Jenfeld: Zorniger Protest wegen Erstaufnahmeeinrichtung für Immigranten

von blu-News

Anwohner hatten sich im Eingangsbereich des Jenfelder Moorparks in Hamburg postiert und lautstark gegen die Errichtung von Ersteinrichtungszelten für Immigranten protestiert. Der Aufbau wurde abgebrochen. Die Anwohner waren nicht über die Immigrantenunterkunft unterrichtet worden.

Wie hier in Jenfeld, soll 2016 auch in Blankenese ein Flüchtlingsheim aufgebaut werden.  Foto: dpa
Wie hier in Jenfeld, soll 2016 auch in Blankenese ein Flüchtlingsheim aufgebaut werden.
Foto: dpa

Ohne die Anwohner vorab zu informieren, wurde am Donnerstagabend durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit dem Aufbau von Zelten für eine Erstaufnahmeeinrichtung für Immigranten im Jenfelder Moorpark begonnen.

Zirka 40 aufgebrachte Anwohner blockierten den Zugang zum Eingangsbereich auf die Grünfläche, so dass die Polizei anrücken musste. Der anhaltende Protest führte gegen 21 Uhr dazu, dass das DRK die Errichtung der Immigrantenunterkunft vorerst abbrechen musste.

Der Moorpark ist ein Kleinod in Jenfeld, das von der Bevölkerung als Naherholungsgebiet genutzt wird. An die betreffenden Wiese schließt sich ein Feuchtbiotop an, das sich mitten in der Stadt zu einem Paradies für Wasservögel entwickelt hat.

Protestierende Bewohner durch Zaun ausgesperrt

Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, hatten erst am Dienstag Beamte der Innenbehörde den Jenfelder Moorpark besichtigt und am selben Tag noch entschieden, dort Immigranten unterzubringen. Die betroffenen Anwohner zu informieren sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, so die Rechtfertigung der Innenbehörde. Man müsse bei der Schaffung neuer Unterkünfte „einen Zahn zulegen“, was zur Folge habe, dass Informationen an die Bevölkerung kurzfristiger weitergegeben würden.

Wie das Hamburger Straßenmagazin Hinz & Kunzt berichtete, sei es dem DRK am Freitag nun im zweiten Anlauf geglückt, das Zeltlager zu errichten. Die Stadt ließ am Freitagmorgen das Gelände einzäunen. Anschließen errichteten rund 100 DRK-Helfer vor den Augen der rund 20 versammelten Anwohner die Zelte. Vereinzelt seien „rassistische Äußerungen“ von Anwohnern zu vernehmen gewesen. Den Freitagvormittag über habe sich Stadtrat Bernd Krösser unter die Anwohner gemischt, so das Magazin.

Erschossener Asylant war polizeibekannter Intensivtäter

Jenfeld geriet in die Schlagzeilen, als ein Hausbesitzer einen 25-jährigen Asylbewerber bei einem versuchten Einbruch erschoss. Wie der NDR berichtete, war der Asylant bereits seit 2007 der Hamburger Polizei als Intensivtäter bekannt und wurde 2012 wegen mehreren Diebstahls- und Körperverletzungsdelikten zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Abschiebung des aus dem Niger stammenden Kriminellen blieb erfolglos, da er seinen gültigen Reisepass vor der Ausländerbehörde versteckt hielt und zudem vor dem Verwaltungsgericht auf Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen klagte.

Ende 2012 wurde der Nigerianer aus der Haft entlassen, so der NDR und brach dann bei dem 63-jährigen Hauseigentümer ein. Die Staatsanwaltschaft geht momentan von einer Notwehrsituation des Schützen aus.

Mehr als 21.500 Immigranten im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr diesen Jahres  sind mehr als 12.500 Immigranten nach Hamburg gekommen. Hamburg plant  38 neue Unterkünfte. Zur Zeit würden mehr als 3.000 Plätze für die Unterbringung fehlen. Die Innenbehörde habe entschieden, die meisten der unvermindert ankommenden Immigranten in Zelten unterbringen. Im Jenfelder Moorpark sollen bis Ende der kommender Woche Zelte für mehr als 800 Immigranten aufgestellt werden.

Mehrere Hundert Immigranten sollen in der ehemaligen Stadtteilschule Langenhorn am Grellkamp untergebracht werden. Beide Plätze sind als Erstunterkünfte für Neuankömmlinge ausgewiesen. (BS)


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