Die größte Geistesbeute der Weltgeschichte

von Hans Werner Woltersdorf

Die völkerrechtswidrige Ausraubung Deutschlands
durch die alliierten Siegermächte

Daß 1945 aus dem Trümmerfeld Deutschland noch alle Maschinen und Industrieanlagen demontiert, verladen und abtransportiert wurden, vollzog sich damals geräuschvoll unter den Augen der Bevölkerung. Man folgte damit dem Plan des Bankiers und Rooseveltberaters Henry Morgenthau. Auch Churchill stimmte diesem Plan zu. Dieser Plan sah vor, die gesamte deutsche Industrie zu vernichten und nur noch einen „Kartoffelacker“ zu hinterlassen. Es gäbe immer noch 40 Millionen Deutsche zuviel, meinten Morgenthau und seine Vollstrecker.

Weniger geräuschvoll war der Raub deutscher Kunstschätze, deren Umfang und Werte bis heute immer noch unschätzbar ist. Unsichtbar vollzog sich die Beschlagnahmung des deutschen Auslandsvermögens. Die Zahl der gegen Deutschland kriegführenden Staaten war in den letzten Monaten und Wochen des Zweiten Weltkrieges auf 60 gestiegen. Alle durften sie das in ihrem Land befindliche Vermögen des Deutschen Reiches, deutscher Wirtschaftsunternehmen oder auch Privatleute beschlagnahmen. Sie haben auch alle deutschen Markenzeichen beschlagnahmt, so daß jeder seinen Blechlöffel als Solinger Stahlwaren anpreisen durfte.

Die Tatsache, daß wir den Krieg verloren haben, rechtfertigt diese Plünderungen keineswegs! Das Internationale Völkerrecht und die Haager Landkriegsordnung, die immer noch gelten, schützen auch den Verlierer, vor allen Dingen die Zivilbevölkerung und deren Hab und Gut.

Dieses dennoch zu beschlagnahmen, ist ganz gewöhnlicher Diebstahl oder Raub. Was darüber hinaus die Sieger in den deutschen Produktionsbetrieben an Patenten, Verfahrenstechniken, Neuentwicklungen und Betriebsgeheimnissen erbeutet, bzw. geraubt und geplündert haben, ist ein gänzlich unbekanntes Kapitel. Es gab keine Zentrale, in der alle diese Geheimnisse registriert worden wären. Soweit es sich nicht um Patente handelte, die beim Patentamt registriert sind, hat jeder Betrieb seine Fortschritte, Verfahrenstechniken, Rezepte und Betriebsgeheimnisse für sich behalten. Erst die Veröffentlichungen in einigen amerikanischen Medien geben uns Kenntnis von diesem größten geistigen Raub der Weltgeschichte.

Die „News Chronicle” vom 21. Februar 1946

Diese Zeitung brachte wohl den ersten Bericht unter der Überschrift Deutschland hat seine militärischen Reichtümer aufdecken müssen. Jan Beven hieß der Spezialkorrespondent für Europa, welcher Kontakt aufgenommen hatte zu Brigadegeneral T. Beets vom US-Kriegsdepartment und Professor R. F. Sinsteed vom britischen Versorgungsamt, welche gemeinsam unter der Bezeichnung „Cios“ gleich hinter den vorrückenden Truppen in Deutschland das Aufspüren von Produktionsgeheimnissen betrieben.

Sie äußerten sich gegenüber Jan Beven, daß der Wert der erlangten wissenschaftlichen Kenntnisse und das Wissen um das „Wie“ gar nicht voll zu ermessen sei und daß die Ausbeute beiden Ländern, USA und England, viele Jahre Entwicklungsarbeit ersparen würde. Abgesehen von wissenschaftlichen Entdeckungen, die noch „Spitzengeheimnisse“ sind – viele betreffen die Atomenergie – bringt die News Chronicle eine erste Bilanz mit folgenden „Gewinnen“.

„1. Synthetischer Gummi: Ein neues Verfahren, das nur 1/3 der für die bisherige Herstellung erforderliche Menge an Chemikalien benötigt.

2. Raketen: Konstruktionspläne im Stadium der Windkanalversuche mit maßstäblichen Modellen für Geschosse, die in ungefähr 40 Minuten den Atlantik überqueren konnten.

3. Blutplasma: Synthetisch hergestellt unter der Bezeichnung „Peristan“.

4. Treibstoff: Neues Herstellungsverfahren für synthetischen Treibstoff, das den Alliierten bisher unbekannt war.

5. Flugzeuge: Wichtige Entwicklungen in Tragflächenformen nach Gesichtspunkten, die den englisch-amerikanischen Fachleuten fern lagen, jetzt aber möglicherweise als viel wichtiger erachtet werden als die Entwicklung des Düsenantriebs.“

Anschließend gaben die beiden Herren der „Cios“ einen kurzen Bericht über ihre Arbeit und die dabei erzielten Erfolge. 33777 Betriebe wurden durchforstet, und was sie dabei fanden, versetzte die Amerikaner ebenso wie die Engländer in ungläubiges Staunen. Die jeweiligen Regierungen waren sich noch nicht klar, ob und wie sie die freien Handelsfirmen an dieser Beute beteiligen sollten.

Was die ferngelenkten Raketen betrifft, so waren die bereits bekannten V1 und V2 in Bezug auf Reichweite und Treffgenauigkeit erst noch Spielzeug gegen das, was inzwischen zur Serienfertigung fast reif war. Die Erreichung großer Höhen von über 20.000 Kilometer erlaubten die Ausnutzung des geringen Luftwiderstandes und der geringeren Schwerkraft zu Geschwindigkeiten von über 8.000 Kilometern in der Stunde. Hatte die V2 noch eine Streuung von über 50 Kilometern, so lag die Treffgenauigkeit der modernsten Raketen bei 50 Metern. Sowohl der Peenemünder Forschungsstab als auch der Hauptteil des Aktenmaterials wurde in Süddeutschland aufgetrieben und erwies sich als die bedeutendste Entdeckung auf dem europäischen Kriegsschauplatz.

Gleichauf mit dieser Entwicklung waren die Elektronenforschung und die ionosphärischen Forschungen anzusehen, welche notwendig waren, um die Navigation in diesen großen Höhen ebenso wie die zielgenaue Treffsicherheit der ferngelenkten Geschosse zu gewährleisten. Allein die Ergebnisse der kostspieligen Untersuchungen der Ionosphäre hat den angloamerikanischen Wissenschaftlern viele Jahre aufwendiger Forschungsarbeiten erspart. Ebenso wichtig aber waren die deutschen Forschungsergebnisse in Windkanälen, wo Geschwindigkeiten von über 8.000 km/h getestet wurden. Einer der höchstentwickelten Windkanäle wurde bei Kochel in Bayern entdeckt. Die Deutschen hatten zudem 1100 verschiedene Treibstoffverbindungen für ihre Raketen getestet, deren Ergebnisse nun in der Hand der Alliierten waren.

Auf der reichlich vorhandenen Kohle basierte die Entwicklung von synthetischen Stoffen, von Gummi, Kunstpreßstoffen, Treibstoffen, und Textilien. Eine weitere Palette betraf die Entwicklung von Arzneimitteln, wobei ein Verfahren zur Herstellung von Insulin durch Auslegen frischer Drüsen in Alkohol gehörte, sowie Bakterizide, synthetisches Blutplasma oder einige neue Sulfonamidverbindungen. Dieses, so die „Cios“ sind nur einige von Tausenden Entdeckungen. Sie reichen von den größten Industriegeheimnissen bis zu untergeordnete Probleme der Herstellungstechniken und summieren sich zu der höchsten geistigen Kriegsbeute, die je ein Sieger hat rauben können.

Harpers Magazin vom Oktober 1946

Ein gutes halbes Jahr später griff der Journalist C. Lester Walker das Thema erneut unter der Überschrift „Tausende von Geheimnissen“ auf. Die Beute dürfte sich inzwischen noch vergrößert haben, während die Suche noch längst nicht abgeschlossen war. Außerdem waren sich die beiden Regierungen darin einig, daß jedermann diese Patente und technischen Verfahren verwerten durfte, er brauchte nur die Kosten für die Fotokopien zu bezahlen. So berichtet Lester Walker:

„Irgendeiner schrieb kürzlich an einen Flughafen, er habe erfahren, man habe eine ganze Kollektion von Kriegsgeheimnissen der Feinde bekommen, von denen manche jetzt öffentlich verkauft werden. Ob er wohl alles über deutsche Düsenflugzeuge erhalten könnte.“

Die Dokumentenabteilung der Luftwaffe antwortete:

„Bedauern; denn das würden 50 Tonnen sein.“

„Darüber hinaus, diese 50 Tonnen waren gerade ein kleiner Teil von dem, was heute unzweifelhaft die größte Kollektion von erbeuteten feindlichen Kriegsgeheimnissen ist, die jemals zusammengetragen wurde. Wenn Sie an Kriegsgeheimnisse dachten – und wer tat das nicht? – als ein Durcheinander von wenigen Informationseinheiten, bereitwillig den interessierten Siegern ausgehändigt, dann muß es Sie interessieren zu hören, daß die Kriegsgeheimnisse in dieser Kollektion in die Tausende gehen, die Menge der Dokumente berghoch und daß niemals etwas Vergleichbares gewesen ist.“

„Die Kollektion ist heute hauptsächlich an drei Plätzen untergebracht, am Flugplatz Ohio, in der Bibliothek des Kongresses und der Handelsabteilung … Es ist festgestellt, daß über eine Million besonderer Einzelheiten behandelt werden müssen und daß sie sehr wahrscheinlich alle wissenschaftlichen, industriellen und militärischen Geheimnisse des nationalsozialistischen Deutschland enthalten. Einer der Washingtoner Offiziellen nannte es ,die größte, bequemste Quelle dieser Art von Material in der Welt, die erste ordentliche Ausnutzung der Geisteskräfte eines ganzen Volkes’.“

Walker berichtet weiter, daß bereits 1944, als die Alliierten den ersten Fuß auf deutschen Boden setzten, Gruppen von militärisch-zivilen Abteilungen bereitstanden, die mit dem „Joint Intelligence Objective Commitee“ (JIOC) unmittelbar verbunden waren, um in großer Eile alle wissenschaftlichen und industriellen Geheimnisse aufzustöbern, ehe diese vernichtet würden. Man hoffte, wichtige Geheimnisse zu entdecken, welche noch im Krieg gegen Japan Anwendung finden könnten.

Über die Entdeckungen bei Zeiß in Wetzlar berichtete Walker:

Die Entdeckung der Infrarot-Zielgeräte

„… fühlte der untersuchende Offizier positiv, daß die leitenden Personen zurückhaltend waren. Doch nichts machte ihre Behauptung glaubhaft, sie hätten ihm alles gegeben. Er kam am nächsten Tag mit einem Aktenstück zurück, welches zu unterzeichnen er alle aufforderte. Sie sollten erklären, alle wichtigen Dokumente herausgegeben zu haben, und wenn nicht, würde das bittere Konsequenzen für sie haben. Sie unterzeichneten erst zwei Tage später, nachdem sie den Oberst zu einem Versteck in einer Lagerhausmauer geführt hatten. Aus einem Safe purzelten die geheimen Blätter über optische Instrumente, Mikroskope und Zielgeräte heraus.“

„… Er zeigte dann zwei der am dichtesten gehüteten technischen Geheimnisse des Krieges, die Infrarot-Einrichtung, welche die Deutschen erfunden haben, um nachts zu sehen, dazu den bemerkenswerten kleinen Generator, der sie betätigte. Deutsche Wagen konnten mit jeder Schnelligkeit in totaler Finsternis fahren und dabei Gegenstände zweihundert Meter weit voraus klar wie am Tage sehen. Panzer mit dieser Einrichtung konnten zwei Meilen entfernte Tafeln erkennen. Ein deutscher Schütze konnte mit Hilfe eines Infrarot-Zielfernrohrs einen Feind in totaler Finsternis abschießen. Wir wendeten dieses erbeutete Geheimnis zum ersten Mal in Okinawa an, zum Entsetzen der Japaner.“

Walker beschreibt dazu den ebenso geheimnisvollen Motor, der das Infrarotsystem betreibt. Der Motor war so klein wie eine Walnuß, der 10.000 Umdrehungen pro Minute erreichte, so daß er alle Schmieröle durch Ozonbildung zerstörte. Die Deutschen hatten ein neues Fett entwickelt, Chlorparafinöl, mit dem der Generator 3.000 Stunden lief. Die Nachtsichtgewehre hatten zwei Druckpunkte, der erste setzte den Generator in Gang und damit das Zielfernrohr, der zweite löste dann den Schuß aus.

