Geld & Vermögen: Der große Transfer

von Frank Jordan

Sie haben kein Geld. Sie haben einen Kontostand.

Jedes Mal, wenn FED oder EZB tagen, wenn die Presse geladen wird, fragen und berichten darf und es auch tut, wenn via Live-Ticker oder Protokolle die Statements der Geld-Weisen im O-Ton in die Welt gelangen, dann fragt man sich: Warum bloss tun sie sich das an? Jene, die gottgleich geldpolitische Wahrheit verkünden, jene die sie kolportieren und alle jene, die vorher, zeitgleich oder im Nachgang als wär’s Pflicht und höchstes Vergnügen, interpretieren, deuten und regelmässig durchdrehen? Wozu der ganze Aufwand für etwas, das nur Show ist?

Am vergangenen Donnerstag war’s wieder soweit. Der EZB-Rat tagte. Und einmal mehr: Anstatt einen Live-Event abzurollen, hätte man ebenso gut die Aufnahme einer der letzten 50 Pressekonferenzen abspielen können. Wem, ausser sich selber, reden Draghi und Konsorten noch ein, ihr „Wir-wissen-was-wir-tun“ sei mehr, als der Versuch der Selbst- und Massenhypnose?

Nun – offenbar vielen. Wort für Wort, als wär’s die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wird die immer gleiche Leier nachgedruckt. In Kurzform: Wir wissen nicht, was ist. Wir wissen nicht, wie das, was ist, zu interpretieren ist. Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was wir tun.

Und das ist: Vorläufig weiter wie bisher. Weiter retten. Wer dagegen ist, hat nicht nur keine Ahnung, sondern ist gegen Rettung. So. Und quasi in einem Nebensatz und weil man ja gerade live ist, kann auch noch ein Euro-Land (Estland) abgewatscht werden, das sich erdreistet, jenseits der alternativlosen Geld-Politik der EZB für sich selbst Alternativen wie jene, eine eigene Kryptowährung in Umlauf zu bringen, anzudenken.

„Kein Euro-Mitglied kann eine eigene Parallelwährung zum Euro einführen.“

Ward McCarthy, Ökonom der amerikanischen Investmentbank Jefferies bezeichnete das Mitte August veröffentlichte Protokoll des Juli-Meetings des FED-Offenmarktausschusses als „verstörend“. Das und nichts anderes, sollte auch im Fall der EZB als Titel für jeden zum Thema veröffentlichten Artikel dienen.

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn Herr Draghi jedes Mal verkündet, zu unserem Besten müsse (noch) ein Transfer von uns zum Staat stattfinden? Steuern und Abgaben von mehr als der Hälfte unserer Einkommen seien nicht genug? Zu unserem Besten müsse unbedingt gewährleistet werden, dass unser Geld am Ende des Jahres weniger wert sei, als zu dessen Beginn? Dass dieses „Weniger“ in Wahrheit Stabilität sei?

Dass im Erreichen dieser Enteignung von Geld, Arbeits- und Lebenszeit heute die Hauptaufgabe der EZB begründet liege? Und dass man bereit sei, zur Verstärkung dieser „Dynamik“ auch weiter in beträchtlichem Mass die Ungleichgewichte, die man zu bekämpfen vorgibt, zu befeuern.

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn die Zentralbänker mitteilen, es sei zu meinem Besten, zu arbeiten, zu verzichten, das so erwirtschaftete Geld einer Bank zur Verfügung zu stellen und dafür betraft zu werden? Und dass diese Bestrafung zum Segen des „Grossen Ganzen“ mit Namen EU, Konjunktur, Euro-Wechselkurs oder was sich sonst gerade anbietet (jede Ausrede, wie der derzeit zulegende Euro-Kurs zeigt, ist mittlerweile willkommen) voraussichtlich und ganz im Sinn der vorgängig erwähnten Enteignung via Inflation noch für eine lange Zeit fortgeführt würde?

Finden Sie es nicht verstörend, wenn zur angeblichen Ankurbelung der Konjunktur via Kreditvergabe, ein gigantischer Transfer von Vermögenswerten zum Staat notwendig ist? Wenn zum angeblichen Erhalt der sogenannt freien Wirtschaft Planwirtschaft das Gebot des Jahrhunderts ist? Denn genau und nichts anderes ist es, was im Rahmen der Anleihekäufe durch die EZB passiert.

