Die Maus ist kein Vogel

von Gaby Simon-Schmidt

… und das Deutsche Reich kein Staat

Ich war gestern nach langer Zeit mal wieder in einer neuen Gruppe und konnte mehr oder weniger aus technischen Gründen der Unterhaltung nur lauschen. Schon sind sie wieder da, ohne dass die Diskutanten sich dessen vielleicht bewusst sind: Die Streitpunkte um die Alte Weltordnung (AWO) und die Neue Weltordnung (NWO).

Auch wenn die meisten Gruppierungen, die sich mit dem Kaiserreich auseinandersetzen, verstanden haben, dass in der 1871er keine Grundrechte benannt werden, da nach Preußischer Verfassung alle Menschen frei sind, werden Aufbau und Wirken des Deutschen Reiches völlig falsch interpretiert.

Ich kann nicht 2017 versuchen, mit einem aktuellen Rechtswörterbuch und Begriffsdeutungen aus der NWO, geschrieben für die NWO, einen Rechtsstand von 1914/16 zu verstehen und zu reformieren. Es geht schlicht und ergreifend nicht, weil die Hoheitsrechte über jeden Quadratzentimeter Planet Erde historisch nur einziges mal zu vergeben sind.

Und so, wie sich Russland 1990 aus dem Alliiertenverband der Viermächteabkommen verabschiedet hat, so ist auf Betreiben Bismarcks das Patriarchat des Vatikans über deutschen Grund und Boden letztendlich 1871 zugunsten des Ewigen Bundes vom Deutschen Kaiser, König von Preußen von Gottes Gnaden hinauskomplementiert worden.

Der Deutsche Kaiser übernimmt damit die Prärogative für die deutschen Völker anstelle des Vertreters Gottes auf Erden. Tschüß!

Da kann die Debatte noch so heiß sein:

Die Maus ist kein Vogel, das Deutsche Reich kein Staat.

In der Beziehung muss mensch genauso hart den damaligen Iststand vertreten, wie heutige Globalisten die BRD aufgrund ihrer Immunisierung durch UN-Beitritt zum Staat stilisieren: Der Begriff STAAT als solches wurde von Georg Jellinek erst drei Jahrzehnte nach Reichsgründung definiert.

Nicht umsonst spricht das „Gesetz betreffend die Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871“ eingangs von den Großherzogthümern Baden und Hessen sowie den Königreichen Bayern und Württemberg.

Das sind 1871 die Hoheitsträger und nur die können jeweils für ihre Völker sprechen, dem Ewigen Bund, genannt Deutsches Reich, beitreten. Deswegen wandern aber nicht die Rechte an Grund und Boden von Unten nach Oben, sondern sie bleiben explizit dort, wo sie sind oder der Beitrittstaat das für sich anders entscheidet.

Nur weil ich dir erlaube, jeden Montag mit meinem Auto zu deiner Arbeit zu fahren, bist du nicht der Eigentümer – auch nicht montags. Du wirst kaum nach Deutschem Recht auf die Idee kommen, ohne mein Wissen die Recaro-Sitze gegen Momos auszutauschen oder das Geschoss von Rot auf Schwarz umzulackieren.

Genau aus demselben Grund verfügt das Deutsche Reich über kein geschlossenes Gebiet, von dem es über die Hoheitsrechte verfügt, sondern nur gemäß Kapitel I über ein Bundesgebiet, in dem diese Verfassung und ihre Inhalte (1. Schutz des Bundesgebietes, 2. Wohlfahrt des deutschen Volkes) gelten, und es hat nur einen einzigen Souverän, den Deutschen Kaiser als Primus Inter Pares.

Ein Mann, ein Staat. Bissi wenig für einen Staat nach Jellinek, oder? o.O – Jesuiten, die die römisch-katholische Kirche unter den Augen des Vatikans zur geistlichen Weltspitze katapultieren sollen, sind schlau.

Hier war einmal jemand schlauer. Der Alte hat’s in sich gehabt und die Kraft, das auch noch gegenüber dem Vatikan durchzusetzen.

Aus eben demselben Grund ersetzen die in dieser Verfassung erwähnten Staaten, wie sie in Artikel 1 aufgelistet werden, nicht die Hoheitsträger. Denn wie heißt es in den Staatsangehörigskeitsurkunden vor dem 1.1.1914 so schön?

Das Königreich Bayern verleiht Max Muster die Eigenschaft als Bayer.
Danach heißt es
… besitzt die Staatsangehörigkeit aus dem Königreich Bayern und ist Deutscher.
und nicht
… besitzt die Staatsangehörigkeit aus Bayern und ist Deutscher.

Der Bundesstaat Bayern als Begriff bedeutet gem. Kapitel III – V kaum mehr als eine Handvoll politisch gewählter, mehrheitlich ehrenamtlicher Delegierter, die das Königreich Bayern in diesem Ewigen Bund vertreten, und die Deutschen sind gesetzlich erst mit dem RuStAG von 1913 definiert worden, blieben aus der Sicht des Reiches als Staatsangehörige eines Bundesstaaten dabei Rechteträger im Heimatstaat bzw. dem Staat ihres Hauptwohnsitzes und genießen als Deutsche die reichsweite Wohlfahrt.

