Langsam riecht es sehr nach Totalitarismus – und ich rede nicht von Russland

von F. William Engdahl
Übersetzung von FritztheCat

Wenn wir den Gestank all der Schritte so genau riechen können, die die NATO-Länder in den vergangenen Monaten unternommen haben, insbesondere in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, dann riechen wir den Gestank totalitärer Herrschaft. Einige würden es auch Faschismus nennen, der sich da klammheimlich über unsere Menschengrundrechte legt. Einige jüngste Beispiele lassen einen darüber nachdenken, in welche Richtung wir die Welt treiben lassen.

Beginnen wir mit einem sehr unheilvollen, bizarren, jesuitischen Interview, das der römisch-katholische Papst Franziskus am 7. Dezember einer belgischen Zeitung gab. Dort vergleicht er die, wie er sie nennt, verleumderischen Nachrichten mit etwas das er „die Abartigkeit der Koprophagie“ nennt.

Frage:

„Eine letzte Frage, Heiliger Vater, bezüglich der Medien: Wie schätzen Sie die Mittel der Kommunikation ein…“

Papst:

„Die Kommunikationsmedien haben eine sehr große Verantwortung … Es ist offensichtlich, da wir alle Sünder sind, dass auch die Medien … schaden können. … Sie können durch die Verleumdung versucht werden und daher zur Beleidigung, zum Besudeln von Menschen benutzt werden, besonders in der Welt der Politik.

Sie können als ein Mittel zur Diffamierung benutzt werden: Jeder Mensch hat das Recht auf einen guten Ruf, aber vielleicht hat er in seinem vergangenen Leben, oder vor zehn Jahren, ein Problem mit der Justiz gehabt, oder ein Problem in seinem Familienleben, und so etwas ans Licht zu bringen ist ernst und verletzend …

Das ist eine Sünde und sie ist verletzend. Was den Informationsmedien großen Schaden zufügen kann ist die Desinformation: Das ist, in Anbetracht einer jeden Situation, wenn man nur einen Teil der Wahrheit sagt und den Rest nicht. Das ist Desinformation …

Desinformation ist vermutlich der größte Schaden, den Medien anrichten können, wenn die Meinung in eine Richtung gelenkt wird, und der andere Teil der Wahrheit ausgeblendet wird. Ich glaube dass die Medien… kein Opfer – nicht beleidigend gemeint – der Abartigkeit der Koprophilie werden sollten, immer will man den Skandal kommunizieren … Und da die Menschen eine Neigung zu der Abartigkeit der Koprophagie haben, kann das sehr schaden.“

Koprophilie bezeichnet „den sexuellen Lustgewinn durch menschlichen Kot bzw. dessen Ausscheidungen“ Und Koprophagie ist der Verzehr von menschlichem Kot, wörtlich, Scheiße fressen.

Welche Menschen genau, Heiliger Vater, haben „eine Neigung zu der Abartigkeit der Koprophagie“? Ist das die vorherrschende Abartigkeit der menschlichen Rasse? Und falls nicht, warum ziehen Sie so einen geschmacklosen Vergleich zwischen dem Scheißefressen und Bürgern, die über Politiker und deren Missetaten lesen oder Medien die darüber berichten? Und wer soll entscheiden, ob die Verbreitung von faktischen Wahrheiten über die Vergangenheit politischer Figuren relevant ist oder nicht, damit die Wähler deren Charakter einordnen können? Ich würde sagen, die Kommentare sind ein perfektes Beispiel dafür was er gerne verurteilen würde.

Wenn es nur eine einmalige, locker dahingesagte Bemerkung einer religiösen Figur wäre, dann könnte man es so wie andere Behauptungen beiseite wischen, so wie Erklärung der Päpstlichen Unfehlbarkeit durch den Vatikan I am 18. Juli 1870. Aber genau wegen solchen Dogmen und dem Einfluss der römisch-katholischen Kirche in Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Lateinamerika sollten so unklare und gefährliche Bemerkungen ernst genommen werden. Als ein Signal dafür worauf die Meinungsfreiheit zusteuert.

