München: Nichts ist wirklich aufgeklärt (Teil 1)

Ein unveröffentlichtes, mehrteiliges COMPACT-Interview zur Schießerei von München mit dem Journalisten Johann Jungen und dem Erfolgsautor Wolfgang Eggert. Wie immer sind die Investigativ-Journalisten auf der Suche nach den Antworten auf jene Fragen, welche sonst niemand stellen will – oder vielleicht aus Angst niemand stellen kann? Denn an der offiziellen Berichterstattung gibt es – wie so oft – berechtigte Zweifel. 

Teil 1: Wovor haben die Angst: Der informations-Blackout

COMPACT: Herr Jungen, Herr Eggert – COMPACT hat Sie mit viel Geld an die Investigativfront geschickt. Nicht ohne frühe Reue, denn der Münchner Amoklauf ist ja bereits aufgeklärt – dummerweise von den Kollegen der Mainstreammedien

  • Eggert:…. die an den Mündern der Polizeisprecher hängen wie die Bienen an frischknospenden Blüten. Schon klar.
  • Jungen: Nichts ist wirklich aufgeklärt.

COMPACT: Wie denn, wir haben das komplette Storyboard. Von vorne bis hinten. Da fehlt es an nichts.

  • Eggert: Ausser an Logik.
  • Jungen: Und an Bildbeweisen.

COMPACT: Nun mal halblang. Wir haben aussagekräftige Tätervideos. Und dazu jede Menge Bildfootage von Polizisten im Einsatz und Menschen in Panik

  • Eggert: …. was rein gar nichts über den Hintergrund des Ereignisses aussagt. Dieses Material könnte man auch unter einen Artikel über Fussball-Hooliganismus packen.

COMPACT: Die Tätervideos nicht!

  • Jungen: Und von denen haben wir genau zwei. Zwei fragwürdige.

COMPACT: Fragwürdige?

  • Jungen: Dazu kommen wir noch.
  • Eggert: Zwei youtubevideos a 2 Minuten. Bumms, Ende, Aus. Im größten deutschen Polizeieinsatz soweit man zurückdenken kann. 1000 Leute waren allein im „betroffenen“ Olympiaeinkaufszentrum, 90% vermutlich mit Handys ausgerüstet, mit denen diese Leute so ziehmlich alles filmen, was ihnen ungewöhnlich oder aussagekräftig erscheint: Schlafende Katzen, Rekordrülpser, Skateboardunfälle. Und keiner findet in der HighNoon-Mall sein Handy? Ich bitte Sie!
  • Jungen: Wir hatten vor zwei Wochen einen kompletten Öffentlichkeits-Blackout.
  • Eggert: Privat und von Seiten der Medien. Durchdenken Sie jeden einzelnen Punkt. Stoppen Sie nach jedem Satz und machen Sie eine Pause; zum Gehirnanwerfen: Es gibt ausser einem Kurzclip KEIN Bild und KEINEN Film durch Ortsanwesende von Gewalt VOR dem McDonald´s, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken. Es gibt KEIN Bild und KEINEN Film durch Ortsanwesende von Gewalt IM McDonald´s, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken. Es gibt KEIN Bild und KEINEN Film durch Ortsanwesende oder Journalisten von Leichenabtransporten AUS dem McDonald´s, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken. Es gibt KEIN Bild und KEINEN „Die-Szenerie-hinterher“ Film von Angestellten oder Journalisten AUS dem McDonald´s, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken.
  • Jungen: All das würde social credits bedeuten. Und Geld.
  • Eggert: Jetzt zum Einkaufszentrum: Es gibt KEIN Bild und KEINE Filmstrecken durch Ortsanwesende von den Vorgängen IM OEZ, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken. Es gibt KEINE nachanschlaglichen Bilder oder Filmstrecken durch Angestellte oder Journalisten AUS dem OEZ, weder in den Medien noch in den sozialen Netzwerken.
  • Jungen: Es gibt keine Medien-Augenzeugen-Interviews mit Zeugen aus dem McDonald´s, keine mit Zeugen vor dem McD, keine mit Zeugen im OEZ.

