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Juden debattieren über das Weißsein

Von Tanstaafl,
übersetzt von Lucifex.

Das Original Jews Debate Whiteness erschien am 21. Juni 2017 auf Age of Treason.

Nichtweiße Kritiker des neuen Hollywood-Remakes von Wonder Woman, speziell der Besetzung der ehemaligen Miss Israel, Gal Gadot, in der Hauptrolle, haben unter Juden eine Diskussion darüber ausgelöst, ob Gadot und Juden allgemein „weiß“ sind.

Nichts an ihrem Austausch wird regelmäßige Leser hier überraschen, aber es könnte bei der Aufklärung von Weißen helfen, die sich gerade mit Identität, Rasse und dem Judenproblem auseinanderzusetzen beginnen. Unter dem gegenwärtigen weißenfeindlichen, pro-jüdischen Regime sind die meisten Weißen dazu konditioniert, sich wohler damit zu fühlen, Juden sich über „Antisemitismus“ und ihr Weißenproblem beklagen zu hören, als umgekehrt.

Also bitte sehr, diese Konversation ist für euch.

Wenn ihr über die oberflächlichen Details hinaussehen könnt – diese Schauspielerin, dieser Film, im Jahr 2017 -, dann bekommt ihr hier einen Blick auf das jüdische Verhalten über Raum und Zeit hinweg. Man kann sich leicht die zahllosen Debatten vorstellen, die Juden in ihren Shtetls und Ghettos während der vergangenen Jahrtausende gehabt haben – auch wenn sie zu diesen Zeiten und an diesen Orten statt über das Weißentum darüber diskutiert haben mögen, ob das Babyloniertum, das Ägyptertum, das Griechentum, das Römertum, das Spaniertum oder das Deutschtum gut oder schlecht für die Juden sei.

Die Links sind in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Die meisten der Artikel beziehen sich aufeinander und antworten aufeinander, daher halten die nachfolgenden Auszüge die relevantesten, am wenigsten redundanten Teile des Austauschs fest. Auch so ist es noch eine lange Lektüre. Wenn euch an irgendeiner Stelle langweilig oder schlecht wird, dann überspringt es auf jeden Fall und schaut zum Schluß, wo ich die entscheidenden Punkte zusammenfasse.

Das Hin und Her begann (anscheinend aus heiterem Himmel) vor ein paar Monaten, fokussierte sich um Gadot und erweiterte sich von da.

24. Januar 2017, Dani Ishai Behan, timesofisrael.com: Are Jews A People of Color?:

Solange wir uns erinnern können, hat unser Volk in Nordamerika immer eine rassisch „mehrdeutige“ Position eingenommen. Obwohl wir zuerst zusammen mit anderen westasiatischen Volksgruppen als „Asiaten“ betrachtet wurden (was zu zahlreichen Versuchen führte, uns die Staatsbürgerschaft abzuerkennen), sollten Lobbyingbemühungen schließlich die Definition von „weiß“ auf Nahostler und Nordafrikaner erweitern. Jedoch ist in den letzten Jahrzehnten ein politisches Klima entstanden, in dem unser rassischer Status wieder einmal in Bitterkeit und Ungewißheit steckt.

Durch die ganze Geschichte hindurch hat das rassische Zu-Anderen-Erklären [„othering“] von Juden zu einigen ziemlich schrecklichen Ergebnissen geführt, daher ist es verständlich, warum manche es vorziehen würden, Rasse/Volkszugehörigkeit überhaupt aus der Gleichung wegzulassen. Aber gleichzeitig hilft die Vorstellung von Juden als entweder „weiß“ oder „bloß eine Religion“, wie viele unserer Kritiker es zu tun pflegen, bei der Fortsetzung einer Kultur des Antisemitismus seitens der antirassistischen Linken. Das heißt, wenn wir „bloß Weiße mit komischen Hüten“ sind, dann sind wir zwangsläufig nicht „wirklich“ eine unterdrückte Gruppe, wodurch es Antirassisten ermöglicht wird, ihre Legitimation zu behalten, ohne Juden zuhören oder unsere Besorgnisse ernst nehmen zu müssen. Dieses Konstrukt ist auch untrennbar mit antisemitischer Politik verbunden und vergegenständlicht Vorstellungen von jüdischem „Privileg“ zusammen mit der (unrichtigen) Verleumdung, daß die Wiedererrichtung Israels ein „weißes Kolonialprojekt“ war, was unterstellt, daß aschkenasische Juden (die die Mehrheit der zionistischen olim vor 1948 stellten) fremde Eindringlinge ohne echte Wurzeln in der Region sind, deren Bindung zum Land bestenfalls unauthentisch, nichtorganisch und ausschließlich religiöser Natur ist.

Ein weiteres, häufig vorgebrachtes Argument lautet, daß ein großer Prozentanteil von uns ein weiß wirkendes Erscheinungsbild hat, aber dies ist bei allen levantinischen Gruppen ziemlich häufig, nicht nur bei Juden. Außerdem sind hellhäutige Latinos, Iraner, Paschtunen und amerikanische Ureinwohner auch nicht wirklich selten. Dies nennt man „als weiß durchgehen“: die Fähigkeit, sich optisch einzufügen und einigen der unmittelbareren Effekte eines Nichtweißentums zu entgehen, während man immer noch unter der Marginalisierung und der Differenzierung als Andere leidet, die nichtjüdische Minderheiten erleben. Anders ausgedrückt: weiß auszusehen ist nicht dasselbe wie weiß zu sein.

Ich habe all die Argumente über das jüdische „Weiß-Sein“ gehört, aber ich muß erst noch eines hören, das wirklich überzeugend ist.

1. Juni 2017, Matthew Mueller, comicbook.com, Wonder Woman: There IS A Person Of Color In The Lead Role:

Ja, mit einer schnellen Google-Suche stellt sich heraus, daß Gal Gadot nicht wirklich kaukasisch, sondern in Wirklichkeit Israelin ist.

Gadot wurde in Rosh Ha’ayin, Israel, geboren und diente zwei Jahre lang in den israelischen Streitkräften, bevor sie 2004 Miss Israel wurde. Ja, sie gewann den Titel der Miss Israel, aber sie ist keine Farbige? Sie kapieren, warum das keinen Sinn ergibt, oder?

