Die Illusion in der wir leben – Scheinfreiheit und Scheinwahl

Von Marco Maier

Unser System gaukelt uns vor, frei zu sein und in Freiheit zu leben, in der wir die Wahl haben. Doch der Schein trügt. Die ökonomischen und politischen Zwänge bestimmen unser Leben.

Ist alles zusammen nur eine Illusion? Unsere Demokratie, unsere sogenannte Marktwirtschaft? Ziemlich sicher, ja. Anhaltspunkte dafür gibt es zur Genüge. Denn oftmals haben wir nicht die Wahl, sondern werden vor die Wahl gestellt – die mit entsprechenden Konsequenzen einher geht. Dies trifft zumindest für die breite Masse der Menschen zu, partiell ausklinken können sich nur jene, die über entsprechende Mittel verfügen.

Ein Beispiel hierfür ist das eingespielte Bereicherungssystem der Konzerne. Mittels möglichst niedriger Löhne und der Vermeidung von Steuern und Abgaben wird billiger Industriefraß hergestellt, den sich die im Prekariat gehaltene Masse gerade noch leisten kann. Die Menschen glauben, eine große Auswahl an Nahrungsmitteln zu haben, an vielen unterschiedlichen Marken und Produkten, doch die Lebensmittelindustrie der größten Konzerne kontrolliert bereits mehr als drei Viertel des Weltmarktes.

Klar, man kann sich auch gesund und ausgewogen ernähren – doch immer weniger Menschen können sich das überhaupt noch leisten. Wer wenig Geld hat, greift eben zum billigen, gestreckten Industriefraß, der zwar den Magen füllt und Dank unzähliger Aromen und Geschmacksverstärker auch noch einigermaßen schmeckt – doch das Resultat in Form von Übergewicht, Diabetes und diversen anderen „Zivilisationskrankheiten“ kommt dafür der großen Pharmaindustrie zugute. Heute spart man sich Geld beim Essen, morgen bezahlt man dann dafür mehr für die Bekämpfung von Krankheiten, die sich aus der vorherigen Ernährung ergeben. Der Rubel (bzw. die Dollars, Euros, Franken…) rollt – aber nur für Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Manager und Aktionäre. Diese Leute haben jedoch – aufgrund ihres hohen Einkommens – tatsächlich die Wahl, ob sie sich gesund und teuer oder eben ungesund und billig ernähren wollen.

Ähnlich ist es in der Politik. Die Wahlzettel gleichen einem Obststand, an dem es Dutzende verschiedene Apfelsorten gibt. Rot, Gelb, Grün, körnig, weich, fest, süß, sauer… Doch es sind eben nur Äpfel. Birnen, Bananen, Mangos, Papayas und dergleichen sucht man vergebens. Du willst Obst (also wählen), dann nimm das, was wir dir zur Wahl anbieten. So in etwa lautet das Motto in der Politik. Wir haben lediglich die Wahl zwischen Politikern und Parteien, die sich innerhalb des System-Schemas bewegen (müssen), welches die Verfassung bzw. das Grundgesetz vorgibt.

Andere Sichtweisen zu Themen wie Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und dergleichen sind nicht erlaubt – weil verfassungswidrig. Der heutige Wähler hat keine Wahl, sondern wird vor die Wahl gestellt. In der DDR gabs zwar auch keine Bananen, sondern nur rote Äpfel – aber dort hat man die Menschen wenigstens nicht angelogen und ihnen die Illusion vermittelt, sie könnten zwischen verschiedenen Sorten auswählen. Die Superreichen hingegen kaufen sich einfach die Politik(er) und schaffen es so, es sich im herrschenden System so zu richten, wie sie es brauchen.

Freiheit besteht nicht darin, zwischen Coca Cola und Pepsi Cola, zwischen Knorr und Maggi oder zwischen Konservativen und Sozialdemokraten wählen zu „können“, sondern tatsächlich eine Wahl zu haben, wie man sein Leben gestalten will, weil man nicht durch äußere Umstände zu etwas gezwungen wird, was man eigentlich gar nicht will. Dazu bedarf es aber auch eines ausreichenden Einkommens, welches eine solche ökonomische Freiheit bietet, sowie eines politischen Systems, welches auch offen für alternative Ideen und Vorschläge ist – und vor allem eine Begrenzung der Macht kleiner Interessengruppen, die über das Leben eines Großteils der Menschheit mitentscheiden.

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