COMPACT: Doch, in DEM Fall schon, CNN hat da ein Interview gesendet

  • Eggert: In den USA, richtig. Augenzeugin „Lauretta“, noch am gleichen Abend ausgestrahlt, der Täter im McDonald´s habe „Allahu Akbar“ gerufen. Ist bekannt.
  • Jungen: Nur, bitte beachten: Das ist EIN Interview. EIN einziges.
  • Eggert: Ein noninvestigatives zudem. Bocksimpel. Die haben einfach alle Läden im OEZ und den Mäckie angerufen, in der Hoffnung dass irgendwo wer abhebt – und dann auch prompt wen an die Strippe gekriegt.
  • Jungen: Wie sie sagen.
  • Eggert: Ja, wie síe sagen. Fragt sich nur, warum „unsere“ deutschen Medien – Zeitungen, Radiostationen, TV-Kanäle – nicht genau das gleiche gemacht haben.

COMPACT: Haben sie vielleicht auch

  • Eggert: Wahrscheinlich sogar! Nur, jetzt Achtung: Warum hat dann keiner von denen sein Material gesendet? Keiner! Nicht einer! Von gefühlt 500 Redaktionen, in denen um 18.00 noch nicht alle Journalisten sternhagelvoll waren?? Und warum wurden am Tatabend in den sozialen Netzwerken gepostete URL-Links zum CNN-AugenzeugenBericht ratzfatz von oben gelöscht? Wer das Geschehen live auf Reddit verfolgt hat, wo Medienschlagzeilen und Privatberichte realtime gebracht wurden, der konnte mit eigenen Augen sehen, daß diese Zensurmassnahme immer wieder von verschiedenen Seiten beklagt wurde!
  • Jungen: Das Ganze geht ja noch weiter. Es gibt offenbar auch ein Redeverbot an OEZ-Angestellten. Ich habe dort versucht Interviews zu führen, über das was am 22. dort ablief, was die Angestellten gesehen oder nicht gesehen hatten. Jedesmal eine Abweisung. „Wir reden nicht.“ Dass die Leute von den Medien genug haben, gut, das kann man ja noch verstehen. Aber das, was mir da begegnete, das war etwas anderes. Die Leute hatten zum Teil klar erkenntbar ANGST! Da fragt man sich natürlich: WOVOR haben die Angst? Oder vor WEM? Und dann stehst Du im Verwaltungsbüro des OEZ und siehst einen glatten Durchschuss im Fenster. Und fragst Dich. Wo kommt der her? Die OEZ-Leitung hat diesen Volltreffer übrigens bald hinter Aufklebern versteckt. Am 2.8.2016 wurde dann eine neue Scheibe eingesetzt.

COMPACT: Die fehlenden Privataufnahmen lassen sich aber auch mit der Massenpanik erklären

  • Jungen: Die Sprechverbote aber nicht. Die journalistische Bilderfassung der Tatorte, die schulisch gesehen eine glatte 6 verdienen – also „ungenügend“ – können auch nicht erklärt werden.
  • Eggert: Dazu die auf mysteriösem Weg verschwundenen Bildstrecken aus dem Überwachungskameras. Kein Film, nichtmal ein Standbild AUS dem McDonald´s. Nichts VOR dem McDonald´s. Nichts aus dem OEZ.
  • Jungen: Der McDonald´s-Laden wurde erst abgeschirmt, dann abgesperrt, dann sichtverrammelt und wird jetzt grundrenoviert.
  • Eggert: Warum bekümmern sich die Medien um all das nicht? Warum werfen die nicht die Frage auf warum sämtliche Bilder aus den Überwachungskameras unter strengen Verschluss bleiben? Warum werden private, journalistische, überwachungstechnische und polizeiliche Aufnahmen gerade des oder der Tatverdächtigen aus den Medien herausgehalten? Sogar die Polizei bringt da gar nichts. Das grenzt an Tatverschleierung.

