Marinaleda: Willkommen im Anti-Kapitalismus

Von Florian Müller

Die kleine Stadt Marinaleda hat 2.700 Einwohner und liegt in der sonst hauptsächlich als Ferienregion bekannten Region Andalusien. Im Campina-Tal gelegenen wirkt die Stadt eher unscheinbar, obwohl sie durch ihren Charakter touristisch sehr attraktiv ist.

marinaleda-670x249Abgesehen vom Tourismus leidet die südlichste Region Spaniens an Armut und Arbeitslosigkeit. Knapp 700.000 Gebäude stehen nach der Banken- und Wirtschaftskrise leer. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 37%, unter jungen Menschen sind es sogar erschreckende 55%.

Marinaleda hat sich für einen anderen Weg entschieden.

Mit der Krise 2008 hat sich die Stadt unter Leitung des Bürgermeisters Juan Manuel Sanchez Gordillo auf einen anti-kapitalistischen Weg begeben und konnte dadurch der Krise trotzen. Heute braucht es quasi keine Polizei, es gibt keine Verbrechen und keine Arbeitslosigkeit.

“Es gibt viele Familien, die sich keine ausreichende Ernährung leisten können. Im 21. Jahrhundert ist das ein Schande. Nahrung ist ein Recht und nicht etwas, auf das man spekuliert,” sagte Gordillo im Kontext einer Robin Hood ähnlichen FoodBank Aktion.

Vor allem die Farming-Kooperative hat die Kleinstadt vor dem finanziellen Ruin gerettet. Die umliegenden Hügel sind von saftig grünen Olivenbäumen und goldgelben Weizenfeldern gekennzeichnet. Das Land gehört nun nach längeren Streitigkeiten mit Privatgrundbesitzern der Gemeinde.

Alle in der Kooperative beteiligten bekommen unabhängig von ihrer Position das gleiche Gehalt von €47/Tag oder €1.128 im Monat für eine 35h Woche. Dieser Monatsbetrag gilt auch für alle anderen Bereiche. Zum Vergleich: Der Mindestlohn in Spanien liegt bei €600. In einer Region, in der rund ⅓ der Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen sind, scheint die Vollbeschäftigung durch dieses Konzept wie ein Wunder.

Auch das Wohnen unterliegt einem besonderen Konzept: Jeder, der Bauen will, darf das unter folgenden Auflagen: Material und Arbeiter werden von der Gemeinde gestellt, die Hausbauer müssen mithelfen, und die Miete kostet die Besitzer Lebenslang €15/Monat, mit der Auflage, das Grundstück nicht privat zu veräußern.

Gordillo ist überzeugt, dass dieses Modell auch auf andere Städte übertragbar ist. Marinaleda zeigt aber vor allem eine Alternative auf in Zeiten, in denen vieles als alternativlos gilt.

* Das Bild ist der Quelle von Livetravelenjoy.com entnommen. Das Zitat ist frei aus dem Englischen übersetzt.

Quellen:
http://www.voxeurop.eu/en/content/article/2601741-workers-cooperative-defies-crisis
http://www.filmsforaction.org/articles/welcome-to-marinaleda-the-spanish-anticapitalist-town-with-equal-wage-full-employment-and-19-housing/
http://www.livetravelenjoy.com/a-city-where-everyone-works-there-is-no-police-and-the-salary-is-1200-euros/


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