Ist die steigende Kriegsgefahr in Europa wirklich ungewollt?

Am 17.8.2015 in den 18.00 Uhr-Nachrichten „Echo der Zeit“ des Schweizer Radios SRF1, folgerte Auslandredaktor Fredy Gsteiger wie folgt:

„Militärmanöver erhöhen die Kriegsgefahr in Europa.

Sowohl Russland als auch die NATO haben in den letzten Monaten mehr militärische Manöver durchgeführt. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sei stolz auf die ersten Manöver der neuen schnellen Eingreiftruppen in Osteuropa, ich zitiere:

„Soldaten aus neun verschiedenen Nationen kooperieren wie ein Mann zusammen und demonstrieren, dass die NATO den neuen Anforderungen gewappnet ist …“

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wiederum spreche von der Notwendigkeit, die Armee intensiver zu beüben. Dabei betonten beide Seiten, es gehe selbstverständlich nur um defensive Vorkehrungen.

Dennoch sieht Fredy Gsteiger eine zunehmende Gefahr und verweist auf Thomas Frear, der für das „European Leadership Network“ in London die jüngsten Manöver analysiert hat. Frear sehe eine gefährliche und immer intensivere Abfolge von Aktion und Reaktion, eine sich immer schneller drehende Spirale.

Auf beiden Seiten wachse, durchaus nachvollziehbar, das Gefühl der Unsicherheit. Und dementsprechend das Bedürfnis, sich militärisch zu wappnen, so Thomas Frear. Die Nato jedoch sehe das anders und reagiere scharf auf die Studie, so Fredy Gsteiger.

Die eigenen Manöver dienten einzig der Stabilisierung der Sicherheitslage in Europa. Außerdem seien sie maßvoll und transparent, ließ die NATO verlauten. Obschon es die NATO nicht wahrhaben wolle, kommentierte Gsteiger, dominieren die Gemeinsamkeiten. Beide Seiten setzten auf schnelle Mobilisierung, auf Truppenverschiebungen über große Distanzen, auf See- und Luftüberlegenheit und auch auf Kämpfe gegen irreguläre Truppen. Das kann zwar durchaus defensiven Zwecken dienen, aber alle Elemente wären auch bei raschen Offensivoperationen nötig. Gsteiger kommt zur Schlussfolgerung, ich zitiere:

„Die Kriegsgefahr in Europa steigt also. Nicht, weil das die eine oder andere Seite so will. Aber weil auf beiden Seiten die Voraussetzungen für Konfrontationen geschaffen werden. Sind die Voraussetzungen einmal da, kann ein Unfall, ein Zwischenfall, ein Missverständnis einen Krieg auslösen.“

Soweit die Einschätzung des SRF- Auslandredaktor Fredy Gsteiger. Die Voraussetzungen für einen Krieg in Europa nehmen dramatisch zu. Doch inwieweit stimmt Gsteigers Interpretation, die steigende Kriegsgefahr in Europa sei ungewolllt?

Erinnern wir uns an die letzten Luftangriffe der NATO in Europa. Diese begannen am 24.März 1999 gegen Belgrad im Zuge des Kosovokrieges. Zeitweise waren über 1.000 NATO-Flugzeuge im Einsatz. Es war der erste Krieg, den die NATO sowohl außerhalb eines Bündnisfalls als auch ohne ausdrückliches UN-Mandat führte.

Die Ausrufung eines Bündnisfalls und somit eines Eintritts in einen Krieg war bis anhin nur möglich, wenn ein Bündnispartner angegriffen wurde. Was war denn damals der Grund für das militärische Eingreifen der NATO, und war es gewollt – oder ungewollt?

Der Angriff der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawiens wurde aufgrund der Abwendung einer angeblichen „humanitären Katastrophe“ gerechtfertigt. Die jugoslawischen Sicherheitskräfte unter der Kontrolle von Slobodan Milošević, dem damaligen Präsidenten Jugoslawiens, sollen an zahlreichen Menschenrechtsverletzungen an der albanischen Bevölkerung beteiligt gewesen sein, bis hin zum Vorwurf der ethnischen Säuberungen.

Also waren die Luftangriffe der NATO laut offizieller Darlegung „Notwehr“ und ungewollt. Hingegen sehen es verschiedene Mitarbeiter der OSZE – der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – anders. Norma Brown, enge Mitarbeiterin von OSZE-Chef William Walker sagte, ich zitiere:

„Die humanitäre Katastrophe im Kosovo gab es erst durch die NATO-Luftangriffe. Dass diese die Katastrophe auslösen würden, wussten alle bei der NATO, der OSZE und bei unserer Beobachtergruppe.“

Laut der OSZE gab es vor der Bombardierung durch die NATO lediglich 39 Tote im gesamten Kosovo auf beiden Seiten. Darunter gab es kein einziges ziviles Opfer. Jedoch seien durch die NATO-Bombardierungen, so gemäß der deutschen „AG Friedensforschung“, 2.500 unschuldige Zivilisten getötet und mehr als 10.000 verletzt worden. Ferner, laut OSZE, habe sich außerdem eine politische Lösung zwischen den Konfliktparteien bereits abgezeichnet.

Auch veröffentlichte angebliche Beweise für eine Schuld Miloševićs an den vermeintlichen Kriegsverbrechen sollen durch westliche Medien gefälscht worden sein. Diese Meinung vertreten Redakteure der WDR-Sendung Monitor in einer Dokumentation im Jahr 1999 sowie namhaufte deutsche Journalisten wie Oliver Tolmein, Georg Fülberth, Jürgen Elsässer und andere.

Gemäß diesen und anderen Gegenstimmen seien die NATO-Luftangriffe im Jahr 1999 auf Jugoslawien unrechtens gewesen, auf Lügen begründet, sowie absichtlich gewollt und herbeigeführt. Dies bestätigte auch der Deutsche Jochen Scholz, damaliger Oberstleutnant der NATO. Die militärische Planung der NATO für einen Luftkrieg gegen Jugoslawien sei bereits im Jahr 1998 abgeschlossen und der Kriegseintritt gewollt gewesen – und das obwohl gemäß OSZE-Bericht keine humanitäre Katastrophe vorlag, die eine militärische Operation hätte rechtfertigen können, so Scholz.

Weshalb die Luftangriffe der NATO im vornherein gewollt waren, begründete Scholz damit, dass aufgrund der geographisch interessanten Lage Jugoslawiens vielmehr die EU- und NATO-Osterweiterung auf dem Plan stand. Ich zitiere Scholz:

„Und da gibt es nun so einen Fremdkörper darin, so ein halbsozialistisches Jugoslawien, das sich allen (von außen aufgezwungenen) Bedingungen […] widersetzt hat. Also, z.B. hat es Serbien immer abgelehnt, die Kreditkonditionen des Internationalen Währungsfonds zu akzeptieren, hat da nicht mitgemacht, aus sozialen Gründen. Der „Fremdkörper“ musste da weg […].“ Zitat Ende.

All diese Hinweise deuten daraufhin, dass der Jugoslawienkrieg im Jahr 1999 sehr wohl von der NATO gewollt war. Hätte Fredy Gsteiger die NATO-Luftangriffe im Jahr 1999 gemäß journalistischen Richtlinien seriös und umfassend recherchiert, wäre er in seinem gestrigen Fazit ziemlich sicher auf ein anderes Ergebnis gekommen.

Wie die Geschichte zeigt, kann ein Krieg in Europa nämlich sehr wohl gewollt sein, und zwar erwiesenermaßen von Seiten der NATO. Deshalb gilt es auf der Hut zu sein vor jeglicher Kriegspropaganda und Rechtfertigung eines Kriegseintrittes. Solche gilt es bereits in den kleinsten Ansätzen zu entlarven. Denn nur so kann ein weiterer „gewollter“ Krieg verhindert werden. Bleiben Sie dran, bis morgen auf klagemauer.tv.

Quellen/Links:

http://www.srf.ch/news/international/militaermanoever-erhoehen-die-kriegsgefahr-in-europa

http://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_120718.htm

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/ard08-02-01.html

http://www.youtube.com/watch?v=NqPnn-GD4-k

https://de.wikipedia.org/wiki/Kosovokrieg

https://de.wikipedia.org/wiki/Slobodan_Milo%C5%A1evi%C4%87

http://www.nachrichtenspiegel.de/2010/11/05/luegenkrieg-und-viertes-reich/

http://www.youtube.com/watch?v=NqPnn-GD4-k

http://www.graswurzel.net/254/rambouillet.shtml

http://www.tagesspiegel.de/politik/vorlaeufige-bilanz-der-opfer-und-schaeden-im-kosovo-krieg-liegt-vor/79548.html

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/10-jahre-2.html


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