Heimkinder – NS-Folter in Deutschland nach ´45: die wahre Geschichte des Gerhard Jüttner

von Eifelphilosoph

Lieber Leser – heute habe ich ein Attentat auf Sie vor. Sie finden im Anschluss fast 12000 Worte – die als historisches Dokument ungeheuer wertvollen Berichte des Gerhard Jüttner über NS-Verbrechen, die lange nach 1945 geschehen sind: durch NS-Personal an deutschen Kindern. 2015 engagiert sich Herr Jüttner immer noch für Kinder und gegen eine vom NS-Staat eingesetzte Behörde, die den Krieg überstanden hatte – nach wie vor unkontrollierbar, ohne effektive Fach- und Dienstaufsicht, eine Behörde, die aktuell beständig neue Rekorde bei der “In-Obhut-Nahme” von Kindern erzielt – und diese Kinder aktuellen Berichten zufolge gelegentlich auch mal gewinnbringend ins Ausland verkauft oder an privatwirtschaftliche, auf maximale persönliche Rendite ausgerichtete Geschäftsleute überstellt und so der Gemeinschaft der Steuerzahlter irrsinnige Kosten in Milliardenhöhe aufbürdet.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass es Eltern gibt, die überfordert sind – auch heutzutage. Eltern, die ihre Kinder schlagen, sie verbrühen, verbrennen, ermorden. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Jugendamtsmitarbeiter selbst überfordert sind – und häufig unterbezahlt, wie viele andere ständig auf der Flucht vor der entwürdigenden Erniedrigung und staatlich angeordneten Zwangsverarmung durch Hartz IV. Eine ständig kälter werdende Gesellschaft, deren soziale Zusammenhalt vollständig kollabiert, wird nicht besser dadurch, dass man Ämter abschafft oder ihre Mitarbeiter verteufelt. Der Rahmen, in dem sich die Bestialitäten entfalten können, muss größer betrachtet werden, um die Dynamik verstehen zu können, die auf beiden Seiten Opfer entstehen läßt. Wenn wir diese Arbeit aber nicht leisten – entschlossen und zu härtestem Widerstand bereit – dann wird die Geschichte des Gerhard Jüttner unsere Zukunft sein.

Es ist deshalb empfehlenswert, einmal etwas zu opfern – in diesem Falle nur Zeit – und sich respektvoll dem Leid eines Menschen zuzuwenden, das schon dadurch gewürdigt wird, dass andere Menschen es mit dem Opfer teilen. Warum man das tun sollte? Um ein Gespür dafür zu bekommen, wie der Geist der NS-Zeit das Kriegsende überstehen konnte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie er weiter danach trachtet, Menschen zu erniedrigen, entwürdigen und ihnen voller Vergnügen und Verachtung Schmerzen zuzufügen – auch wenn sie keine Juden sind. Dem wahren Faschisten ist es egal, wen er quälen und vernichten darf: Hauptsache, die Opfer sind schwach und hilflos. Eine wichtige Botschaft für unsere Zeit, die zunehmend ihre demokratisch geschulten Widerstandskräfte gegen diesen Geist verliert und dummdreist daherquatscht, dass Parasiten und Schmarotzer, die nicht arbeiten wollen, auch nicht essen dürfen … was das Todesurteil für kranke und alte Menschen bedeutet.

Noch kann sich dieser Geist nicht so entfalten, wie er gerne möchte, noch kann er nicht so toben, wie es ihm gelüstet – doch er greift beständig weiter um sich. Sehen Sie also diese Geschichte bitte als ein Mahnmal an … und wehren Sie den Anfängen. Unbedingt.

Lesen Sie nun die Geschichte des Gerhard Jüttner. Ein gut und lebendig geschriebener Einblick in die Realitäten bundesdeutschen Alltags, über die man nur ungern berichtet, weil sie einem den Fersehabend versauern und die Urlaubsplanung stören. Und wirklich: es gäbe für unser Geld weitaus sinnvollere Einsatzmöglichkeiten, als es für die fortlaufende Zerstörung der Umwelt auch im Ausland einzusetzen: die Schaffung einer liebevollen, sicheren Umgebung für Kinder wäre eine davon.

Eifelphilosoph, 29.5.2015.

Der Lebensbericht des Gerhard Jüttner

Diskriminierung – Willkür durch Behörden.
Meine Erfahrungen mit der Behörde Amt für Wohnungswesen in Hannover, im Jahr 1993, deren Beamte und Angestellten ja über den Dingen stehen und ihre Macht gegenüber dem im Arbeitsanzug dastehenden Bürger ausüben. Denn so glaubt und weiß man. Von einem Arbeiter habe man ja bekanntlich weniger Widerstand zu erwarten, als von einem gut gekleideten, gut aussehenden Bürger.

Wo ich doch am nächsten Tag, als ein und der Selbe Mensch, vor derselben Behörde stehend. Vor denselben Amtspersonen von Tags zu vorstehend ein höheres Ansehen gekleidet im schicken Anzug, mit Schlips und Kragen hatte.

Und auf Grund meines noch forscheren Auftretens, dann plötzlich Dinge liefen, die tags zuvor nicht machbar, oder einfach als unmöglich hingestellt wurden.

Tags zuvor wurde sogar nachweislich von den Angestellten der Stadt Hannover gelogen. In dem sie mir bekundeten, es gäbe bei der GBH keine freien Wohnungen. Ich hatte den Herren gesagt, dass bei der GBH noch etliche Wohnungen frei wären. Es wurde sogar gesagt, dass das Amt für W. nicht mit der GBH zusammen arbeite. Meines Wissens im Jahr 1994 gehört die GBH der der Stadt Hannover, oder ist sehr stark mit ihr verquickt.
Da ich als selbständiger Handwerksmeister für die GBH, gearbeitet habe, habe ich dies diesen Herren sogleich widerlegt. Dann plötzlich war langem Hin und Her sofort eine Wohnung für meine Mutter und meine 3 Geschwister frei und bezugsfertig.

Das habe ich wahrheitsgetreu erlebt. Und zwar, als ich meiner Mutter und meinen drei Geschwistern eine Sozial-Wohnung in Hannover Vahrenheide beschaffte, die zuvor in einer Notunterkunft, im Kieferpfad in Hannover wohnten. (Menschen in Notunterkünften haben kein Geld, keine Lobby und keine Rechte.) Dort unverschuldet durch ein Feuer in der Wohnung ihres Nachbarn in Wohnungsnot geraten waren. Und dann vom Amt für Wohnungswesen in Hannover samt ihrer 3 noch bei ihr lebenden Kinder, in ein für Menschen unwürdiges, feuchtes, schmutziges Loch gesteckt wurden. Hier wurde bewusst Schindluder mit armen, rechtlosen Bürgern getrieben.

15.10.1994
Authentische Lebensgeschichte des Gerhard J. 57 Jahre alt.
Durch sehr schwere, widrige Lebensumstände keinen Volksschulabschluss. Erlernter Beruf: 1962 Lehre zum Klempner- und Gas-Wasser-Installateur Geselle. Weiterbildung 1976 zum Gas-Wasserinstallateur-Meister. Zum 2. Mal verheiratet. Vater von 4 ehelichen Kinder. Davon 1 eheliches Kind mit meiner 2. Frau.

Ich, ein Kind Hannovers.
Sozialkritisches.
Niemals wird sich jemals ein Kind seine Eltern aussuchen können. Und doch wird es sogleich, wenn es sich um ein Kind nicht begüterter oder gar armer Eltern handelt, von seinen Mitmenschen und Klassenlehrern als nieder eingestuft. Seiner Herkunft schuldlos angeklagt und geächtet. Sogleich von vorn herein als untauglich und wertlos für diese Gesellschaft abgestempelt. Die Last, die Kinder nicht begüterter Eltern zu tragen haben; ist ungleich größer als die Kinder von begüterten Eltern.

Kinder reicher Eltern; hatten und haben von jeher die besseren Chancen in ihrem Leben. Und wenn es notwendig wurde, wurde und werden die Chancen für ihr Kind mit kleinen Geschenken und oder größeren Gefälligkeiten erkauft.

Sie die Kinder reicher Eltern hatten und haben auf Grund des Reichtums ihrer Eltern, das höhere Ansehen. Der Gesellschaft ist es egal auf welche Art und Weise (legal oder illegal) ihre Eltern ihren Reichtum erworben haben.

Leider ist das Ansehen des einzelnen Menschen in dieser Gesellschaft, gleichzusetzen mit dem Kontostand des jeweiligen Menschen.

Ist es denn wirklich wahr, dass reiche Menschen die besseren Menschen sind?? Vielleicht sind sie nur die besseren Menschen, weil ihnen der Schmierstoff Geld sehr; sehr viel Macht verleiht, und somit viele Wege und Türen geöffnet werden.

Denn nur sehr selten in der Geschichte der Welt, wurde Reichtum legal geschaffen. Es sei denn: Man hat einen Lotteriegewinn erworben. Oder eine legale Erbschaft erhalten.
Wenn jemand in dieser Gesellschaft viel Geld hat, so ist dies in unglaublicher Weise selbstredend, mit Intelligenz, gutem Charakter und Macht und nur auf Grund des Geldes der betreffenden Person verbunden.

Wer genügend viel vom Schmierstoff Geld hat, hat Macht über Menschen. Menschen, die für Geld vieles tun. Für Geld zum Vorteil der Habenden, gern kleinere und größere illegale Dienste leisten. Und dabei glauben, sie tun es für sich selbst, um vielleicht einen kleinen Teil vom großen Kuchen für sich abzubeißen. Aber in Wirklichkeit vermehren sie doch nur unbewusst den Reichtum und die Macht der Schmierstoffanbieter.

Wer arm ist und ehrlich bleibt, ja sogar arm geboren wurde, hat viel geringere Chancen. Und wenn er/sie es geschafft hat sich in dieser Gesellschaft zu behaupten, so war es sein/ihr persönlicher Arbeitssieg gegen diese ach so heile Gesellschaft.

Ja, er/sie hatte es sogar um ein vielfaches schwerer sich in dieser Gesellschafft zu behaupten. Diese Erlebnisse und Eindrücke ich schon als sehr kleines Kind, meiner Kindheit und in meiner Jugendzeit erfahren müssen.

Ich bin der Meinung des Herrn Scharping, dass der Staat ein vitales Interesse am Wohl seiner jungen heranwachsenden Bürger haben sollte, ja sogar haben muss. Denn der Aufgang oder Niedergang eines jungen Lebens sollte nicht allein vom Geldbeutel, Beziehungen und Schulbildung seiner Eltern abhängig gemacht werden.

Es ist nicht damit getan nur das Kindergeld zu erhöhen, nein dazu sind viele Aufgaben, wenn es sein muss? Auch in der Familie unterstützende Aufgaben notwendig. So wie wir unsere Familien und heranwachsende Bürger behandeln, so wird unser Staat aussehen.

Niemals, ja niemals wollte; will ich und werde ich akzeptieren, dass man nur aufgrund seiner teuren Kleidung, seiner sprachlichen Gewandtheit, seines Kontostandes, seines Titels, oder seiner Herkunft, ein anderer, oder gar intelligenterer und besserer Mensch ist.

Arbeiter und Handwerker haben doch erst die Grundlagen unserer Zivilisation geschaffen. Da gab es z.B. den Töpfer, der Töpfe herstellte, den Schmied, den Stellmacher, der Wagen baute, mit denen Transporte über weite Strecken möglich wurden. Den Knochenhauer, der Tiere für die Nahrungsbeschaffung zerlegte. Dem Müller, der in seiner Windmühle, das Korn zu Mehl mahlte, den Kesselschmied, der per Hand riesige Kupferkessel für die Industrie fertigte. Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

Aber das Handwerk und die Arbeiter werden von seinen Standesvertretungen nicht den heutigen Möglichkeiten nach vertreten und dargestellt. Von der Gesellschaft nicht anerkannt; als minderbemittelt eingestuft und nicht seiner tatsächlichen Leistungen für die Gesellschaft gewürdigt. Unterstützt durch sachlich unrichtige Darbietungen der Medien.

