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Die Franzosen im Revier – Der Ruhrkampf 1923

April 1923: Beerdigung der von den französischen Truppen erschossenen Krupp-Arbeitern.

Albert Westen aus Gelsenkirchen ist im Januar 1923 gerade auf dem Weg zur Schule, als ihm ein Trupp französischer Soldaten begegnet:

„Die kamen ja noch mit Pferd und Wagen. Das war ja nicht so wie heute: alles motorisiert!“

Weil das Deutsche Reich aus ihrer Sicht seinen Reparationsverpflichtungen aus dem Versailler Friedensvertrag von 1918 nicht nachkommt, marschieren französische – und auch belgische – Truppen ein, um sich zu holen, was ihnen zusteht. Zechen und Bahnanlagen wollen sie besetzen.

Die Reichsregierung in Berlin protestiert gegen die Besetzung und ruft die Bevölkerung zum passiven Widerstand auf: Auf den Zechen, bei der Bahn und in den Verwaltungen wird jede Zusammenarbeit mit den Soldaten aus Frankreich und Belgien untersagt.

„Ich kann mich erinnern, wie die Franzosen hier mit den Panzern durch die Straßen gefahren sind. Dann haben wir hinter den Fenstern gesessen, durften die Gardinen nicht bewegen“, erinnert sich Emmy Bockweyd aus Buer.

Schon am ersten Tag der Besatzung wird aus dem passiven Widerstand blutiger Ernst: Als ein Demonstrationszug in Bochum vor das Gebäude der Reichsbahn zieht, um gegen die Besetzung zu protestieren, eröffnet französisches Militär das Feuer, ein junger Berufschüler kommt dabei um. Dennoch hält die Bevölkerung in ihrer großen Mehrheit am passiven Widerstand fest, Züge werden auf Abstellgleise verschoben, Kohle wird kaum noch gefördert, die Stadtverwaltungen verabschieden in seltener Einmütigkeit Protestschreiben gegen die Besatzung. Die Stimmung ist explosiv.

„Ich war im ersten Schuljahr und mein Vater, der war bei Thyssen beschäftigt. Und zu der Zeit gab es ja nichts. Die Franzosen hatten ja alles beschlagnahmt und wir konnten nicht an Kohle kommen“, erzählt Ernst Schütte,

dessen Vater damals versuchte, mit dem Bollerwagen heimlich Kohlen zu holen, damit die Familie nicht länger frieren musste. Die französischen Soldaten eröffneten das Feuer.

„Mein Vater hat denn einen Schuss in die linke Schulter bekommen und die Kugel ist dann abgesprungen ins Herz. Mein Vater war sofort tot.“

Anordnungen der Militärkommandatur, Bochum 1923.

Zum folgenschwersten Zwischenfall kommt es am Karsamstag 1923 bei Krupp in Essen. Als ein Trupp französischer Soldaten einige LKW beschlagnahmen will, blockieren Tausende von Arbeitern und Angestellten das Werkstor. Den Demonstranten hoffnungslos unterlegen schießen die Soldaten dann wahllos in die Menschenmenge. 13 Arbeiter werden getötet.

Der Trauerzug bei ihrer Beerdigung am 10. April 1923 ist der längste, den die Stadt Essen je gesehen hat, im Berliner Reichstag findet eine Trauerfeier mit Reichspräsident Friedrich Ebert statt. Erst Gustav Stresemann als neuem Präsidenten des Deutschen Reiches gelingt ein Ausgleich mit den Besatzungstruppen, die dann 1925 das Ruhrgebiet wieder verlassen.

In Augenzeugeninterviews, mit Originaldokumenten und anhand umfangreichen französischen Dokumentarfilmmaterials, das noch nie in Deutschland zu sehen war, zeigt der Film eine vergessene Epoche der deutschen Geschichte, die bislang immer von den Schrecken der beiden Weltkriege überschattet war.


Quelle und Kommentare hier:
http://www.youtube.com/user/pitodesign


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