„Luxus-Asyl“ in Eckental

von blu-News

„The Peoples Projekt“. So der Name des Reihenhaus-Neubau-Projektes eines findigen Immobilienentwicklers, der für Immigranten in der mittelfränkischen Gemeinde Eckental sechs Reihenhäuser errichten will. Zum einen fange Integration bei menschenwürdigem Wohnraum an, zum anderen seien für den Steuerzahler Neubauten für Immigranten billiger als heruntergekommene Altimmobilien.

84ba65551Im mittelfränkischen Eckental im Kreis Erlangen will der Immobilienentwickler Markus Gildner „ein Zeichen setzen“ und investiert in den Neubau von sechs doppelstöckigen Reihenhäusern, in die nach Fertigstellung bis Ende diesen Jahres 60 Asylbewerber einziehen sollen. „Erfolgreiche Integration fängt bei Unterbringung in menschenwürdigem Wohnraum an.“ Auf seiner Homepage macht sich der findige Bauunternehmer unter dem als Privatinitiative ausgegebenen The Peoples Project für eine „erfolgreiche und schnelle Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen” stark.

Dass für den angeblichen Philanthropen Gildner wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend sein dürften, ist für die zuständigen Politiker und Behörden von zweitrangiger Bedeutung. Die Neubauten, nach modernstem Standard errichtet, seien nach dem Wegzug der Immigranten für den freien Wohnungsmarkt nutzbar, so eines der Argumente.

Anwohner wurden überrumpelt

Weniger positiv hingegen sieht die Eckentaler Bevölkerung dem „Luxus-Asyl“, wie die Investition von Markus Gildner bereits betitelt wird, entgegen. Man sei überrumpelt worden, so die Klage der Anwohner laut einem Bericht des BR. Erst als die Rohbauarbeiten begonnen wurden, haben die Bürger erfahren, dass in ihrer Nachbarschaft eine Unterkunft für Immigranten entstehen soll.

Darüber hinaus habe das Grundstück, auf dem nun die neue „Flüchtlingsunterkunft” entstehen soll, nicht zum Verkauf gestanden. Es sei mit Lacken und anderen Giftstoffen durch eine Schreinerei, die sich früher auf dem Gelände befunden hatte, verunreinigt. So jedenfalls die Begründung die gegenüber vorherigen Kaufinteressenten benannt wurde. Auf Anfrage des BR erklärte die Sparkasse Fürth, die Vorbesitzerin des Grundstücks, dass ein Bodengutachten aus dem Jahr 2004 keine Belastung festgestellt habe. Außerdem habe es außer Markus Gildner keine weiteren Interessenten für das Grundstück gegeben.

Bauherr Gildner hatte, ohne dass die Gemeinde Eckental von ihm oder der Bezirksregierung informiert wurde, mit der Regierung von Mittelfranken einen Vertrag darüber geschlossen, dass die von ihm errichteten Häuser auf zehn Jahre als Immigrantenunterkünfte zur Verfügung stehen. Der Darstellung der Gemeinde Eckental indes widerspricht auf BR-Nachfrage die Regierung von Mittelfranken. Die Behörde sei davon ausgegangen, dass sich der Investor Gildner mit der Gemeinde im Dialog befände.

Eine herbe Enttäuschung

Das dem nicht so ist, zeigt sich im heftigen Widerstand der Eckentaler Bevölkerung. Rund 200 Eckentaler reichten eine Petition gegen die Unterkunft ein. Gildner zeigt sich laut BR-Angaben überrascht. Die Angriffe träfen ihn völlig unerwartet. Das ganze Projekt sei von der Grundidee auf Harmonie und erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ausgerichtet. Dass jetzt ausgerechnet dies für Unmut sorge, sei eine herbe Enttäuschung, so Gildner.

Die zunehmende Kritik am „Luxus-Asyl“ scheint sich für den findige Investor Markus Gildner indes nicht negativ auszuwirken, da für ihn, wie der BR berichtet, das Eckentaler Projekt und die damit verbundene Medienaufmerksamkeit als Gratis-Werbung für weitere Bauvorhaben fungiere. Denn Gildner plant bereits weitere „Neubauprojekte für Flüchtlinge” in ganz Bayern und bietet seine Unterstützung „Bezirksregierungen, Landratsämtern und Kommunen bei der Wahrnehmung ihrer rechtlichen Aufgaben zur Bereitstellung von menschenwürdigem Wohnraum” an.  Insbesondere Asylbewerber und Flüchtlinge, anerkannte Flüchtlinge aber auch sozial bedürftige Bürgerinnen und Bürger sollen durch seine architektonische Initiative „Versöhnung mit dem eigenen Schicksal” erfahren.  Wo er ähnliche schicksalsversöhnende „Luxus-Unterkünfte“ plant, lies Gildner zunächst offen. (BS)


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