Gäbe es keine Bürger „zweiter Klasse, Arbeiter und Handwerker“, – Müssten diese „feinen (klügeren) Leute“, die zudem noch unverdient, sehr viel mehr Geld verdienen, als Arbeiter und Handwerker – Ihre Brötchen, ihre Brote, ach ja so preiswert, für die der Bäckermeister und Gesellen schon um 3.00 Uhr in der Früh aufstehen muss; selbst backen.

Und auf sehr viele Annehmlichkeiten die durch den Arbeiter und Handwerker mit seinem Schweiß und auf Kosten seiner Gesundheit erst geschaffen wurden – verzichten.
Wenn der „schmutzige“ Maurer ihnen nicht das Haus oftmals bei glühend heißer Sonne, Regen, Frost und Schnee, die Wohnung in der sie wohnen gebaut hätte. Wenn der Elektriker nicht die Stromversorgung ins Haus gelegt hätte. Wenn der Sanitär- und Heizungsinstallateur ihnen nicht die Versorgungsleitungen – Kalt-Warmwasser, Abflussleitungen, Heizung verlegt hätte??? Dann müssten alle Menschen der Mittel, und Oberschicht noch mit der Kerze in der Hand zum Gartenhäuschen rennen, sich ihrem eignen Gestank frönen und dort im Winter einen sehr kalten Arsch bekommen.

Es wird geflissentlich vergessen, das erst der Arbeiter und Handwerker, die fundamentale Grundlage für unsere heutige Zivilisation geschaffen hat. Es wird geschimpft, Handwerker wären teuer? Aber z.B. die schreibende Kunst, Die Gutachter, die Juristen, stellen wesentlich höhere Rechnungen, bei geringerem Aufwand.

Ich, ein Kind Hannovers.
Unehelicher Sohn einer Arbeiterin und eines kriegsbeschädigten Arbeiters.
1947 war Nachkriegszeit. Lebensmittel für die gesamte Bevölkerung gab es nur auf Zuteilung mittels Lebensmittelmarken für Trockenmilch, Zucker, Brot, Kaffee etc.
Nun am 25. Juni 1947 um 05.15. Uhr des Morgens war ich als jüngstes Familienmitglied in meine Großfamilie geboren.

Erblickte am 25 Juni 1947 dieses für mich nicht gerade hell leuchtendes Licht der Welt; mit sehr ungleichen Chancen. Geboren wurde ich in der Wohnung meiner Oma, unter Mithilfe einer Hebamme, die zu meiner Geburt meiner Mutter Geburtshilfe leistete.
Nie hatte ich meinen Vater oder meine Mutter wenn ich sie brauchte. Ich musste mich schon als sehr junger Mensch, seit dem 4. Lebensjahr, Verantwortung für meine Brüder tragen. Mich faktisch allein durchschlagen. Die Karten des Lebens waren schon sogleich meiner Geburt ungleich verteilt und lagen auch im weiteren Leben niemals günstig für mich.

Ja, ich wurde auch schon zu damaligen Zeiten, in denkbar unzumutbaren, ärmlichsten Verhältnissen in der Wohnung meiner Oma Marie-Luise M. und dessen Ehemann Ludwig M., von Beruf Malermeister aus Ostfriesland, geboren.

Doch in dieser, ja meiner Familie, meiner immer währende Zuflucht, wenn ich sie brauchte. Trotz all ihrer Zwiste untereinander, fand jedes Mitglied unserer Familie Hilfe und Geborgenheit. Hilfe, wenn es wirklich Hilfe brauchte.

Außer meinem Vater, dem die Familie meiner Mutter eine sehr große Schuld Familienvater zu sein zuschob. Familie, so richtig mit Vater und Mutter, Liebe Schutz und Zuneigung hatte ich nie richtig erlebt.

Ich bin heute zu Recht der Auffassung, dass auch meine Mutter eine sehr große Mitschuld trug und noch zu tragen hat. Denn solche Schandtaten an wehrlosen Geschöpfen, ihren eigenen Kindern kann man nicht von sich abschütteln.

Schuld kann und will ich in meinem Fall nicht nur auf ein Elternteil beziehen. Schuld an der massenhaften Zeugung ihrer Kinder hatten beide. Schuld wie ihre Kinder aufwuchsen, ja von ihnen vernachlässigt wurden, hatten unsere Eltern.

Unsere Erzeuger, unsere Eltern, sie hatten keinesfalls ihren Kräften und Können entsprechend alles getan, um uns ein Elternhaus zu schaffen, wie es ihnen möglich gewesen wäre.

Uns ihre Armut so erträglich wie möglich erleben zu lassen. Ja, sie haben beide an mir und meinen Geschwistern das totale Chaos angerichtet.
Meine Mutter die sich sehr mangelhaft um uns kümmerte, niemals aufräumte und alles schmutzig lies. Mein Vater der unter viel Vorwand kaum arbeiten ging und ständig unser Geld versoff.

Sie Beide, unsere Eltern sind verantwortlich für die unendlichen Qualen und sehr großen Leiden und Entbehrungen. Das war Psychoterror gegen die eigenen, leiblichen Kinder. Wir mussten erleiden, was unsere Eltern verbockt hatten.

Die Wohnung in der ich geboren wurde und wohnte, die meiner Großeltern, bestand im Wesentlichen aus einem ehemaligen Klassenzimmer mit Nebenraum, einer Raumhöhe von vier Metern. Mit zwei riesig großen, unterteilten Klappfenstern. Die regelmäßig, auch wegen ihrer Undichtigkeit in den Wintermonaten mit Eisblumen an den Glasscheiben zufroren und zum Schutz gegen die Eiseskälte des Abends mit Wolldecken verhangen wurden.
Meine Geburtsstätte wurde nur mit einem Kombi-Küchenherd beheizt. Die Heizleistung dieses kleinen Küchenherdes reichte gerade um das „Wohnzimmer“ zu erwärmen. Der angrenzende Nebenraum (Schlafzimmer) konnte nicht beheizt werden, sodass oftmals in den Wintermonaten Minusgrade herrschten.

Geheizt wurde mittels Holz aus den vom Großmarkt und Kaufmann gesammelten Apfelsinenkisten, Bauholz, Kohle. Vor meiner Geburt wurde auch Kohle vom nahe gelegenen Güterbahnhof besorgt.

Auf unseren Kombi-Küchenherd wurde das Mittagessen für alle Mitglieder zubereitet, Wasser für Tee und Kaffee gekocht. Die Wäsche aller Familienmitglieder gekocht und danach mittels Kernseife auf einem gewellten Waschbrett rauf und runter rubbelnd, bis zur völligen Reinheit bearbeitet.

Wäsche waschen, Wäsche bügeln, Reinigungsarbeiten, Essen zubereiten taten vornehmlich die Frauen der Familie für alle Familienmitglieder. Da sie nicht berufstätig waren.

Für den Lebensunterhalt unserer Großfamilie hatten die Männer, also die Söhne meiner Oma zu sorgen. Da das Geld selten reichte, wurde regelmäßig beim Kaufmann angeschrieben.

Jeden Freitagnachmittag, wenn meine Onkel ihren Wochenlohn nach Hause brachten, gab es jedes Mal einen irren Kampf, wieviel Geld ein Jeder abzuliefern hatte.

Von dem nun erkämpften Haushaltsgeld beglich meine Oma bei unserem Lebensmittel-Kaufmann die Schulden der vorangegangenen Woche. Und gleichzeitig, da man nun kein Geld mehr für die kommende Woche hatte, wurden neue Schulden beim Kaufmann gemacht. Die dann wiederum am nächsten Freitag beglichen werden mussten.

Erinnern kann ich mich noch sehr genau, dass wir mit sehr viel Zucker, hartes, altes Brot in Muckefuck-Kaffee eintauchten und aßen. Es war in der Kaffeetasse mehr Zucker als wir zum Süßen gebraucht hätten. Aber dann löffelten wir den Zucker eben wieder aus der Kaffeetasse.

Unsere Mittagsessen waren: Linsensuppen, Kohlsuppen, Graupensuppen, Steckrübensuppen, teilweise mit Knocheneinlagen vom Fleischer. Teures Fleisch, oder sehr teures Obst stand nicht sehr oft auf dem Speiseplan. Wenn überhaupt, dann nur des Sonntags.

Sonntags hatten alle Familienmitglieder ihre gute Kleidung zu tragen. Das war damals so.
Die dürftigen, unzureichenden sanitären Anlagen der Wohnung meiner Oma befanden sich auf dem Gemeinschaftsflur des ehemaligen Schulhauses im Erdgeschoß.

Die einzige Waschmöglichkeit für uns und alle Bewohner des ehemaligen Schulhauses unserer Etage, (wir wohnten im Erdgeschoß) befanden sich auf dem Gemeinschaftsflur des Hauses. Dort unmittelbar neben den 3 Reihen Toiletten, hing an der Wand ein kleines, altes, halbrundes, weiß emailliertes, gusseisernes Becken mit Wandschürze. Bestückt mit einem Messing-Wasserhahn, aus den nur Kaltwasser floss.

Gewaschen wurden die Kinder der Familie in einer großen, verzinkten Wanne, die auch zum Wäschewaschen genutzt wurde.

Die Erwachsenen, meine Onkels und Tanten, gingen einmal wöchentlich zum Duschen in eine öffentliche Waschanstalt am Küchengarten. Man zahlte pro Person 30 Pfennig für ein Duschbad und 1 DM für ein Wannenbad.

Im Erdgeschoß unseres Wohnhauses befanden sich drei WC-Anlagen mit hochhängenden Gussspülkästen, Zug Kette, das WC nur mit einem uralten WC-Sitz aus Holz ohne Deckel ausgestattet. Räumlich getrennt, durch ca. 2,50 m hohe, nach obenhin offene, grau gestrichene Holztrennwände. Die WC-Anlage auf dem Flur im Erdgeschoß wurde außerdem noch von weiteren sieben größeren Familien des Hauses benutzt. Sodass für die ca. 50 Hausbewohner nur drei unbeheizte Toiletten zur Verfügung standen. Die im Winter oftmals einfroren.

In der Wohnung meiner Großeltern, lebte ich mit meiner Mutter Martha J., meinem älteren Halbbruder Bernd, meinem jüngeren Bruder Walter, und meiner älteren Schwester Sigrid, als auch weiterer neun Familienmitglieder, in sehr beengten Verhältnissen – bis zu meinem dritten Lebensjahr.

Unser Schlafraum war mit blauer Farbe bemalt. An den Wänden hingen einige Gemälde mit Engelmotiven. Des Weiteren standen in unserem Schlafraum 7 Betten hinter- und nebeneinander aufgestellt und 2 große Kleiderschränke. Die Betten mussten aus der Not heraus mehrfach belegt werden.

Interessant und erwähnenswert ist, dass sich natürlich jeder beim Frühstück oder Abendbrot am inmitten des Raumes stehenden, großen, ausziehbaren, mit Lebensmitteln gedeckten Küchentisch versuchte, das Beste aus den vorhandenen Lebensmitteln, im Besonderen teure Wurst und Käse herauszufischen.

Herrscherin über die Lebensmittel und dem Haushaltsgeld unserer Familie, war selbstverständlich meine Oma und meine Tante Christa, die sich genauso herzensgut für die Familie aufopferte, wie auch meine Oma.

Niemand unserer Familie Familienmitglieder durfte sich sein Brot selbst schmieren und belegen. Ansonsten aß jemand nur den guten Brotaufstrich, sowie Wurst und Käse allein und für alle anderen war dann nichts mehr da.

Falls doch jemand versuchte, sich während der Mahlzeiten, etwas vom Tisch zu stibitzen, wurde dies in sehr harten Fällen von meiner Tante Christa, mit viel Geschrei und mit dem Messer nach den Fingern hauend verteidigt.

Für mich aus heutiger Sicht, notwendige und belustigende Situation. Denn es war nie wirklich nie so ernst gemeint, wie es sich am Anfang darstellte. Hätte es diese Ermahnungen nicht gegeben, hätten wenige Mitglieder der Familie unseren Wurst- und Käsevorrat in kurzer Zeit aufgegessen. Die Brote wurden nun mal spärlich belegt, da man zu damaliger Zeit eben sehr gut haushalten musste.

