Jamaika, das Paradies der Kriminellen

Von Claudio Michele Mancini

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, wenn sich die Regierungselite im politischen Kontext eines Synonyms bedient, das scheinbar heiter, lebhaft und leichtfüßig daherkommt. Jamaika!

Die karibische Insel lädt zu beschwingten Assoziationen wie Südsee, Palmen, Urlaub, verführerische Inselschönheiten und Reggae-Music ein. Die Verwendung eines lockeren Verblödungsvokabulars, mit der eine der schwerwiegendsten Zukunftsentscheidungen für die deutsche Politik umschrieben wird, lässt vermuten, dass Politikerhirne an Schlichtheit kaum noch zu übertreffen sind. Selbst in der Medienlandschaft, in der man noch den einen oder anderen klugen Kopf vermuten könnte, plappert man munter die Idiotenformel „Jamaika“ nach.

Wenn Verhandlungen in Berlin, die im Ergebnis die Zukunft eines ganzen Volkes bestimmen werden, der Wähler mit dämlichen Floskeln eingelullt wird, um vom eigenen Unvermögen abzulenken, dann kann man nur noch resigniert die Hände über den Kopf zusammenschlagen.

Von Stil, gesellschaftlichen Umgangsformen, Kleiderordnung, Konvention oder vorbildhafter Verhaltensnormen erwarte ich von Politikern seit dem ersten Auftritt der Grünen im Bundestag ohnehin nicht mehr viel.

Ein Sauhaufen als Aushängeschild der Nation. Schamgefühl? Man fragt sich unwillkürlich, aus welchem Loch so mancher unserer Staatsvertreter gekrochen ist. Blue Jeans, Hände in den Hosentaschen, Freizeithemd, so stehen einige unserer Vorbilder vor Mikrofonen und berichten mit flapsig-coolem Habitus, dass man zwar hart arbeite, aber keinen Schritt weitergekommen sei. Nun ja, in Jamaika würden sie nicht weiter auffallen. Nichtsdestoweniger mimen unsere Staatsvertreter in operettenhafter Manier Stärke, Überlegenheit und Souveränität.

Özdemir macht plötzlich auf weltmännisch, Lindner auf coole, angstfreie Socke und Hofreiter auf bockigen Mahner. Welch ein lächerlicher Haufen, kommt mir in den Sinn. Wen haben wir nur gewählt? Wenn man Dobrindt, Hofreiter, Göring-Eckart und Konsorten Sätze sagen hört wie: „es sind 7.000 Kilometer bis nach Jamaika“, oder „es ist noch das gegenseitige Beschnuppern der Jamaika-Parteien“, dann drängt sich das Gefühl auf, dass diese Politclowns via TV zu ihrem debilen Volk sprechen, denen man eben irgendetwas zum Fraß vorwerfen muss.

Dummerweise sind bei diesen Herrschaften Arroganz und Anmaßung eine vom Volk autorisierte Symbiose eingegangen und wie es scheint, haben wir sie verdient. Hätten diese Nasen einen kurzen Blick in die offizielle Web-Side des Auswärtigen Amtes geworfen, würden sie einen signifikanten Erkenntniszugewinn gehabt haben. Ob sie sich deshalb mit größerer Verantwortung den anstehenden Aufgaben stellen würden, wage ich zu bezweifeln, wenn man hauseigene Warnungen für das Paradies der Kriminellen aus dem Auswärtigen Amt geflissentlich übersieht. Nun ja, die Kriminellen haben unsere Staatslenker inzwischen vor der eignen Haustür. Das nennt man wohl Gewohnheitseffekt.

Kingston, die Insel-Hauptstadt, gehört zu den Städten mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate. Es bestehen für große, deklarierte Gebiete strikte Ausgangsbeschränkungen, Armee-Einsätze gegen Kriminelle, gewalttätige Überfälle im ganzen Land gehören dort zur Tagesordnung, Mord und Totschlag zum gewöhnlichen Lebensunterhalt der Gauner. Touristen sind angehalten, bei Einbruch der Dunkelheit im Hotel zu bleiben. Ausflüge auf eigene Faust sind lebensgefährlich. In diesem Zusammenhang von „Jamaika-Verhandlungen“ zu sprechen, beschert mir eine völlig andere, zynische Assoziation, die mit Palmen, Strand und Reggae so gar nichts zu tun haben.

Der Leser darf sich nun angesichts des neu definierten Begriffes „Jamaika“ selbst ausmalen, was sich hinter den Kulissen des „Hauses der Parlamentarischen Gesellschaft“ abspielt.

Ich befürchte, Deutschland wird dort gerade verraten und verkauft. Es geht dort um Karriere-Deals, um Ministersessel, Positionen, Funktionen und Ämter, nicht etwa um die Frage: Was ist das Beste für unser Land?

Dennoch darf der Bürger hoffen, obwohl alle Parteiführer, ganz nach dem Vorbild Niccolò Machiavellis, dem Volk nur gute Botschaften übermitteln. Sie klingen so schön nach Erfolg, nach Kompetenz und Durchsetzungsvermögen und nicht etwa nach heißer Luft. Nur noch 4 Tage…!

Licht ist am Ende des Tunnels, denn sobald es wieder hell in den Birnen der Politiker wird, dürfen wir das Scheitern der Verhandlungen betrauern. Seehofer wird abdanken, Merkel vom Wind in Orkanstärke vom Sessel gefegt und Söder als Königsmörder beerdigt. Die Baustellen werden uns bleiben: Flüchtlinge, Klima, Wohnen, Verkehr, Umwelt und Agrarwende. Applaus für die politische Kompetenz in Berlin. Wir verneigen uns (…und wenden uns ab mit Grausen)!


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