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Michael Winkler: Bring deinen Nachbar an den Bettelstab

Im 16. bis 18. Jahrhundert gab es eine Wirtschaftspolitik, die Merkantilismus genannt wurde. Dahinter steckte der Gedanke, wenn ein Staat sich verhalte wie ein Kaufmann (lateinisch: Mercator), also möglichst viel produziere und verkaufe, um soviel Geld wie möglich einzunehmen, würde der Staat reich.

Solange nur begrenzt viele Zahlungsmittel, damals Edelmetalle, zur Verfügung stehen, kann man diese Strategie auch „beggar thy neighbor“ nennen, frei übersetzt: Bring deinen Nachbar an den Bettelstab. Wenn diese Strategie den maximalen Erfolg erzielt, bricht die Wirtschaft im erfolgreichen Land zusammen, weil alles Gold in diesem Land angekommen ist und die Nachbarn mangels Gold nichts mehr kaufen können.

Der Merkantilismus war schon zu seiner Hochzeit keine allzu gute Idee, in Zeiten des unbegrenzt verfügbaren Papiergeldes ist er eine noch weitaus schlechtere Idee. Wenn die Gegenseite das Geld bündelweise druckt und damit alle Waren bezahlt, wird das zu einem „beggar thyself“, frei übersetzt: Beute dich aus bis aufs Blut.

Das Papier, mit dem das Ausland bezahlt, läßt sich in beliebigen Mengen herstellen. Diese Aufblähung der Geldmenge nennt sich Inflation; sie führt dazu, daß das gehortete Geld ständig an Wert verliert. Der Staat, der gewaltige Exportüberschüsse erzielt, wird nicht reich, wenn er dieses Geld hortet, denn der Wert dieses gehorteten Geldes löst sich auf. Wer das Geld hingegen umgehend wieder ausgibt, der erzielt den maximalen realen Gewinn.

Exportüberschüsse gegen Papiergeld, genauer gegen ein paar Bits und Bytes auf einem Konto, das ein Computer führt, sind Tributzahlungen. Die Arbeitsleistung eines Volkes wird gegen eine Geldillusion verschleudert. Vor diesem Hintergrund muß man die euphorischen Erfolgsmeldungen sehen, daß die BRD mit Rekord-Exporten Rekord-Handelsbilanzüberschüsse erzielt.

Laut Statistik gibt es in Merkeldeutschland 1,064 Millionen offene Stellen. Für 20%, also 200.000 Arbeitsplätze, ist keinerlei Qualifikation erforderlich. Da stellt sich die Frage nach dem Warum. Merkels geschätzte Gäste wollen doch angeblich alle arbeiten?

Gerade jene, die zufällig keine Raketeningenieure, Quantenphysiker oder Neurochirurgen sind, also 99,9%, sollten da etwas finden. Klappt die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Migrationsförderung und der Bundesagentur zu Verschleierung der Arbeitslosigkeit derart schlecht?

Quelle: Michael Winkler


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