Im Wohnzimmer meiner Großeltern standen Stühle, ein Sofa ein, Radio, der Kombi-Küchenherd, ein Abwaschtisch mit 2 herausziehbaren, emaillierten Schalen, in dem das Geschirr abgewaschen wurde. Hitler hatte Recht behalten, mit seiner Aussage „Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen“.

An der Wand hingen Soldatenbilder von den in zweiten Weltkrieg sinnlos getöteten Söhnen meiner Oma. Diese Frau, meine Oma, hat ihren Blutzoll für diesen Staat bezahlt. Unendliches Leid ertragen müssen. Ertragen müssen für profitgierige Industrielle und deren Machtstreben. Macht und Geldgier suchten wenige Menschen, die die ganze Welt ins Chaos stürzten.

An der Wand im Wohnzimmer hing auch eine alte, große, schwarze Wanduhr mit langen Pendel, und wunderschönen Schlagwerk. Jeweils zur Viertel, halben und vollen Stunde schlagend. Das Uhrwerk musste wöchentlich mittels einem im Uhrgehäuse liegenden Schlüssel aufgezogen werden.

Die Wände des Wohnzimmers waren mit weißrötlichen Strukturen bemalt, die mein Großvater unter Mithilfe der gesamten Familie erstellt hatte.

Das Wohnzimmer war gleichzeitig Schlafraum, Essraum, Küche, Gemeinschaftsraum, indem gelacht, gemeinsam Spiele gespielt und gestritten wurde. Es fanden im großen Wohnzimmer Geburten, Verlobungen, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern statt. Zu den Feiern wurde der Kuchenteig von meiner Oma und Tanten, selbst hergestellt, auf einem vom Bäcker ausgeliehenen Backblech aufgebracht, um den Teig dann zum gegenüber liegenden Bäcker in der Charlottenstr. Ecke Allerweg zu bringen und im Backofen des Bäckerbetriebes ausbacken zu lassen.

Gleich nebenan im Nachbarhaus befand sich eine Schule, die auch einige Kinder meiner Großeltern besuchten. Meine Onkel sprangen morgens einfach über den Zaun und waren somit immer pünktlich in der Schule.

Die damalige große, spürbare Familienzugehörigkeit, der doch sehr stark spürbare Familienverbund und der von meiner Oma und ihren Kindern praktizierte Gerechtigkeitssinn prägte schon damals mein heutiges soziales Verständnis gegenüber meiner selbst gegründeten Familie.

In dem so großen Wohnraum, wo ständig ein Kommen und Gehen war, wo sich niemand anmelden musste, der zur Familie gehörte, fühlten wir uns eigentlich sehr wohl und geborgen.

Mein jüngerer, zweitgeborener Bruder verstarb im ersten Lebensjahr. Meine ältere Schwester Sigrid starb an einer Lungenentzündung. Was wohl aus meiner heutigen Sicht, dem zwangsläufigen Nahrungsmangel und hygienischen Verhältnissen zuzuschreiben war.

Mein Vater Walter Jü.. Geboren in der Lausitz in Schlesien. Sohn eines Fuhrunternehmers. Ausgespuckt aus dem zweiten Weltkrieg mit Hirnverletzung und Schwerhörigkeit. –Flüchtling- vertrieben aus seiner sehr geliebten Heimat Schlesien. Die er niemals wiedersah. Er verstarb am 22.03.1986 an Leberzirrhose.

Mittellos, seiner Gesundheit beraubt, so hatte ihn der zweite Weltkrieg an dem sich nicht nur deutsche Unternehmer maßlos bereicherten; ins Leben entlassen. Lebte allein nach dem Krieg in einem ehemaligen großen Luftschutzbunker in der Tonstr. 93. Bewohnte ein kleines Zimmer ohne Fenster, ohne Tageslicht. Ständig musste das einzige kleine Lämpchen in seinem Zimmer für ständige Raumerhellung sorgen.

Das Zimmer meines Vaters war nur mit karger Ausstattung versehen. Mit einem Grammophon, einem Stahlbett, alten Matratzen mit Kopfkeil, einer alten Armeewolldecke, einem Elektro Kocher und einem alten abgenutzten Kopfkissen. Einem kleinen Tisch, zwei Stühle, einem alten Kleiderschrank. Das „Zimmer“ im Luftschutzbunker in der Tonstr. 93 lag etwa 10 Minuten Gehminuten von der Wohnung meiner Oma entfernt.

Er war kein Mann, der wie so viele Flüchtlinge sich ihr in der Heimat hinterlassenes Gut und Habe erlogen und mit falschen Zeugen dies auch noch belegten. Somit unberechtigt Gelder vom Steuerzahler einstrichen. Geschädigt durch den 2. Weltkrieg, seiner Gesundheit beraubt, war er aber niemals dafür richtig entschädigt worden.

Aggressiv machte ihn, dass er oft, auch bei gelegentlichen Arbeitsstellen wegen seiner Schwerhörigkeit und Hirnverletzung nicht genommen wurde. Und seine eigentlichen Fähigkeiten nicht zum Tragen kamen.

Eigentlich war er intelligent. Reparierte Radios und Haushaltsgeräte ohne Vorkenntnisse. Er konnte seine Fähigkeiten auf Grund seiner erlittenen Kriegsverletzung nicht verwirklichen, verfiel dem Alkohol.

Meine Mutter.
Geboren am 12. Januar 1927 in Hannover, ohne relevante Schulbildung, ohne Beruf, Arbeiterin in einer Fabrik. Zweitälteste Tochter meiner Großeltern, die noch acht weitere Kinder hatten. Während der Verbindung mit meinem Vater hatte meine Mutter sehr viel erleiden und ertragen müssen.

Meine Oma.
Geboren in Nds. Loccum am 23.08.1896. Sie war eine einmalige, gutmütige, großherzige, dominante im Familienverbund aufgehende Mutter und Großmutter. Sich doch sehr wohl und geborgen fühlte im Kreis ihrer Familie. Ihr Ehemann, mein Großvater verstarb leider sehr früh. Sie musste ein großes Stück ihres Lebens allein gehen.

Hilfe, konnte jedes ihrer Enkelkinder von meiner Oma immer bekommen. Hilfe, soweit es ihr möglich war. Ebenso standen auch alle Enkel zu ihrer Oma. Die Erziehung der Enkel überließ sie jedoch weitgehend ihren Kindern. Denn sie hatte selbst ja auch noch für ihre leiblichen Kinder und meinem älteren Halbbruder Bernd, den mein Vater verstieß, der gänzlich bei ihr lebte, zu sorgen.

Mein Erstlings Bett stand im Wohnzimmer, bestand aus einem alten Wäschekorb, notdürftig mit Tüchern ausgeschlagen. Meine Ernährung war dem Nahrungsmangel verschrieben. Teilweise bestand meine Ernährung aus Muckefuck mit trocken Brot und viel Zucker. Selten war Milch, Haferbrei oder Milchpulver für mich und meine Geschwister da. Geschweige denn heute übliche Pflegemittel, wie Babypuder, Babycreme etc.

Mangelnde Pflege und mangelnde Ernährung vergrößerten die Not meines jungen Lebens. An den Folgen, der mir zugeführten Mangelernährung, habe ich noch heute zu leiden.

Im Alter von ca. 6 Monaten schrie ich auf Grund meines Hungers so kräftig, dass ich einen Nabelbruch erlitt. Der umgehend operiert werden musste. Mein Hunger wurde oftmals ausschließlich mit sehr süßen Kaffee bekämpft.

Bis zu meinem 2. Lebensjahr lebte ich mit meiner Mutter bei meiner Oma. Danach lebte ich 6 Monate bei meinem Vater im Luftschutzbunker in der Tonstr. 93.

Ich spielte dort am liebsten mit dem alten Grammophon meines Vaters, welches noch einen alten Feder-Kurbelantrieb und ein riesiges Klangrohr hatte. Auch versuchte ich mich am Schifferklavier, welches mein Vater eher schlecht als recht spielte. Anderes Spielzeug hatte ich nicht.

Zu gern hörte ich zu, wenn mein Vater auf seiner Mundharmonika mir etwas vorspielte. Mein Vater ging mit mir oft sparzieren, denn er war arbeitslos und hatte sehr viel Zeit. Oft, ja sehr oft nannte er mich Lerge, er sagte mir auf meine Fragen hin warum er mich Lerge nannte, das wäre ein Begriff aus seiner Heimat Schlesien, dort würde man Jungen so wie ich es einer war nennen.

Eigentlich hat mein Vater mich nie ungerecht behandelt. Was sich mit seinem fortschreitenden Alkoholismus und Trunksucht radikal änderte. Erst am 04.08.1951 heiratete meine Mutter meinen Vater Walter Jüttner. Ich war inzwischen über 4 Jahre alt. Meine Mutter war mit meinem Bruder Peter im 6. Monat schwanger.

Die Hochzeitsfeier meiner Eltern fand ebenfalls in der Wohnung meiner Großeltern in der Franzstr. 20 statt. Die ganze Familie half und feierte mit. Niemand meiner Familienmitglieder brauchte eine Einladung. Jedes Familienmitglied war selbstverständlich willkommen.

Der Kuchenteig für die Hochzeitsfeier (zu meist mehrere Kuchenbleche mit Streusel- und Zuckerkuchen) von den Frauen der Familie geknetet und gefertigt, wurde auf geliehenen Kuchenblechen, die wir uns von der einer gegenüber liegenden Bäckerei Charlottenstr. Ecke Allerweg geliehen hatten, zu Hause vorgefertigt und dann zum Backen in den Backofen der Bäckerei gebracht. Man zahlte dem Bäcker dafür einen kleinen Obolus und es war billiger als Kuchen zu kaufen. Das war früher so üblich, denn Kuchen kaufen für die ganze Familie, dazu war man finanziell nicht in der Lage.

Alle Enkelkinder meiner Großfamilie durften während Familienfeiern nicht am großen Tisch der Erwachsenen sitzen. Sondern wir mussten an unseren Aufwaschtisch der gleich neben dem Eingang stand, unsere Nahrung und Getränke (selbst gemachter Kakao) zu uns nehmen. Das war bei Geburtstagsfeiern, Verlobungen, Hochzeitsfeiern, zu Sylvester so üblich.

Was uns Kinder immer nervte, wir unseren Unmut kund taten, wir aber letztendlich akzeptierten. Wollten wir doch Mittelpunkt sein, und nicht an den Rand gedrängt sein.

Am 19.11.1951 wurde mein Bruder Peter ebenfalls in der Wohnung meiner Großeltern geboren. Nach nicht allzu langer Zeit musste ich lernen Verantwortung zu tragen. Meinen Bruder Peter zu beschäftigen und zu betreuen, dessen Ersatzmutter und Vater ich nun war. Zum Spielen, (ich war gerade erst 4 Jahre alt geworden) mit anderen blieb mir wenig Zeit. Peter wohnte auch mit mir und meinem Vater im Bunker.

Wenn ich, selbst noch ein zur Kind Betreuung bedürftiges Kind von 4 Jahren, meiner Aufgaben nicht gewachsen war, bekam ich dies deutlich im Form von Züchtigung mit dem breiten Armeekoppel meines Vaters zu spüren.

Im Dez. 1951 zog ich mit meinen Eltern, meinen Bruder Peter in das Barackenlager Hannover Listholz, direkt am Mittellandkanal gelegen. Mein Vater hatte im Frühjahr 1952 zeitweilig eine Arbeitsstelle als Bauhelfer bei der Firma EBH in Hannover gefunden.
Nun brauchten wir nicht mehr vom Tropf des Sozialamtes zu leben. Und hatten ca. 2 Jahre ein karges Auskommen.

Mein Vater kaufte sich ein Motorrad (NSU Max 250). Ich durfte des Öfteren auf dem Tank des Motorrades mitfahren und dann die am Tank befindliche Gangschaltung bedienen. Konnte am Tachometer, der im Frontscheinwerfer integriert war, beobachten, wie schnell wir fuhren. Mein Vater war mit entsprechender Motorradkleidung, großer Motorrad-Brille, Handschuhe, brauner Lederjacke, schwarze Schaftstiefel bekleidet.

