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Michael Winkler: Was Politiker und Tauben gemeinsam haben

Vor einer Woche ist Heiner Geißler gestorben. Das war DIE Tagesmeldung, der Aufmacher aller Nachrichten. Am Tag danach war dies bereits vergessen. Das zeigt deutlich die Schnellebigkeit unserer Zeit und die tatsächliche Wichtigkeit der Volldemokraten. Von einem Festakt oder einer öffentlichen Aufbahrung wurde nirgendwo berichtet. Das „unvergeßlich“ und das „ein schwerer Verlust“ in Todesmeldungen wird damit zur hohlen Phrase degradiert, genauso wohlfeil wie das Wort „menschenverachtend“.

Die Verwendung scheinbar starker und aussagekräftiger Wörter überspielt dabei die Gedankenlosigkeit dessen, der sie verwendet, stellt sein mangelndes Gespür für die deutsche Sprache bloß. Früher hat ein Politiker Rhetorik studiert, den Umgang mit Worten wie mit einem Florett. Heute sind die Bürger diese Mühe nicht mehr wert, aus dem eleganten Florett ist ein ebenso plumper wie primitiver Holzknüppel geworden.

Der Haushalt des amerikanischen Kriegsministeriums steigt im neuen Fiskaljahr auf 700 Milliarden Dollar. Mit diesem Geld könnte man sicher andere Dinge tun, beispielsweise jedem Berliner ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 13.800 Euro pro Monat bezahlen. Oder man rechnet in Geldwert von 1913 um. Da entsprechen die 700 Milliarden heutige Dollar 46,45 Milliarden damaliger Goldmark.

Mit der Information, daß der Erste Weltkrieg in gut vier Jahren das Deutsche Reich insgesamt etwa 160 Milliarden Reichsmark gekostet hat, führt die USA heute, mitten im Frieden, einen Weltkrieg. Deshalb habe ich nicht „Verteidigungsministerium“ geschrieben.

Wenn ich am Sonntag zum Bundeskanzler gewählt werde, verspreche ich jedem Deutschen eine Million Euro aus der Staatskasse. Ja, wie, ich bin gar nicht aufgestellt? Na gut, ich verspreche zweieinhalb Millionen. Martin Schulz kann das genauso, der verspricht mehr Gewicht auf die Pflege zu legen, also mehr Personal und höhere Löhne, als Bundeskanzler.

Zu meinem Versprechen gibt es nur zwei kleine Unterschiede. Zum einen tritt Martin Schulz tatsächlich an, zum anderen war für die Pflege in den letzten vier Jahren die Sozialministerin zuständig, die also durchaus etwas hätte verbessern können. Wer das ist? Schulzens Parteifreundin, Andrea Nahles, SPD. So viel zum Punkt Gerechtigkeit. Und ja, für die so beklagenswert niedrigen Renten ist diese Dame ebenfalls zuständig.

Was Politiker und Tauben gemeinsam haben? Sind sie unten, fressen sie Dir aus der Hand, sind sie oben, scheißen sie Dir auf den Kopf.

Im Moment sind sie noch unten, sie geben sich interessiert, sie hören zu, versprechen alle Probleme zu lösen, die man ihnen vorträgt. Daran erkennen wir, daß es vor der Wahl ist.

Nach der Wahl – das ist NICHT am 24. September, sondern erst am 15. Oktober, nach den Wahlen in Niedersachsen – legen die Herrschaften los. Wir haben folglich noch ein bißchen Zeit, bevor die Volksverräter wieder ihr Handwerk aufnehmen. In dieser Zeit wird hinter geschlossenen Türen über Koalitionen verhandelt. Trotz dieser Gnadenfrist: Am 24. September, 18:01 Uhr, sind die Weichen für den totalen Merkelstaat gestellt.

Quelle: Michael Winkler