Michael Winkler: Wir sind ein Staat zweierlei Rechte geworden

Die Ausstellung des Herrn Götz Wiedenroth ist vorläufig abgesagt, weil die Universität Flensburg ihre Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stellen will. Dies ist der dezente Unterschied zwischen Nationalsozialisten und Demokraten: Die einen haben die politisch unerwünschten Bilder noch gezeigt, sie aber als „Entartete Kunst“ bezeichnet, die Demokraten erachten das Publikum für zu unmündig, um sich das überhaupt anzusehen.

Originalton der Volksbevormunder:

„An der Europa-Universität Flensburg, die sich in ihrem Leitbild auf „Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Vielfalt“ verpflichtet hat, gibt es keinen Raum für antisemitische, fremden-, frauen- und islamfeindliche Inhalte. Die Karikaturen von Götz Wiedenroth machen sich für Positionen stark, die an der EUF keine Heimat haben; die Universität ist nicht bereit, diese Positionen durch eine Ausstellung zu unterstützen.“

Ich kann mir lebhaft vorstellen, was da im Hintergrund gelaufen ist. Herr Wiedenroth ist ein aus den lokalen Zeitungen bekannter Künstler, weshalb man ihm zunächst die Ausstellung zugesagt hat. Das hat den einen oder anderen Blockwart auf den Plan gerufen, dem abweichende oder gar politisch inkorrekte Meinungen grundsätzlich Greuel sind, die um jeden Preis unterdrückt werden müssen.

Diese Herrschaften haben dann angefangen zu intrigieren und zu denunzieren, bis es zu dieser Absage der Räumlichkeiten gekommen ist. Der gleiche Ungeist, der 1937 Juden verbannt hätte, verbannt 2017 erneut unerwünschte Künstler, nur daß er diesmal behauptet: „Ich bin der Antifaschismus!“ Hitlers willige Helfer sind nach wie vor unter uns, sie haben aus der Geschichte nichts gelernt.

Hoffen wir, daß die Ausstellung trotzdem stattfindet, wenn auch nicht dort, wo akademischer Freigeist in Meinungsdiktatur umgeschlagen ist.

Wir sind sowieso ein Staat zweierlei Rechte geworden.

Wenn fünf Leute, die sich in einer Kneipe getroffen haben, anschließend die ersten hundert Meter gemeinschaftlich und friedlich nach Hause gehen, konstruiert ein Staatsanwalt eine nicht angemeldete Demonstration, inklusive Landfriedensbruch, wenn er glaubt, es mit „Rechten“ oder gar „Reichsbürgern“ zu tun zu haben. Wenn hingegen 8.000 Linke aufmarschieren, vielfach vermummt, oft randalierend, dann schert sich kein einziger Beamter darum, daß diese Demonstration nicht angemeldet ist. „Die Polizei war doch vor Ort“, begründet der Berliner Polizeichef den Vorgang. Sachschäden und Verletzte sind da nur Bagatellen, die wollten nur ein bißchen spielen.

17 Angeklagte, 34 Verteidiger, fast 1000 Seiten Anklage, 337 Verhandlungstage und alles für die Katz. Das Landgericht Koblenz hat einen Mammut-Prozeß geführt, wegen dem, was Linke so machen: ein paar Körperverletzungen, ein paar aufgeschmierte Hakenkreuze, eine nicht angemeldete Demonstration und versuchte Brandanschläge auf Autos. Moment, versuchte Brandanschläge? Wenn Linke zündeln, brennen die Autos wirklich! Bei Linken hätte es nur eine freundschaftliche Ermahnung vom Amtsrichter gegeben, also müssen es „Rechte“ sein, die von der Justiz mit allen Bösartigkeiten der Richterkunst niedergeprügelt werden sollen.

Nur, leider, hat der zuständige Richter das in die Länge ziehen und Prozeßkosten erzeugen ein wenig übertrieben. Der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen muß völlig überraschend Ende Juni mit Erreichen der Altersgrenze laut Gesetz aus dem Dienst scheiden. Das kam bestimmt noch plötzlicher als dieses verdammte Weihnachten, das über die ahnungslose Bevölkerung hereinbricht. Der vorsitzende Richter kann leider nicht ausgewechselt werden, und richtig Ranklotzen geht ja gar nicht. Also muß der Prozeß von vorne losgehen.

Der Beamte ist eben im falschen Verein. Ich habe kürzlich ein Schreiben von der Rentenkasse erhalten, daß ich mich ab dem 1. August 2023 als Ruheständler ansehen dürfe. Mich kann die Rente also nicht überraschen. Oder doch – wenn es 2023 tatsächlich noch eine Rentenversicherung geben sollte, die mir etwas auszahlt, werde ich sehr überrascht sein.

Quelle: Michael Winkler


Quelle und Kommentare hier:
Print Friendly, PDF & Email

Das könnte Dich auch interessieren: