IS: Die Armee der 500.000 Blutkinder

von Marilla Slominski

250.000 bis 500.000 Kinder haben inzwischen die IS-Koran-Erziehung genossen. Experten beraten nun, was das in Zukunft für Deutschland, Frankreich und die USA bedeutet. Ihre Befürchtung: neues Blutvergießen auf den Straßen Europas.

Terrorexperten, Psychologen und Analytiker haben sich zusammengetan, um herauszufinden, wie man den hunderttausenden Kindern entgegentreten kann, die die IS-Koran-Ideologie verinnerlicht haben.

Anne Speckhard Professorin an der Georgetown Universität und Mitglied des International Center for the Study of Violent Extremism (ICSVE) ist eine von ihnen. Sie ist in den Irak gereist und hat mit den „Kindersoldaten Allahs“ von Angesicht zu Angesicht gesprochen.

„Es gibt viel Diskussion darüber, wie viele Kinder betroffen sind.  Die Zahlen schwanken zwischen 250 000 und 500 000“, erklärt sie gegenüber dem britischen Express.

„Der IS hat alle Bücher aus den Schulen verbannt und seine eigene brutale hasserfüllte Weltsicht in die Köpfe der Kinder gepflanzt. Was passiert, wenn sie in den Köpfen und Herzen dieser Kinder weiterlebt? Wie soll man diese tausendfache Zerstörung wieder in den Griff bekommen?“ fragt sich Anne Speckhard.

Noch bevor die IS-Kämpfer die Städte im Irak und Syrien eroberten, schickte die Elite-Einheit „Emni“ ihre radikalen Prediger in die Gebiete, um den Boden zu bereiten. Die Prediger hörten sich bereitwillig die Sorgen und Beschwerden der Einheimischen an und nutzten sie um neue Mitglieder zu rekrutieren.

Die IS Elite-Einheit „Emni“, bestehend aus vielen Ex-Mitgliedern der Baath-Partei Saddam Husseins, hat Beziehungen zu islamischen Terrornetzwerken und soll an der Planung der Anschläge in Paris, Brüssel und Tunesien beteiligt gewesen sein.

Waren Städte und Dörfer unter Kontrolle des IS, wurden die Klassenzimmer erobert. Die bisherigen Schulbücher durch IS-Koran-Lernmittel ersetzt und die Lehrer gezwungen, die neue islamische Weltsicht in den Kindern zu verankern. Dieses Programm soll extrem erfolgreich gewesen sein.

Zeugenaussagen von jungen Soldaten, die dem IS gedient hatten, bringen Licht in die Methoden der Kämpfer im Namen Allahs.

“Die Jungen wurden in den Jugendgruppen des Kalifats von Älteren unterrichtet. Unter anderem wurde ihnen dort beigebracht, wie man enthauptet“, erzählt Professor Speckhard.

Die Strategie des IS Kinder – viele von ihnen nicht älter als fünf – für ihren Kampf zu rekrutieren war so erfolgreich, dass sie innerhalb kürzester Zeit hunderte auf sogenannten Todeslisten hatten, alle bereit für das Selbstmordattentat.

„Vielen von ihnen war gar nicht bewusst, dass die Sprengstoffwesten, die sie trugen, sie in die Luft jagen würden. Sie waren so gehirngewaschen, dass sie weinten, wenn sie von der Liste gestrichen wurden“, erzählt Speckhard.

Ein Junge namens Ibn Omar berichtet, dass IS-Trainingscamps und auch große Messer nach bekannten al-Qaida Führern benannt wurden.

„Wenn du nicht für den IS warst und nicht Abu Bakr al-Baghdadi verehrt hast, warst Du ein Ungläubiger. Die IS-Kämpfer drohten, sie würden Deinen Vater töten, weil sie wüssten, dass er ein Ungläubiger sei“, so Ibn Omar.

Trotz aller Erfolge, die die Anti-IS-Koalition in der Rückeroberung der besetzten Gebiete feiern kann, es gibt Zweifel, dass er damit von der Bildfläche verschwindet.

Anne Speckhard ist sich sicher:

”Wir können den IS aus seinem Territorium vertreiben, aber das heißt nicht, dass wir die Köpfe zurückerobert haben. Der Traum des Kalifats lebt weiter, auch wenn er mit extremer Gewalt durchgesetzt wird. Wir müssen es schaffen, das wahre Wesen des IS zu enthüllen, so dass die Menschen ihn nicht mehr als eine gute Lösung betrachten.“

Die vielen IS-Jungen brauchen, Speckhards Meinung nach, massive psychologische Unterstützung.

“Wir haben mit einigen von ihnen in den Gefängnissen gesprochen. Sie sind verängstigt und traumatisiert. Sie ahnen, dass sie betrogen wurden und schämen sich. Sie weinen und haben Sehnsucht nach ihren Eltern. Aber ohne psychologische Unterstützung werden sie ihre Erlebnisse und die damit einhergehenden Aggressionen nicht verarbeiten können“, ist Anne Speckhard überzeugt.


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