Einfach ausgedrückt: Weiß AUSZUSEHEN bedeutet nicht, daß man weiß IST.

1. Juni 2017, S.I. Rosenbaum, twitscreech, Anfang hier:

Oh mein Gott ok OFFIZIELLE ERKLÄRUNG ASCHKENASISCHER VOLKSZUGEHÖRIGKEIT: 1/???

Als ~ 1492 in Europa die modernen Rassenkategorien erfunden wurden, steckten sie aschkenasische und sephardische Juden in eine separate Kategorie.

Bis zum WK2 wurden Aschkenasim von Weißen als eine rassische Kategorie betrachtet, die sich von „weiß“ und „farbig“ unterschied.

In den Vereinigten Staaten haben Aschkenasim sich in gewissem Ausmaß in die WASP-Kultur assimiliert und erhielten nach und nach den (bedingten) Status als „weiß“.

Wir haben viele der Privilegien „gewöhnlicher“ Weißer. Wahrscheinlich die beste Art, sich Aschkenasim in Amerika vorzustellen, ist „als weiß durchgehend“.

Aber auch wenn wir „nicht weiß“ sind, so sind wir nicht „farbig“. Wir kehren in diese separate rassische Kategorie außerhalb der Dichotomie „weiß/farbig“ zurück.

2. Juni 2017, Noah Berlatsky, forward.com, Why Gal Gadot’s Wonder Woman Is White / Gal Gadot’s Wonder Woman Is White — Let’s Not Pretend Otherwise:

Das Weißsein von „Wonder Woman“ scheint nicht zur Debatte zu stehen. Und doch haben manche sich dafür entschieden, darüber zu debattieren. Eine Diskussion hat im Untergrund in den sozialen Medien geköchelt, daß Gal Gadot, die die Titelrolle spielt, in Wirklichkeit eine Farbige ist. Sie wurde in vollem Ausmaß von Matthew Mueller auf comicbook.com an die Öffentlichkeit gebracht. „Gal Gadot ist nicht wirklich kaukasisch, sondern in Wirklichkeit Israelin“, verkündet Mueller selbstsicher. Er geißelt dann farbige Kritiker dafür, daß sie die Rollenbesetzung mit ihr nicht als Triumph für die Repräsentation im Sinne der Vielfalt anerkennen.

Mueller hat in Wirklichkeit nicht viele Argumente. Er erwähnt einen Blogartikel in der Times of Israel, der auf die Geschichte der Unterdrückung von Juden verweist und hin und her schwankt, ob Juden als Farbige betrachtet werden könnten. Aber großteils verkündet Mueller einfach „Gadot ist Israelin!“ wie ein Magier, der ein Stück Fussel aus einem Hut zieht und einen zu überzeugen versucht, daß es ein Kaninchen sei.

Mueller kann mit diesem schludrigen Ansatz durchkommen, weil Rasse selbst solch ein unzusammenhängendes Konzept ist. Mueller behauptet, daß „kaukasisch“ gleich „weiß“ ist, als ob Weißsein eine wirkliche Volkszugehörigkeit oder ein regionaler Hintergrund sei.

Aber die Wahrheit ist, daß Weißsein keine biologische oder historische Wahrheit ist; es ist eine verschwommene, kulturell bestimmte Kategorie, die im Laufe der Zeit weit fluktuiert hat. Zu verschiedenen historischen Momenten und an verschiedenen Orten sind Iren, Osteuropäer, Südeuropäer und natürlich Juden aus der Kategorie „Weiße“ ausgeschlossen worden. Es mag lächerlich erscheinen zu sagen, daß eine Nationalität wie „israelisch“ nichtweiß ist – aber Donald Trump rassifizierte die Nationalität von Mexikanern während des Wahlkampfs von 2016. Weißentum ist kein formal definiertes, logisches System. Es ist ein stumpfes Instrument, das dazu bestimmt ist, es manchen Leuten zu ermöglichen, anderen zu schaden. Als solches braucht es nicht besonders elegant oder gut gemacht zu sein.

In diesem Zusammenhang ist die beste Definition von Weißen einfach „Leute, die als weiß betrachtet werden.“

Vielleicht das deutlichste Zeichen dafür, daß Gadot weiß ist, ist aber Muellers eigenes Argument. Die Tatsache, daß manche Gruppen, die einst als nichtweiß betrachtet wurden, weiß und erfolgreich geworden sind, ist ein ständiges Thema für Leute, die sich nicht mit dem fortdauernden Rassismus befassen wollen. Robert Kennedy wies bekanntlich auf den Erfolg der Iren hin, um James Baldwins Kritik am Rassismus in den Vereinigten Staaten zu parieren. Genau die Zusammenhanglosigkeit des Weißseins wird zu einem Weg, das Weißentum zu verteidigen. „Unsere Ideologie ergibt keinen Sinn, daher können wir euch nicht wirklich unterdrücken“ ist ein lächerliches Argument, aber ein beständig populäres.

Gadot ist weiß. Aber das soll nicht heißen, daß Juden es nicht mit Diskriminierung zu tun haben. Im Gegenteil, Gadots Besetzung in der Rolle illustriert die stilleren, fortdauernden Fehlschläge jüdischer Repräsentation in Superheldenfilmen. Wie ich hier zuvor diskutiert habe, scheint Hollywood von seiner Verfaßtheit her unfähig zu sein, einen jüdischen Schauspieler einen jüdischen Helden spielen zu lassen, dessen jüdische Identität im Narrativ anerkannt wird. Gadot kann nur Wonder Woman sein, wenn sie ihre jüdische Identität als sichtbare Identität ablegt. Heldentum ist nur als Belohnung für Assimilation erhältlich.

Der Wonder-Woman-Film fordert die Vorstellung heraus, daß nur Männer Helden sein können. Aber er akzeptiert die herkömmliche Meinung, die besagt, daß man ins Weißsein verschwinden muß, um ein Held zu sein. Das ist eine Botschaft, die Farbigen schadet. Und es ist eine Botschaft, die letztendlich Juden schadet, die nicht ebenfalls Farbige sind.

4. Juni, Dani Ishai Behan, timesofisrael.com, Yes, Ashkenazi Jews (Including Gal Gadot) Are People of Color:

Juden sind eine historisch verfolgte und vertriebene nahöstliche Ethnie, die in Israel heimisch ist, sowie eines der ältesten und beständigsten Opfer des europäischen Kolonialismus. Jedoch ist die „antirassistische“ Linke allgemein feindlich gegenüber Juden (besonders gegenüber Aschkenasim alias Juden, die als Ergebnis des Kolonialismus in Mittel- und Osteuropa landeten), die sich als Nahostler identifizieren, als Farbige oder überhaupt als Minderheit.

Werfen wir nun einen Blick auf die Geschichte und das Erbe der aschkenasischen Juden. Als indigenes Volk des Nahen Ostens wurden aschkenasische Juden von europäischen (und später arabischen) Kolonialisten aus ihrem Heimatland vertrieben und als Sklaven nach Europa gebracht, wo sie ständig als Wilde betrachtet, periodisch massakriert und mit der Begründung aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden, daß sie eine fremde, nicht-christliche und nichteuropäische (oder in den Worten unserer europäischen Unterdrücker: orientalische/asiatische) Präsenz auf europäischem Boden seien. Die oben erwähnten, während der Inquisition geschaffenen Rassenkategorien waren in Wirklichkeit eine direkte Reaktion auf die Möglichkeit, daß die spanische Krone nicht erfolgreich ALLE Juden und Mauren in ihrer Mitte vertrieben hatte. Als solche wurde ein Erlaß namens „limpieza de sangre“ (Reinheit des Blutes“) zum Gesetz gemacht, nach dem jeder von nichteuropäischer Abstammung (d. h., Juden oder Araber/Mauren) das Ultimatum erhielt: Bekehrung zum Christentum oder Tod. Und selbst jene Juden, die tatsächlich konvertierten, wurden immer noch mit Argwohn betrachtet und als zweitklassig behandelt.

Die Anerkennung, daß Aschkenasim nichteuropäisch/nichtweiß sind, die in Wirklichkeit bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht, durchdrang weiterhin die westliche Gesellschaft bis in die Zeit der Aufklärung und darüber hinaus. Ein paar ausgewählte Zitate der bekannteren europäischen Philosophen (wie auch einiger, die weniger bekannt sind) sollten lehrreiche…

Behan zitiert hier frühere Bemerkungen über das Judenproblem von mehreren prominenten weißen Männern, die er „Antisemiten“ nennt, weil sie die Juden als fremd und/oder schädlich für ihr Volk erkannten.

Außerdem änderten diejenigen, in deren Herzen weiterhin der Antisemitismus schwelt, in dieser neuen Ära der Political Correctness und im vollen Wissen, daß Juden viel durch den neugefundenen Respekt der westlichen Linken für Eingeborenenrechte und den Schutz benachteiligter Minderheiten zu gewinnen hatten, ihren Kurs und ordneten Juden als „weiße Europäer“ ein, was ihnen ermöglichte, uns als eine rückwärtsgewandte, unterdrückerische und böswillige Kraft zu ostrazieren.

Um zu Rosenbaum zurückzukehren: sie behauptet weiters, daß Aschkenasim all die „regulären Privilegien“ wie Weiße genießen, was falsch ist. Sie vermengt die Fähigkeit, als weiß durchzugehen (ein häufiges Merkmal bestimmter farbiger Gruppen, besonders anderer Nahostler – Juden sind hier nicht „besonders“) damit, tatsächlich weiß zu sein, trotz ihres vorherigen Zugeständnisses, daß dies nicht dasselbe ist.

Zugegeben, manche Aschkenasim – wie auch manche Nicht-Aschkenasim – haben wirklich zweideutige oder anscheinend „weiße“ Gesichtszüge, die hauptsächlich das Ergebnis von Vergewaltigungen durch Kosaken während der Pogrome sind, und können sich dadurch tarnen, aber eine sehr große Zahl kann das nicht. Wie in dem Link zu sehen ist, den ich gerade gepostet habe, haben viele entweder ein „jüdisches“ Erscheinungsbild oder ein voll nahöstliches. Außerdem ist es kein Privileg, seinen ethnischen Hintergrund verbergen zu müssen, nur um als „normales“ menschliches Wesen behandelt zu werden, denn Weiße (*wirkliche* Weiße, nicht Juden, Araber etc.) müssen das nicht tun. Sie brauchen nicht ihre Namen zu ändern oder ihre Nasen flacher zu machen, oder ihre Haut zu bleichen, oder ihr Haar zu glätten, oder ihre Kippas abzunehmen, etc. Die Tatsache, daß Aschkenasim und als weiß durchgehende Juden im Allgemeinen daran *arbeiten* müssen, nur um als normale Leute gesehen zu werden, sagt alles, und viele (wenn nicht die meisten) haben nicht einmal die Fähigkeit dazu. Es ist einfach nicht vergleichbar.

Noch wichtiger ist, daß Juden vielleicht die ältesten Opfer dessen sind, was als Orientalismus bekanntgeworden ist. Von der griechischen und römischen Kolonialzeit an, wo wir für „Wilde“ gehalten wurden, die Kultur und Aufklärung benötigen, über die Evolution dieser Ansichten unter dem Christentum bis zur Aufklärung, wo Europäer offen erklärten, daß wir Asiaten seien, die daher kulturell stagnieren und unfähig zu Vernunft, Wissenschaft oder Fortschritt sind, ist der Orientalismus immer die Grundlage des europäischen Antisemitismus gewesen.

Alles in allem dürfen wir nicht den Fehler machen, anzunehmen, daß Juden ein „Weißenprivileg“ genießen, nur weil unsere Erfahrungen nicht symmetrisch mit jenen von Afroamerikanern oder Hispanics sind, da dies unvernünftig, irreführend und heuchlerisch wäre (noch einmal, keine andere ethnische Minderheit wird nach diesem Standard gemessen). Antijüdischer Rassismus sieht anders aus, weil die Stereotypen anders sind. In anderen Worten, wir werden von der Gesellschaft nicht als „ungebildete Schläger“ gesehen, sondern als „unehrliche“, „hinterhältige“, „klüngelhafte“ und „blutdürstige“ Mischlinge, die hinter den Kulissen alles kontrollieren, und diese rassistischen Metaphern wirken sich in der Weise aus, wie wir in diesem Land behandelt werden. Weiters wird an Flughäfen häufig Profiling gegen uns betrieben, werden wir mit Argwohn betrachtet, wenn wir zu erfolgreich sind, wird angenommen, daß wir die US-Regierung kontrollieren, werden wir auf den Straßen angegriffen, im Fernsehen und in Filmen (abgesehen von einer Anzahl von Ausnahmen) als Geeks, Kriminelle, Hypochonder und andere Stereotypen typisiert, unsere Skalps werden von Fremden nach Hörnern abgesucht, und so weiter und so fort.