Auf der Spur von Menschenversuchen

Es war zunächst nur ein Gerücht, daß die Deutschen Versuchsobjekte zu Tode gefroren hätten, um sie dann durch neuartige Methoden wieder zum Leben zu erwecken. Schließlich fand man 4 „Naziärzte“ in einem Laboratorium des Instituts für Luftfahrtmedizin auf Gut Hirschau in Bayern. Ein amerikanischer Medizin-Corps-Mayor, Leo Alexander, interviewte die vier Ärzte, um herauszufinden, ob Menschen für diese Versuche geopfert wurden. Die Laboratoriumsausrüstungen für Kleinlebewesen waren sorgfältig aufbewahrt, alle Ausrüstungen für Großlebewesen waren zerstört.

Irgendwelche Notizen oder Aufzeichnungen für Menschenversuche waren nicht zu finden.

Da brachte das alliierte Radio eine schreckliche Nachricht über das Konzentrationslager Dachau. Dort waren Untersuchungen an Gefangenen durchgeführt worden, die der Kälte ausgesetzt waren. Der Rundfunk nannte als verantwortlichen Leiter den SS-Arzt Dr. Rascher. Alexander reiste zur 7. amerikanischen Armee, die für die dortige Gegend zuständig war und allerlei geheime Dokumente erbeutet haben soll.

Alexander fand mehr als erwartet, sogar einen vollständigen Schlußbericht an Himmler persönlich. Da war von sieben Personen die Rede, die nackt in Eiswasser getaucht wurden, bis sie ihr Bewußtsein verloren. Während dieser Zeit wurden fortlaufende Messungen gemacht: Reaktionen der Haut, innere Magentemperatur, Puls, Blutzucker, Blutkörperchen, Rückenmarkflüssigkeit, Appendix usw. Walker oder seine Informanten sahen diesen Teilbericht als Eingeständnis für 7 Morde an, jedoch an anderer Stelle ist darüber berichtet, daß trotz dieses klinischen Todes die Opfer bei Einsetzen der besonderen Art der Wiederbelebung innerhalb von 53 bis 106 Minuten wieder zum Leben erweckt wurden. Diese für die Armee so wichtige Erforschung wurde sogleich an die noch gegen Japan kämpfende Truppe weitergegeben, um abgeschossene Flieger nach tödlicher Unterkühlung noch zu retten.

Die Suchtrupps – Die Spürhunde

„Den ersten JIOC-Suchgruppen folgten andere, welche insbesondere industrielle und wissenschaftliche Geheimnisse auszugraben hatten. Das ,Technical Industrial Intelligence Commitee’ (TIC) war eine dieser Gruppen, zusammengesetzt aus 380 Zivilisten, welche 17 amerikanische Industrien repräsentierten. Später kamen die Gruppen von dem Office of the Publication Board (OPB) selbst und viele andere Gruppen direkt aus der Privatindustrie. Von den letzteren – in Deutschland Field Intelligence Agencis, Technical (FLAT) genannt – waren über 500 Gruppen von einem bis zu zehn Mitgliedern, jede auf Einladung und unter Führung des OPB arbeitend.

Das Suchen dauern heute noch an. Das Büro des technischen Dienstes hat einen europäischen Stab von vier- bis fünfhundert Personen. Bei den Farbwerken Höchst hat es einhundert Spezialisten, welche fieberhaft arbeiten, …. um der OTS jeden Monat über sechshunderttausend Fuß Microfilme zu bringen.

Einige „wichtige Nebensachen“ und Kleinigkeiten”

„Der Vorsitzende der Verbindungseinheit der Technical Industrial Intelligence Branch öffnete seine Schreibtischschublade.“ „Was wir fanden? Möchten Sie einige ausstehende Beispiele der Sammlung von Kriegsgeheimnissen?“ Er entnahm der Schublade die winzigste Geißlersche Röhre, die ich je gesehen habe. Sie hatte etwa halbe Daumengröße.“

„Bedenken Sie, daß es schweres Porzellan ist und kein Glas und deshalb wirklich unzerstörbar. Es hat mit 1000 Watt ein Zehntel der Größe amerikanischer Röhren. Heute kennen unsere Fabrikleute das Geheimnis ihrer Herstellung … Und hier ist etwas …“ Er wickelte ein nach braunem Papier aussehendes Band von einer Spule ab. Es war ein viertel Zoll breit und hatte eine glänzende und eine matte Seite. „Das ist ein Magnetophonband“, sagte er. „Es ist plastisch, auf einer Seite mit Eisenoxyd metallisiert. In Deutschland ersetzt es Schallplatten. Das Radioprogramm eines ganzen Tages kann auf einer Spule magnetisiert werden. Sie können es entmagnetisieren, also abwischen und zu jeder Zeit ein neues Programm aufbringen. Keine Nadel, ohne jedes Geräusch oder Plattenabnutzung. Eine Stundenrolle kostet etwa 50 ct.“

Es folgten hier die Beschreibungen der Infrarotnachtsichtgeräte, die bereits in der „News Chronicle“ vom 21. Februar 1946 mit so großer Begeisterung gewürdigt wurden.