„Fake News“

Der päpstliche Kommentar zu Koprophagie und Journalismus kommt während einer Explosion an Vorwürfen in den USA und der EU, Russland würde „Fake News“, wie es jetzt genannt wird, über Hillary Clinton in den US Medien mit Hilfe gewisser alternativer Medien platzieren. Robby Mook, Hillary Clintons ehemaliger Wahlkampfmanager sagte, „Fake News“ wären während des letzten US-Wahlkampfs ein „riesiges Problem“ gewesen:

„Ich glaube immer noch dass wir untersuchen sollten, was hier mit Russland geschah. Wir dürfen keine ausländischen, und ich würde hier sagen ausländische Aggressoren in unseren Wahlen dulden. Die Russen haben über Facebook und andere Firmen Fake News befördert, aber schauen Sie, wir hatten auch Breitbart News, die berüchtigt sind, Geschichten wie diese zu verbreiten:
http://edition.cnn.com/2016/12/01/politics/kellyanne-conway-robby-mook-fake-news-harvard/

Online-Storys, die behaupten, eine Washingtoner Pizzeria (Comet Ping Pong) wäre von der Kandidatin Hillary Clinton und ihrem Wahlkampfmanager John Podesta für Kindersex benutzt worden, der sogenannte „Pizzagate“-Skandal, diese Storys werden jetzt benutzt, um die öffentliche Meinung für eine Zensur des Internets und von Facebook und anderen Sozialer Medien aufzupeitschen.

Der altgediente New York Times-Reporter David Sanger schrieb am 9. Dezember einen vagen und anonymen Artikel („gemäß hochrangigen Regierungsquellen“) mit der Schlagzeile:

„Die USA kommen zu dem Schluss: Russland hat die Republikanische Partei gehackt, aber die Daten behalten“. Was wir hier sehen ist exakt die Art von Fake News, von der Hillary Clinton und der Papst reden. Aber es sind die Massenmedien des Establishments, die die Fälschungen begehen. (Anm.d.Ü.: Es stellt sich heraus, dass das RNC gar nicht gehackt wurde)

Die Vortäuschung wird von den höchsten Rängen der Massenmedien in Zusammenarbeit mit NATO-Kreisen und Geheimdiensten wie der CIA orchestriert. Sie haben die Büros der Massenmedien mit ihren Desinformations Agenten durchsetzt. Ganz so wie der frühere CIA-Chef William Colby angeblich einmal sagte:

„Die CIA hat in den großen Medien einen jeden mit Bedeutung in der Tasche.“

Dieser Feldzug wird weitergehen, wahrscheinlich mit ein paar Horrorgeschichten über einen Psychopathen, der eine Knarre nimmt, in die Comet Ping Pong Pizzeria stürmt und unschuldige Kunden erschießt. Weil es hieß, er habe in alternativen Medien über den Pädophilie-Ring gelesen. Es ist bereits passiert, aber der Mann hat nicht geschossen. Die Bevölkerung wird dahingehend manipuliert, eine extreme Zensur des Internets und anderer alternativer Medien zu akzeptieren. Etwas das vor einigen Monaten noch unvorstellbar war.

Wie in einem Räderwerk hat sich die „Fake News“-Kampagne in der Europäischen Union verbreitet. Nach ihrer Ankündigung, 2017 nochmals als Kanzlerin kandidieren zu wollen, hat Angela Merkel unheilvolle Worte geäußert. Dass eine Regierungszensur von unabhängigen, „populistischen“ (sic) Medien womöglich nötig sei:

„…dass heute Fakeseiten, Bots, Trolle Meinungsbilder verfälschen können, dass heute sich selbst regenerierende Meinungsverstärkungen durch bestimmte Algorithmen stattfinden, und wir müssen lernen uns damit auseinanderzusetzen.“

Sie erklärte:

„…müssen wir mit diesen Phänomenen umgehen und, wo notwendig, sie auch regeln. … Der Populismus und politische Extreme nehmen in den westlichen Demokratien zu…“

Ihre Bemerkungen folgten auf die Ankündigung von Google und Facebook, die Werbeeinnahmen von Nachrichtenseiten abzuschalten, die sie zu „Fake News“ erklärt haben.

In der EU, insbesondere in Deutschland, hat der Begriff Populismus einen negativen oder sogar faschistischen Beiklang, so wie in „rechtspopulistische Parteien“, die Merkels Politik der offenen Türen für Kriegsflüchtlinge ablehnen. Oder die heute nahezu alles ablehnen, was ihre Regierung der harten Hand auf den Tisch bringt.

Der Krieg gegen das Bargeld

Wenn wir jetzt langsam die heimliche Propaganda sehen, die uns auf eine ernsthafte Zerschlagung des einen freien Mediums, nämlich des Internets und verwandter Sozialer Medien vorbereitet, so sehen wir auch einen ebenso unheilvollen, ja totalitären Schritt: Die Akzeptanz zu schaffen für die Idee, dass wir das Recht auf Papiergeld aufgeben, was den privaten und oft korrupten Banken die totale Kontrolle über unser Geld gibt, und gleichzeitig den Regierungsbehörden die totale Kontrolle darüber, wo und wofür wir unser Geld ausgeben.

Das ist die sogenannte Bargeldlose Gesellschaft. Die für die Beseitigung des Bargelds angeführten Argumente sind: Es sei für die Konsumenten bequemer. Oder das würde das organisierte Verbrechen und die Steuervermeidung der Schattenwirtschaft sehr erschweren. In der EU hat Schweden praktisch schon das Bargeld abgeschafft. Die Bargeldzahlungen in Schweden betragen nur noch drei Prozent des nationalen Einkommens, verglichen mit neun Prozent in der Eurozone und sieben Prozent in den USA. Öffentliche Busse akzeptieren kein Bargeld. Drei der vier größten Banken in Schweden lassen den Bargeldverkehr in ihren Filialen auslaufen. Norwegen ist auf dem gleichen Weg.

In Frankreich sind heute Bargeld-Überweisungen über €1000 ohne ordentliche Dokumentation illegal. Frankreichs Finanzminister Michel Sapin hat nach den Charlie Hebdo-Attacken geklagt, die Attacken wären möglich gewesen, weil die Angreifer „mit Bargeld gefährliche Dinge kaufen konnten“. Kurz nach Charlie Hebdo hat er Kapitalverkehrskontrollen angekündigt, darunter die Kappung der Bargeldzahlungen von €3000 auf €1000, um „gegen den Gebrauch von Bargeld und die Anonymität in der französischen Wirtschaft zu kämpfen.“ In einer Eurozone mit hoher Inflation sind €1000 keine große Summe.

Sogar im konservativen Deutschland hat ein führendes Mitglied der Merkel-Koalition vorgeschlagen, bis zum Dezember 2018 den €500-Schein zu eliminieren und alle Bargeld-Transaktionen auf €5000 zu beschränken. Er argumentiert, Kriminelle und Terroristen könnten zu einfach handeln.

Und in den Vereinigten Staaten, wo die Kampagne Fahrt aufnimmt, den skeptischen Bürgern die bargeldlosen digitalen Banküberweisungen schmackhaft zu machen, verfolgt JP Morgan Chase, die größte und eine der kriminellsten Banken in den USA, eine Politik, die den Gebrauch von Bargeld in bestimmten Märkten einschränkt.

Die Bank untersagt Bargeldzahlungen für Kreditkarten, Hypotheken und Automobilkredite; und sie verbietet die Aufbewahrung „jeglichen Bargelds oder Münzen“ in ihren Bankschließfächern. Wenn Sie eine seltene Goldmünzensammlung besitzen, dann stecken Sie sie besser in die Matratze…

Negativzinsen und bargeldlose Bürger

Solange die Geldscheine und Münzen einer nationalen Währung die Grundlage einer Wirtschaft sind, können die Zentralbanken der USA, der EU und auch Japans keine ernsthaften Negativzinsen einführen, nichts was weit über das heutige Niveau der EZB und der Bank of Japan hinausgeht. Sollten die Zentralbanken-Zinssätze weit ins Negative gehen, dann würden die Banken die Kunden mit absurden Gebühren belasten, dafür dass die ihr Bargeld aufs Konto oder in eine Sparanlage dieser Banken stecken. Verständlicherweise würde die Menschen rebellieren und ihr Bargeld abheben um es in Gold oder andere feste, materielle Werte investieren.

Der Harvard-Ökonom und Mitglied des wirtschaftlichen Beratungs-Beirats der Federal Reserve, Kenneth Rogoff, ein Anwalt für den „Krieg gegen das Bargeld“, hat angemerkt, dass die Existenz von Bargeld „ein Störsignal einer Null-Grenze für den nominellen Zinssatz schafft“. In seinem Buch von 2016 „Der Fluch des Bargelds“, drängt Rogoff die Federal Reserve dazu, den $100 Schein auslaufen zu lassen, dann den $50 Schein, dann den $20 Schein, und nur noch kleine Werte im Umlauf zu lassen. Etwa in der Art wie es Modi gerade in Indien gemacht hat.

Jeder seriöse Beobachter der Weltwirtschaft, insbesondere in den NATO-Ländern in Europa und Nordamerika, müsste seit der Finanzkrise im September 2008 erkennen, dass der gegenwärtige Status Quo mit den Nullzinsen oder Negativzinsen der Zentralbanken (um die Banken und die Finanzmärkte zu stabilisieren) nicht von Dauer sein kann. Solange halt das Bargeld noch nicht eliminiert ist.

Am 5. April 1933 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102, die „das Horten von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten auf dem Festland der USA verbietet.“ Das wurde von Vielen zu Recht als glatter Diebstahl verurteilt, die Konfiszierung von privat gehaltenem Gold durch die Regierung.

Solch radikale Lösungen wie sie Präsident Roosevelt 1933 umsetzte, werden für die großen Banker der Wall Street und der City of London immer attraktiver, wenn auch auf monetäre Art, da Gold nicht mehr dominiert. Anstatt das Gold der Bürger zu konfiszieren, müssen die Götter des Geldes einen anderen Weg finden um das Geld der Bürger zu stehlen. Mit der Umsetzung eines „bargeldlosen“ Bankings, mit der Limitierung der Höchstmenge beim Geldabheben und der kompletten Eliminierung von Bargeld, so wie es die schwedischen Banken tun, hätten die Steuerbehörden eine perfekte Kontrolle über die Geldverwendung ihrer Bürger. Darüber hinaus könnte eine Regierung, so wie es FDR getan hat, mit irgendeinem nationalen Notstand Bargeld ab einer bestimmten Höhe besteuern lassen.

Wenn diese kühnen und radikalen Schritte voranschreiten, dann wird das auf CNN oder der NYT oder der Financial Times oder anderen Massenmedien natürlich nicht heftig attackiert werden, denn sie haben Verbindungen zu diesen kriminellen Finanzinstituten. Es wird in den alternativen Medien geschehen. Erinnern Sie sich daran, dass es die unkritischen New York Times und Washington (Kom)Post waren, die unkritisch die Fake News verbreitet haben, die 2003 zu der Kriegserklärung gegen den Irak geführt haben. Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen und zielte damit auf Washington. Dieser Krieg hat Tod und Zerstörung in einem unvorstellbaren Ausmaß gebracht Niemand hat sich zu der Zeit über Fake News beschwert.

Der Protest über Schritte zur Konfiszierung der Bankvermögen der Bürger würde von alternativen, unabhängigen Medien wie Zero Hedge und zahllosen anderen kommen. Vor kurzem haben US-Medien unkritisch eine angebliche Liste von „Fake News“ Blogs und Webseiten veröffentlicht, die von einer Assistenzprofessorin für Kommunikation am Merrimack College, einer Melissa Zimdars aufbereitet wurde. Zero Hedge ist auch dabei.

Es geht hier nicht um Werbung oder Nichtwerbung für irgendwelche alternativen Blogs oder Webseiten. Es geht um die grundlegende Freiheit von uns Allen, alle Meinungen und Analysen zu lesen und selbst zu entscheiden.

Nicht dass die Regierung entscheidet was ich lesen darf und was nicht.

Es geht um die Freiheit, meine Kaufentscheidungen privat zu halten und keine digitalen Spuren zu hinterlassen, die meine Bank an die Steuerbehörden oder die Homeland Security oder das FBI übermittelt, oder an Persönlichkeitsprofile erstellende Konsum-Konzerne. Eine Kontrolle der öffentlichen Kommunikation und eine Kontrolle des privaten Geldes wären große Schritte zur Schaffung eines perfekten totalitären Staats. Ich würde sagen, das ist keine gute Idee.


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