COMPACT: Welche Erklärung haben Sie dafür?

  • Eggert: Die einzig mögliche: Dass es, wenn nicht sogar im Vorfeld dann zumindest binnen Stundenfrist von ganz oben, aus Berlin, eine zentrale NotstandsOrder an die Medien gab, unmittelbare Zeugendokumente in Bild und Ton von der Berichtertattung auszuschliessen.

COMPACT: Warum sollte man sowas fordern?

  • Eggert: Diese Frage kann man auf zwei unterschiedlichen Ebenen beantworten. Auf der ehrlichen, der wahren, der eigentlichen. Und auf der nennbaren, der strategischen: „Aus Gründen der nationalen Sicherheit“, so liest sich das dann.
  • Jungen: …die aber von ein paar „Lone Gunmen“ nicht bedroht sein kann – schon gar nicht von einem einzelnen Amokläufer, auf den man sich ja bereits in der Nacht der Schiesserei festgelegt hat. Der rechtfertigt garantiert nicht den betriebenen Aufwand, den wir an diesem Tag gesehen haben: Polizei, Sondereinsatzkommandos, Feldjäger, ausländische Terrorspezialkräfte. All das wäre selbst bei 3 Amokschützen, von denen man zu Anfang noch ausging, definitiv „over the top“ gewesen. Wenn der Ablauf aber das war, was bereits nach Stunden zur offiziellen Version wurde – ein einzelner Wirrkopf – was will man dann erst bei einem konzertierten Terroranschlag machen? Die Atombombe abwerfen?

COMPACT: Was durfte dann Ihrer Meinung nach in München nicht gezeigt werden?

  • Jungen: Das ist die Frage. Die Kernfrage. Wer oder was wird hier vor der Öffentlichkeit abgeschirmt – und warum?
  • Eggert: Sagen wir´s so: Wir hatten eine Szenerie. Und sollten uns einmal fragen ob die nicht genau so bereits im voraus geplant gewesen ist.

Man braucht einen „Vorfall“: Wie man den Ernstfall unter Realbedingungen probt

COMPACT: Welche Szenerie?

  • Jungen: Der vermeintliche Notstand. Lokale und überregionale Einsatzkräfte, zusammengezogen. Nachschub aus Nürnberg. Alarm an alle Krankenhäuser, Anforderung von ärztlichen Fachkräften aus ganz Bayern. Die österreichischen Spezialeinheit Cobra, die trotz Wochenende und Feierabend sofort am Start war. Das alles kann bereits im voraus Teil einer übergeordneten Planung gewesen sein.
  • Eggert: Muss es sogar. Entsprechende Entwürfe gibt es. Seit einem halben Jahr nimmt die islamistische Terrorbedrohung zu. Nachrichten über schwerwiegende Übergriffe aus diesem Täterkreis kommen laufend rein, fast täglich.
  • Jungen: Und dagegen ordnen die Behörden bis rauf zur Bundesregierung mit der gleichen schönen Regelmässigkeit Sicherheitsübungen an. Die aber, wenn´s nicht grad um eine dörfliche Feuerwehrübung geht, meist nur auf dem Papier oder an Bildschirmen stattfinden. Also virtuell. Es ist logisch, dass da irgendwann mal von höchster Warte aus gefragt wird: Ist es nicht möglich, daß wir eine Terrorübungen einmal unter Realbedingungen ablaufen lassen? Es wäre sogar unverantwortlich, wenn diese Frage nicht gestellt würde.

COMPACT: Und das wäre dann in München passiert?