Insofern das Nichtweiß-Sein einer Gruppe bedingt ist durch ihre Geschichte, ihre Erfahrungen, ihr Erbe und ihre Beziehung zum Konzept von „weiß“, wie es von seinen Pionieren definiert wird, qualifizieren Aschkenasi sich eindeutig als nichtweißes Volk.

Aber anders als Rosenbaum beschwören Noahs Argumente – ob absichtlich oder nicht – genau jenen populären antisemitischen Mythos, daß Gadot (und vermutlich alle Aschkenasim) eine ethnische Europäerin ist, keine Semitin/Nahostlerin. Und wie ich schon zuvor hier angemerkt habe, macht es Aschkenasim nicht weiß oder europäisch, daß wir ins Exil getrieben bzw. als Sklaven nach Europa gebracht und während Pogromen vergewaltigt wurden, nachdem uns unser Land weggenommen wurde. Irgendeinen Teil unseres Volkes dreist mit jenen zusammenzufassen, die uns so lange auszulöschen versuchten, ist eine der schlimmsten Beleidigungen, die man einem Juden überhaupt entgegenschleudern kann. Es gibt europäischen Antisemiten buchstäblich genau das, was sie die ganze Zeit wollten – daß wir weißgewaschen werden und letztendlich verschwinden.

Davon abgesehen scheint Berlatsky sich selbst nicht allzu sicher zu sein, was Weißsein wirklich ist, und schwankt wild zwischen „es geht nur um das Erscheinungsbild“ und „es ist kompliziert“. Zum Beispiel bestreitet er anfänglich die Idee, daß Weißsein „eine wirkliche Volkszugehörigkeit oder ein regionaler Hintergrund“ ist, nur um sich später im selben Artikel zu widersprechen und Gadot als „weiß“ zu erklären, weil sie hellhäutig und „europäisch“ ist (obwohl aschkenasische Juden nicht europäisch sind – siehe oben).

Juden als Juden (mit Ausnahme weißer Konvertiten wie Ivanka Trump, die weniger als 1 Prozent der globalen jüdischen Population ausmachen) sind Farbige, und die Tatsache, daß dies überhaupt strittig ist, wirft ein Licht darauf, wie tief verwurzelt der Antisemitismus wieder geworden ist, der Juden wird zum „Anderen der anderen“ gemacht.

5. Juni 2017, Joel Finkelstein, forward.com, Are Gal Gadot And Other Ashkenazi Jews White? The Answer Is Complicated…And Insidious:

Ist Gadot nun weiß? Ist sie nordafrikanisch/nahöstlich und israelisch und jüdisch und europäisch und weiß? Ist sie alle sechs davon? Oder vielleicht etwas anderes? Wer entscheidet, ob Juden weiß sind, und welche Kraft leitet jene Entscheidungen?

Die Mehrdeutigkeit der jüdischen Ethnizität dient als perverse Waffe in Händen, die der jüdischen Identität feindlich sind. Sie macht Juden historisch verwundbar gegenüber Antisemitismus aus extremen Ideologien auf beiden Seiten des politischen Spektrums; Juden sind gleichzeitig die ultimativen Insider (weiß) oder die ultimativen Außenseiter (Andere).

Die autoritäre Rechte verbindet, wie neue Studien andeuten (und wie jeder beiläufige Ausflug auf 4Chan bestätigen wird), das jüdische Privileg mit Themen von Parasitentum und konspirativer äußerer Macht. Foren und Twitter-Feeds überall auf Seiten der Rechten bestätigen das alarmierende Wachstum dieser rassifizierten Ideen mit beunruhigenden Raten in rechten sozialen Medien. Die autoritäre Rechte greift wie die Nazis die Juden als den ultimativen Außenseiter gegenüber der singulären Sache der ethnischen Nationalität an.

Bei der extremen Linken legen Juden den Mantel des ultimativen Insiders an. Anders als der rechte autoritäre Antisemitismus behauptet der linke Antisemitismus, daß das Weißsein der Juden sie davon ausschließt, verfolgt zu werden. In dieser psychologischen Fantasie tauchen Juden als mächtige weiße Insider auf: die Elite. Unter dem dünnen Anstrich der sozialen Gerechtigkeit entkoppelt dieses giftige Narrativ gewaltsam die jüdischen Identitäten und das legitime jüdische Leiden von der Sache aller anderen unterdrückten Farbigen. Für die extreme Linke ist ein Jude die ultimative weiße Person. Stalinisten verdammten die Insider, die „korrupten bourgeoisen Nationalisten“, um spezifisch auf Juden abzuzielen und sie gewaltsam massenhaft in die Gulags zu schicken und ihr Vermögen umzuverteilen.

Weiß zu sein ist die neue Version des Insider-Außenseiter-Spiels in der Identitätspolitik.

Bei der Rechten verwandeln Projektionen vom Weißentum sich in ein spiegelbildliches Gegenteil. Der populäre Alt-Right-Blogger Radix verdammt „den Aufstieg einer feindlichen jüdischen Elite“, eines privilegierten Anderen, der, wie er seine Leser warnt, die Reinheit des weißen Amerika selbst bedroht. Im Lichte dessen ist klar, daß „weiß“ zu sein für beide Pole der politischen Extreme als zentrale moderne Grammatik des „Othering“ [der Differenzierung als Andere] in der jüdischen Existenz hervortritt.

Wenn wir glauben, wie Noah Berlatsky argumentiert, daß „weiß zu sein in Wirklichkeit bloß eine Sache dessen ist, als was einen die Leute sehen“, so würde ich respektvoll vorschlagen, daß die Geschichte und gegenwärtige Ereignisse den Juden zu denken geben sollten. Um des jüdischen Lebens überall willen lassen Sie uns anfangen, indem wir uns selbst aufklären, um gefährliche Nuancen des Weißseins zu verstehen und wie es so verderblich einer antisemitischen Realität in die Hände spielt, die wir verinnerlichen, wenn wir sie glauben. Antisemitismus von rechts und links ist die größte und systematischste globale Verfolgungsoperation, die jemals gegen ein einzelnes Volk gestartet wurde.