Wenn wir alle, mein Vater, mein Bruder, meine Mutter und ich mit dem Motorrad meines Vaters zu dem Cousin meines Vaters nach Bustedt (Ostwestfalen) zu dem Cousin fuhren, steuerte mein Vater sein Motorrad, ich saß vorn auf dem Tank, meine Mutter mit meinen Bruder Peter im Arm auf dem Soziussattel hinter meinem Vater. Früher waren die „Sitzsattel“ der Motorräder weitaus komfortabler, stoßabsorbierend, als heutige Motorradsitze.

Innerhalb dieser Zeit, unseres Barackenlebens entwickelte sich mein Vater zum Alkoholiker. Er schlug regelmäßig meine Mutter, die unsere Barackenwohnung fortwährend in einem sehr unsauberen Zustand ließ.

Ebenso mangelhaft war unsere Körperpflege. Am 11. Februar 1952 wurde mein Bruder Karl-Heinz in einer Klinik in Neunkirchen geboren, sodass nun meine Aufgaben in Bezug auf Kinderbetreuung stiegen. Wenn unsere Eltern nicht da waren, hatte ich die Verantwortung für meine Brüder Peter und Karl-Heinz zu tragen.

Manches Mal gingen meine Eltern abends ins nahe gelegene Kino „Vier Grenzen“. Um meine Angst und die Angst meiner Brüder Peter und Karl-Heinz zu überwinden, gab mir mein Vater seine sehr große Taschenlampe, die er mit den kostenlosen kleinen Mignon Batterien seines Hörgerätes füllte. Batterien für sein Hörgerät bekam er monatlich kostenlos vom Versorgungsamt Hannover zugeschickt. Mittels dieser Taschenlampe, die den Raum in dem wir schliefen, sehr hell ausleuchten, leuchteten wir herum und hatten somit weniger Angst allein zu sein.

Fahrradfahren habe ich mit 4½ Jahren auf dem sehr großen 28“ Herrenfahrrad meines Vaters gelernt. Ich musste mit dem rechten Bein zwischen den Rahmenstangen das Tretlager bewegen. Das war nicht einfach, aber es ging. Teilweise sehr schmerzlich für mich, denn ich fiel sehr oft mit dem viel zu großen Fahrrad hin, aber ich hatte es dennoch gelernt.

Gespielt hatte ich ausschließlich mit meinen Brüdern Peter und Karl-Heinz. Peter der doch sehr unternehmungslustig war, rannte oftmals weg. Von mir wurde er mit kleineren verbalen und wenn nötig mit massiven, tätlichen Hinweisen zur Ordnung gerufen.

Mein Bruder Karl-Heinz der angebunden mit seinem Brustgeschirr in seiner Kinderkarre saß, zwei Jahre alt war, aber natürlich schon voll mit seinen Brüdern mitmischen wollte, kräftig in seiner Karre hin- und her wackelte und deshalb manches Mal samt seiner Karre umfiel. Was ihn nicht sehr beeindruckte, denn am nächsten Tag tat er in seiner Karre dasselbe. Er wollte eben nicht festgeschnallt in seiner Karre sitzen und nur zusehen, er wollte mitspielen.

Durch sein doch sehr starkes Rütteln und wackeln in seiner Karre und sein Hin- und herschaukeln setzte sich eines Tages seine Karre, samt meinem Bruder in Bewegung. Den abschüssigen Berg hinunter Richtung des Mittellandkanal. Ich sah das, erkannte die drohende Gefahr für meinen Bruder Karl-Heinz, rannte so schnell ich konnte meinem Bruder hinterher, der sich immer noch angeschnallt in seiner Karre befand. So konnte ich die Karre samt meinem Bruder kurz vorm dem abschüssigen Uferrand des Mittellandkanals stoppen.

So hatte ich meinen Bruder Karl-Heinz vor dem sicheren Tod bewahrt. Denn mein Vater und meine Mutter konnten nicht schwimmen.

Meine Eltern bekamen keine Nahrungsmittel.
Oft hatten wir keine Lebensmittel mehr und waren sehr hungrig. Meine Mutter aß Nahrungsmittel von der naheliegenden Müllkippe.

Als ältestes Kind meiner Eltern im Alter von 5¼ Jahren fuhr ich mit dem Herrenrad meines Vaters bepackt mit meinem Bruder Karl-Heinz auf dem Gepäckträger und Peter auf der waagerechten Fahrradstange sitzend. Zu dritt fuhren wir oftmals zu meiner Oma und ihren Kindern um Nahrungsmittel für uns zu erbetteln.

Um uns nicht zu verlaufen, folgten wir den Gleisen der Straßenbahn die direkt zu meiner Oma führten. Schwarzfahren war uns keine Option. Manchmal lief ich mit meinem Bruder Karl-Heinz, der in seiner Karre saß, Peter der auf der Kinderkarre saß, zu meiner Oma und Ihren Kindern um Lebensmittel zu erbetteln. Mitten durch die Innenstadt Hannovers, den Straßenbahnschienen der Linie 7 folgend. Auf diese Art konnten wir uns nicht verfahren, oder, wenn wir zu Fuß zu unserer Oma gingen, verlaufen. Die Gleise der Linie 7 führten uns nahe zu unserer Oma`s Wohnort. An Fahrgeld, das wir zu unserer Oma fahren konnten, war überhaupt nicht zu denken.

Meist bekamen wir, meine Brüder und ich die Lebensmittel nur unter der Auflage dem Vater, dem Säufer, dem arbeitsscheuen Penner davon nichts zu geben. Doch dies war stets mit großem Geschrei und Beschimpfen gegen unsere Eltern begleitet. Ab und zu bin ich aber auch allein zu meiner Oma gefahren, um sie zu besuchen. Welches meinen Vater missfiel und ich mit dem Armeekoppel geschlagen wurde.

Ich glaube, sie wussten nicht, dass es auch mich und meine Brüder sehr hart traf. Sehr oft weinten wir erst auf dem Rückweg zum Barackenlager, wenn unsere Oma es nicht mehr sehen konnte. Gesagt haben wir es unserer Oma nie.

Unsere Oma gab uns Fahrgeld, damit wir gemeinsam nach Haus fahren konnten. Der Rückweg auf dem Fahrrad, beladen mit meinen Brüder und Einkaufsnetzen voller Lebensmittel war sehr beschwerlich.

Einmal erwischte uns ein Polizist, am Kröpcke. Er sah uns von seinem Hochsitz, stürmte herunter, hielt uns an und ermahnte uns das Fahrrad zu schieben. Kaum waren außerhalb der Sichtweite des Polizisten, stiegen wir wieder auf und fuhren nach Haus in Barackenlager.

Mein Vater war ein starker Raucher. Er sammelte weggeworfene Zigarren und Zigarettenstummel und stopfte sich damit seine Pfeife.

Wir hatten uns einen kleinen Gemüsegarten angelegt, den wir zur Nahrungsergänzung nutzten.

Im Winter.
Die Winter waren noch Winter, frostig kalt, sehr kalt. Wir spielten im 30 cm hohe Schnee, bauten Schneemänner, bewarfen uns und unsere Eltern mit Schneebällen.

Im Sommer.
Die Sommer waren noch Sommer mit sehr hohen Temperaturen ab April. Wir konnten zu Ostern Eier im Freien suchen, ab 8. Mai in die Badeanstalten gehen.

Der Herbst.
Die Herbstzeit war besonders schön, die Blätter fielen von den Bäumen, es noch wohlig warm bis in den November.

Eines Abends zur Abend Brotzeit, dass weiß ich noch sehr genau, an der Haltestelle Schwarzer Bär ab. Unsere Eltern sagten mir, dass ich mit meinen Brüdern zu meiner Oma in die Franzstr. 20 gehen soll und dort sagen, dass unsere Eltern nach Bustedt gefahren seien. Dann sollte ich meine Oma fragen ob wir solange bis meine Eltern wieder da sein würden, bei ihr bleiben konnten.

Völlig allein gelassen, die Verantwortung für mich und meine Brüder tragend. Nicht zu wissen wann meine Eltern wiederkommen würden, im Alter von 6 Jahren, ging ich mit meinen Brüdern zu meiner in der Franzstr. lebenden Oma.

Im Wissen darüber, dass sich nun wieder ein Donnerwetter gegen mich, meine Brüder, (so hatte ich es empfunden) als auch gegen meine Eltern entladen würde. So kam es auch. Wir begrüßten alle anwesenden Familienmitglieder. Als wir dann mit unserem Anliegen heraus kamen, brach die Hölle los. Meine Eltern waren inzwischen unbeschadet, aller Angriffe meiner Oma und ihren Kindern mit dem Motorrad meines Vaters nach Bustedt zu seinem Cousin unterwegs.

Meine Eltern blieben ohne eine Nachricht an uns oder unserer Oma, eine Woche bei dem Cousin meines Vaters. In Bustedt. Es war schon eine „Familie“. Aber Hilfe in der Not, Unterkunft und Nahrung bekamen wir immer. Darauf bauten meine Eltern, als sie uns überlassen, allein ließen.

Im Barackenlager Listholz unternahm meine Mutter mehre Selbstmordversuche, indem sie sich die Pulsadern aufschnitt, das Blut auslaufen lies und auf den Tod wartete. Oftmals wurde sie von Nachbarn gerettet. Einmal konnte ich sie vor dem Tode bewahren, indem ich sie weinend anflehte doch bei uns zu bleiben. All dies habe ich schon als kleines Kind erlebt und meine Mutter schon damals verstehen, weshalb sie zu solch Taten getrieben wurde, keinen anderen Ausweg sah.

Aber egal wie gut oder schlecht eine Mutter zu ihrem Kind ist, dem Kind ist es doch immer seine Mutter. Da gibt es wohl doch ein unsichtbares Band der Zugehörigkeit, Verbundenheit. Liebe hatte ich von meinen Eltern nie erhalten.

Schuld der Selbstmordversuche meiner Mutter, war die Ohnmacht, die geistige Überlegenheit meines tyrannischen Vaters. Das auch immer mehr Kinder geboren wurden, die sie eigentlich nicht mehr haben wollte. Damals gab es zudem nur begrenzte Verhütungsmittel und keine Antibabypille. Ärzte die einer Sterilisation widersprachen, viel zu spät zugestimmt hatten. So nun noch weitere 7 Kinder geboren wurden. Todgeburten nicht mitgezählt.

April 1953.
Im Alter von 5 Jahren und zehn Monaten wurde ich eingeschult, jedoch wegen Schwächlichkeit zurückgesetzt.

April 1954.
Im Alter von begann ich die erste Klasse der Volksschule Höfestr. In Hannover.
Dort hatte ich es mit ablehnenden, wenig einfühlsamen Lehrern zu tun. Ein Kind aus armen Elternhaus, deren Eltern nicht in der Lage waren Buntstifte, Bleistifte, Schulhefte und teure Schulbücher zu kaufen. Sich nicht, ja gar nicht gegenüber den Lehrern, mag sein aus Scham ihrer Armut und Herkunft, artikulieren konnten.

Ich hatte schon in der ersten Klasse keine Chance. Ein Schulkind, das bereits einmal zurückgesetzt wurde, ungepflegt mit schlechter Kleidung auffiel, hatte keine Chance Aufmerksamkeit und Anerkennung zu finden.

Ich wurde bewusst von den „pädagogisch geschulten“ Lehrkörper an den Rand meiner Klasse gedrängt. Und folglich von den Mitschülern und Schülerinnen gehänselt und ablehnend behandelt. Dies wurde mir dann auch schriftlich bestätigt, durch das nicht erreichen des Klassenziel der ersten Klasse. Im Alter von sieben Jahren wiederholte ich die erste Klasse an der Egestorfschule Petristr. mit Erfolg. Ich wohnte nun bei meiner Tante Lola, deren Ehemann Heinrich M. dessen Tochter Renate und Sohn Jürgen in der Ricklinger Str. 86 in Hannover. Dort konnte ich unter sehr geordneten Verhältnissen meine bis dahin glücklichsten Kindheitstage verbringen.