  • Eggert: Warum nicht? Früher oder später musste man so etwas einmal austesten. Das Zusammenwirken von Polizei und Militär befindet sich seit Wochen in Planung, wenn auch hochumstritten. Was schrieb die Mittelbayerische Zeitung vor dem Amoklauf? „Zu den neuen Aufgaben der Bundeswehr zählt auch eine im Inneren. Die Bundeswehr soll darauf vorbereitet werden, bei großangelegten Terroranschlägen zum Einsatz zu kommen. Dazu soll es Übungen mit der Polizei geben.“ Das war nur eine Woche vor der Schiesserei. Am Abend des 22. kommentiert dann eine Deutschlandexpertin im US-Fernsehen, unbeachtet des angeblichen Blutzolls, dass das, was da in München abliefe seine gute Seite für die Politik dort habe. Man könne nun den Ernstfall proben, unter realen Bedingungen.

COMPACT: „Angeblicher“ Blutzoll?

  • Eggert: Bei einer Übung fliesst kein echtes Blut.

COMPACT: Spielen Sie dieses Übungsszenario einmal durch

  • Eggert: Es ist relativ einfach gestrickt.
  • Jungen: Im Grunde hat es nur zwei Punkte, die grundsätzlich von der offiziellen Medienwahrheit abweichen. Die dann aber dutzende Fragen erklären, frappierende Widersprüchlichkeiten die die Medienwahrheit eben nicht beantworten kann oder erklären will. Warum? Weil man dann sofort zwangsläufig bei unserem Tatablauf landen würde!

COMPACT: Punkt 1?

  • Eggert: … ist wie gesagt das Übungsszenario. In diesem Fall nicht zuvor unterrichtete Einsatzkräfte – Polizei, Militär, Antiterroreinheiten, Krankenhäuser, medizinische Kräfte – ad hoc in einem Ort zusammenzuziehen und kooperien zu lassen. Das ist nun definitiv passiert, in einem Riesen-Umfang. Darüber müssen wir nicht streiten. Jetzt zum springenden Punkt: Um eine Übung auszulösen, um die ablaufen zu lassen gibt es immer ein angenommenes, auslösendes Ereignis. Man braucht einen „Vorfall“, einen gestageten Startschuss, unblutig versteht sich.
  • Jungen: Der aber den Eindruck macht, blutig zu sein
  • Eggert: …und den man sogar einem beliebigen Gegner in die Schuhe schieben kann. Das wäre die Erklärung für den völligen Bilderblackout am 22. Die Erklärung dafür, warum die Polizei im 10 Minutentakt die Ansage in die Sozialen Netzwerke drückte, dass es nicht erwünscht sei, Tat-, Tatort- und sogar Täterbilder ins Netz zu stellen. Wenn diese denn auftauchten wurden sie sofort gelöscht oder blockiert.
  • Jungen: Weil es keine Tatorte gab. Und auch keine Taten. Beziehungsweise unerwünschte Täter und Tathergänge.

COMPACT: Das erfordert zu viele Mitwisser

  • Jungen: Man braucht das Sicherheitskabinett. Das tatsächlich entlang der Schießerei tagte: 7 Personen. Dazu nochmal 7 weitere aus dem Geheimdienstbereich, als operierendes On-Spot-Team. Ein gutes Dutzend Leute. Ist das viel?

COMPACT: Eine überaus gewagte These

  • Eggert: Überhaupt nicht gewagt. Sowas hat´s in der Vergangenheit bewiesenermassen oft genug gegeben. Sogar blutig. In den USA, in England, in Belgien, in Italien und sonstwo. Googlen Sie Begriffe wie „Strategie der Spannung“ oder „Gladio“ und Sie werden fündig. Und da kam es auch über Jahrzehnte nicht raus. Das Problem war, dass diejenigen, deren Job es ist das rauszubekommen, also in erster Instanz gegnerische Geheimdienste, mit ihrem Wissen Druck ausüben konnten. Von daher ist so eine Aktion immer auch ein bisschen ein Spiel mit dem Feuer, auch in unserem Fall. Und das macht meiner Meinung nach erst den wirklichen Sprengsatz der Münchner Vorkomnisse aus.