Daniel Lacalle, CIO von Tressis Gestión, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt,

heutige Notenbankpolitik schaffe nicht nur wachsende Ungleichgewichte und eine Zombie-Wirtschaft, sondern monetisiere Staatsschulden, die von kommenden Generationen einzulösende Schuldscheine – und keine Vermögenswerte – seien. Er geht soweit, von einer De-facto-Verstaatlichung der Wirtschaft zu sprechen, da die Risiken der Notenbankpolitik auf den Steuerzahler übertragen werden (Quelle: NZZ).

Hier wird eine Riesen-Show abgezogen, eine gigantische Illusion geschaffen.

Es ist die Illusion von Wohlstand wo in Wahrheit bloss Versprechen und Verbindlichkeiten vorhanden sind. Wahrer Wohlstand ist was bleibt, wenn man all diese Versprechen und Verbindlichkeiten aus einer Volkswirtschaft „herausstreicht“ – es ist das Nettovermögen. Der Bestand an echten Investitionen, die via vorgängigen Konsumverzicht geschaffen worden sind. Dazu zählen Häuser, Firmen, Infrastruktur, Bildung und Fachwissen ebenso, wie Land, Energie und Wasser.

Was nun der selbsterklärte Wohlstands-Förderer Staat mit jenem Nettovermögen anstellt, das seiner Verantwortung übertragen worden ist, das wissen wir. Vielerorts verlottert die Infrastruktur, natürliche Ressourcen werden bis zur Unerschwinglichkeit besteuert, Bildung ist die Vermittlung von Scheinkompetenzen und ansonsten Indoktrination.

Denn Fakt ist und bleibt: Wohlstand entsteht nur auf eine einzige Weise. Durch Arbeit, Verzicht und Kapitalbildung. Abkürzungen gibt es keine. Was der Staat via Notenbanken heute erzeugt ist demnach nicht Wohlstand im Sinn echten Vermögens.

Was sie hingegen en masse erzeugen, sind Ansprüche auf die Arbeit, den Verzicht und das Kapital der Zukunft. Sie verkonsumieren mit ihrem Verhalten unsere Lebenszeit und jene kommender Generationen. Garantiert ist dabei nur eines: Reich wird ausser jenen, die bei den grotesken Bewertungen an den Börsen auf der Verkäuferseite und bei der grossen Patience mit Namen Politik auf der nahrhaften Seite stehen, auf lange Sicht keiner. Im Gegenteil.

Genauso, wie es Jahrzehnte dauert, bis ein durch Planwirtschaft ausgeblutetes Land im Rahmen freier Märkte zu einem mit unserem vergleichbaren Wohlstand gelangt, kann das Sterben des Wohlstands sich in die Länge ziehen.

Und genau das passiert. Demokratisch gewollt. Weil eine grosse Mehrheit der Menschen schon ab Kindesbeinen und via Zwangs-Bildung der staatlichen Ideologie auf den Leim gegangen ist, die da sagt, Wohlstand würde durch Konsum erschaffen. Keiner ist zwar in der Lage, es zu erklären, aber jeder weiss, dass es sich ohne Verantwortung und Anstrengung bequemer leben lässt.

Und der Staat tut wohlweislich nichts dagegen – nährt vielmehr die Mär von der durch den Staat und via Umverteilung geschaffenen Nachfrage und nennt es „erfolgreiches Wirtschaften“.

Und auch hier: Es funktioniert. Konsum ist längst ein isolierter Selbstzweck geworden. Arbeit ist Menschenrecht – dass dies vor allem in punkto Teilhabe und nicht in Bezug auf die Leistung gilt, spielt keine Rolle.

Und Vermögen – Vermögen besitzen nur die Gauner, die Ausbeuter, die Kapitalisten-Schweine. Reichensteuer und Erbschafts-Steuer würden auch hier endlich für mehr Gerechtigkeit sorgen. Und wer Verzicht fordert ist sowieso rechts, rassistisch oder grundsätzlich meschenverachtend.

Was tun gegen die Gratis-Dope-für-alle-Forderer? Gegen die wahren Menschenverachter, die gefeiert werden für ihre Politik versteckter Leibeigenschaft (denn was anderes ist es, wenn man Leute ihrer Lebenszeit unter Androhung von Gewalt beraubt)?

Es gibt nur eines: sich und seine Kinder schützen. Im Klartext: Arbeiten, Verzichten, Vermögen bilden – und es verstecken. Den Kindern beibringen, wie es geschaffen wurde und wird und wo es zu finden ist.

Das mag illegal sein. Legitim ist es längst.


Quelle und Kommentare hier:
Print Friendly, PDF & Email

Das könnte Dich auch interessieren: