Massive Nato-Aufrüstung beschlossen: Bis zu 10 000 Nato-Soldaten in Polen möglich

von ET

Die Zeichen beim Nato-Gipfel in Warschau stehen auf Aufrüstung. Tausende Nato-Soldaten werden nach Polen entsandt. Es werden künftig auch Nato-Einsätze in Afghanistan und dem Irak stattfinden. Darüber hinaus werden sich die Staatschefs auch auf den Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen verständigen.

Der polnische Außenminister Witold Waszczykowski sieht die Sicherheit seines Landes durch die Beschlüsse des Warschauer Nato-Gipfels wesentlich gestärkt.

Es sei klar, dass ein Bataillon von etwa 1000 Soldaten im Ernstfall eine Armee nicht aufhalten könne, sagte er in Warschau. Wenn Polen aber diese Einheit mit anderen Truppen zusammenlege, sei das eine ernsthafte Streittruppe. Im Zuge internationaler Militärübungen könnten sogar rund 10 000 US- und Nato-Soldaten in Polen stationiert sein.

Die Nato-Staats- und Regierungschefs werden sich heute auch auf ein verstärktes Engagement im „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ verständigen. Zum Abschluss des Bündnis-Gipfels in Warschau soll unter anderem der Weg für den Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen geebnet werden.

Zudem ist geplant, eine neue Ausbildungsmission im Irak zu starten. Die Streitkräfte des Landes sollen so in die Lage versetzt werden, effektiver als bisher gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorzugehen. Bekräftigen will die Nato ihr Engagement in Afghanistan.

Am Nachmittag rückt die Ukraine ins Zentrum der Gespräche. Nach Beendigung des eigentlichen Gipfels will Bundeskanzlerin Angela Merkel in kleinerer Runde über den Konflikt beraten. Dazu kommt sie mit US-Präsident Barack Obama, dem britischen Premierminister David Cameron, Frankreichs Präsidenten François Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi zusammen. Teilnehmen wird auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.

Das krisengeschüttelte Land dringt auf einen raschen Beitritt zur Nato. US-Außenminister John Kerry hatte den Bestrebungen jedoch kurz vor dem Gipfel bei einem Besuch in Kiew einen Dämpfer erteilt.

Am ersten Gipfeltag hatte die Nato beschlossen, erstmals in großem Stil Truppen zur angeblichen Abschreckung Russlands nach Osteuropa zu verlegen. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer verständigten sich am Freitag auf die Stationierung von jeweils einem Bataillon mit etwa 1000 Soldaten in Polen, Lettland, Litauen und Estland – alles Nachbarländer Russlands, die sich bedroht fühlen. Die Bundeswehr übernimmt eine Führungsrolle und soll mit etwa 500 Soldaten das Bataillon in Litauen anführen.

Litauens Außenminister begrüßte die Truppenverlegungen. Linas Linkevičius sagte der Deutschen Presse-Agentur aber auch:

„Tausend Soldaten sind natürlich nicht genug.“

Durch die Nato-Aufstockung im Osten könne bei Krisen jedoch schnell Verstärkung anrücken, sagte Linkevičius. Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, dass mit einer weiteren Aufstockung im Osten nicht zu rechnen sei.

Nach Angaben des litauischen Außenministeriums wird Deutschland etwa 500 Soldaten in das Land schicken. Wo die Truppen stationiert werden, ist noch unklar. In dem Staat, der etwa die Größe Bayerns hat, sei jedoch kein Ort weiter als 250 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, hieß es. (dpa/so)


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