Globalisierer zocken Spitzentechnologie aus Deutschland ab

von Prof. Dr. Eberhard Hamer

Die Mittelstandsökonomie hat schon immer darauf hingewiesen, dass mittelständische Unternehmer in der Regel heimattreu, standorttreu sind. Dies ergibt sich schon aus ihrer familiären Bindung und dem familiären Charakter eines mittelständischen Personalunternehmens.

Die grossen Kapitalgesellschaften dagegen sind längst international. Sie produzieren nicht nur weltweit, haben weltweite Zulieferer, sondern haben auch weltweit Anteilseigentümer. Nach Schätzungen des Mittelstandsinstituts Niedersachsen befinden sich mehr als 70 % unserer DAX-Konzerne mehrheitlich in ausländischer Hand, meist in amerikanischer.

Ein vom Ausland beherrschter Konzern hat keine nationale Bindung mehr, hat keine Heimat, verlangt Globalisierung und Freihandel und vor allem Kapitalfreizügigkeit einschliesslich der Steuerersparnis durch Steueroasen.

Dem internationalen Handel dieser globalen Konzerne verdanken wir unsere Export­überschüsse. Diese Überschüsse wiederum sind nur dadurch erzielbar, dass wir – meist öffentlich höchstsubventioniert – in Wachstumsbranchen wichtige technische Vorteile hatten oder noch haben. Verlieren wir solchen technischen Vorsprung, verlieren wir nicht nur unsere Exportfähigkeit, sondern auch einen Teil unseres Wohlstandes.

In diesem Sinne sind die technologischen Wachstumstreiber unserer internationalen Konzerne nicht nur von der Eigentumsstruktur einer Kapitalgesellschaft her, sondern auch wegen ihrer Abhängigkeit von ausländischen Grossmächten wie den USA oder China höchst gefährlich:

In Deutschland ist es weniger als in anderen Ländern möglich, technischen Vorsprung geheim- und zurückzuhalten, weil die Amerikaner nach dem Besatzungsstatut das Recht haben, sämtliche unserer digitalen und Informatiksysteme einschliesslich aller Telefonleitungen und Handysysteme in Deutschland flächendeckend und total zu kontrollieren. Sie können also jede bei uns entstehende neue Technologie sofort durch ihre Spionagesysteme abgreifen und ihrer einheimischen Industrie weiterübermitteln. Oft weiss also die amerikanische Konkurrenzindustrie über neue Patententwicklungen eher Bescheid, als dass ein Patent bei uns erteilt ist.

Wo die Totalspionage nicht ausreicht, werden technische Neuerungen durch Finanz- und Bestechungstricks gestohlen wie zum Beispiel bei der ortungssicheren U-Boottechnologie der Howaldt-Werft, wo ein ungetreuer Vorstand mit Billigung der Bundesregierung angeblich amerikanische Übernahmewünsche durch Aushändigung aller Pläne und technischer Interna solange mitmachte, bis die Amerikaner alles hatten und an der Werft selbst nicht mehr interessiert waren.

Wie gefährlich eine Verlagerung der deutschen Produktion ins Ausland ist, hat vor Jahrzehnten die Fotobranche erfahren. Deutschland war in den fünfziger und sechziger Jahren Weltführer bei Fotoapparaten. Dann wurde «wegen der billigeren Arbeitskräfte» die Produktion nach Asien verlegt und nur noch in Deutschland verkauft, bis dann die japanische Konkurrenz die deutschen Modelle besser auf dem Weltmarkt anbot als wir selbst und die Marktführung an sich gerissen hat. Heute kaufen wir asiatische Fotoapparate statt deutsche.

Nach den USA und Japan ist nun China der grosse Technologieabsauger. Die Chinesen haben mehr als 3 Billionen Dollarguthaben, für die sie wahrscheinlich nichts mehr bekommen, wenn sie nicht rechtzeitig in irgendwelche Sachwerte umsteigen. Sie kaufen deshalb in der ganzen Welt alles, was sie noch bekommen können, vor allem Technologie zu jedem Preis.

