Krasse kranke Kasse in Germany

von Lutz Mark

Schlaglicht: Der 39jährige Rumäne – nennen wir ihn Ion – hat einfach schlechte Zähne. Zuviel geraucht, abends oft nach dem Putzen noch was gefuttert, wie das eben so ist, wenn man an die Chipskrümel im Bett gewöhnt ist und man in einem Land mit nur sehr bedingter Krankenversicherungsleistung groß wird.

Ion hörte von einem Freund, der nach Deutschland gegangen war. Erst bekam der Geld für`s Nichtstun. Schwer zu glauben für Ion. Aber dann der Clou: Dieser Freund hatte auch schlechte Zähne und wollte endlich mal sehen, was man den Deutschen noch so alles abluxen kann. Die hätten eine krasse Krankenkasse. Beim Zahnarzt wollte man den Wohnungslosen nicht einfach so vorlassen. Da kam ihm die rettende Idee: Ich klaue etwas, komme in den Knast und jammere dann so lange, bis die mich zum Zahnarzt fahren.

Ion wollte die Räuberpistole zuerst nicht glauben. Bis ihn sein Freund mit blankweißer Kauleiste mit breitestem Dieter-Bohlen-Lächeln angrinste. Er sagte noch: Klau nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig. Sonst lassen sie dich vor dem Zahnarzttermin wieder raus.

Ion ging sofort Deutschland, nach Potsdam. In seiner Tasche ein Messer und eine fremde Kreditkarte. Beim Discounter am Hauptbahnhof langte er zu. Zigaretten und noch ein Billighandy, wert 64 Euro. An der Kasse wollte Ion nur ein Bier bezahlen. Er wartete. Die Polizei kam, fand Messer und Karte und nahm ihn mit.

Dann rutschte es aus ihm heraus. »Meine Herren, ich habe große Zahnschmerzen. Wohin können wir denn da fahren?« Zunächst brachten die Beamten Ion in eine Gesa, Gefangenensammelstelle. Nun hat die Staatsanwaltschaft das Wort. Es geht um ein beschleunigtes Verfahren. Frage nur, ob der Zahnarzt jetzt auch schnell machen muss und ob Ion davor oder danach in den Flieger nach Hause abgeschoben wird.

Für Ion ist das wichtig. Hierzulande müssen Patienten auf einen Facharzttermin schon mal ein halbes Jahr warten. Und ob dann die Kasse die neuen Zähne übernimmt, ist äußerst fraglich. Aber das gilt nicht für Ion. Blöd nur, dass die Sache mit dem Flieger eher nicht klappt. Brandenburg schiebt kaum ab und setzt mehr auf die freiwillige Heimreise. Das will er ja. Nur eben nicht auf eigene Kasse. Und nicht bevor die Zähne gerichtet sind. Sollte Ion also frühzeitig entlassen werden, wundern Sie sich nicht, wenn er neben ihnen an der Supermarktkasse steht und mit Messer und  fremder Kreditkarte ein Bier bezahlen will. Er weiß es nicht anders.


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