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Die Freiheit, nicht das Klima ist bedroht

von Vaclav Klaus

Wir sind in der letzten Zeit Zeugen der Entstehung einer ganz neuen Ideologie. In dieser Ideologie, im Environmentalismus (oder Ökologismus, oder vielleicht Klima-Alarmismus) – nicht im Klimawandel – ist eine neue Gefahr herangewachsen.

Wenn ich sage, dass ich in der heutigen Welt die «grünen Fesseln» sehe, ist das meinerseits keine Übertreibung, keine billige Metapher. Meine Antwort auf die Frage, die im Untertitel meines Buches steht: «Was ist bedroht – Klima oder Freiheit?», ist resolut. Es sind die Freiheit, die heute dominierende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die gegenwärtige Zivilisation, die heutige Prosperität der entwickelten Länder und besonders die heutige Chance der unterentwickelten Länder, ein ähnliches Niveau zu erreichen. Zusammengefasst: Bedroht ist die Zukunft von uns allen.

Um potenzielle Missverständnisse und Kritik zu vermeiden, möchte ich meine professionelle Basis und die daraus folgenden Ambitionen klarmachen. Sie liegen nicht in der Klimatologie. Ich bin «nur» ein Volkswirt und ein Sozialwissenschaftler, kein Klimatologe. Ich bin imstande, die Klimatologie zu studieren und ihre Hauptthesen zu begreifen. Das genügt.

Eckpunkte der Kontroverse

Zu den elementaren Schlussfolgerungen der heutigen Klimatologie, die im Gegensatz zu den Positionen des IPCC [des sogenannten Weltklimarates], vielen Politikern und Medien vorsichtig und wissenschaftlich skeptisch ist, gehört folgendes:

■ Das Klima ändert sich ständig.
■ Das Klima ist ein multifaktorielles System und jeder Reduktionismus in seiner Auslegung ist falsch und a priori gefährlich.
■ Das Klima als komplexes System kann nicht in kontrollierbarer Weise angepasst (oder programmiert) werden. Die heutige – außerhalb der Wissenschaft entstandene und höchst unbescheidene – Theorie der Klimakontrolle hat keine seriöse Basis und Begründung.
■ Die vorgeschlagenen und realisierbaren Maßnahmen zur Klimaänderung würden einen so geringen Effekt haben, dass deren potentielle Auswirkung nicht messbar sein wird.
■ Jemand, der beansprucht zu wissen, wie das Klima funktioniert, ist nicht jemand, der der Welt der Wissenschaft angehört.

Das zu behaupten, ist keine Anmaßung. Vor ein paar Jahren hätte das jeder Hochschullehrer seinen Studenten gesagt, das war eine Hausfrauenweisheit. Was hat sich seither geändert? Die Wissenschaft
nicht. «Nur» die Ideologie.

Wider die grüne Planwirtschaft!

Dass ich kein Klimatologe bin, ist – zum Glück – in der neuen Situation und in der gegenwärtigen Debatte nicht das Entscheidende. Die Debatte braucht etwas anderes.

Meine Erfahrungen im Gebiet der Statistik und Ökonometrie geben mir die Möglichkeit, mit Daten, Zeitreihen und Computermodellen ebenso gut wie die Klimatologen zu arbeiten. Und die Volkswirtschaftslehre gibt uns allen, die sie verstehen und nutzen, ein mächtiges Instrumentarium für die Analyse des menschlichen Verhaltens, was in dieser Debatte das Wichtigste ist.

Aus dieser Perspektive sehe ich die heutige Debatte als nichts anderes als eine neue Runde in der ewigen Kontroverse zwischen Liberalen und Etatisten über das richtige Ausmaß der Zentralisierung, Kontrolle und Planung der menschlichen Aktivitäten, das heißt der Menschen. Wie ich schon sagte: Das Klima wechselt permanent und seine gegenwärtige Entwicklung ist historisch betrachtet keine Ausnahme.

Die Oberflächentemperatur der Erde stieg in den letzten Jahrzehnten mit verschiedenen Unterbrechungen langsam und leicht an, aber ihre bis heute existierende Steigerung ist mit Projektionen von Treibhausgasmodellen, auf die sich das IPCC stützt, offensichtlich ganz inkonsistent. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens über die Rolle der Faktoren, die die heutige Klimaänderung verursachen.

Die CO2-Konzentration (und CO2-Emissionen) für den entscheidenden Faktor zu halten, ist nicht berechtigt. Die Konsequenzen vorstellbarer (und wahrscheinlicher) Klimaänderungen werden in der relevanten Zukunft nicht so groß sein, um die Menschheit zu bedrohen. Im Gegenteil, sie könnten den Menschen sogar helfen.

Die Regulierung, Reglementierung und Steuerung der Gesellschaft und der Wirtschaft aber, die mit der Ideologie der globalen Erwärmung verbunden sind, werden uns in eine neue Unfreiheit führen, in eine neue, von oben organisierte und dirigierte Gesellschaft, wo der Mensch nur am Rande stehen wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen Weg so bald wie möglich verlassen müssen.

Die Menschen sollten wieder einmal pragmatisch und realistisch denken. Im Zentrum der heutigen Debatte stehen die CO2-Emissionen. Die CO2-Emissionen (nicht die Menge von CO2 in der Atmosphäre) sind mit drei – für alle verständlichen – Variablen verbunden: mit dem Bruttosozialprodukt pro Kopf (das das Ausmaß der wirtschaftlichen Aktivität darstellt, WA), mit der Einwohnerzahl (EZ), und mit der Emissionsintensität (CO2-Emissionen pro Dollar oder Euro der Wirtschaftsleistung BSP, EI). Der Zusammenhang ist sehr einfach: ECO 2 = WA x EZ x EI.

Deindustrialisierung als Rettung?

Wenn wir die Variable ECO 2 wirklich reduzieren wollen (ich will es nicht), müssen wir entweder das Wirtschaftswachstum bremsen oder die Reproduktionsfreiheit der Menschen begrenzen oder auf Wunder bei der Emissionsintensität hoffen. Ist das möglich, realisierbar, notwendig und demokratisch?


Quelle und Kommentare hier:
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