COMPACT: Um das „fest“ zu machen brauchen Sie aber mehr als den Medienblackout

  • Eggert: Haben wir. Lehnen Sie sich zurück. Sie bekommen einen KomplettAblauf, der Ihnen alle Fragen beantwortet. Selbst die, die sie sich bisher nie gestellt haben.
  • Jungen: Beginnen wir mit der „Rahmenübung“. Ich nenne es jetzt mal so, das ist nicht der Fachterminus. So eine Rahmenübung ist neben dem Anlass eine von zwei Grundvoraussetzung für eine Ernstfallübung, die sich selbst ernst nimmt und damit den Restwortstamm fallen lässt, die also „scharf“ wird. Diese militärische Sonder-Bereitschaft hatten wir in München bereits 3 Tage vor dem 22. Die Bundespolizei hat da in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß Hubschrauber-Staffelflüge über der Stadt abgehalten. Dem Bürger, dem das natürlich irgendwann auffiel, wurde erklärt, man probe in einem größeren Zeitfenster, von ca. 3 Wochen war die Rede, zum Thema Bergrettung. Macht das Sinn, dass dafür ganze Geschwader an die Münchner Peripherie gezogen werden, statt auf einen Fliegerhorst am Alpenrand Stellung zu beziehen? Nein. Natürlich nicht. Selbst die Behauptung, München sei lediglich ein vorgelagerter Ankerplatz gewesen dürfte nicht stimmen, denn die Helikopter kreisten täglich über der Stadt. Einer sogar unmittelbar vor den ersten Schüssen direkt über dem OEZ. Die Übung lief dann – das ist das eigentlich wichtige – nahtlos in das Ernstfallgeschehen hinein.

COMPACT: Inwiefern?

  • Eggert: Im München wurden in wenigen Stunden über 2000 Polizisten und unzählige Rettungskräfte gebraucht. Viele davon von weit ausserhalb. Die waren so schnell da, daß sie kaum über die Autobahn gekommen sein können. Ausserdem wurden die Hubschrauber für die „Täterverfolgung“ eingesetzt. Einer von denen flog so tief über meinen Garten, Donald Trump wäre die Perücke um die Ohren geflogen, wenn er da gewesen wär.

COMPACT: Habt Ihr die Polizei auf die Übung angesprochen?

  • Eggert: Nein. Aber ein TV-Reporter hat das angesprochen, gegenüber diesem sympathischen Polizeisprecher, 24 Stunden nach den Münchner Vorkomnissen. Und da war dann auch die Reaktion sehr interessant. O-Ton: Die Übungen „haben rein gar nichts mit der Tat zu tun“. „Nichts“ hätte ja schon gereicht. „Rein gar nichts“ hat einen anderen Geschmack, das ist abwehrend. Und dazu klimperte er fast im Sekundenntakt mit den Augen. Wie damals Bill Clinton, als er live on air beteuerte, „rein gar nichts“ mit Monica Lewinsky zu tun gehabt zu haben.
  • Jungen: Wahrscheinlich hätte der Mann bei weiterem Nachbohren zur Sonnenbrille gegriffen. „Stimmt es, dass in der Nacht zuvor ´massenhaft´ Polizeiwagen in die Stadt einfuhren, auf dem Mittleren Ring in Richtung OEZ-Areal? Und wenn ja – warum fand das statt?“ „Stimmt es, dass am Anschlagstag von der Polizei an der A8 nach München auffallend viele Autos ´rausgefischt´ und kontrolliert wurden? Und wenn ja – warum machte man das?“ Wurde aber leider nicht gefragt.
  • Eggert: „Stimmt es, daß sich am 22. ab 16.00 via Facebook verbreitete, daß ein größerer Anschlag mit islamischem Hintergrund unmittelbar bevorstehe?“ – DAS wurde gefragt! Wieder vom gleichen Journalisten. Und wieder wurde der Polizeisprecher nervös.

Wie man seinen Patsy „rahmt“

COMPACT: Moment. 16 Uhr am Tattag? Da war doch noch was anderes…

  • Eggert: Ja, eben. Für genau diesen Zeitpunkt soll Ali Sonboly seinen erweiterten Bekanntenkreis via Facebook in jenes Mcdonald´s Restaurant eingeladen haben, wo´s dann zwei Stunden später krachte.
  • Jungen: „Kommt heute um 16 Uhr zum Meggi am OEZ ich spendiere euch was, wenn ihr wollt, aber nicht zu teuer.“ Und: „Wen sieht man heute alles um 16 Uhr im Meggi neben OEZ? Ich kann auch gerne spendieren.“ Gepostet am frühen Mittag.

COMPACT: Das stand nicht auf seinem eigenen Facebook-Acount

  • Eggert: Nein, wär´s so gewesen, dann hätte ihn das kaum verdächtig gemacht. Die Einladung wurde statt dessen auf einem gekaperten Profil veröffentlicht. Einem schlecht gekaperten. Der Post ließ sich auf Sonboly zurückführen. So hatte man bereits zu Beginn der Schiesserei eine „Hausnummer“.
  • Jungen: Dafür musste man natürlich die sozialen Netzwerke umpflügen. Da kommt auch nicht gleich jeder drauf, in dem ab 18 Uhr umlaufenden Stress, als die überraschte Polizei draussen gefordert war, auf der Straße.
  • Eggert: Coole Ermittler waren hier klar im Vorteil. Frei nach dem Motto „Gewusst wie“.
  • Jungen: Oder „gewusst wo“

COMPACT: Wann wurde es entdeckt?

  • Eggert: Früh. Noch am gleichen Abend.
  • Jungen: Die interessantere Frage ist: Von WEM wurde der Post entdeckt?

COMPACT: Von den Adressaten?

  • Jungen: Klar. Aber die Benachrichtigung kam ja von wo anders her. Da musste man erstmal drauf kommen, über welche IP das abgewickelt worden war. Ein herkömmicher User kriegt das nicht so ohne weiteres gebacken.
  • Eggert: Also, wer hat die „richtige“ Spur gezeigt?

COMPACT: Nun…?

  • Eggert: DEBKAfile. Zumindest waren die die ersten, die öffentlich drauf hingewiesen haben. Die Einladung zum betreffenden McDonald´s sei nicht auf einer gekaperten Facebookidentität vorgenommen worden, sondern infolge eines Hackangriffs auf eine bestehende Seite. So steht es dort. Und so ein Übergriff ist auch nicht so ohne weiteres machbar.

COMPACT: DEBKAfile?

  • Eggert: Eine professionelle AnalyseSeite zum Thema Sicherheit, Terrorismus und Geopolitik. Im Internet. Mit enger Verbindug zum israelischen Geheimdienst Mossad. Zu deutsch: Wir verdanken dem Mossad die Spur zu Sonboly.
  • Jungen: Übersehen Sie jetzt nicht, daß die verdächtige Einladung, infolge eines Hackerangriffs gleich doppelt verdächtig, auch ein Wagnis ist, wenn sie von Sonboly gekommen wäre. Da die ja vom frühen Mittag stammt. Um 16 Uhr sollte es die Lokalrunde geben. An Sonbolys Stelle hätte ich die Nachricht eher Nachmittags abgesetzt und als Treffzeit 18 Uhr geschrieben. Dass mir keiner zu schnell draufkommt. Wer legt schon gern zu früh eine Fährte aus? So wie es lief, oder besser gelaufen sein soll, war das ein Stückweit Vabanque.

COMPACT: Sie hinterfragen die Spur zu Sonboly?

  • Eggert: Das sieht eher aus wie ein vorsätzliches Online-Täterframing. Passiert so etwas einmal, dann gut, okay, das kann man sich noch gefallen lassen. Zweimal? Kritisch! Dreimal? No way!

COMPACT: Wieso „dreimal“?