In den USA können sie nicht einkaufen, weil die USA ein Sicherheits-Veto-Recht haben und ständig ausüben. In Deutschland gibt es einen solchen nationalen Sicherheitsvorbehalt zwar auch, er wird aber nie genutzt, weil die globalisierungssüchtige Bundesregierung darin eine «internationale Handelsbeschränkung» sieht. So können die Chinesen in Deutschland ungehindert Hochtechnologie aufkaufen.

Beispiel des Ausverkaufs deutscher Technologie ist der Erwerb der Aktienmehrheit der weltführenden Roboterfirma Kuka in Augsburg. Sie hat ihre Weltspitze mit vielen deutschen Subventionen erreicht. Nun, wo sie in chinesischem Eigentum steht, ist auch die Produktionstechnologie von Kuka für Deutschland verloren, wird sie systematisch nach China verlegt. In wenigen Jahren schon kaufen wir Roboter aus China, die uns keinen Exportüberschuss mehr, sondern Exportdefizite bringen.

Auch die deutschen Automobilfirmen haben erst nach China exportiert, wurden dann gezwungen, eigene Fertigungsstätten in China aufzubauen, haben damit die deutsche Technologie in mehrheitlich Chinesen gehörende Firmen eingebracht und werden in den nächsten Jahren gegen diese Firmen ihre heimischen Produkte immer weniger exportieren können, also den Exportmarkt verlieren.

Am schlimmsten ist das Beispiel Airbus. Dieser von uns höchst subventionierte Luftfahrtkonzern hat – angeblich, um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen – den Chinesen eine eigene Produktion von Airbusmaschinen geliefert und aufgebaut, so dass die Chinesen heute schon eigene Konkurrenzmaschinen zu Airbus in eigenen Firmen mit der Airbustechnologie bauen können. Es gehört keine Phantasie dazu, vorauszusagen, dass in 10 Jahren Airbus nicht mehr nach China liefern kann, weil dort chinesische Airbusfirmen den Markt beherrschen.

Letzte Nachricht: Auch Siemens sieht die digitale Zukunft vor allem in China und verlegt sein globales Forschungszentrum für autonome Roboter nach China. Eigentlich ist folgerichtig nach dem Abzug der Kuka-Roboterführung, dass auch Siemens seine weltführende Roboterforschung nicht ohne heimische Produktionsanwendung halten kann, sondern seine Zukunftsforschung in das Land verlegt, welches auch die Robotertechnik erworben hat.

In allen Fällen hat der deutsche Steuerzahler die Zukunftstechnologien massiv aus den Steuern des Mittelstandes subventioniert und haben dann die internationalen Konzerne das Ergebnis dieser Subventionen und deutscher Technologie ins Ausland verlagert, verkauft oder sogar kostenlos überlassen.

Die Bundesregierung sieht dies als normalen «Internationalisierungsprozess» an und greift nicht ein. Die Mittelstandsforschung dagegen sieht mit dem Wegzug der von deutschen Steuergeldern subventionierten Spitzentechnologie der Konzerne gleichzeitig im Zulieferermarkt Tausende mittelständische Firmen abwandern und die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft insgesamt in den nächsten Jahren schwinden.

Warum lässt die Bundesregierung deutsche Spitzentechnologie so untätig abwandern?

Warum werden die internationalen Konzerne nicht verpflichtet, die für die Entwicklung der Spitzentechnologie vom deutschen Steuerzahler erhaltenen Subventionen zurückzuzahlen, wenn sie diese Technologie ins Ausland verscherbeln?

Warum erhebt sich kein Aufschrei von ­Politik, mittelständischer Wirtschaft und Gewerkschaften, wenn unsere Spitzentechnologie in die USA oder nach China wandert und damit High-Tech-Arbeitsplätze ausgetrocknet werden?

 

Literatur:
Hamer, Eberhard (Hrsg). Visionen 2050, Rottenburg 2016


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