7. Juni 2017, Noah Berlatsky, forward.com, Why Do White People Get Mad When They’re Called White? / Why Do White People Get Mad When We Call ‘Wonder Woman’ White?:

Als ich im Forward einen Artikel schrieb, der hervorhob, daß Gadot weiß ist, erwartete ich nicht, daß es eine Gegenreaktion geben würde. Gadot spielt immerhin einen weißen Charakter; sie wurde eindeutig deshalb für die Rolle besetzt, weil die Leute sie als weiß sehen.

Die Behauptung, sie sei eine Farbige, war durchsichtig und in Täuschungsabsicht erhoben; sie sollte davon ablenken, daß wirkliche Farbige eine bessere Repräsentation fordern. Ich dachte, ich würde ein ziemlich unstrittiges Argument anbringen.

Weiße mögen es aber in Wirklichkeit nicht, wenn man ihnen sagt, daß sie weiß sind. Der Artikel rief eine Anzahl von Widerlegungen hervor, einschließlich jener von Dani Ishai Behan in der Times of Israel und eines Artikels von Finkelstein im Forward.

Finkelstein und Behan erwähnen jedoch kaum das Thema der Rollenbesetzung. Stattdessen schweifen sie ab, um zu behaupten, daß Juden unterdrückt werden. Juden sind sicherlich zu manchen Zeiten und an manchen Orten unterdrückt worden. Aber weiße Juden werden gegenwärtig nicht von Rollen in Hollywood ausgeschlossen. Wenn jemand sagt: „Ich kann keinen Job bekommen, weil gegen mich diskriminiert wird“, und man antwortet, indem man mit Behan sagt: „Nun, meine Vorfahren sind vielleicht einmal von Kosaken vergewaltigt worden“, nimmt man an keiner ehrlichen Diskussion teil. Man versucht das Thema zu vernebeln, um sich nicht mit der bestimmten Ungerechtigkeit befassen zu müssen, die man im Moment vor sich hat.

Der Schritt, über etwas anderes zu reden – irgendetwas anderes -, ist ironischerweise typisch für die Art, wie das Weißentum sich verteidigt, wenn es herausgefordert wird. Finkelstein und Behan beharren darauf, daß sie nicht weiß sind. Nun gut. Warum sind sie dann so verzweifelt uninteressiert an den Ungerechtigkeiten und Demütigungen, mit denen Farbige bedacht werden? Finkelstein sagt, es sei antisemitisch, ein Narrativ zu fördern, das „jüdische Identitäten und legitimes jüdisches Leiden von der Sache aller anderen unterdrückten Farbigen entkoppelt.“ Aber es gibt in seinem Artikel kein Wort über die Anliegen jener anderen Farbigen, obwohl die Konversation sich ursprünglich darum drehte, daß Farbige in Hollywood nicht als Helden repräsentiert werden. Es liegt ein Problem auf dem Tisch, mit dem Farbige es zu tun haben. Wenn man darüber redet, daß man im Leiden mit ihnen zusammensteht, steht man dann wirklich mit ihnen zusammen? Oder steht man auf ihren Nacken?

Die Geschichte der Unterdrückung von Juden sollte idealerweise ein Weg für Juden – ob weiß oder nicht – sein, sich mit marginalisierten Menschen zu verbünden. Das Vermächtnis der antisemitischen Karikatur als nur ein Beispiel sollte Juden die Bedeutung der medialen Repräsentation bewußt machen. Film und Fernsehen kann Leute dazu bringen, andere zu hassen, andere zu ignorieren und sogar an sich selbst zu zweifeln.

Juden, die weiß sind, haben eine Wahl. Wir können die Partei der Marginalisierten ergreifen, feststellen, daß die jüdische Sicherheit in einer weißen Gesellschaft unsicher ist, und daß das, was anderen angetan wird, eines Tages vielleicht wieder uns angetan wird. Oder wir können unsere besondere Geschichte früherer Diskriminierung als rhetorische Waffe gegen Leute einsetzen, die es jetzt mit Diskriminierung zu tun haben. Letzteres zu tun bedeutet ungeachtet der eigenen Hautfarbe und des eigenen Hintergrunds, sich das Weißentum zu eigen zu machen.

7. Juni 2017, Sarah Tuttle-Singer, timesofisrael.com, I am a light-skinned Jew. I am not ‘White’:

Ich bin eine hellhäutige Jüdin.

Ich bin nicht „weiß“.

Denn Juden sind ein Volk – in vielen Farben – von tiefem Ebenholz bis zu Alabaster – das seine DNS bis zu einem kleinen Landstreifen zurückverfolgen kann, der nicht größer als ein Fingernagel ist.

Und wir sind nicht „weiß“.

Und genauso wie die Wissenschaft und die Genetik dies untermauert,** sind wir in Amerika als nichtweiß behandelt worden.

Es stimmt – wir werden nicht in derselben Weise diskriminiert wie Farbige.

Und ich vergleiche unsere Erfahrung NICHT mit der systemischen und systematischen Diskriminierung und ausgesprochenen Verfolgung, mit der viele Menschen es bis zum heutigen Tag in Amerika zu tun haben.

Und es stimmt, wir GENIESSEN in großem Ausmaß ein Weißenprivileg… das heißt, bis die Leute herausfinden, daß wir Juden sind, und dann kann sich das in einem schnellen Schlittern über das Gesicht ändern – ob es ein Witz darüber ist, wie reich wir sein müssen, oder eine Bemerkung, daß wir nicht „voll jüdisch“ sein müssen, weil wir keine große Nase oder dunkles Haar oder irgendeinen Bullshit haben, oder „ist es wahr, daß ihr Christenblut trinkt.“

Und ich strebe nicht nach Sympathie oder Akzeptanz oder Anerkennung – und um das ganz klar zu machen, ICH IDENTIFIZIERE MICH NICHT als Farbige, noch würde ich meine Erfahrung jemals mit der Gewalt und dem Leiden vergleichen, wie es viele weiterhin bis zum heutigen Tag erleiden.

Aber ich bin nicht weiß.

Ich bin eine hellhäutige Jüdin.