Es herrschte eine strenge und geordnete Erziehung mit sehr großen Vorzügen der Tochter des Hauses, durch ihre Mutter. Zum Spielen, Äpfel klauen, Umgebung erkunden, Streiche machen, Abenteuer erleben, schwimmen gehen, herum toben, ich, mein voller Ideen steckender Cousin Jürgen, hatten sehr viel Zeit. Jedes gastierten mehrere Zirkusse auf dem Schützenplatz. Wir krochen durch eine Zaunlücke und mischten uns während der Aufführungspause des Zirkus unter die zahlenden Zuschauer. So sahen wir immerhin noch ein Teil vom Zirkusprogramm kostenlos. Wir besorgten Zuckerrüben, damit meine Tante daraus Zucker herstellen sollte. Besorgten Blumen zum Muttertag aus den Parks. Hielten uns sehr oft bei meiner Oma auf. Unser „Jagdgebiet“ erschloss sich im Umkreis von 8 Km. Eines Tages zerbrach die Teekanne meiner Tante. Da wir beide Angst hatten, der Schaden entdeckt werden könnte klebten wir die Teekanne kunstvoll mit Uhu zusammen. Auf den ersten Blick war nun nicht zu erkennen, dass die Kanne zerbrochen war. Wir stellten sie wieder in den Küchenschrank.

Meine Tante Lola kam von der Arbeit, nahm die besagte Kanne aus dem Küchenschrank, tat Tee hinein und füllte kochend heißes Wasser hinein. Die Kanne zerbrach, meine Tante hatte nur noch den Griff der Teekanne in der Hand. Die Scherben und der heiße Tee ergossen sich auf den Boden der Küche. Was für uns beide nicht ohne spürbare Folgen auf unsere Hinterteile blieb.

Meine schulischen Erfolge stiegen enorm. Ich stieg bis zum Klassebesten der zweiten Klasse der Egestorfschule auf. Ich hatte wohl eine sehr gute Lehrerin.

Ich wohnte bei meiner Tante und meinem Onkel bis zum Alter von 8¼ Jahren. Wir erlebten den ersten Schwarz-Weiß Fernseher, zu dem sich gesamte Nachbarschaft zum Fernsehen anmeldete. Krankheiten: Masern, Windpocken, Ohrenschmerzen wurden mit heißem Öl behandelt.

Danach kam ich wieder zu meinen Eltern nach Laher Heide 22 A in Hannover Bothfeld. Sie wohnten inzwischen in einem selbst gebauten Behelfsheim ohne WC, ohne Waschmöglichkeiten. Vor dem Behelfsheim stand nur eine Wasserpumpe. Hunger, Elend, mangelhafte sanitäre Verhältnisse, schleichende Verwahrlosung, nahmen wieder Besitz von mir. Ich traf dort auf meinen Bruder Karl- Heinz, inzwischen war nun auch noch mein Bruder Lothar geboren worden. Ein Leben ohne Liebe und Zuwendung meiner Eltern, der schleichenden Verwahrlosung ausgesetzt. Ausgesetzt, untergebracht in einem vom meinem Vater, mittels Hilfe meiner Mutter selbst erbautes Holzhaus, ringsherum mit Dachpappe eingeschlagen. Ohne jeglichen Komfort. Einem Plumsklo. Im Winter und des nachts wurde ein Eimer für die Notdurft benutzt. Mitten im Wohn- und Schlafraum benutzt. Mahlzeiten wurden auf einem Spirituskocher zubereitet, so den Spiritus vorhanden war. Der Raum wurde mittels Kerzen oder einer Benzinlampe erhellt, so Benzin, oder Kerzen vorhanden waren.

Zu uns gehörte ein Schäferhund Namens Rex, der aus Hunger seinen eigenen Kot fraß. Sich von der Kette los riss und sich die Hühner des nahegelegenen Bauern zu eigen machte.

Ein arbeitsloser, alkoholsüchtiger, tyrannischer, selbstsüchtiger Familienoberhaupt, der regelmäßig nach dem Ersten des Monats unser wenig Geld in Alkohol umsetzte, der allein meine Mutter für die vielen Kinder und seine Verfehlungen verantwortlich machte, regelmäßig die Schuld für all und jenes meiner Mutter übertrug, sie deshalb fortwährend beschimpfte und verprügelte.

All diesen, ja fast täglichen Ereignissen, wurden wir Kinder ausgesetzt. Ich bin heute überzeugt, wäre unser Elternhaus nur einigermaßen in Takt gewesen, hätten wir die Nahrung, schon im Kleinstkind Alter bekommen, die wir gebraucht hätten, wären viele meiner Geschwister Akademiker geworden.

Heute frage ich mich: Hatten meine Eltern je eine Chance? Selbst Liebe und Geborgenheit auf Grund des sinnlosen zweiten Weltkrieges zu erfahren? Hatten Sie denn selbst eine Chance? Kinder armer Leute wurden und werden immer der Bildung benachteiligt.- Klar die Politik braucht willige, unmündige Bürger – billigste Arbeitskräfte. Jasager. Menschen die sich scheuen, ihre Meinung zu sagen – ihr recht einzufordern und durchzusetzen.

In unserem selbsterbauten Behelfsheim Laher Heide 22 A gab es die nötigsten Lebensmittel für die Familie; meistens nur für ein bis drei Wochen im Monat. Danach war Hungern und Lebensmittelbeschaffung, die man mir und meinen Brüdern zuschrieb an der Tagesordnung. Vater soff, machte die Mutter dafür verantwortlich, wenn kein Geld mehr da war. Man hielt stets die Reihenfolge ein. Erst prügeln dann vögeln. Sexualität hat nichts mit rationaler Intelligenz zutun. Oftmals kamen die Worte von meiner Mutter „wenn er nüchtern ist schlägt er mich nicht“

Von Körperpflege kaum die Rede, da es oftmals keine Seife mehr gab. Keine Leuchtmittel zum Erhellen des Raumes. Trink- und Waschwasser gab es nur aus der außerhalb des Behelfsheimes liegenden Gartenpumpe, die im Winter oftmals eingefroren war. Wenn die Gartenpumpe eingefroren war, versuchte meine Mutter unsere Gartenpumpe mit heißem Wasser, dass sie direkt in das senkrechte Pumpenansaugrohr goss aufzutauen. Wenn die Winter zu hart waren, alle Mühe vergebens war, Sammelt meine Mutter Schnee ein, und taute es auf unseren Kanonenofen zum Wasser auf, dass wir zum Trinken und waschen benutzen. Der Kanonenofen wurde mit alten Autoreifen, die mein Vater besorgte beheizt. Damit entwickelte ich solch hohe Temperatur in dem Kanonenofen, sodass sich die Hülle des Kanonenofens glühend hell erhitzte. Es war warm im Raum, mollig warm. Wir schlugen Holz im Wald.

Meine Mutter hatte nicht einmal Seifenpulver um unsere Wäsche mit eigenen Händen, im Waschtrog, auf ein Reibebrett rubbelnd waschen zu können. Selten war mein Vater bereit, seine eigenen Ansprüche herunter zuschrauben. Meine Mutter hatte in seinen Augen Schuld, wenn er nichts mehr zu rauchen hatte. Schuld hatte sie, wenn kein Bier mehr vorhanden war. Auch wir gingen zum Kaufmann um anzuschreiben. Kinder wurden am laufenden Band gezeugt und geboren. Manchmal trat mein Vater meiner schwangeren Mutter in den Bauch, welches mit einigen Todgeburten endete. Wir hielten Hühnerküken, Entenküken, die mein Vater billig von einem Bauern gekauft hatte, die wir versuchten heran zu ziehen. Wenn die Hühner legefähig waren, Eier von den Hühnern bekamen. Unsere Not, und Hunger war oftmals gegen das Wachstum der Hühner gerichtet. Erreichten selten ihre schlachtfähige Größe.

Getötet wurden unsere Hühner, Enten und Gänse von meinem Vater. Es wurde Wasser in einem verzinkten stark er erhitzt, indem die Tiere eingetaucht wurden, sodass man die man die Tiere leichter (die Federn entfernen) „rupfen“ konnte. Mein Vater öffnete das Tier mit einem sehr scharfen Messer, entnahm die Eingeweide des Tieres, wobei er darauf achtete nicht die Galle der Tiere zu verletzen.

Mehlsuppe, die gelernt hatte selbst zu kochen.
Spezialität in der Hungersnot, wir schrieben das Jahr 1956, war, Mehlsuppe. Angerichtet mit heißen Wasser sehr viel Mehl, sehr viel Zucker. Altes vertrocknetes, manchmal schimmliges Brot, eingetaucht in Lindes-Kaffee und gegessen. Sehr oft waren wir gezwungen, solch schädliche Nahrung zu essen.

Wir waren arm, unendlich arm, aber keiner dachte daran, sich durch Straftaten zu bereichern.

Oftmalige Betteltouren mit meinen 3 Brüdern
Zu Fuß zu meiner 12,5 km entfernten Wohnung meiner Oma. Beladen mit Lebensmittel mit der Straßenbahn zurück, war nun wieder zum Monatsende an der Tagesordnung.

Oftmals fuhr ich auch im Herbst spät abends allein von meiner Oma mit dem Fahrrad einen nicht beleuchteten; sehr dunklen Feldweg vom Grenzweg führend, völlig allein, kein Mensch war zusehen, entlang. Ich hatte dann immer sehr viel Angst, stellte den Scheinwerfer meines Fahrrades auf weiteste Ausleuchtung des Feldweges, trat kräftig in die Pedalen, fuhr so schnell wie ich konnte, um diese Dunkelheit möglichst schnell zu überwinden.

Haushaltkerzen, sie kosteten pro Stück 20 Pfennige, in Weiß ca. 20 cm dick, ca. 20 cm lang wurden beschafft, wenn das Geld nicht mehr für die Benzinlampe reichte.

Wenn letztendlich auch kein Geld mehr da war, wir allein waren, kochte ich aus den Resten Mehlsuppe. Wir formen aus Wachsresten, selbstgebastelte Dochte Kerzen mit unseren Händen. Zündeten sie an um nicht allein im Dunkeln sitzen zu müssen. Als wir wieder einmal allein waren, kam Lothar mit seinem lockigen Haar zu nahe der Kerze. Sein Kopfhaar fing sofort Feuer. Sein Haar brannte lichterloh. Ich sah es, erkannte die Gefahr für meinen Bruder, strich sehr mit bloßer Hand mehrfach über den Kopf meines Bruders Lothar, löschte somit sein lichterloh brennendes Kopfhaar.

Die nun für mich und meinem Bruder Peter war die Volksschule Grimselweg in Hannover. Zur Schule ging ich und mein Bruder, wenn ich gerade nicht auf meine Brüder aufpassen musste; sehr oft in abgetragener, schmutziger Kleidung, ungepflegt, ungewaschen. Statt Hilfe von den Lehrern, wurde mir und meinem Bruder Peter das Leben wiederum vom Lehrkörper und Mitschülern aufgrund unserer niederen Herkunft, unserer Armut, meines schmuddeligen Aussehens, unserer Zurückgezogenheit, das Leben in der Schule zur Hölle gemacht. Die Lehrer verlangten täglich, dass wir uns vor versammelter Klasse, im Klassenraum vor Unterrichtsbeginn die Hände waschen mussten. Auch wenn wir sauber, in sauber gewaschener Kleidung zur Schule erschienen.

Auf dem Schulhof in den Pausen vor und nach der Schule:
Unsere Mitschüler und Schülerinnen mieden uns folglich, beschimpfen uns fortwährend als Dreckschwein, total doof, und anderen diversen Ausdrücken.

Auch Beschimpfungen gegen meine Mutter musste ich hinnehmen, sie wäre eine faule Drecksau. Die uns seltsamer mehr trafen, als die Beschimpfungen und Beleidigungen gegen uns. Sie beschimpften uns auch wegen unseres Vaters, der zu faul ist zu arbeiten und ein Säufer ist.