„Wir erhielten unter diesen Geheimnissen zusätzlich die Technik und die Herstellungsmaschine, um den bemerkenswertesten elektrischen Kondensator der Welt herstellen zu können. Millionen von Kondensatoren sind für die Radio- und Radarindustrie notwendig. Unsere Kondensatoren wurden immer aus Metallfolien gemacht. Dieser deutsche Kondensator ist hergestellt aus Papier, überzogen mit verdampftem Zink von 1/250000 Zoll Dicke. Vierzig Prozent kleiner und 20 Prozent billiger als unsere Kondensatoren; dazu ist er auch noch selbstheilend. Das heißt, falls ein Zusammenbruch erfolgt (gleich einem Durchschmelzen), verdampft der Zinkfilm, das Papier isoliert unmittelbar, und der Kondensator ist wieder in Ordnung. Er hält viele Zusammenbrüche aus bei einer um 50% höheren Voltzahl als unsere Kondensatoren. Vielen amerikanischen Radioexperten ist diese Zauberei doppelt bedeutsam.

Glimmer war eine weitere Sache. Nichts davon wird in Deutschland gefunden, deshalb war unser Signal Corps während des Krieges verwundert: Woher bekamen die Deutschen Glimmer? Eines Tages wurde ein gewisses Stück Glimmer gefunden und einem unserer Experten in dem USA-Büro für Bergbau zur Analyse und Begutachtung gegeben. Das Gutachten besagte, daß es sich bei dem Stück um natürlichen Glimmer ohne Unreinheiten handelte.

Doch der Glimmer war synthetisch. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Silicatforschung hatte die Herstellung erfunden und zwar in großen Bögen, was sich bisher der Kenntnis unserer Wissenschaftler entzogen hatte. Wir wissen jetzt dank der FLAT-Gruppen, daß Bestandteile des natürlichen Glimmers in Kohlenstofftiegeln bei 2350 Grad Hitze geschmolzen und dann – das war das eigentliche Geheimnis – in einer besonderen Weise gekühlt wurden.

Eine vollständige Verhinderung von Vibrationen war das wichtigste Erfordernis. Dann wurden zwei direkt rechtwinklig aufeinander wirkende Kräfte angewendet. Eine – vertikal – war ein kontrollierter Verlauf der Temperatur während der Kühlung. Dazu wurde im rechten Winkel, horizontal, ein magnetisches Feld eingeführt. Dieses bewirkte die Bildung der Kristalle in großen gestreckten Bögen.

„Sehen Sie dies“, sagte der erste Offizier der Verbindungseinheit zu mir. Es war Metall und sah einem verwinkelten Puppenhaus sehr ähnlich. Es ist der Rahmen oder das Gestell für ein Radio. Um dasselbe zu machen, würden wir Amerikaner mit Maschinen schneiden, formen, aushöhlen, montieren, ein Dutzend verschiedener Prozesse machen. Dieses hier ist in einer Presse in einem einzigen Arbeitsgang gemacht. Es wird der „kalte Ausstoßungsprozeß“ genannt. Wir tun ähnliches wohl mit weichen Metallen, doch bei diesem Prozeß machen es die Deutschen mit kaltem Stahl. Tausende von Teilen, die jetzt aus Guß, Schmiedeeisen oder hämmerbaren Eisen hergestellt wurden, können auf diesem deutschen Wege gemacht werden. Die Steigerung der Produktionskapazität macht dadurch die Kleinigkeit von 1000% aus. Dieses eine Kriegsgeheimnis allein, so glauben viele amerikanische Stahlmänner, wird Dutzende unserer Metallverarbeitungsbetriebe revolutionieren.

Textilbereich

In Textilien hat die Sammlung der Kriegsgeheimnisse so viele Offenbarungen hervorgebracht, daß die amerikanischen Textilmänner recht verwirrt sind. … Da ist eine deutsche Rayon-Strickmaschinengesellschaft, die bei großer Platzersparnis die Produktion um 150% erhöhte. Ihre Links-Links-Webprodukte sind laufmaschenfreie, gehbeständige Damenstrümpfe. Eine neue deutsche Maschineneinrichtung zur Herstellung von Nadeln wird in allen Ländern das Geschäft revolutionieren. Da ist ferner eine neue deutsche Methode, die Wolle vom Schaf abzunehmen, ohne die Haut oder Fasern zu beschädigen unter Anwendung von einem bestimmten Enzym. Daraus resultiert nicht nur bessere Wolle, sondern auch ein um 10% höherer Ertrag. Eine weitere Entdeckung war das Verfahren, Viscose-Rayon-Fibre zu kräuseln, was ihr das Aussehen, die Isolierfähigkeit, Tragbarkeit und Einfärbbarkeit von Wolle gab …

Chemie

Doch von allen industriellen Geheimnissen kam der Glücksfall aus den Laboratorien und Fabriklagern des IG-Farbenkartells. Niemals vorher, so steht fest, gab es ein Geschäftshaus so voller geheimer Informationen. Sie enthielten flüssige und feste Feuer, Metatorgy, synthetischen Gummi, Textilien, Chemikalien, Kunststoffe, Drogen, Farben. Ein amerikanischer Farbenexperte hat erklärt:

„Sie enthält Rezepte für über 50.000 Farben die wir niemals herstellen konnten. Viele von ihnen sind schneller und besser als unsere. Die amerikanische Farbenindustrie ist damit um mindestens 10 Jahre Entwicklungsarbeit voran gebracht worden.“

In Sachen Nahrungsmittel, Medizin und Kriegstechnik waren die entdeckten Geheimnisse nicht weniger eindrucksvoll. Ein Ernährungsgeheimnis bestand darin, Fruchtsäfte ohne Hitze zu sterilisieren. Milchpasteurisierung durch ultraviolette Strahlungen schlug bei uns immer fehl, doch die Deutschen fanden heraus, wie es durch Verwendung von Sichtröhren in großen Längen zu machen ist, um gleichzeitig die Milch mit Vitaminen anzureichern. In einer Fabrik in Kiel fanden britische Forscher des JIOC, daß Käse, gute Qualität Holländer und Tilsiter, auf eine neue Methode von ungeheurer Schnelligkeit gemacht wurde. Die Käseindustrie der ganzen Welt war nicht zu gleichem fähig.