Und wenn ihr die Erfahrung meiner Familie als Nichtweiße verneint, die von Weißen als Nichtweiße behandelt wurden, wenn ihr die Diskriminierung und Verfolgung bestreitet, die mein Volk in Amerika im Laufe der Jahre erlitten hat – manches davon systemisch, manches isoliert, aber alles real und allgegenwärtig, dann radiert ihr unsere Geschichte als Juden in Amerika aus, und dafür gibt es ein Wort: Antisemitismus.

**Wenn ihr den DNS-Abstammungstest macht und osteuropäische Juden seid, werden eure Ergebnisse „aschkenasisch-jüdisch“ lauten – NICHT osteuropäisch.

8. Juni 2017, Avital Norman Nathman, kveller.com, Are Jews White? Here’s My Answer:

Zu sagen, daß das Judentum komplex ist, besonders wenn man es in den Kontext der Geschichte stellt, ist eine Untertreibung. Als Volk sind wir während des Großteils unserer Existenz „othered“ [„zu Anderen erklärt“] worden. Es hat immer einen König oder Führer oder eine Regierung gegeben, der oder die dafür gesorgt hat: uns daran erinnert hat, daß wir nicht wie die Mehrheit sind, daß wir angeblich weniger als diese, anders und separat sind. Diese Idee hat sich im Grunde im Laufe der Jahre in unsere DNS eingeprägt.

Weil andere uns nach unseren Unterschieden definiert haben, ist es natürlich, daß auch wir – als ein Volk – irgendeine Definition dessen suchen, wer genau wir sind. Diese Debatte hat lange vor Gal Gadot stattgefunden, und ich denke nicht, daß ein Ende davon in Sicht ist. Ist das Judentum eine Religion? Eine Ethnie? Eine Rasse? All das obige? Ich verstehe, warum wir uns ständig mit diesen Fragen herumschlagen, weil sie unsere Identität betreffen: Wer sind wir? Was sind wir?

Sind Juden nun weiß? Die Frage an und für sich ist super-restriktiv und ausschließend. Wir müssen zuerst die sehr reale Tatsache betrachten, daß es farbige Juden gibt (trotz der Tatsache, daß der Judaismus im Allgemeinen ein Problem damit hat, sich daran zu erinnern). Farbige Juden sind Farbige. Sie trifft es doppelt: Judaismus und eine sichtbar farbige Person zu sein.

Aber Leute wie ich? Ich gehe als weiß durch. Wenn mich jemand ansieht, dann werde ich – trotz meiner krausen Locken und der markanten Nase – als weiße Frau aufgefaßt. Ich erfahre genausoviel Weißenprivileg und profitiere davon wie die nächste weiße Frau. Dies spielt eine Rolle, wenn ich die Straße entlang gehe, in Einkaufssituationen oder bei der Interaktion mit der Polizei. Sicher, mein offenkundig ethnischer Name mag eine vorurteilsbehaftete Flagge hochgehen lassen, wenn ich mich um einen Job bewerbe oder irgendetwas anderes, und Mikroaggressionen sind real. Aber im Großteil meines Alltagslebens in Amerika? Ich bin weiß und erfahre all die Vorteile, die damit verbunden sind, ungeachtet meines Judentums.

Also… ich bin weiß. Aber ja, ich habe Antisemitismus erlebt (diese Zeit in der Highschool, als mein Boss die Registrierkasse „jüdisches Klavier“ nannte, war ein Spaß). Ich hatte die Furcht in meinem Herzen gehabt, als es Bombendrohungen gegen jüdische Ganztagsschulen gab, nachdem mein Sohn eine besucht. Und ich erwähne nicht einmal den antisemitischen Dreck, mit dem ich in den sozialen Medien angegriffen werde. Also ja, ich kann definitiv den Wunsch verstehen, so weit weg wie möglich von „weiß“ (alias die Leute, die all dies tun) zu sein.

Jedoch kann ich all das erleben und dennoch von der Infrastruktur profitieren, die von Jahren der weißen Vorherrschaft errichtet wurde. Weißenprivileg und Antisemitismus können gleichzeitig auftreten. Ja, das ist unglaublich frustrierend, aber das ist auch eine Realität. Das eine hebt nicht das andere auf.

Auf einem Volkszählungsformular „weiß“ anzukreuzen oder zuzugeben, daß ich vom Weißenprivileg profitiere, negiert oder beseitigt nicht die sehr reale Art, wie Juden behandelt worden sind (und immer noch behandelt werden). Es verdeckt nicht meine Abstammung – wie meine Oma den Holocaust zusammen mit ihrer Familie in den Wäldern Polens, in Untergrundbunkern und Scheunen überlebte; wie mein Großvater eine Handvoll Konzentrationslager überlebte, bevor er aus Dachau befreit wurde. Wie sie beide unvorstellbare Schrecken miterlebten und erfuhren, einfach weil sie Juden waren. Ich bin eine amerikanische Jüdin in erster Generation, die zweisprachig aufwuchs. Ich verstehe, daß ich im Grunde eine Andere bin und daß mir meine Privilegien unter bestimmten Umständen weggenommen werden könnten.

Meine Geschichte ist real. Die Geschichte unseres Volkes ist real. Aber mein Platz – als eine als weiß durchgehende Frau – in der gegenwärtigen Gesellschaft ist ebenfalls real. Es liegt an mir, die beiden ins Gleichgewicht zu bringen, dieses Privileg und die Vorteile durch die weiße Vorherrschaft zu benutzen, um das gegenwärtige System zu ändern, wo Farbige diejenigen sind, denen durch systematischen Rassismus und durch eine unterdrückerische Infrastruktur geschadet wird. Denn wenn es wirklich darum geht, als was ich mich identifiziere, dann erkennt die Jüdin in mir, daß das Eingeständnis meines Privilegs heute es mir ermöglicht, für jene um mich zu sorgen, indem ich einsetze, was ich habe.

13. Juni 2017, Tamar Herman, forward.com, What Gadot As ‘Wonder Woman’ Means To This Jewish Woman / The Gal Gadot Representation Conversation We’ve Been Missing:

Gal Gadot ist weiß, so wie ich. Dieses Maß an Weißentum wird (manchmal) bestritten, da aschkenasische Juden, zumindest in der jüngeren amerikanischen Geschichte, zu Schrödingers Katze des Rassismus geworden sind. Was der Grund dafür ist, warum es eine Menge Nackenhaare aufstellte, als jemand irrigerweise behauptete, daß Gadot eine Farbige ist, besonders weil es in Wonder Woman keine farbigen Hauptcharaktere gibt.