Die Lehrkörper in den Klassen und Pausenaufsichten sahen, hörten und wussten dass wir schwer von unseren Mitschülern unter Druck gesetzt wurden. Tatenlos, dem Geschehen zusehend, ließen Sie es zu. Eben Lehrer aus dem Hitlerregime.

Wir waren keine Kinder die den Lehrern ab- und zu kleine Geschenke mitbrachten. Wir, da wir keine Geschenke verteilen konnten, nicht die notwendigen Lehrmittel hatten, als doof, „mit Dir ist sowie nichts los“ an den äußersten Rand der Schulklasse zu sitzen hatte. Nichts zu hatte. Niemals etwas gefragt wurde. Eben als doof und unwertig für diese Gesellschaft behandelt wurde. Auf Grund meines „Anderseins“ meines anderen Aussehens, als meine Mitschüler, wurde ich des Öfteren, mehrmals von mehreren Mitschülern grundlos verprügelt und beschimpft. Man hatte sein wehrloses Opfer, unterstützt, forciert mittels der Hitlerlehrerschaft gefunden.

Meine schulischen Leistungen sanken durch meine Unlust und Angst zur Schule zu gehen rapide in den Keller, wodurch mein Ansehen bei den Mitschülern und Lehrern sank. Sie fühlten sich bestätigt. Sie alle, machten mich für die Fehler meiner Eltern verantwortlich. Die Lehrer taten aktiv Ihren Beitrag zu meiner von den Lehrkörpern gewollten Erniedrigung. Sonst hätte der Lehrkörper aus Hitlerzeiten uns gezwungen und vor Unterrichtsbeginn vor versammelter Klasse die Hände zu waschen. Widerstand zwecklos, Selbst weinen, da wir sauber waren uns weigerten half nicht. Man zwang uns unsere Hände zu waschen. Danach fuhr er mit dem Unterricht fort. Ich frage mich waren die „Lehrer“ in den Vernichtungslagern tätig?

Dazu kann ich auch heute noch, meine Kinder sind zwischenzeitlich erwachsen, haben selbst Kinder, die niemals ein Heim von innen gesehen haben, nach meinen Erfahrungen mit einigen vielen Lehrern parallelen ziehen. Lehrer/innen die unfähig sind. Die nicht dem Staat den ihr anvertrauten Schülern dienen. Ihre eigene Schuld für die Minderleistungen der ihnen anvertrauten Schüler; nur bei den Schülern und deren Eltern suchen. Niemals bei sich selbst. Nur in der sicheren Wiege eines Beamten ruhen, als Gehaltsempfänger ihren Dienst versehen.

1956 Brutaler Kinderklau aus der Schulklasse und dem Zu Hause ohne Vorwarnung:
Man nannte es Kindeswohl!
Strafgefangene hatten mehr Rechte als Kinder und Jugendliche in den Heimen und Pflegestellen. Das bei gleicher Gesetzlage wie heute.
Kinder hatten keine Rechte – haben heute keine Rechte, so sie den Eltern entzogen werden.

1956 Peter 7 Jahre alt, kam gleich Tags zu unserer Oma, Lothar 4 Jahre alt und Karl Heinz 5 Jahre alt, wurden mit der Polizei und einer Jugendamttante direkt von den Eltern abgeholt. Beide Kinder wurden im Unklaren gelassen wo es hin ging, Weshalb sie nun von den Brüder und den Eltern getrennt wurden. Sie haben gesagt ihnen gesagt, ihr kommt nie wieder nach Hause. Ohne Worte, ohne Einfühlungsvermögen für die Ängste und Nöte meiner Brüder, brachte man beide Brüder zuerst in ein Heim in Hannover Bothfeld, wusch sie, danach fuhr man sie direkt in das Kinder- und Mütterheim nach Kleinenbremen; in das evangelische Heim Gotteshütte.
Man nannte es Kindeswohl.
Verängstigte, wehrlose Kinder, die systematisch, staatlich gewollt, unter der Aufsicht der Jugendamtes Hannover Folter Misshandlung, Demütigungen, etc. jenseits des Rechtstaates ausgesetzt wurden.

Meine Brüder kamen zur Mittagszeit im Kinderheim Gotteshütte an. Sie waren nun unter der Verantwortung und Aufsicht des Jugendamtes Hannover; nun völlig entrechtete „Strafgefangene“ – Freiwild für Jedermann. Freiwild, Sklaven für die Psychosen der „Erzieher und Erzieherinnen“.

Es gab Mittagessen, das ungenießbar war. Beide Brüder wollten das nicht essen. Neben Ihnen stand eine Frau mit einem langen Stock, zwang beide das eklige, ungenießbare Essen zu essen. Beide erbrachen sich, wurden sogleich von der Erzieherin verprügelt, die sie zwang ihr Erbrochens aufzuessen.

Meine Bezeichnung für diese Kinderstrafanstalt war Folterhütte, in der beide Brüder nun den Vollstreckungsmaßnahmen jenseits des Rechtstaates dem Heimpersonal ausgeliefert worden sind. Das dies in Verantwortung und Aufsicht des Jugendamtes Hannover geschah ist belegt.

Weiter berichtet mir mein Bruder, dass Pakete von Verwandten geschickt unter allen Heimkindern aufgeteilt wurden. Es blieb wenig für meine Brüder übrig. Besuche, wenn überhaupt zugelassen, wurden auf einmal im Monat beschränkt. Mit der Auflage, immer zu sagen, es gehe ihnen gut.

Man nannte es Kindeswohl.
Lesen Sie – Erkennen sie Parallelen??
Entrechtete Verwandte – entrechtete Kinder.
Es muss eine Vorgabe – Amtsanweisung zur Heimerziehung von den Jugendämtern gegeben haben.

Der Staat ließ deutschlandweit bewusst systematisch seine Kinder misshandeln.

1959. Für mich völlig überraschend, des Morgens, mitten im Unterricht aus der Schulkasse heraus von einer Polizeibeamtin abgeholt. Niemand sagte mir wo es hin ging. Weshalb ich abgeholt wurde. Wer die „Menschen“ waren, die mich einfach deportierten. Mich von meiner Familie, meinen Brüdern für immer trennten.

Gegen Mittag wurde ich ohne langes Zedern von meiner Begleiterin in der Verwaltung des Kinder-Zuchthauses Mecklenheide kurz und bündig mit den Worten „Hier ist das Kind angemeldete Kind Jüttner“ abgegeben. Niemand informierte mich wo meine Brüder sind, niemals durfte ich meine Brüder sehen oder besuchen

Von Einfühlsamkeit, Verständnis für meine Ängste, Befürchtungen, meine Sorgen und Angst meine Eltern und meine Brüder nicht mehr zu sehen. Dafür hatte die Überbringerin auf dem etwa 1 stündigen Weg keinerlei Verständnis. Den Weg zum Kinder-Zuchthaus Mecklenheide legten wir mit der Straßenbahn bis zur Endstation der Linie 8, von dort aus noch einen anschließenden 15 minütigen Fußweg Fußmarsches zurück.

Auch hier versagte die der Bürgermeister der Stadt Hannover, das Jugendamt Hannover kläglich, indem es solche unfähigen Leute mit Aufgaben betraute, deren Befähigung sie einfach nicht hatten.

Ich war nun Freiwild, rechtlos, schutzlos, den Vollstreckungsmaßnahmen von KZ-Wärterinnen aller „erster Güte“ ausgeliefert worden.

Man nannte es Kindeswohl!
Mein erster Tag und meine erste Nacht im Kinder-Zuchthaus Mecklenheide.
Vom Verwaltungsgebäude des Kinder-Zuchthaus Mecklenheide wurde ich sogleich in das Nebenhaus in der ersten Etage, in die Gruppe der KZ-Wärterinnen Horlitzki und dessen Stellvertreterin Baumann gebracht. Da es gerade Mittagessen gab, musste ich mir, während die anderen Kinder aßen auf Anordnung der Frau Baumann, die Hände mit einer sehr groben Wurzelbürste schrubben. Frau Baumann stand während meines Händeschrubbens ständig neben mir und bedrängte mich, befahl mir drohend meine Hände ständig weiter zu schrubben.

Meine Hände schmerzten, Blut trat aus, meine Haut aufgeschrubbt, an meinen Fingerknöcheln war schon der Knochen zu sehen.

Nun erklärte Frau Baumann meinen schmerzenden blutenden Händen für rein und sauber. Sie befahl mir das auf dem Tisch stehende Essen zu essen. Mit meinen schmerzenden Händen konnte ich nicht den Löffel halten. Somit nicht essen. Ich sagte, dass ich Schmerzen an meinen beiden Händen habe und den Löffel nicht halten kann. Sogleich wurde ich von der Frau Baumann geschlagen, dass ich samt Teller vom Tisch flog.

Ich musste das Essen vom Boden aufessen und kniend den Fußboden mit schmerzenden Händen reinigen, der zerbrochene Teller wurde von meinem Taschengeld abgezogen.
Gleich nach dem Essen (der Misshandlung und Folter der Frau Baumann wurde ich Frau Horlitzki vorgestellt. Die mich sofort vor versammelter Gruppe auszog und in Badewanne steckte. Mich mit einer sehr harten Wurzelbürste schrubbte, sie ließ nichts aus auch meine Weichteile und meine Hände wurden nochmals sehr intensiv geschrubbt. Nun war ich wohl septisch rein. Sie hat mich nach dem Abbürsten mit gebrauchten Kleidern aus der Gruppe versorgte.

Danach wurde mir mein Schrankfach mein Handtuch gezeigt, von zärtlichen Zuwendungen, verständnisvollen Zuwendungen keine Spur. Eine Abfertigung gleich den eines Straflagers. Meine Angst und Traurigkeit um den Verlust meiner drei Brüder, meiner Eltern wurde immer größer, begleiten mich unaufhörlich. Ich wurde mit meinen Ängste und Gefühlen völlig allein gelassen.

Ich habe geweint, geschimpft und trotzig reagiert. Mein Trotz, meine Wille, mein Widerstand, meine Persönlichkeit, wurde mit härtester Prügel, Drohungen und Entzug geringster Annehmlichkeiten, gegen mich als wehrloses Kind gebrochen.

Von nun an begriff ich sehr schnell, dass ich hoffnungslos, wehrlos, diesem Kinderzuchthaus und seinem brutalen, gewaltbereiten Personal ausgeliefert war.
Obwohl ich mir keiner Schuld bewusst war, wurde ich wieder einmal für die Versäumnisse, meiner Eltern bestraft.

Warum ließ der Staat, bzw. der Bürgermeister der Stadt Hannover, unter deren Obhut ich nun stand zu, dass mir und sehr vielen anderen Heimkinder, von seinen Bediensteten unendlich viel Leid, Qualen und Psychofolter zu geführt und angetan wurde.

WARUM, warum ????
Ich war ein völlig normales Kind, noch schwer erziehbar, nie hatte ich jemanden etwas zu Leide getan. Oder bestohlen.
Ich war ein sehr Liebe bedürftiges Kind. Und keinesfalls Freiwild für das Personal des Jugendamtes und nicht Freiwild für die Psychosen des Personals des Kinderzuchthaus Mecklenheide. Die brutalste Gewalt, Unterdrückung und Terror gegen die ihnen anvertrauten Kinder als einzig richtige Erziehungsmethode anwendeten.

Zum weiteren Ablauf:
Zum Abendbrot mussten einige Kinder der Gruppe, zu der ich gehörte, den Tisch für alle Gruppenmitglieder decken.

Nach 19.00 Uhr mussten alle Kinder das Geschirr abwaschen, den Gruppenraum, in dem wir aßen reinigen, Zähne putzen, sich waschen und ins Bett gehen.
Unser Schlafraumbereich war insgesamt durch eine riesige Korridortür getrennt.
So mussten wir, um zu den Toiletten zu gelangen, am Schlaf- Wohnzimmerzimmer der Frau Horlitzki vorbei.
Es wurde uns bei härtester Strafe verboten nach 19.00 Uhr, das Zimmer zu verlassen um auf die Toilette zu gehen. Die Prügelstrafe wurde bei Nichtbeachten von der Horlitzki sofort vollzogen.

