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KenFM im Gespräch mit: Daniela Dahn („Wir sind der Staat!“)

Das Buch „Wir sind der Staat! – Warum Volk sein nicht genügt“ ist die brillanteste Demokratie-Analyse der letzten Jahre. Die Autorin Daniela Dahn versteht es meisterlich, die schwer angeschlagene Repräsentative Demokratie als das zu entlarven, was sie in Wahrheit ist. Eine Täuschung. Getäuscht wird die Bevölkerung.

Dass es dabei um politische Macht und wirtschaftlichen Einfluss einer sich selbst als Elite definierenden Gruppe geht, ist eine Binsenwahrheit, doch gelingt es Dahn in ihrem Buch aufzuzeigen, wie dies geschieht, mit welchen Tricks gearbeitet wird.

Ihr Buch leistet daher nicht nur das, was man Demaskierung nennen muss, sondern versteht sich auch als Aufforderung. Aufforderung zum Widerstand. „Occupy the Law“ ist Dahns Quintessenz, denn dass sich 1 % der Gesellschaft derart schamlos an der Leistung der 99 % bedienen kann, wird von selbstgestrickten Gesetzen „legalisiert“. Das Recht in diesem Fall nicht von „gerecht“ kommt, lässt sich nicht länger leugnen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer massiver auseinander.

Dank verrechtlichter Privilegien sorgt die Repräsentative Demokratie dafür, dass die Reichen immer reicher werden. Das von den Vermögenden installiere Betriebssystem ist bis ins Mark unfair.

Daniela Dahn spielt, wenn es um Herrschaftskritik geht, in einer Liga mit Noam Chomsky oder Stéphane Hessel. Auch Sie fordert die Bevölkerungen dazu auf, sich gegen die herrschenden verrechtlichten Privilegien aufzulehnen, bewusst Gesetze zu überschreiten, den zivilen Ungehorsam zu leben, wenn es darum geht, die Repräsentative Demokratie, eine Bevormundung, die heute vor allem durch sogenannte Finanzdienstleister ausgeübt wird, zu überwinden und durch echte Demokratie zu ersetzen.

Im Gespräch mit KenFM macht Daniela Dahn konkrete Vorschläge, wie die Überwindung des aktuellen Herrschaftssystems gelingen kann. Natürlich geht es zu Anfang des Gesprächs auch um die Bundestagswahl 2017. Wer hat hier eigentlich versagt und wer wurde abgewatscht? Wie kann es sein, dass in einem Land, das den größten Niedriglohnsektor Europas errichtet hat, eine Zone der Ausbeutung, die betroffenen Massen sich eher der AfD und FDP zuwenden, anstatt ihre Stimme den Linken zu geben? Wie ist dieser Vertrauensverlust zu erklären? Daniela Dahn nimmt kein Blatt vor den Mund.

Inhaltsübersicht:

00:01:02 Bundestagswahl 2017: Wie erklärt sich der Erfolg der AfD?

00:04:55 Über das Feedback zum Buch und praktiziertes Unrecht des Staates: Der Jugoslawien-Krieg als Schlüsselerlebnis

00:14:02 Wer ist der Souverän? Und wie verhält es sich mit der Gewaltenteilung in der Demokratie?

00:19:39 Der Staat als Herrschaftsinstrument

00:27:31 Demokratie oder Mogelpackung? Wie das Römische Recht bis heute unser (juristisches) Denken prägt

00:31:25 Umgang mit der Krise: Merkel und die Banken – Merkel und die Flüchtlinge

00:43:14 Logik des Privateigentums: Wie sich Staatseigentum damals und heute definiert

00:49:12 Gemeinwohl-Ökonomie als Gegenentwurf

00:53:09 „Occupy the Law“: Die Eroberung der Gesetz-und Verfassungsgebung (Porto Alegre, Berliner Wassertisch)

00:59:19 Wie frei ist das „Freie Mandat“ und was sind die Unterschiede zum „Räte-Mandat“?

01:07:21 Selbstermächtigung: „Empört Euch!“ und „Emanzipiert Euch!“

01:16:11 Die Rolle der Medien und was sich als Wahrheit etabliert: Berichterstattung über Venezuela und die Ukraine

01:26:18 Wie können wir souverän werden?