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Holger Strohm: Menschenrechte und Rechtsstatus BRD

Massenmord auf den Rheinwiesen

Um diese Jahreszeit vor 65 Jahren, in einem bitterkalten und feuchten Frühling, verreckten hunderttausende deutsche Kriegsgefangene, schutzlos, ohne Nahrung, unter freiem Himmel auf den Rheinwiesen, weil der Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, der Kriegsheld, der spätere US-Präsident Eisenhower, dies so wollte.

Noch nicht einmal ein winziges Gedenktäfelchen in der Größe eines Mobiltelefons erinnert meines Wissens irgendwo öffentlich an die Opfer dieses gigantischen Massenmordes; und wir können davon ausgehen, dass die wenigen Geschichtslehrer an deutschen Schulen, die überhaupt davon wissen (wollen), es nicht wagen werden, ihren Schülern davon zu erzählen.

Von den Greueln in sowjetischen Lagern wurde viel erzählt; kein Wunder, wurde die Sowjetunion ja auch bald zum neuen Feind der Westalliierten; sehr wahrscheinlich aber sind in den Jahren der Kriegsgefangenschaft im Osten, die sich teils bis 1955 zog, weniger Gefangene elend umgekommen als in den auf US-amerikanisch befreiten Wochen auf den Rheinwiesen.

Während der Haager Friedenskonferenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschließen die sog. zivilisierten Staaten,  sich einem übergeordneten  Völkerrecht zu unterwerfen. Das Völkerrecht soll u. a. die Kriegsführung  humanisieren, d. h., Gewalt gegen Wehrlose ausschließen. Am 26. Januar 1910 wird die Haager Landkriegsordnung von den teilnehmenden Staaten, darunter die USA, ratifiziert. Zu den Wehrlosen gehören die Kriegsgefangenen.

Über Kriegsgefangene wird folgendes festgelegt:

Art. 4

Die Kriegsgefangenen unterstehen der Gewalt der feindlichen Regierung, aber nicht der Gewalt der Personen oder der Abteilungen, die sie gefangen genommen haben.

Sie sollen mit Menschlichkeit behandelt werden.

Alles, was ihnen persönlich gehört, verbleibt ihr Eigentum mit Ausnahme von Waffen, Pferden und Schriftstücken militärischen Inhalts.

Art. 6

Der Staat ist befugt, die Kriegsgefangenen mit Ausnahme der Offiziere nach ihrem Dienstgrad und nach ihren Fähigkeiten als Arbeiter zu verwenden. Diese Arbeiten dürfen nicht übermäßig sein…..

Art. 7

Die Regierung, in deren Gewalt sich die Kriegsgefangenen befinden, hat für ihren Unterhalt zu sorgen.

In Ermangelung einer besonderen Verständigung zwischen den Kriegsführenden sind die Kriegsgefangenen in Beziehung auf Nahrung, Unterbringung und Kleidung auf demselben Fuß zu behandeln wie die Truppen der Regierung, die sie gefangen genommen hat…..

Art. 14

Beim Ausbruch der Feindseligkeiten wird in jedem der kriegsführenden Staaten …..eine Auskunftsstelle über die Kriegsgefangenen errichtet…..

Art. 20

Nach dem Friedensschlusse sollen die Kriegsgefangenen binnen kürzester Frist in ihre Heimat entlassen werden.

Am 27. Juli 1929 werden die bisher nur für Verwundete eines Krieges geltenden Schutzbestimmungen der Genfer Konventionen auf Kriegsgefangene ausgedehnt:

Auch hier wird festgelegt, daß die Gefangenen in jeder Beziehung den eigenen Truppen  gleichzustellen seien. Überdies müßten die Gefangenen unter der Aufsicht des Internationalen Roten Kreuzes stehen. Nach Beendigung der Kampfhandlungen seien alle Gefangenen unverzüglich freizulassen.

Die Alliierten haben diese Bestimmungen ebenfalls unterschrieben.

Bruch des Völkerrechts

1943  einigen sich die Alliierten, die anfallenden deutschen Kriegsgefangenen  nicht als Kriegsgefangene, sondern unter Nichtachtung des Völkerrechtes als Strafgefangene  zu behandeln.

Die jeweiligen Oberkommandierenden der Streitkräfte sollen in diesem Sinne über die Gefangenen  frei verfügen können.

In diesem Sinne erhält  der Oberkommandierende der US-Truppen Dwight David  Eisenhower am 10. März 1945 aus Washington die Ermächtigung, die auf deutschem Boden gefangen gehaltenen deutschen Soldaten  nicht zu entlassen, sondern sie als „Disarmed Enemy Forces“ (DEF) weiter gefangen zu halten. Die Gefangenen haben somit keinen Schutz des internationalen Rechts und sind jeder Willkür des Siegers ausgeliefert.

Nichteinhaltung des Völkerrechtes bei Kriegshandlungen gelten nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen.

Die Lager

Nach Überquerung des Rheins im März 1945  beginnen die Amerikaner auf Weisung Eisenhowers,   entlang des westlichen Rheinufers  für die deutschen Gefangenen    Lager anzulegen. Weiträumige Flächen werden beschlagnahmt,  mit Stacheldraht umzäunt und die Gefangenen in täglich wachsender Zahl  hineingetrieben, darunter  Verwundete und Amputierte. Frauen, Kinder und alte Leute.

Lager am Rhein entstehen bei

  • Alzey
  • Andernach
  • Bad Kreuznach
  • Biebelsheim
  • Böhl
  • Bretzenheim
  • Büderich
  • Büdesheim
  • Dietersheim
  • Diez
  • Hechtsheim
  • Heidesheim
  • Ingelheim
  • Koblenz
  • Koblenz-Lützel
  • Ludwigshafen
  • Ludwigshafen-Rheingönheim
  • Mainz
  • Mainz-Kastel
  • Mainz-Zahlbach
  • Mannheim
  • Mannheim-Käfertal
  • Mannheim-Sandhofen
  • Mannheim-Schönau
  • Mannheim-Waldhof
  • Miesenheim
  • Plaidt
  • Remagen
  • Rheinberg
  • Rheinheim
  • Schwarzenborn
  • Siershan
  • Sinzig
  • Trier
  • Urmitz
  • Wickrathberg
  • Winzenheim

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 werden  auch auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen die sich ergebenden deutschen Soldaten  gefangengenommen. Täglich  treffen nun Landser  in verschlossenen Viehwaggons und auf Lastwagen zusammengepfercht ein, um  dann  wie Müll hinter die Stacheldrahtzäune  gekippt zu werden. Manche der Gefangenen  sind schon jetzt nicht mehr am Leben. Dazu kommen alle die, welche vor den Russen in den Westen  fliehen, weil sie sich von den Westmächten eine menschlichere Behandlung erhoffen.

Zusätzlich wurden auch Zivilisten, die in der Partei, im Staat oder in der Wirtschaft führende Stellungen innehatten, unter ‘automatic arrest’ gestellt und ohne Verfahren mit den Kriegsgefangenen in die Lager getrieben. Mit weiterem Vordringen der Alliierten nach Osten legen die Amerikaner  noch zahlreiche weitere Gefangenenlager auf deutschem Boden an.

http://www.rheinwiesenlager.de/Rheinwiesen.htm

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2010/05/09/massenmord-auf-den-rheinwiesen/