Wenn jemand, weil er wegen härtester Strafandrohung ins Bett gekotet und uriniert hatte, wurde er des Morgens vor allen Kindern verprügelt und mit weiteren Strafen belegt.

Er musste während alle anderen Kinder frühstückten, seine eingekotete oder eingenässte Bettwäsche selbst mit eigenen Händen auswaschen und auf dem Balkon unserer Gruppe zum Trocknen aufhängen. Es wurde keine frische Wäsche an die Kinder ausgegeben.

Denn es durfte ja nicht nach außen dringen, weshalb es bei uns in der Gruppe mehr Bettnässer gab, als in den andern Gruppen des Kinderzuchthaus Mecklenheide.
Hier in Mecklenheide wurde ich zum Bettnässer erzogen.
Niemals hatte ich, und auch meine Brüder Probleme mit Bettnässen.
Manche Kinder urinierten aus Angst unter Lebensgefahr in die Dachrinne, versuchten sich ihres Urins in Mülleimer oder Kleidung die zur „Wäsche“ oder kotierten in Mülleimer zu entledigen.

Frau Horlitzki hatte die Marotte, dass wir unsere Strümpfe selbst waschen mussten, niemand wusste weshalb.
Bei der täglichen Kleiderkontrolle durch die Frau Horlitzki, fiel der Verlust, der wegen der Notdurft fehlender Taschentücher auf und es wiederum bestraft.

Die Gruppenleitern Frau Horlitzki hatte sich ein sehr kräftiges Lieblingskind aus unserer Gruppe herausgesucht. Dieses Kind namens Otto hatte erheblich mehr Freiheiten und Vorteile als alle anderen Kinder unserer Gruppe. Otto durfte sich im Zimmer der Frau Horlitzki zu jeder Zeit frei bewegen, welches jedem Kind bei Strafandrohung untersagt und verwehrt wurde.

Otto, das körperlich stärkste Kind der Gruppe, wurde unter anderem von der Frau Horlitzki dahingehend missbraucht, das sie seine Überlegenheit ausnutze und dies gegenüber der Gruppe zur Geltung brachte. Da dieser Junge auch das älteste und stärkste Kind der Gruppe war, ihr der Frau Horlitzki und Baumann, die Führung der Gruppe erleichtern musste.

Was ihm auch auf Grund seiner Vorteile uns gegenüber und geringer Repressalien durch die Frau Horlitzki nicht schwer fiel.
Ich und andere Kinder hatten schon, weil wir nicht auf Toilette gehen durften Alpträume. Ich träumte, ich wäre auf einer Wiese, mir wurde mollig und warm. Mein Bett war eingenässt. Jedes Mal, es passiert fast immer, Angst vor dem Morgen, mit 1000% iger Sicherheit wurde ich des Morgens verprügelt und als Bettpisser beschimpft. Vor versammelter Gruppe gedemütigt, lächerlich gemacht. Musste mein Bettlaken immer wieder mit meinen Händen mit Kernseife auswaschen. – Ganz klar ich hatte Schuld! Wer den sonst. Gewiss nicht das Personal.

Das Personal rührte keinen Finger um die Räume zu reinigen etc.
Man nannte es „Amt“, oder doch Kindeswohl?
Die in der Gruppenetage anfallenden Reinigungsarbeiten, auf der sehr großen Etage, inclusive Schlafräume war durchgehend von den anwesenden Kinder, im Alter von 6-10, der Gruppe, peinlichst sauber sicherzustellen.

Falls ich mein „Amt“ nicht sauberer und exakter machte, als es jemals in der Bundeswehr gefordert wurde, wurde ich verprügelt, musste von neuen beginnen, solange geprügelt und beschimpft bis es der Horlitzki und Baumann genehm war. Bei uns konnte man vom Fußboden der Toilette essen.

Die Baumann und Horlitzki machten zur Reinig der riesigen Gruppenetage, des Waschraumes, WC-Anlagen, Schlafräume, sehr langer Flure, putzen der Fenster, Tische, Abwaschen, Bohnern der Fußböden, reinigen der Schränke, Regale und Betten. Bettenbeziehen keinen Finger krumm.

Aufgeteilt wurde die verbotene Kinderarbeit in sogenannte „Ämter“. Zwei Kinder hatten dafür zu sorgen, dass der Waschraum mit vielen Waschbecken täglich des morgen und des Abends gereinigt wurde. Tellerwaschen. Teller, Tassen und Geschirr abwaschen wurde morgens mittags und abends erledigt.

Das Frühstück – Mittag- und Abendessen wurde täglich von uns Kinder aus der Gemeinschaftsküche beschafft. Reste wieder zurück gebracht.
Von den Heimkindern wurde ein Bettenbau verlangt und durchgesetzt, wie es in keiner Kaserne üblich ist. Wie mein Bett mit Bettwäsche bezogen sein musste, wurde mir einmal gezeigt. Von der Horlitzki sofort wieder alles herunter gerissen. Ich hatte zu üben und ein absolut faltenfreien Bettenbau, exakt ausgerichtet, vorzuzeigen. Sowie eine Unebenheit eine Falte sichtbar war, wurde es wieder von der Horlitzki eingerissen, ich musste von neuem beginnen. ES dauerte bis in den späten Abend hinein, ging an den anderen Tag weiter, wurde zwischendurch verprügelt.

Mein Schrank, meine Kleidung:
Meine Hosen, Hemden, Pullover, Unterhemden, Unterhosen, Hosenträger, Gürtel, Stümpfe, mussten exakt ausgerichtet und faltenfrei im Schrank liegen. Es wurde täglich bei allen Kindern ein Schrankappell abgehalten.

Es war nachmittags, die Horlitzki nutzte einmal wöchentlich unsere Gemeinschaftsbadewanne. Ich wollte ein Scheuertuch aus dem Badezimmer holen, ich öffnete die unverschlossene Badezimmertür, da sah ich völlig erschrocken, die Horlitzki sich badend, nackend in der Badewanne liegen. Nur weil mir dieses Missgeschick passierte, sie vergessen hatte die Tür abzuschließen, sowie es sonst immer tat, wurde ich von ihr aufs übelste verprügelt. All meine Entschuldigungen und Einwände halfen mir nicht, ich wurde verprügelt und mit Strafen belegt.

Man nannte es Kindeswohl.
Als besondere Delikatesse war das stundenlange wegsperren.
Als Höhepunkt Over The top, wurde das stundenlange absolute stillsitzen und absolute Schweigen, als Strafe, gegen ihre Zöglinge, als erzieherische Maßnahme angewandt.
Wir durften während des Strafvollzuges, nicht einmal den Kopf die Füße, unseren Körper, einen Finger bewegen. Absolut starr, wie eingegipst sitzen bleiben – Keinen Laut von sich geben. Dauer des Strafvollzuges manches Mal bis zu zweieinhalb Stunden. Selbst tiefes Atmen war nicht erlaubt, wurde mit Prügel und Verlängerung des Strafvollzuges für alle bestraft.

Das war Psychoterror allererster Güte für ein Kind, das sich auch seinem Naturell sich ständig bewegen muss und will. Sowie natürlich auch seiner Umwelt etwas erfahren und lernen will.

Auch ich und andere Kinder wurden zum Essen gezwungen, Essen welches wir absolut nicht essen wollten.

Im Kinderheim Mecklenheide war eine Heimschule integriert. Dort gingen alle Kinder dieses Heims zur Schule. Die Schule war eine sogenannte Dorfschule, in der ein Lehrer für die Klassen 1-4 und ein Lehrer für die Klassen 5-8 zuständig war.

Unser Lehrer wurde von einer anderen Schule wegen starker Kindesmisshandlung an unsere Heimschule versetzt worden. Unser strafversetzter Lehrer erzog uns militärisch, kräftige Schläge mit einem Bambusrohrstock auf die Fingerspitzen, bis diese blutunterlaufen waren, oder auch Schläge auf das Gesäß der Heimkinder seiner Klassen für Nichtigkeiten waren an der Tagesordnung. Man meinte sogar eine gewisse Leidenschaft in seinem Verhalten erkennen zu können.

Wenn jemand Geburtstag hatte durfte er sich für ganze 50 Pfennig etwas aussuchen. Meist kauften wir uns Schreibpapier um unseren Verwandten schreiben zu können. Unsere Briefe an unsere Eltern und Verwandten wurden allesamt von Frau Horlitzky gelesen und zensiert. Wenn Kinder ihre Verwandten über die Missstände im Brief unterrichten wollten, wurde der Brief nicht abgeschickt, oder musste umgeschrieben werden. Denn über die Missstände und die Klagen der Heimkinder durfte selbstverständlich nichts nach außen dringen. Dazu gehörte, dass wir unsere Briefe natürlich auch nie selber einstecken durften und nicht in den Besitz von Briefmarken kamen. Die totale Kontrolle über das Versenden der Briefe hatte ausschließlich Frau Horlitzky. Diesen KZ nahen und gefängnisähnlichen, diktatorischen Verhältnissen waren die anderen Kinder und ich hoffnungslos ausgeliefert. Alle anderen Heimkinder und ich wurden ausnahmslos von der Außenwelt isoliert.

Unser monatliches Taschengeld war nicht viel, es betrug lediglich fünfunddreißig Pfennige im Monat. Um uns noch ein bisschen Geld dazu verdienen zu können, haben wir im Sommer für einen Bauern gearbeitet, der nach billigen Arbeitskräften im Kinderheim Mecklenhede nachgefragt hatte. Die Arbeit musste auf einem großen Feld verrichtet werden. Gemeldet haben sich viele Kinder. Und auch ich. Meine Mitstreiter und ich bekamen für einen ganzen Tag Rübenziehen bei sengender Sonne Eine Mark und fünfzig Pfennig. Ich arbeitete, -es waren gerade Ferien, sechs Tage in der Woche. Bei dem geringen Taschengeld was wir dort verdienten ein göttlicher Verdienst. Ich hatte ganze Sechs DM verdient, mehr als ich jemals im Monat Taschengeld bekommen würde. Außerdem sorgte der Bauer am Tage unserer Arbeit für unser Trinken und unsere Verpflegung.

Ein Entgelt für die nicht im Heim erhaltene Nahrung bekamen wir nicht. Wir hatten ja für zwei Mahlzeiten am Tag unseren Lebensunterhalt selbst verdient. Ob das Heim auch an unserer Arbeit partizipiert war, vermag ich nicht zu erklären. Eine von mir versehentlich bei der Arbeit verschmutzte und zerrissene Kleidung wurde von meiner Erzieherin härtestes mit Prügel bestraft.

Ein Kind meiner Gruppe, dass uns in unserem Schlafraum durch sehr lautes Zähne knirschen unseren Schlaf raubte, musste ich jedes Mal, wenn er schlafend mit den Zähnen knirschte, schlagen.

Danach war eine Zeit lang Ruhe, bis er nach kurzer Zeit wieder mit dem Zähneknirschen begann. Auffälligkeiten wurden allgemein mit dem Kind nicht gegangen Gewalt beantwortet. Zum Arzt wurde mit dem Kind nicht gegangen.

Damals, nach all diesen und weiterer schrecklicher Erlebnisse schreckliche im Kinderzuchtheim Mecklenheide wusste ich noch nicht, dass ich diese Erlebnisse niemals vergessen kann. Es ist tief in meiner Seele eingebrannt.

Meine Erinnerung an die Grausamkeiten in den „Heimen“ lässt nur mein Tod vergessen. Schon damalig im Alter von 9 Jahren habe ich mir geschworen, dass meine Kinder niemals in einem Heim aufwachsen würden. Ich werde alles daran setzen, dass meinen Kindern so etwas Schreckliches und grausames nicht geschieht. Ich habe meinen Schwur nicht gebrochen.

In dem Kinderzuchthaus Mecklenheide verblieb ich ca. 18 Monate bis mich meine Patentante Gerda zu sich holte. Dort lebte ich mit dem meine Cousin, meiner Tante und ihrem Ehemann in Hannover Ricklingen. Mit vielen positiven und auch negativen Ereignissen. Bis ich dann vom Jugendamt Hannover als schwer erziehbar eingestuft wurde und in das Erziehungsheim Leinerstift in Großefehn gebracht wurde.

