Politiker und Schriftdeuter: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

von Stephan Paetow

Sie haben es nicht verstanden, die Politiker und ihre Schriftdeuter. Die Bekloppten, die Alten, die auf ihre Männer hörenden Frauen, die begriffstutzigen Latinos und die Rassisten und Hater haben Trump gewählt – das glauben die wirklich. Denn der heilige Obama hat nichts falschgemacht und das politische Berlin hätte einstimmig für Hillary gestimmt.

Dann mal fröhliches Erwachen in einem Jahr.

„Putin schickt Glückstelegramm“ titelt spiegel online, als würde da der Richtige dem Richtigen gratulieren. Merkel hat auch schon gratuliert – konditioniert. Außenminister Steinmeier wird womöglich noch ein wenig länger an seinem Telegramm sitzen. Was soll er dem „Hassprediger“ und „Schreihals“, wie unser Chefdiplomat den neuen amerikanischen Präsidenten nannte, denn auch jetzt schreiben?

Er blicke „sehr angespannt auf die Wahl“ hatte der Minister verlauten lassen, und irgendwas mit „Brandsatz der Gesellschaft“. Nun schauen wir mit gespannter Erwartung auf den Salto rückwärts.

Sicher, Genosse Francois von Frankreich hatte sich noch mehr gehen lassen, den überkam im Zusammenhang mit Trump ein „Gefühl des Brechreizes“, aber der Genosse ist so gut wie raus aus dem internationalen Polit-Geschäft.

Wie Gauck, der „besorgt“ vor Trump gewarnt hatte. Steinmeier noch nicht. Aber vielleicht ist er ja auch bockig wie Schulz, der sich noch mehr in Europa einigeln will, jetzt, wo in den USA keiner seiner Lieblinge mehr sitzt.

Sie haben es noch nicht verstanden, die Polit-Helden in der deutschen Provinz, dass ihren Mahnungen und Warnungen außerhalb der eigenen Medienwelt niemand Beachtung schenkt (selbst in Europa nur, wenn Bargeld lacht). Und das völlig zu Recht. Ihre Argumente waren geradezu lächerlich.

Trump habe keine Manieren, Frauen gegenüber, Minderheiten gegenüber, echauffierten sich die Berufsempörer, während sie gleichzeitig ein Gedicht, das einen Türken als Sodomisten darstellte, als große deutsche Mut-Kunst feierten.

Trump fördere den Hass, behauptete nicht nur Genosse Frank-Walter. Hass sah man während des Wahlkampfs hauptsächlich bei Anti-Trump-Demonstranten, die Krawalle anzettelten und in schlimmster Antifa-Manier wüteten.

Trump habe keine Erfahrung, bemerkten pfiffige Kommentatoren, die den Tölpel W. Bush anscheinend verdrängt hatten, und sich auch nie fragten, wie ein gänzlich unbekannter Schwarzer ohne großen Parteierfahrungshintergrund über Nacht zum Super-Präsidenten heranwuchs.

Und all die Trump-Verurteilungen aus den profunden Mündern deutscher Politiker mit zweifelhafter beruflicher Provenienz und „Erfahrung“. Das Altersargument, bitte, könnte man sich gefallen lassen, immerhin ist Gauck bereits müde, und es kann nicht jeder ein Adenauer sein. Aber Hillary fehlen nur Monate am Trump-Alter, vielleicht hat man diesbezügliche Attacken hierzulande deswegen unterlassen.

Nein, unsere politische „Elite“ bleibt bei der Clinton-Strategie des „weiter so“. Und sie wähnt sich auch nach dem Wahlausgang immer noch auf dem richtigen Weg. Sind nicht die Börsen erst mal eingeknickt? Ist das nicht ein Zeichen? Ja, weil viele Zocker auf dem falschen Fuß erwischt wurden, könnte ihnen ein Banker erklären, macht er aber nicht. Wobei der mexikanische Peso anscheinend wirklich glaubt, dass Trump eine Mauer bauen will, und ist direkt in den Keller abgetaucht.

Bei seiner ersten Rede als Wahlsieger zeigte Trump sich von der versöhnlichen Seite. Familie, wir sind ein Volk, krempeln wir die Ärmel hoch. Aber zuvor lobte er Hillary für einen harten Wahlkampf und dankte ihr für ihren Job als Außenministerin. Das werden seine freudentrunkenen Anhänger wohl überhört haben.

Dann wird’s wohl auch nichts mit dem „Lock her up“.


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