Butter (in einer Molkerei bei Hamburg) wurde auf eine von den Amerikanern schon lange gewünschten Art und Weise hergestellt: Eine ununterbrochen arbeitende Buttermaschine, die Erfindung eines Molkereimaschinenfabrikanten aus Stuttgart. Sie nahm weniger Raum in Anspruch als amerikanische Buttermaschinen und stieß 1500 Pfund Butter in der Stunde aus. Die Maschine wurde sofort in unser Land transportiert, um hier genutzt zu werden.

Eine andere Neuheit war, Hefe in unbegrenzten Mengen herzustellen, die zudem bei wesentlich höheren Temperaturen verwendet werden kann und doppelt soviel Protein und einen vielfach höheren Kalorienwert als Rindfleisch besitzt. Die Deutschen hatten auch eine Methode entwickelt, um Nahrungsmittel durch Gefriertechniken zu konservieren oder Brot durch einen besonderen Überzug 8 Monate genießbar zu halten.

Medizin

„In Bezug auf medizinische Geheimnisse in dieser Sammlung“, bemerkte ein Armeearzt, „werden einige von Ihnen der amerikanischen Medizin viele Jahre der Untersuchungen ersparen, einige von ihnen sind revolutionierend wie zum Beispiel die deutsche Technik für Behandlungen nach längeren und gewöhnlich tödlichen Aussetzungen in der Kälte.“

Diese Entdeckung (uns durch die Untersuchungen des Mayor Alexander bereits bekannt), kehrten jeden wissenschaftlichen medizinischen Gedanken über das Subjekt in das Gegenteil. In jedem Einzelfall der schrecklichen Experimente wurden die Subjekte höchst erfolgreich wiederbelebt, augenblicklich und dauernd, durch sofortiges Untertauchen in heißes Wasser. In zwei Fällen des völligen Stillstandes des Herzens und Aufhörens der Atmung brachte ein heißes Bad bei 122 Grad Fahrenheit beide Subjekte zum Leben zurück.

Ehe unser Krieg mit den Japanern endete, wurde diese Methode übernommen als die Behandlung für unterkühlte Opfer durch alle amerikanischen Luft-Seerettungsdienste und ist allgemein angenommen bei der heutigen Wissenschaft.“

Während zuvor noch, ausgelöst durch eine Propaganda-Radiomeldung über das KZ Dachau behauptet wurde, daß die „Nazis“ dabei 7 Menschen „ermordet“ hätten, ist dem jetzigen Bericht zu entnehmen, daß alle Versuchspersonen, selbst wenn sie klinisch bereits tot waren, durch die besondere Methode wieder zum Leben erweckt wurden.

Es ist kein Geheimnis, daß Menschenversuche durchgeführt wurden, andererseits ist es aber auch richtig, daß für diese Versuche Freiwillige gesucht wurden. Bei KZ-Häftlingen, die zuvor über das Risiko informiert waren, wurden Erleichterungen, Abkürzung der Haft oder auch sofortige Entlassung nach den Versuchen in Aussicht gestellt. Die Unterkühlungsexperimente wurden zuvor an Kleintieren erprobt, bevor sie an Menschen angewandt wurden. Ob dabei tatsächlich Todesfälle vorgekommen sind, ist nicht erwiesen. Doch weiter zum Bericht über die medizinischen Geheimnisse:

„Deutsche Medizinforscher hatten einen Weg entdeckt, synthetisches Blutplasma herzustellen, genannt „capain“. Es wurde nach einem geschäftlichen Plan hergestellt und gleicht im Resultat natürlichem Plasma. Eine andere Entdeckung war „perisfon“, ein Ersatz für die Blutflüssigkeit.

Ein anderes, ein Oxydationsprodukt von Adrenalin (adrenichrome) wurde in Mengen erfolgreich nur von den Nazis hergestellt zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks. Daran sterben in den USA jährlich 700.000 Personen. Heute haben wir das Geheimnis der Herstellung und damit die Möglichkeit, die Bevölkerung damit zu versorgen.

Gleichermaßen waren von großer medizinischer Wichtigkeit gewisse Untersuchungen eines Dr. Boris Rajewski vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Biophysik in Frankfurt. Diese betrafen die Beziehungen von elektrisch geladener Luft auf die Gesundheit. Positiv geladene Luft wurde als gefährlich für das menschliche Wohlbefinden festgestellt, weil es Unbehagen und Depressionen beispielsweise bei fallendem Luftdruck verursacht. Bei manchen Personen, so wurde befunden, brachte positiv geladene Luft Asthma, Neufieber und nervöse Erscheinungen. Der Blutdruck stieg dabei bis an den Gefahrenpunkt.

Sie verursacht die Symptome, wie sie bei Bergkrankheiten bekannt sind: Erschwerte und schnelle Atmung, Schwindel, Ermüdung, Schlaflosigkeit und dergleichen. Negativ geladene Luft bewirkte das Gegenteil. Sie wirkte erheiternd, ein Gefühl von Geistesfreiheit und Wohlbefinden. Gemütsdepressionen wurden dadurch beseitigt. In pathologischen Fällen beruhigt sie die Atmung, reduziert hohen Blutdruck, brachte ein Auslöschen von Allergien und Asthma. Die Wichtigkeit negativ geladener Luft ist da, wo menschliche Wesen leben und arbeiten oder von Krankheit Erholung suchen. Die Schaffung dieser Luftbedingungen wird eines Tages zur Hauptaufgabe werden.“

Luftfahrt

Was in der „New Chronicle“ bereits zu diesem Thema berichtet wurde, wiederholte und ergänzte Lester Walker in Harpers Magazin:

„Doch von höchster Bedeutung für die Zukunft waren die Nazi-Geheimnisse in der Luftfahrt und den verschiedenen Typen von ferngelenkten Geschossen. Die V2-Rakete, welche London bombardierte, so kommentierte eine Armee-Luftwaffen-Veröffentlichung, war geradezu nur ein Spielzeug im Verhältnis zu dem, was die Deutschen vorhatten. Als der Krieg beendet war, wußten wir, daß die Nazis 136 Typen von gelenkten Geschossen in den verschiedenen Stadien der Produktion hatten; jede bekannte Art der Fernlenkung und -zündung benutzend: Radiowellen, Radarsysteme, kontinuierliche Wellen, Infrarot, Ultraschall, Lichtbäume und Magnetismus, um einige zu nennen. Für den Antrieb wurden alle Methoden des Düsenantriebs verwendet, sowohl für geringere Geschwindigkeiten als auch für Superschnelligkeit.