Inzwischen war ich 12 Jahre alt, ich verstand die Welt nicht mehr. Man hatte mich tatsächlich in ein Erziehungsheim für Schwer- und Leichtkriminelle Kinder und Jugendliche verbracht. Mir jeglichen Kontakt und Verbindung zu meinen Bruder Peter, meiner Oma, meinen Freunden, meiner Familie unterbunden. Nur wegen der Unfähigkeit Erwachsener!! Ich hatte wiederum keinerlei strafbare Handlungen begangen. So wurde ich abermals für die Fehler meiner Eltern und anderer Leute bestraft. Im offenen Vollzug Leinerstift lebte ich mit Dieben, Autodieben, Kleinkriminelle, usw. zusammen. In dem Erziehungsheim waren lebten auch getrennt von uns jugendliche Straftäter die zur kostenlosen Arbeit im Stall und Feld herangezogen wurden. Oftmals flüchteten Kinder, die dann einige Tage später eingefangen und zurückgebracht, gleich nach ihrer Ankunft angebrüllt und verprügelt wurden. Man nannte es Kindeswohl.

Die integriert Heimschule für die Klassen 3-5 und 6-8 wurden von 1 Lehrer „geführt“. Ganz nach preußischer Art lernten wir exerzieren, Soldatenlieder. Wiederum hatte ich das „Glück“ auf einen prügelnden Lehrer zu treffen, der schon wegen seiner Prügelattaken von anderen Schulen zu uns versetzt wurde.
Er schlug wahllos und sehr gerne mit seinen Stock zu.

Wir lernten nicht sehr viel, aber wir lernten diesen Mann zu fürchten. Dieser unfähige Lehrer ging in Pension und es kam ein Lehrer, der wirklich mit uns heranwachsende Kinder umgehen konnte. Der sein Wissen und sein Können seinen Schülern so vermitteln konnte, dass sie es auch verstanden.

Ich war bevor dieser Lehrer an unsere Schule kam, in deutscher Grammatik der schlechteste Schüler der Schule. Nachdem dieser Lehrer die Klasse 6 übernommen hatte, holte ich all dir Rechtschreibung und Mathematik auf, die ich viele Jahre zuvor niemals gelernt hatte. Ich wurde zu meiner und seiner Freude sein bester Schüler. Regulär wäre mit dem Ende des Schuljahres meine 8 jährige Schulpflicht beendet worden, ich wahrscheinlich auch bis zum 21. Lebensjahr auf dem Bauernhof und Feld im offenen Vollzug Leinerstift hätte arbeiten müssen. Aber ich entschied mich anders. Ich fragte meinen Lehrer, ob er mit der Heimleitung sprechen könnte, weil ich noch die 7. Klasse erreichen wollte. Ich nahm das Martyrium im Leinerstift noch ein Jahr auf mich.

Ich erreichte im März 1962 das Ziel der 7. Klasse. Zum Abschied und schenkte mir der Lehrer noch ein Buch mit dem Titel „als ich noch ein Waldbauernbub war“. Lob an diesen Lehrer, der uns nicht wie Vieh, Abschaum der Gesellschaft behandelte. Seiner Pflicht als Lehrer mehr als gerecht wurde. Nicht nur Gehaltsempfänger des Staates war.

In meinem bisherigen Bildungsleben hatte ich 9-mal die Schule gewechselt, habe sehr viele schlechte Lehrer erlebt.
Aber wie heißt es auch noch heute? Es liegt allein an den Schüler, seiner Herkunft und seinen Eltern. Sorry – diese Formel freß ich nicht!
Im März 1962 im Alter von 14 Jahre und 9 Monate wurde ich gefragt, ob ich wieder zu meiner Patentante nach Hannover wollte. Ich stimmte wiederwillig zu. Ich hatte ja keine große Auswahl.

Dort angekommen fragte man mich, was ich denn lernen wollte. Ich fragte meinen Cousin war er von Beruf ist. Er sagte Klempner und Installateur. Da antwortete ich das mache ich auch.

Am 1. April 1962 begann ich eine Lehre bei der Firma Johannes Busse zum Klempner- und Installateur Gesellen. Die Ausbildung war in dieser Firma eher schlecht als recht. Sehr lange Zeiten wurde ich zum Aufräumen, putzen und Bier holen benutzt. Selten, zu selten wurde ich an selbständiges Arbeiten heran geführt. Somit war der Erfolg auch sehr dürftig.

Gelernt selbständig zu arbeiten habe ich erst, als ich Geselle in anderen Betrieben war. Man Arbeiten von mir verlangte, die meinem Berufsbild entsprachen, die ich nie gelernt hatte…

Wegen großer Meinungsverschiedenheiten zwischen meiner Tante, ihrem Ehemann und mir, wurde ich in das Lehrlingsheim in Hannover am Waterlooplatz verlegt.
Geleitet wurde das Lehrlingswohnheim von dem Heimleiter-Ehepaar Siesing, die sehr gute Arbeit an den ihnen anvertrauten Jugendlichen geleistet haben. Im Besonderem mir sehr, sehr geholfen haben. Sie liefen mir sehr große Freiheiten, aber ich war doch stets behütet und bekam, wenn es notwendig war die nötigen Richtlinien. Und danken möchte ich auch einem Ungarn Namens Stefan, der sich sehr um mich gekümmert hat.

Hier möchte ich die Heimeltern Siesing nach all den Jahren nochmals meinen Dank. Aussprechen. Sorry ein später Dank. Sie haben fantastische Arbeit Jugendarbeit geleistet.
Hätten sich diese Heimeltern für mich eingesetzt, wäre ich heute kein Klempner- und Installateur Geselle und kein Gas- und Wasserinstallateur Meister.

-Ein Kinderzuchthaus –
Hannover Mecklenheide.
Duldung der Handlungen jenseits des Rechtstaates gegen wehrlose, Schutzbefohlene Kinder mittels des Personals der Stadt Hannover, des Jugendamt Hannover.
// Eigentümer des Heim Mecklenheide ist die Stadt Hannover, verantwortlich war der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Weber (SPD) der Stadt Hannover. //

Ein Kinderzuchthaus, wo härteste Strafen, Bedrohungen, Einschüchterungen wider aller hilf- und rechtlosen Kinder an der Tagesordnung waren.

Trotzdem ich in meinem Elternhaus so viel Elend zu erleiden hatte. Im Alter von 10 Jahren, im Kinderheim Mecklenheide; habe ich mir einen Schwur gegeben, dass niemals eines meiner Kinder in ein Heim gehen muss. Ich habe diesen Schwur niemals gebrochen.
Wusste ich schon im Kindesalter von 10 Jahren, dass das allerschlechteste Elternhaus immer noch besser war, als damalige „Kinderheime“, die ihren Namen nicht verdienten. Und mit Steuergeldern finanziert wurden.

In meinem Elternhaus wurde ich nicht misshandelt, gequält, gedemütigt und musste nicht die Putzfrau für das Heim, für die Stadt Hannover sein, die sich wohl aus guten Gründen keine Putzfrauen leisten wollten. Denn verbotene Kinderarbeit war billiger und besser als jemals eine Putzfrau ihre Arbeit ausführen wurde. Bezahlte Putzfrauen konnte man eben nicht unter Druck setzen, waren nicht zu peinigen. Die wehrlosen, rechtlosen Heimkinder hat man unter Druck gesetzt, gedemütigt und gepeinigt. Ohne Angst davor haben zu müssen, jemals davor haben zu müssen, jemals für seinen Straftaten, ihnen anvertrauter Schutzbefohlener Kinder belangt zu werden.

Im Kinderzuchthaus Mecklenheide in Hannover lernte ich die Ohnmacht gegenüber dem mächtigen Jugendamt Hannover, die Zuchthaus-Wärterinnen, die Angst, die Folter, und die Qual kennen.

Im Kinderzuchthaus Mecklenheide wurde ich zum Bettnässer gemacht. Im Kinderzuchthaus Mecklenheide erlebte ich die allerschlimmste Zeit meines Kindseins und späteren Lebens.

Diese Zeit werde ich wohl niemals vergessen, dass ich z. B. zum Essen gezwungen wurde, wenn es noch so abstoßend für mich war. Gedemütigt erniedrigt, Folter ausgesetzt wurde. Die Täter Staatsschutz genossen, niemals strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden.

Es ging doch auch darum, dass Jugendamt, die KZ-Wärterinnen ihre Macht über mich demonstrieren konnten.
Man hatte zur Betreuung von heranwachsenden Menschen ehemalige KZ-Wärterinnen herangezogen und als Stadtbedienstete angestellt.

Das Jugendamt Hannover, insbesondere die Heimaufsicht des Jugendamtes Hannover versagte auf der ganzen Linie. Indem es seiner Fürsorgepflicht und Aufsichtspflicht in keinster Weise gerecht wurde, ja sogar schmälich verletzte und vernachlässigte.

HEIMKONTROLLEN; ZUVOR ANGEMELDET; die ihren Namen nicht verdienten wurden lange vorher angekündigt, fanden nur an der Oberfläche statt.
Gesten der Heimkinder, verängstigte, schreiende Gesichter, um Hilfe suchende, flehende Kinderseelen, wurden nicht beachtet. Wozu auch??

Beschwerden, die Heimkinder ihren Eltern und Verwandten bei Besuchen ihren Eltern und Verwandten vortrugen wurden nicht gehört und auch nicht beachtet. Man hat die uneingeschränkte Macht – Man war ja schließlich der verantwortliche Vormund und Auftraggeber!!

Die Beschwerden wurden vom Jugendamt kurzfristig kritiklos an das Heim weitergeleitet.
Wir, die Heimkinder bekamen wegen der Beschwerden an unsere Verwandten postwendend satte Strafen im Kinderheim zu spüren. Heimkinder, die der Willkür eines kritiklosen Bürgermeisters und Jugendamtes; einer kritiklosen, Straftaten duldenden Heimleitung, derer KZ-Wärterinnen, würdelos, rechtlos ausgesetzt wurden.
Denn nach damaliger „Rechtsauffassung“ galt uneingeschränkt:
Heimkindern und deren Verwandten war kein Glauben zu schenken.
Heimkinder und deren Verwandte logen sowieso nur. Haben überhaupt keine Rechte – Wir haben die Macht –

Sie haben eben keine Lobby!
Geglaubt wurde nur den Erziehern und der Heimleitung, die somit freie Hand und leichtes Spiel gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern hatten und dies bis zur Neige des Kruges auch auskosteten.

Ich weiß, ich schreibe hier auch für viele zigtausende andere rechtlose Heimkinder, die völlig unverschuldet ihrer damaligen Situation, durch das Verschulden ihrer Eltern, vom Personal, an Heimkindern praktizierte Qualen, seelische Folter und Peinigungen schutzlos, hilflos unter der Aufsicht des Staates erleiden und zu ertragen hatten.

04.05.2015
Man nannte es Kindeswohl. Nachtragen will ich, dass meine Oma mich 1957 ein Wochenende zu sich holte. Ich erzählte meiner Oma, meinen Onkels und Tanten, was ich dort im „Kinderheim“ zu erleiden hatte. Meine Oma und meine Tante gingen zum Jugendamt Hannover beschwerten sich über die Zustände dort im Heim. Postwendend erhielt meine Oma die schriftliche Nachricht vom Jugendamt Hannover.

„Gerhard kann nun nicht mehr zu ihnen kommen, wir sehen das Wohl von Gerhard gefährdet, wenn er bei ihnen ist“

Gleicher Text ist auch im Jahr 2015 noch vielfach in den Schreiben der Jugendämter Deutschland zu lesen.

Auch heute wird genauso gehandelt. Der Schutz der Einrichtung hat oberste Priorität. Nicht die Rechte, der Schutz des einsitzenden Kindes.

Missstände werden mit aller Staatsmacht verborgen, Kinder von den Verwandten getrennt und abgeschottet.

Kein Einzelfall. Es geschieht seit 1949 weiterhin politisch gewollt, systematisches Unrecht gleich den Nazizeiten.


Quelle und Kommentare hier:
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