Gadot ist nicht bloß eine weitere weiße Frau auf der Leinwand, und es ist respektlos, das zu sagen. Wir hätten keine Debatte im Jahr 2017 über die Abstammung der Aschkenasim, wenn das wahr wäre. Gadot (und ich selbst) sind in der heutigen Zeit aufgrund unserer Hautfarbe privilegiert. Aber das bedeutet nicht, daß uns nicht das Ergebnis von tausend Jahren des Rassismus durch unsere Blutbahnen und Köpfe tobt, erfüllt von Leiden und nicht an der allgemeinen Gesellschaft teilhaben dürfend.

Zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, sah ich eine sichtbar jüdische Frau, die mit einem hörbar vom Hebräischen (alias dem Klang des Judentums seit Tausenden von Jahren) eingefärbten Akzent eine Kriegerin darstellen, die nicht nur für sich selbst kämpft, sondern für das größere Wohl. Es war egal, daß Gadot eine auf der griechischen Mythologie aufbauende fiktive Halbgöttin spielte. Jedesmal, wenn ich sie ansah, jedesmal, wenn sie sprach, raste der Gedanke „Wonder Woman ist jüdisch!“ durch meinen Kopf.

16. Juni 2017, Mark Tseng-Putterman & Rebecca Pierce, forward.com, Gal Gadot Is Not White, Say Jews Of Color / What Jews Of Color Hear When You Say Gal Gadot Isn’t White:

Viele haben argumentiert, daß der Film, während Gadots Diana ein starker weiblicher Charakter ist, die Weiblichkeit zu weißer Weiblichkeit verflacht, indem er großteils eine weiße Frau zeigt, die sich durch eine weiße Welt bewegt und farbige Frauen daran erinnert, daß Siege für die Repräsentation weißer Frauen oft keinen Platz für sinnvolle Intersektionalität schaffen.

Diese Kritik, die großteils von schwarzen Frauen vorgebracht wird, ist pauschal mit Behauptungen zurückgewiesen worden, daß Gadot, eine Israelin von aschkenasischer Abstammung, in Wirklichkeit eine Farbige ist.

Jedoch hat die Kontroverse um Muellers Artikel in der jüdischen Gemeinschaft eine Konversation über jüdische Rassifizierung und jüdisches Weißsein wieder entzündet. Als farbige Juden, die für rassische Gerechtigkeit und Befreiung in den Vereinigten Staaten, in Israel und in Palästina arbeiten, hat uns diese auf Zehenspitzen um Fragen nach der weißen Vorherrschaft herumschleichende Konversation, während man sich auf die Perspektiven weißer, aschkenasischer Juden zentriert, dazu bewegt, uns mit unseren eigenen Perspektiven einzumischen.

Der Diskurs ist suspekt gewesen und hat oft Rasse, Ethnizität, Nationalität und Genetik miteinander vermengt. Abgesehen von Muellers unsinniger Behauptung, daß „israelisch“ eine Rasse statt einer Nationalität ist (was die Unterdrückung rassischer Minderheiten in Israel verdeckt), hat seine unkritische Verwendung des Begriffs „kaukasisch“, eines pseudowissenschaftlichen Begriffs, der von Rassenwissenschaftlern des 18. Jahrhunderts popularisiert wurde, uns in eine Konversation gelockt, die von der Logik widerlegter Rassenwissenschaft abhängt statt von zeitgenössischen Realitäten von Politik, Macht und Privilegien.

Reaktionäre Artikel in The Times of Israel waren nicht viel besser. Dani Ishai Behan und Sarah Tuttle-Singer spielten auf eine bestimmte jüdische Genetik an, die beweist, daß Juden Farbige sind, und Tuttle-Singer schrieb: „wir sind nicht weiß… Wissenschaft und Genetik untermauern das.“ Die Ironie, daß Behan und Tuttle-Singer im Versuch, die „antirassistische Linke“ als antisemitisch zu brandmarken, dieselbe rassische Pseudowissenschaft nachplappern, die Nazideutschland verwendete, um Juden von „Ariern“ zu unterscheiden, scheint ihnen zu entgehen. Der Mythos, daß Rasse eine genetische oder biologische Grundlage hat, wurde in einem notwendigen Haaretz-Artikel widerlegt, in dem Ruth Schuster Kommentatoren daran erinnerte, daß „es kein Gen für ‚Rasse‘ gibt.“

Was ist der politische Impuls dahinter, daß weiße Juden sich weigern, weiß genannt zu werden? Das geschieht eindeutig, wie das Entgleisen der ursprünglichen Konversation um die Repräsentation farbiger Frauen im Film zeigt, nicht aus politischer Identifikation mit Farbigen. Und während Behan die „problematische“ Beziehung zwischen der „‘antirassistischen‘ Linken“ (Anführungszeichen von ihm) und der jüdischen Gemeinschaft beklagt, macht die Brandmarkung derjenigen, die die jüdische Komplizenschaft mit der weißen Vorherrschaft hinterfragen, als antisemitisch klar, daß er nicht daran interessiert ist, sich ehrlich mit Bewegungen für rassische Gerechtigkeit zu befassen. Wie bei den amerikanisch-jüdischen Institutionen, die die Verbindungen zur Bewegung für schwarze Leben wegen der Entscheidung der Letzteren kappten, die Befreiung Palästinas in ihr politisches Programm einzubeziehen, erinnert uns das Entgleisen der Konversation um Wonder Woman und die Repräsentation von Farbigen durch weiße Juden daran, daß die antirassistische Linke nicht so sehr ein Antisemitismusproblem haben, wie viele in der jüdischen Gemeinschaft ein Antirassismusproblem haben.

Zuletzt fiel uns als schwarze und asiatisch-amerikanische Juden, die in den Vereinigten Staaten leben und organisieren, die völlige Ausschließung der Perspektiven jüdischer Farbiger in der Konversation auf. Trotz unseres aktiven Engagements und früherer Schriften zu dem Thema waren es beim Diskurs um Gadot hauptsächlich weiße aschkenasische Juden, die miteinander redeten. Wir stellen die Zentrierung weißer Juden als Experten zu Fragen von Juden und Rasse als jüdische Farbige in Frage, die zwangsläufig aufgrund erlebter Erfahrung die Überschneidungen von Antisemitismus und weißer Vorherrschaft verstehen. Währenddessen widerspiegelt die beißende Reaktion, die wir erhielten, als wir unsere Stimmen einbrachten – einschließlich der Gleichsetzung mit Holocaustleugnern – die Realitäten des Rassismus innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Wenn weiße Juden Farbige sind, wozu macht uns das? Die kombinierte Ausschließung und Giftigkeit gegen unsere Äußerungen und Sichtweisen erinnert uns daran, daß es in einem weiß-jüdischen rassischen Rahmen, der sich als nichtweiß einordnet, keinen Platz für farbige Juden gibt.

Laßt mich mit dem Hinweis anfangen, daß dieser neurotische, talmudische Austausch ein perfektes Beispiel dafür ist, wo zwei Juden drei Meinungen dazu haben, was für die Juden am besten ist. Es ist ein halb verschlüsselter Streit um Weiße und Weißentum, durchgeführt von Juden auf allen Seiten. Obwohl manche mehr darum herumtanzen als andere, sind sich alle einig, daß es einen fundamentalen Unterschied zwischen Weißen und Juden gibt. Sie identifizieren sich alle völlig positiv als Juden, und alle betrachten Weiße gänzlich negativ.

All diese Juden beherrschen völlig fließend das Denken und die Sprache des antiweißen „Antirassismus“. Die Debatte ist mehr eine kollegiale Konversation innerhalb des Stammes. Sie berührt buchstäblich alle politisch/semitisch korrekten Begriffe oder Ideen der Frankfurter Schule, der Kritischen Theorie und der Identitätspolitik, die jemals zu Waffen für den Einsatz gegen Weiße gemacht worden sind. Schlüsselwörter: Othering, Unterdrückung, Privileg. Schlüsselkonzepte: wir gegen sie, wer/wem.

Um es in etwas ihren Begriffen Verwandtem auszudrücken: was diese Juden diskutieren, ist intersektionales Judeln. Wie ich zuvor angemerkt habe (hier und hier), ist das „antirassistische“ Judeln zu etwas so unverblümt Antiweißem metastasiert, daß es zum Bumerang für die Juden zu werden beginnt, die sich immer noch als Weiße verstellen, und ihrem Judeln in die Quere kommt.

Worüber diese Juden hier Meinungsverschiedenheiten haben, ist das Narrativ, wie man all dieses doppelzüngige Judeln in irgendeiner Weise erklären soll, die den Juden keine Schuld zuweist. Ihr Problem liegt im offensichtlichen Konflikt zwischen zwei großen Lügen, die sie gefördert haben: der Vorstellung, daß Juden weiß sind, und der Vorstellung, daß Weiße privilegiert und „rassistisch“ sind.

Manche Juden – wie Behan, Mueller und Tuttle-Singer – bezeichnen Weiße relativ freimütig als Feinde. Sie sehen keinen Wert darin, die Vermengung von Juden mit Weißen zu fördern. Andere Juden – wie Berlatsky, Nathman und Herman – bevorzugen die Beibehaltung der Vortäuschung und argumentieren, daß Juden in der Bilanz von ihrem transrassischen Schwindel profitieren. Sie beharren darauf, daß sie „weiß“ sind, oder daß Goyim sie für Weiße halten, drücken aber keine gemeinsamen Interessen mit Weißen aus. Insgesamt neigen sie mehr dazu, Sympathie zu anderen Nichtweißen auszudrücken und gemeinsame Interessen mit ihnen zu sehen.

Es ist keine Überraschung, daß die Mischlinge – Behan und Tseng-Putterman und Pierce – die klarste Unterscheidung zwischen Juden und Weißen treffen. Sie haben sich für ihre auserwählten Hälften entschieden. Genausowenig ist es ein Schock, daß dem am sichtbarsten jüdischen Juden – Berlatsky – die Maske „Juden sind weiß“ gefällt. Er schätzt es, daß Juden auf diese Weise ihr Judeln weißwaschen können.

Der symbolischste Moment bei all diesem intersektionalen Judeln war, daß die zwei „antirassistischen“ Verfärbten lahm darüber „oy vey“ jammern, daß all die anderen Juden zu „weiß“ seien und die genetische/biologische Grundlage von Rasse, und spezifisch des Judentums, als gegeben annehmen. In der Tat sind es die Hybriden, durch die sich die Giftigkeit des Judentums am deutlichsten äußert. Das jüdische Unterdrückungsnarrativ mutiert und spritzt auf mißliche Weise herum, während der Parasit verschiedene Wirte manipuliert und zu neuen überwechselt, was alles genau durch seine Judaformungsaktivität „Zionismus für mich, Chaos für dich“ notwendig gemacht wird.

Zum Schluß beachtet, daß keiner der oben verlinkten Artikel erwähnt, daß Juden Hollywood leiten und das Comic-Genre schufen, aus dem Wonder Woman und viele der neueren populären Filme sich ableiten. Hermans Dramatisiererei plaudert es beinahe aus. Die meisten Goyim erkennen es nicht, aber der Comic/Hollywood-Superheld ist eine jüdische Metapher, es ist das, wie Juden sich selbst vorstellen.

11. Juni 2017, Nathan Abrams, haaretz.com, The secret Jewish origins of Wonder Woman:

Juden strebten nach Unsichtbarkeit und mußten sich ihr „Weißsein“ verdienen. Es wurde ihnen erst widerwillig erteilt, als sie sich so weit assimiliert hatten, daß die von der Mainstream-Gesellschaft nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen wurden.

Aber all dies verfehlt das Wesentliche. Superhelden haben alle eine verschlüsselte jüdische Geschichte, ob sie nun von Juden erfunden wurden oder nicht. Frei nach dem großen amerikanischen Komiker Lenny Bruce: Wenn man ein Superheld ist, dann ist man jüdisch, selbst wenn man goyisch ist.

Wie all die anderen Juden bringt Abrams eine typisch jüdische Version der Geschichte vor und stellt seinen giftigen Stamm so dar, als hätte er keine Handlungsfähigkeit und somit keine Verantwortung für irgendetwas, selbst während er alles als aus ihnen entspringend und sich um sie drehend beschreibt.