Intermarium: Polens Projekt zur Trennung Deutschlands von Russland

Von Marco Maier

Der alte polnische Plan, eine Föderation von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zu bilden, bekommt wieder Aufwind. Stratfor-Chef George Friedmans Prophezeiung scheint sich zu erfüllen, wenn man den Worten des polnischen Außenministers folgt.

Europa-Polen-620x330Der alte polnische Plan einer (baltisch-slawischen) Allianz im Osten Europas zur Schaffung einer Allianz mit dem Namen Międzymorze (Zwischenmeer, Intermarium), welches quasi als Riegel zwischen Deutschland und Russland dienen soll, gewinnt angesichts der aktuellen politischen Spannungen wieder an Befürwortern. Die neue nationalistische Regierung in Warschau hält die Zusammenarbeit mit Berlin und Paris – das sogenannte „Weimarer Dreieck“ für „erschöpft“, wie Witold Waszczykowski der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ sagte.

Polen, welches in der Geschichte oftmals zum Spielball der Mächte – insbesondere Deutschlands und Russlands – wurde und sich deshalb in den 1930ern wohl auch auf das perfide Spiel mit den Briten einließ (wofür sie dann als „Dank“ von London und Washington der Sowjetunion „geopfert“ wurden), versucht sich nun erneut mit jenem Plan, der schon in der Zwischenkriegszeit populär war: dem Intermarium.

IntermariumDas von Warschau angestrebte Bündnis, welches vorerst vor allem in Sachen Flüchtlings- und Energiepolitik zusammenarbeiten soll, wird zuerst wohl im Rahmen der Visegrad-Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) umgesetzt, wobei die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen bald schon folgen könnten. Auch die Ukraine, Rumänien und Bulgarien wären hier als Verstärkung der Südflanke willkommen.

Über diese Politikfelder, in denen sich in den meisten osteuropäischen Ländern wohl leicht ein Konsens finden lässt, bekäme Warschau sozusagen den Fuß in die Tür für dieses ehrgeizige Projekt.

Über kurz oder lang ergäbe sich dadurch auch die Möglichkeit, weitere Politikfelder zu übernehmen und sich so zu einem Staatenbündnis zu entwickeln, welches die seit der Wende etwas schwierigen Beziehungen zu Moskau ausnützen könnte, genauso wie die Angst vor einem „deutschen Europa“, in dem Berlin den Ton angibt.

Viel wichtiger jedoch ist der Umstand, dass so eine Annäherung Deutschlands an Russland erschwert würde. Friedman brachte es im Jahr 2010 auf den Punkt:

„Gerade jetzt gibt es eine Logik in engeren Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Wirtschaftlich ergänzen und brauchen sie sich. Russland exportiert Rohstoffe, Deutschland exportiert Technologie. Keiner von beiden muss Druck aus den USA befürchten, da sie zusammen stark genug sind dem Druck zu widerstehen. Zwischen beiden ist eine stille Romanze unterwegs.“

Die wieder guten Beziehungen zu Russland wurden jedoch im Zuge der vom Westen angeleierten Ukrainekrise nachhaltig gestört, was sich mit einer politischen Änderung in Berlin jedoch jederzeit wieder ändern kann.


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