Das war der ausdrückliche Wunsch von Bismarck und ist so auch in den Reichstagsprotokollen nachlesbar. Bei allen Deutschen sollten daher die Alarmglocken angehen, wenn im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland steht unter Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Art. 3 der 1871er besagt

„Für ganz Deutschland besteht ein gemeinsames Indigenat mit der Wirkung, daß der Angehörige (Unterthan, Staatsbürger) eines jeden Bundesstaates in jedem anderen Bundesstaate als Inländer zu behandeln und demgemäß zum festen Wohnsitz, zum Gewerbebetriebe, zu öffentlichen Ämtern, zur Erwerbung von Grundstücken, zur Erlangung des Staatsbürgerrechtes und zum Genusse aller sonstigen bürgerlichen Rechte unter denselben Voraussetzungen wie der Einheimische zuzulassen, auch in Betreff der Rechtsverfolgung und des Rechtsschutzes demselben gleich zu behandeln ist.“

Art. 3 begründet demnach den reichsweiten Umgang mit Unterthanen und Staatsbürgern, also nur denjenigen, die sich im Rahmen dieser Verfassung in den Dienst des Indigenats der Deutschen stellen.

Alles andere sind zunächst frei beseelte Menschen und leben als Natürliche Person subsidiär nach den Regeln der Familie, Gemeinde, Provinz bzw. Landes. Der Gesetzgeber hat dem Rechnung getragen, indem er der subsidiär kleinsten Zelle des Indigenats von Beginn an eine eigene Rechtsebene eingerichtet hat: Familienrecht.

Vergessen wird immer wieder, dass damals „Bürger“ ein Stand war und sich nicht auf alle im Land lebenden Menschen bezog, was die heutige Anwendung von NWO-Begrifflichkeiten auf die damalige Situation völlig absurd erscheinen und die beiden Rechtskreise AWO – vor dem Versailler Vertrag – und NWO – nach dem Versailler Vertrag – unweigerlich immer wieder kollidieren lässt.

Auf der völkerrechtlichen Schiene sieht es keinen Deut anders aus, sonst wären die Verfassungsänderung durch Max von Baden, die Selbstermächtung von Scheideman und/oder Liebknecht wie viele Unstimmigkeiten mehr spätestens nach den Exkursionsergebnissen zum Wrack der Lusitania von 2008 oder 2014 anlässlich 100 Jahre Erster Weltkrieg thematisiert worden. Nichts. Null. Nadar.

Stattdessen PPP – republikanische PreußenPrügelPeitsche. Wer heute in den Schulbüchern der eigenen Kinder das Deutsche Kaiserreich nachschlägt, dem kann nur schlecht werden.

Bei allem Brechreiz, den die BRD alltäglich verursacht und allen Beteiligten mehr als eine Überdosis Demut abverlangt: Ich kann nicht in der NWO einen Zettel anfordern, in der Erwartung, mir so die mir angestammte Volkssouveränität aus der konstitutionellen AWO ziehen zu wollen. Wenn ich das will, was will ich wirklich?

Einen Weltfriedensvertrag oder will ich erreichen, dass beispielsweise die Ware Strom nicht mit 60% Abgaben belastet wird, damit den Überschuss, wohlgemerkelt nach gründlicher Selbstbedienung, die Damen und Herren aus der Parteipolitik in aller Herren Länder versemmeln?

In Anbetracht der Verfassung von 1871 klingt die heutige Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen wie ein Schrei aus dem Mittelalter. Vom Finanzsystem mit IWF-Inkasso wollen wir erst gar nicht anfangen. Es ist und bleibt hierzulande das Irrationalste, was Mensch nach der Vorgeschichte der Deutschen binnen einem Jahrhundert hat erwarten können.

Wenn ich mir dann Debatten anhöre über Vom Volk fürs Volk, Reichsverweser bis hin zur Verfassungsgebenden Versammlung, die sich an den Rechten der NWO orientiert und dennoch nach irgendwelchen Blutlinien fragt?!? Sorry, nichts begriffen.

Wer derartige Wege jenseits des Rechtsstandes von 1914/16 wählt, für den gilt alles, was hier geltend ist. Warum haltet Ihr Euch nicht einfach daran?

Schade – um die Zeit, die immer wieder sinnfrei mit Selbstdarstellern verdattelt wird.

In diesem Sinne…

Üb‘ immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Fingerbreit
Von Gottes Wegen ab.

Anm. Gerd Peifer:

wenn das mal jeder Deutsche verstanden hätte, wärs gut. Dazu noch die Tatsache, daß damals hochgeistige Menschen am Werk waren die uns den ewigen Bund der Freiheit geschenkt haben. Selbst das Familienoberhaupt konnte sich gegen den Staat auflehnen,wenn Unrecht geschah. Heute sind wir alle Marionetten und haben uns als Kreditkarte verkauft.

Dazu passt vielleicht dieses Video.

Andreas Popp: „Steuern sind Schutzgeldzahlungen“


Quelle und Kommentare hier:
Print Friendly

Das könnte Dich auch interessieren: