aufklärerischen Revolutionäre und Denker Angst gehabt, wir würden heute womöglich noch im Mittelalter leben.

Es ist die selbstauferlegte moralische Geiselhaft vor dem Hintergrund einer eingeredeten humanitären Verantwortung, die sich letztlich selbst ad absurdum führt, da sie vor allem eines nicht ist – und zwar humanitär. Denn nein, es ist entspricht keiner humanitären Verantwortung und es ist erst recht nicht moralisch, mehrheitlich Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis, aus den Krisen- und Konfliktgebieten dieser Erde, bei denen sie bedauerlicherweise nicht selten selbst Verursacher dieser Probleme sind, unkontrolliert ins Land zu lassen.

Es ist ferner auch nicht humanitär, dann nicht einmal Anpassung zu fordern und sich stattdessen auch noch anzubiedern, als handele es sich um eine Hochkultur, von der man noch etwas lernen könnte. Nein es ist nicht humanitär, Menschen, mit einem durch die eigene Religion eh schon ausgeprägtem Allmachtsverständnis, welches durch die deutsche Anbiederung noch verstärkt wird, auf die Mehrheitsgesellschaft loszulassen. Und es ist vor allem auch nicht humanitär und moralisch, dieses zweifelhafte Gesellschaftsexperiment vor dem Hintergrund der falsch verstandenen Toleranz bereits an christlichen Flüchtlingen in den hiesigen Flüchtlingsheimen zu erproben.

Das Narrativ des ewig unterdrückten Muslim, welches wir hier in Europa fast schon dankbar übernommen haben, muss aus den Köpfen der Helfer und Zuständigen verschwinden.

Nur dann wird man aufhören, Muslime wie privilegierte rohe Eier zu behandeln, denen mehr Hilfe und Toleranz als allen anderen zusteht. Nur dann wird man auch hier anfangen, Regeln und Werte durchzusetzen, die ein friedliches Zusammenleben überhaupt erst möglich machen. Der Kniefall ist die denkbar schlechteste Idee. Er ist nichts anderes als eine Unterwerfung, die ganz genau von den muslimischen Einwanderern registriert wird. Nein, Muslime sind nicht weniger wert als andere Menschen. Sie sind aber auch nicht mehr wert oder müssen mehr bemuttert werden. So ist es gerade jene Bemutterung, die die eigentliche Degradierung muslimischer Menschen darstellt. Die wie nichts anderes die eigene Überhöhung der westlichen Linken zeigt und die sich insbesondere seit der Flüchtlingskrise als fundamentalste Blockade für jedwede vernünftige Asyl- und Einwanderungspolitik als auch und vor allem für die sowieso schon fast unmögliche Integration offenbart.

Nur was macht man jetzt mit einer sowohl ideell als auch ganz unmittelbar auf das Physische bezogen nicht wehrhaften Gesellschaft? Zeigt dieser Befund doch eigentlich nur zu gut, dass das Bestreben um Integration als die einzige Hoffnung, aus der Einwanderung auch nur irgendeinen geringfügigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen, auch dieses Mal mit Vollkaracho gegen die Wand fahren wird.

Dass sich die Deutschen wohl ferner am Ende in die neuen kulturellen Gepflogenheiten und Umgangsformen integrieren werden und nicht umgekehrt.

Dass, wer am Ende nicht zum Beten gezwungen werden und keinen Toilettenfaschismus am eigenen Leib erfahren will, eigentlich nur auswandern kann.

Die Einschläge, so viel lässt sich sagen, kommen jedenfalls näher und irgendwann wird es eben nicht mehr darum gehen, das Kopftuch, den Ramadan und den Muezzin zu tolerieren, sondern darum, an all dem zu partizipieren. Dann hat sich die Toleranz in kannibalistischer Weise selbst gefressen. Aber vielleicht will man in humanitärer Vollendung ja genau das.