Ich bin Verschwörungstheoretiker – und das ist gut so!

von Mathias Broeckers

Was Verschwörungen sind (A und B verabreden sich hinter dem Rücken von C um sich einen Vorteil zu verschaffen), dass sie im Alltag der  Wirtschaft, der  Politik und vor allem im Liebesleben regelmäßig vorkommen und  auf Indizien beruhende Annahmen über  solche Verschwörungen – Verschwörungstheorien – eine rationale vernünftige Heransgehensweise  an dieses alltägliche Phänomen darstellen – diese  simplen, unwiderlegbaren Tatsachen sind aus dem Blick geraten, seit der Begriff “Verschwörungstheorie” als Kampfbegriff in der psychologischen Kriegsführung eingesetzt wird.

911 Kennedy VerschwörungNachdem unlängst in der Gesprächsrunde bei Ken FM die Geschichte dieser Aufrüstung eines neutralen Begriffs zur Diffamierungswaffe im Zusammenhang mit dem ungeklärten Mord an John F. Kennedy kurz angeschnitten wurde, habe ich dazu einige Anfragen nach weiteren Informationen erhalten.

Pro domo empfehle ich dazu natürlich das Buch “JFK – Staatsstreich in Amerika” , in dem auch das historische Dokument zitiert ist, mit dem die CIA ihren Stationen weltweit  den Begriff empfahl, um die Zweifel an der offiziellen Version des Kennedy-Mords zu kontern – und darlegte, dass es sich bei den Kritikern  der von der  “Warren Kommission” verkündeten Theorie des Einzeltäters Lee Harvey Oswald um “Verschwörungstheoretiker” handelt, Staatsfeinde, die nur von kommerziellen oder kommunistischen Interessen motiviert seien.

Um diese Botschaft unter das Volk zu bringen, wurden die CIA-Büros aufgefordert, ihre “friendly elite contacts” in Medien und Politik zu nutzen. Im April 1967, als dieses Memo heraus ging, glaubten laut Umfragen 46 % der Amerikaner nicht an den Einzeltäter Oswald und in New Orleans hatte der Staatsanwalt Jim Garrison das erste juristische Verfahren zur Untersuchung des Mords eingeleitet – und einen inoffiziellen CIA-Mitarbeiter ins Visier genommen.

Garrison hatte während des Zweiten Weltkriegs als Pilot und danach ein weiteres Jahrzehnt beim US-Militär gedient, nach dem Jurastudium beim FBI und als Anwalt gearbeitet,  war 18 Monate zuvor zum District Attorney von New Orleans gewählt worden und bezeichnete sich selbst als “altmodischen Patrioten”  – das glatte Gegenteil eines unseriösen oder gar staatsfeindlichen “Verschwörungstheoretikers”, zu dem er aber umgehend gemacht wurde. Genauso wie die Autoren und Journalisten, die Kritisches zu der offiziellen Einzeltäter-Version publizierten. Vor diesem CIA-Memo war in den Medien in der Regel von “assasination-theories” (Attentats-Theorien) des JFK-Mords die Rede, erst danach wird diese neutrale Bezeichnung durch den abwertenden Begriff  “conspiracy theories” ersetzt.

Die CIA-Betriebsanleitung zur Diskreditierung von Dissidenz  ist bis heute aktuell und  das Muster und die Argumente, die die Spin-Doktoren des Geheimdiensts zum Einsatz des Kampfbegriffs “Verschwörungstheorie” vorgaben sind nach wie vor virulent.  So druckten z.B. „New York Times“ und „Washington Post“ zum 50. Jahrestag der Kennedy-Ermordung ein langes Feature unter dem Titel „Fünf Jahrzehnte nach dem Kennedymord brummt die Verschwörungstheorie-Industrie“ – um dann mit ganzen zwei Beispielen für diese brummende Industrie aufzuwarten: Mark Lanes Bestseller Rush to Judgment von 1965 und Oliver Stones Film JFK von 1991.

Diese ebenso alten wie immer noch empfehlenswerten Werke dafür verantwortlich zu machen, dass mittlerweile 70 % aller Amerikaner nicht an den Einzeltäter Oswald glauben, ist zwar absurd, aber  für die ehemalige Qualitätspresse völlig akzeptabel, wenn sie mit einer fiktiven Verschwörungsindustrie und sinistren Kommerzmotiven gleichsetzt werden. Nur eine Fußnote war es da wert, dass in Sachen JFK eigentlich mit ganz anderen Produkten Kasse gemacht wird: der ultrarechte TV-Moderator Bill O’Reilly verkaufte von seinem Buch Killing Kennedy, das Oswald der Alleintäterschaft beschuldigt, in den ersten fünf Monaten des Jahres 2013 in den USA über ein Million Exemplare.

Auf diese Weise wird ein Popanz, ein Mythos immer wieder aufgeblasen und der “Verschwörungstheoretiker”, der einem rationalen analytischen Handwerk nachgeht – der Untersuchung ungeklärter, offener Fragen – zu einem Irren erklärt,  einer monströsen Gestalt, die aus niederen Motiven Zweifel sät und die öffentliche Meinung vergiftet. Dass diese öffentliche Meinung im Falle JFK die Einzeltäter-Legende nicht akzeptiert (so wenig wie im Fall 9/11 die von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern) hat allerdings allein mit der staatlicherseits gewünschten und geförderten Nicht-Aufklärung dieser Verbrechen zu tun.

Den daraus resultierenden allgemeinen Unglauben perfiden “Verschwörungstheorien” in die Schuhe zu schieben ist deshalb nichts anderes als ein durchsichtiges Sündenbock-Ritual – erfunden von der CIA und von ihren Gehilfen auf den Kanzeln Medien immer wieder gepredigt. Was im 3. Jahrhundert der “Anti-Christ” und im Mittelalter die “Ketzer” waren, sind heute die “Verschwörungstheoretiker”.

Da es schlicht irrational und anti-aufklärerisch ist, die Allgegenwart von Verschwörungen zu leugnen und ihre Erforschung zu tabuisieren, trage ich dieses Etikett ja schon länger wie einen Orden. Verbunden mit der Forderung den demagogischen Mißbrauch des Begriffs zu stoppen und die Konspirologie zu einer ordentlichen Wissenschaft zu machen. Denn es gibt reale Verschwörungen und wer die Realität verstehen will, muß sie erforschen.

In diesem Sinne bin ich Verschwörungstheoretiker – und das ist gut so!


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