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Egon Krenz 1996 über seine Verteidigung im Politbüroprozess

Im Rahmen der Dreharbeiten für den vielbeachteten Dokumentarfilm „Beton und Devisen“ wurde unter anderem Egon Krenz interviewt, der sich zur damaligen Zeit als Angeklagter im Mauerschützenprozess verteidigen musste.

Rohmaterial zu „Beton und Devisen“, einem spannenden Dokumentarfilm zur wirtschaftlichen Bedeutung der DDR-Grenzanlagen (1996).

Hier geht es zum ganzen Film: https://youtu.be/h1Ugahny0bQ

Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob im Juni 1993 Anklage wegen „Totschlags und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR“. Egon Krenz bezeichnete die Anklage als „verfassungs- und völkerrechtswidrig“. Es kam zum sogenannten Politbüroprozess. Auch im Februar 1996 sprach er der bundesdeutschen Justiz das Recht ab, über frühere Bürger der DDR zu Gericht zu sitzen. Im Juni 1997 bedauerte Krenz vor Gericht einerseits die Opfer an der innerdeutschen Grenze, wies jedoch andererseits seine Verantwortung zurück.

Im August verurteilte eine große Strafkammer des Landgerichts Berlin Egon Krenz wegen Totschlags in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Aufgrund einer Haftbeschwerde kam er im September nach 18 Tagen aus der Haft frei. Aus diesen Tagen stammt ein kontroverser und zeitgeschichtlich bedeutsamer Briefwechsel mit Friedrich Schorlemmer, der gesagt hatte, Krenz solle froh sein, „in Moabit und nicht in Bautzen zu sitzen“. – Im November wurde das Verfahren wegen Wahlfälschung gegen ihn eingestellt.

Im November 1999 verwarf der Bundesgerichtshof die Revision gegen das Urteil von 1997, das damit rechtskräftig wurde. Egon Krenz bezeichnete das Urteil als „Kalten Krieg im Gerichtssaal“. Seine Verfassungsbeschwerde wurde vom Bundesverfassungsgericht am 11. Januar 2000 zurückgewiesen. Seine Haftstrafe musste er am 13. Januar in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde antreten. Am 24. Januar wurde Egon Krenz in die Justizvollzugsanstalt Plötzensee verlegt. Am 22. März 2001 verwarf der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einstimmig die von Krenz eingelegte Menschenrechtsbeschwerde.

Am 18. Dezember 2003 wurde Krenz – nach Verbüßung von nicht ganz vier Jahren – aufgrund eines Beschlusses des Kammergerichts vorzeitig aus der Haft entlassen, der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er war schon länger Freigänger im offenen Vollzug und musste nur noch nachts in die Haftanstalt. Tagsüber war Krenz am Flughafen Berlin-Tegel bei der Fluggesellschaft Germania beschäftigt, für die er ausrangierte Flugzeuge nach Russland verkaufen sollte. Er wohnt seitdem im mecklenburgischen Ostseebad Dierhagen. […]

https://de.wikipedia.org/wiki/Egon_Krenz