Löcher in der Matrix – Vorbereitung für den Bankrun

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

Der Umstand, dass wir nicht jede Woche etwas Neues über die Zurückdrängung des Bargelds und die Unterstützung des Banksektors in der Eurozone hören, sollte nicht zu dem Fehlschluss verleiten, dass diese Projekte eingeschlafen wären. Das Gegenteil ist der Fall…

Die unheilige Allianz aus Politik und Finanzunternehmen hat sich hier definitiv nicht auf einen Sprint, sondern auf einen Marathonlauf eingerichtet. Eigentlich ist es sogar eher ein „Iron Man“, denn es wird mit unterschiedlichen Mitteln und an verschiedenen Fronten gekämpft. Die Mühlen mahlen vielleicht langsam, aber sie mahlen – unaufhörlich.

Manchmal hört man aber auch deshalb nichts, weil nicht jeder Zwischenspurt an die große Glocke gehängt wird. So stieß eine Reuters-Meldung, wonach die EU dabei sei, den rechtlichen Rahmen für mögliche Kontensperrungen zur Verhinderung künftiger Bankruns zu schaffen, vor allem in der ausländischen Presse auf Beachtung. Auch kritische Nachrichtenportale erkannten die Bedeutung des Themas und nahmen den Faden auf.

Der Staatsfunk gab sich dagegen zurückhaltend. So viel Realismus zum Zustand des Banksystems wollte man wohl niemandem zumuten. Schließlich war der Vorgang ja auch gar nicht für die Augen und Ohren des Publikums bestimmt, denn Reuters zitierte aus einem internen Papier. Worum geht es?

Bei Gefahr eines Bankruns sollen Kontoauszahlungen für fünf Arbeitstage unterbunden werden können. „Unter außergewöhnlichen Umständen“ ist eine Verlängerung dieser Sperre auf bis zu 20 Tage geplant. Offenbar wird unter EU-Bürokraten zwischen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Bankruns unterschieden, was einmal mehr die ganze Weltfremdheit dieser Spezies dokumentiert. Die Sperre soll im Übrigen auch für Konten mit Guthaben von weniger als 100.000 EUR gelten.

Das Vorpreschen der Estnischen Ratspräsidentschaft ist durchaus als ein solcher Zwischenspurt zu sehen. Allerings ist die Angelegenheit noch nicht ganz eingetütet, denn Bankkunden – darauf verweisen Kritiker – werden dann schon beim ersten Gerücht ihr Geld abziehen, weil ja die Kontensperre droht. Das aber erzeugt weniger und nicht mehr Stabilität.

Die deutsche Regierung unterstützt diesen Vorschlag dennoch, wie praktisch jede Idee, die hinreichend bürgerfeindlich ist.

Übrigens: Die Summe der faulen Kredite innerhalb der EU wurde per Ende 2016 mit einem Volumen von knapp 1,1 Billionen EUR angegeben, womit klar sein dürfte, warum das Thema auf der Tagesordnung landete. Gewiss, die Finanzkrise ist überwunden, und das war auch schon die ganze Pointe.

Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor


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