Düsenantrieb wurde sogar für Helikopter verwendet. Der Treibstoff wurde in die Verbrennungskammern der Rotorblätterspitzen geleitet und dort gezündet, so daß die Rotorblätter wirbelten wie die Messer eines Rasenmähers.

Bezüglich Düsenantrieb: Ihre A4-Rakete, die gerade in großem Maßstab in die Produktion ging, als der Krieg endete, war sechsundvierzig Fuß lang, wog über 24000 Pfund und flog 230 Meilen weit; sie erhob sich 100 Meilen über die Erde und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 3735 Meilen in der Stunde, dreimal so schnell wie sich die Erde um ihre Achse am Äquator dreht. Das Geheimnis seiner Superschnelligkeit lag, so wissen wir heute, in seinem Raketenmotor, der flüssiges Oxygen und Alkohol für die Verbrennung brauchte. Die Rakete wurde entweder radiokontrolliert oder durch gyroskopische Mittel selbstführend zu ihrem Ziel geleitet. Da ihre Schnelligkeit übergroß war, mehrmals schneller als der Schall, konnte die Rakete vor ihrem Einschlag gar nicht gehört werden.

Eine andere deutsche Rakete, die noch im Entstehen war, nannte sich A9. Diese war noch größer, 29000 Pfund schwer und hatte Tragflächen, die ihr eine Reichweite von 3000 Meilen gaben. Sie wurde in der berühmten Peenemünder Armee-Versuchsstation hergesellt und erreichte die unglaubliche Geschwindigkeit von 5670 Meilen (ca. 8000 km) in der Stunde.

Ein Langstrecken-Raketenbomber, der, wie es die Dokumente aussagen, noch nicht hergestellt werden konnte, weil der Krieg so schnell zuende ging, würde befähigt gewesen sein, von Deutschland nach New York in 40 Minuten zu fliegen. Von einem Piloten in einer Preßluftkabine geführt, erreichte es eine Höhe von 154 Meilen. Gestartet wurde von einem Katapult mit 500 Meilen per Stunde, so daß es in 4 Minuten seine Flughöhe erreicht hätte. Dort würde es, wenn der Treibstoff erschöpft war, durch die Außenatmosphäre gleiten und auf sein Ziel niederstoßen. Mit hundert Bombern dieser Art rechneten die Deutschen, damit jede Stadt auf der Erde in einer Operation von wenigen Tagen zerstören zu können. Kein Wunder daher, daß heute Luftmachtexperten erklären, daß die Deutschen uns im Raketenantrieb und in ferngelenkten Geschossen um mindestens 10 Jahre voraus seien.“

Notwendiges Zubehör

„Die Deutschen hatten sogar Erfindungen fertig, die sich um die Piloten bemühten, welche bei Supergeschwindigkeiten das Flugzeug während des Fluges verlassen mußten. Normalerweise würde einem Piloten, der bei solchen Geschwindigkeiten den Kopf heraussteckt, derselbe abgerissen werden. Sein Fallschirm würde beim Öffnen in Stücke zerreißen. Um diese unglücklichen Zwischenfälle zu verhindern, wurde ein Ausstoßsitz erfunden, welcher den Piloten augenblicklich herausschleudert. Sein Schirm war bereits durchlöchert, das heißt, er war hergestellt aus Bändem, gitterähnlich, welche seinen Fall nur hemmten, bis der nachlassende Gewichtsdruck automatisch den normalen Fallschirm freigab.

Eine deutsche Variation der Fernlenkgeschosse war ein Unterwassertorpedo, welches unbeirrbar auf sein Ziel zusteuerte, angezogen von dem Schraubengeräusch des angegriffenen Schiffes. Das funktionierte bis zu einer Entfernung von 10 Meilen. Der Torpedo operierte 30 Fuß unter Wasser mit 40 Meilen in der Stunde und hinterließ kein Kielwasser. Sobald er unter dem Ziel war, erfolgte die Explosion.“

Was wäre, wenn …

„Alle diese Enthüllungen lassen natürlich die Frage aufkommen: War Deutschland soweit vorangeschritten in der Luft-, Raketen- und Geschoßtechnik, daß es den Krieg gewonnen haben könnte, wenn ihnen ein wenig mehr Zeit gegeben wäre? Ihre Kriegsgeheimnisse, wie sie nun entschleiert sind, würde diese Möglichkeit zu bestätigen scheinen. Der Deputy Commanding General of Army Air Forces Intelligence, Air Technical Service Command sagte der Gesellschaft der Aeronautischen Ingenieure in den vergangenen Monaten: ,Die Deutschen bereiteten Raketen-Überraschungen für die ganze Welt im allgemeinen und für England im Besonderen vor, die, das ist höchstwahrscheinlich, den Lauf des Krieges gewandelt haben würden, wenn die Invasion für die kurze Zeit von einem halben Jahr verzögert worden wäre.’“

Die Verwertung

„10 Tage nach der Kapitulation Japans hat Truman die Freigabe und Verbreitung aller erbeuteten Geheimnisse angeordnet. Es wurde eigens eine Behörde für diese Veröffentlichungen eingerichtet, und damit begann das größte Veröffentlichungsproblem, das je eine Regierungsabteilung zu behandeln hatte. Abgesehen von einigen Ausnahmen wurden alle militärischen, zivilen und wissenschaftlichen erbeuteten Geheimnisse freigegeben.