  • Jungen: Also, filmisch gesagt, mit Klappe: Sonboly die Erste, das ist der Hackangriff zur Mäckieeinladung. Sonboly die Zweite, das sind die anfänglichen Medienberichte aus ´gut informierten Kreisen´, dass bei ihm das „Breivik-Manifest“ gefunden wurde. Sonboby die Dritte ist die Tatsache, dass unter seinem Namen die Tatwaffe im Darknet bestellt wurde.

COMPACT: Warum sollte er sich die Waffe nicht im Darknet bestellt haben?

  • Eggert: Schon allein deshalb weil das auffällt. Nirgendwo turnt soviel Polizei rum wie ausgerechnet im Darknet. Um darauf zu kommen braucht man nicht Einstein zu sein. Ausserdem ist das ein offenes Geheimnis, dass mindestens die Hälfte der Bestellungen im Darknet – egal ob Drogen, Falschgeld oder Waffen – erst gar nicht ausgeliefert wird. Du zahlst und kriegst keine Ware. Toll! Schlechtestenfalls ist der Paketbote dann die Polizei. Wer eine Waffe haben will findet andere, direktere, bessere Wege. Ausserdem: Was ist das überhaupt für eine Waffe? Eine reaktivierte „Theaterwaffe“, wie Polizei und Medien sagen? Kann man die überhaupt wieder zur Halbautomatik umbauen?
  • Jungen: Da kommt noch ein ganzer Schwanz weiterer Fragen hinterher: Wo übt Sonboly, wenn er der belieferte Besteller ist, das Schiessen bzw. Töten? Wieso wird er dabei nicht gehört, nicht gesehen? Hat sich Sonboly tatsächlich über ein Jahr auf die Tat vorbereitet? Woher wollen die Ermittler das wissen? Auch wieder über Onlineverkehr? Wer hat den wirklich abgewickelt? Wenn Sie Sonboly Hackerangriffe zutrauen, dann – bitte! – trauen Sie das auch Profis zu. Von denen die versiertesten übrigens für staatliche Dienste arbeiten.
  • Eggert: Weiter: Im Sommer 2015 soll Sonboly angeblich nach Winnenden, das ist der Ort von diesem bekannten Amoklauf, da soll er hingefahren sein, Fotos gemacht haben. Warum? Wofür? Mal ganz abgesehen davon, dass ausgerechnet dieser Vorfall ebenfalls alle Spuren eines PatsyEvents aufweist; der Tatort und die Fluchtbedingungen sehen dort ganz anders aus! Da kann man nichts „lernen“.
  • Jungen: Noch einen hintendrauf: Glaubt man den Nachbarn, dann war unser Jung-Iraner ein netter, hilfsbereiter, umgänglicher Typ. Seine psychischen Probleme hatten mit Depressionen, sozialen Phobien und Angstzuständen zu tun. Zu deutsch: Er war introvertiert. Jeder Psychologe wird Ihnen bestätigen, dass das nicht das Profil für einen Attentäter ist! Das Psychogramm passt auch null zu dem Mann, den wir in München auf dem Parkdeck sehen, der sich da ein heftiges Wortgefecht liefert. Jedenfalls nicht im Normalzustand. Zumal gerade dieser bühnenreife Auftritt, 15 Minuten nach den Schüssen am McDonald´s, ein reines Selbstmordkommando war. Sowas machen nur Irre. Oder irre gemachte. Durch Drogen oder sonstwas.
  • Eggert: Und: die Tat war ein Abwrackunternehmen für das gut etablierte Taxiunternehmen des Vaters. Vergessen Sie auch das nicht. Welcher Sohn macht sowas? Wenn er seine Eltern nicht grad abgrundtief hasst? Was bei Sonboly jr. nicht bekannt wäre. Dazu die Frage: Warum fertigt unser angeblicher Amokschütze kein Bekennervideo an? Kein Bekennerschreiben? Man könnte hier wahrscheinlich ewig fortfahren. Das Framing spingt geradewegs ins Auge. Deutlicher geht´s kaum…

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Demnächst in Teil 2: Täterrahmung ist Geheimdienstsache

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