Was allein die Kriegsgeheimnisse betrifft, die üblicherweise einzeln gezählt werden, so belaufen sich diese auf eine dreiviertel Million dokumentarischer Einzelheiten. Zweidrittel hiervon wiederum betrafen die Aeronautik. Viele Jahre werden Hunderte von Leuten beansprucht werden, um die Dokumente zu sichten und für die Veröffentlichung vorzubereiten.

Übersetzer und Auszugsbearbeiter, die vom Büro des technischen Dienstes dem OPB zugeteilt sind, arbeiten mit einer Rate von ungefähr eintausend Dokumenten die Woche. Für Inhaltsverzeichnisse und Katalogisierung der Teile dieser Sammlung, die als Nachschlagewerke dauernd gebraucht werden, dürften mehr als 2 Millionen Karten angelegt werden müssen.

Auf dem Flugfeld ist die Arbeit so verwickelt, daß elektrische Lochkartenmaschinen aufgestellt werden müssen. Ein ganz neues Wörterbuch von deutsch-englischen Begriffen mußte mit etwa 40000 neuen technischen Einzelheiten und Begriffen zusammengestellt werden. Die OPB gab wöchentlich eine Bibliografie darüber heraus, welche Informationen über erbeutete Geheimnisse erhältlich sind, was sie beinhalten, wie viele Kopien sie umfassen und was diese kosten.“

Die Nachfrage

„Etwa 20.000 Bestellungen wurden im Monat ausgeführt, und jeden Tag gehen 1.000 neue ein. Wissenschaftler und Ingenieure erklären, daß die Informationen viele Jahre an Forschungsarbeit ersparen. Insgesamt wird geschätzt, daß die Sammlung der amerikanischen Wirtschaft mindestens 10 Jahre Entwicklungszeit ersparen. Die erbeuteten Akten hatten einen Umfang von 150.000 Tonnen, davon allein 50.000 Tonnen für die Luftfahrt und Raketentechnik.“

Walker beschreibt einen Gang durch die Briefablage: „Die Bendix Company in South Bend, Indiana, wünscht das Patent für Musikboxen, in die man 10 Platten über die Drehscheibe legen kann, die dann automatisch gewechselt werden. Pillsbury Mils wünschen alles, was an deutschen Mehl- und Brotproduktionsmethoden zu haben ist. Kendell Manufacturing Company („Sospine“) wünscht winzige, wasserabstoßende Verbindungen. Pioneer Hi-Brd. Cora Company, Iowa, erkundigt sich nach Forschungsergebnissen an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Hohenheim. Pacific Fabriken verlangen besondere Methoden und Rezepte der I.G. Farben. Die Polaroid Company wünscht etwas von „dem Status der Ausbeutung der Fotografie und Optik in Deutschland.“ Davon sind allein noch zehn- bis zwanzigtausend Patente zu bearbeiten.

„Der unersättlichste Verbraucher ist die ,Amtorg’, die Sowjetorganisation für Außenhandel. Einer ihrer Vertreter kam in die PSC mit dem Katalog in der Hand und sagte: ,Ich wünsche Kopien von allen’. Sie kauften jeden herausgegebenen Bericht.“

„Amerikaner denken ebenfalls, daß es gut sei, Ausschau zu halten nach den Kriegsgeheimnissen; sie parken praktisch vor der Haustür der OTS, um die ersten zu sein. Manche Information ist so wertvoll, daß man Tausende von Dollars bezahlen würde, wenn man sie nur einen Tag vor der Konkurrenz erhalten könnte. Doch die OTS läßt besondere Vorsicht walten, um sicher zu sein, daß niemandem ein Bericht ausgehändigt wird vor der offiziellen Veröffentlichung. Nachdem eine gewisse amerikanische Luftfracht Compagnie ein bestimmtes Beutedokument bestellt hatte, war es fraglich, ob es ihr Kosten gemacht oder gespart hätte.

Die Kosten waren nur wenige Dollars gewesen, aber der Nutzen, so die Compagnie, war einige hunderttausend Dollar wert. Der Hauptforscher einer anderen Firma nahm eines Tages über 3 Stunden Notizen auf. ,Ich danke Ihnen vielmals’, sagte er beim Gehen, ,die Notizen sind meiner Firma wenigstens 1 Million Dollar wert.“

Nachdem ein Textilfabrikant den vollständigen Bericht über die deutsche Kunstfaserindustrie gelesen hatte, sagte er: ,Dieser Bericht würde meiner Firma 20 Millionen Dollar wert sein, wenn ich ihn ausschließlich haben könnte.’ Aber er konnte ihn wie jeder andere haben für ein paar Dollar. Alle erbeuteten Kriegsgeheimnisse sind für den öffentlichen Besitz freigegeben.“

Soweit der Bericht des Lester Walker in Harpers Magazin vom Oktober 1946. Gewiß haben die Amerikaner nicht alle erbeuteten Geheimnisse freigegeben. Da ist nichts erwähnt von der Atomforschung, die beispielsweise in einem Bierkeller einer Wirtschaft in Haigerloch stattfand. Hier wurde die Verwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke, für Kernkraftwerke erforscht. Die Früchte dieser Forschung wurden in dem Forschungsreaktor FR2 bei Karlsruhe unter Karl Wirtz ausgereift, der bereits als Juniorpartner in Haigerloch geforscht hatte.

Es ist zu bedenken, daß diese Berichte nur einen ganz winzigen Bruchteil von dem erwähnen, was die Gesamtheit der Beute ausmacht. Was außerdem die Russen oder die Franzosen in ihren Regionen erbeutet haben, ist unbekannt; zumindest die Russen werden nicht so töricht gewesen sein, ihre Beute überhaupt zu erwähnen. Wenn die Russen eine große Zahl von Experten der Atomindustrie, des Flugwesens und andere in ihr Land deportiert haben, dann gewiß nicht, ohne gleichfalls die technischen Pläne dafür erbeutet zu haben.

Historische Bewertungen

Dieser gewaltige Raub deutschen Erfindergeistes hat neben dem unschätzbaren materiellen Wert auch nicht unwesentliche Aspekte bezüglich der Kriegsführung und Kriegsvorbereitung. Zunächst knüpfen wir an die Bemerkung aus Harpers Magazin an, daß das Kriegsende wohl ganz anders ausgesehen hätte, wenn die Invasion in der Normandie sich noch um einige Monate verschoben hätte. Etliche dieser noch in der Erprobung oder in den Anfangsstadien der Fertigung gewesenen Produkte hätten bis dahin zum Einsatz gelangen können. Allein die Wirkung der Fernlenkwaffen mit ihrer großen Zielgenauigkeit hätte einiges Entsetzen ausgelöst. Nicht nur diese ferngesteuerten Geschosse, sondern auch die Düsenjäger würden die alles vernichtenden Bomberverbände ferngehalten haben. Die ferngesteuerten Torpedos hätten Truppentransporte, Kriegsflotten u. dgl. aus der Ferne versenkt.

Wenn in den letzten Kriegsmonaten von den „Wunderwaffen“ gesprochen wurde, so war das kein unsinniges Gerede, um Durchhalteparolen zu stützen, sondern diese hatten Hand und Fuß.

Goebbels dazu in einer Rede. „Mir blieb das Herz stehen.“ Vielen amerikanischen Experten dürfte ebenfalls das Herz stehengeblieben sein, als sie von diesen Wunderwaffen erfuhren.

Auffallend ist ferner, daß die große Masse dieser Entwicklungen während des Krieges stattfanden, zu einer Zeit also, als angeblich die besten deutschen Wissenschaftler ins Ausland geflüchtet oder emigriert waren. Abgesehen von der Atombombe ist nichts Bemerkenswertes bekannt, was diese „tüchtigen“ Wissenschaftler für ihr Gastland USA entwickelt hätten. In Deutschland hingegen waren die Mittel und die Möglichkeiten allein wegen des Kriegszustandes beschränkt. In den USA gab es während des Krieges diese Beschränkungen nicht.

Das ändert auch die Aspekte der Feindpropaganda über die deutschen Kriegsvorbereitungen, die angeblich die Eroberungen ganz Europas oder gar der ganzen Welt zum Ziel gehabt haben sollten.

In welch kurzer Zeit und mit welcher Vehemenz hatten die Deutschen einen Standard erreicht, der es ihnen nach Aussage des Artikels in Harpers Magazin ermöglicht hätte, jede Stadt der Erde in kurzer Zeit auszulöschen.

Nach einer Studie des Pentagons über den Rüstungsstand vor Beginn des Krieges kam sie gleichlautend mit einer getrennten Studie der Harvard Universität zu dem Ergebnis, daß die Deutschen soviel Vorräte an Munition, Treibstoffen, Bomben und dergleichen hatten, die ihnen nur einen Krieg von höchstens 6 Wochen Dauer gegen nur einen der infrage kommenden Nachbarn zu führen erlaubt hätte.

Es wäre also eine tödliche Dummheit gewesen, einen „Welteroberungs- und Rassenvernichtungskrieg“ zu führen, ohne darauf auch nur mit einer einzigen zusätzlichen Rüstungsfabrik vorbereitet gewesen zu sein. Bei der vorhandenen Kapazität an Tüchtigkeit, Ideen, Wissen und Organisationstalent kann man sicher sein, daß sich die Deutschen sehr gründlich auf einen solchen Eroberungskrieg vorbereitet haben würden, wenn er beabsichtigt oder gar geplant gewesen wäre.

Machen wir ferner noch darauf aufmerksam, daß die wesentlichen Grundlagen der heutigen Hochtechnologie während des Krieges in Deutschland entwickelt worden sind.

Wenn die Amerikaner selbst zugeben, daß dieser größte geistige Raub der Weltgeschichte der amerikanischen Industrie mindestens 10 Jahre Entwicklungsarbeit gespart habe, dann muß man hinzurechnen, daß jeder Entwicklung eine Idee und ein Ziel vorausgehen, Faktoren, die oft wichtiger sind als die technischen Verwirklichungen.

Man sollte sich einmal erkundigen, was der amerikanischen Industrie wohl ein Jahr Entwicklungsarbeit kostet und wie hoch sie allein die Erfinder und Spezialisten bezahlen müßte. Es sind – in Dollar – astronomische Milliardensummen. Die Deutschen erfanden und entwickelten nicht für Geld, sondern für eine Idee, das Vaterland!

Letztlich sei daran erinnert, daß die USA, nachdem sich ein Konflikt mit den Sowjets abzeichnete, Europa einen Marshallplankredit von 13 Milliarden Dollar bewilligte; davon erhielt Deutschland 1,5 Milliarden Dollar; gewiß viel Geld für damalige Verhältnisse, jedoch nur ein winziger Bruchteil von dem, was die geistige Beute aus Deutschland den Amerikanern eingebracht hat. Rechnet man die geraubten Kunstschätze, das beschlagnahmte Auslandsvermögen und die Beschlagnahmung der Markenzeichen hinzu, so übersteigt allein der Wert eines jeden einzelnen Postens den Kredit von 1,5 Milliarden Dollar. Zu behaupten, dieser Kredit hätte das Wirtschaftswunder ermöglicht und periodisch dieser großzügigen amerikanischen Geste zu gedenken, ist eine Perversion der Dankbarkeit, wie sie einem Kolonialvolk gegenüber seinem Kolonialherren ansteht.

„Ich glaube an die Wahrheit. Sie zu suchen, nach ihr zu forschen in und um uns, muß unser höchstes Ziel sein. Damit dienen wir vor allem dem Gestern und Heute. Ohne Wahrheit gibt es keine Sicherheit und keinen Bestand.

Fürchtet es nicht, wenn die ganze Meute aufschreit. Denn nichts ist auf dieser Welt so gehaßt und gefürchtet wie die Wahrheit. Letzten Endes wird jeder Widerstand gegen die Wahrheit zusammenbrechen wie die Nacht vor dem Tag.“

– Theodor Fontane

Entnommen aus: Stimme des Gewissens (LSI) Nr. 3/00, S.7ff


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