Rettungszitate aus dem Schulzomaten

von PPQ

Da ist er wieder, der Martin Schulz, das Gesicht der europäischen Dauerkrise. der Dreitagebart verwittert, die Augen verquollen, die randlose Brille gibt ihm ein echsenartiges Aussehen.

Martin-Schulz
Und Schulz, der seit mehr als fünf Jahren durch Talkshows und Parlamentssäle tourt, um Griechenland und seinen Traum von der europäischen Präsidentschaft zu retten, weiß immer noch, was am dringendsten zu tun wäre:

Der Wirtschaftsexperte, gestählt durch eine Buchhändlerausbildung und viele Gaststättenbesuche, mal den Teufel an die Wand. Griechenland wäre eine „unkalkulierbare Gefahr für die Weltwirtschaft“, ließe man die Griechen aus dem Euro, ruft er. Man könne nicht einfach sagen „jetzt reicht’s“, denn Politik müsse immer weiter und weiter und weiter und weiter retten, zumindest bis die Verantwortlichen für gemachte Fehler nicht mehr im Amt seien, so dass sie nicht zugeben müssten, anfangs falsch gelegen zu haben.

Martin Schulz ist einer von ihnen. Der Wüselener Sozialdemokrat, ausgestattet mit der Superkraft Opportunismus, hat es über die Jahre der Krise verstanden, immer in der vordersten Linie der Warner zu reiten, wobei er Art und Richtung seiner Warnungen stets an aktuelle Trend anpasste. Vor fünf Jahren waren nach Ansicht des nach der verlorenen Europawahl mit dem Posten des Europaparlamentschefs abgefundenen Schulz noch Finanzmärkte und Ratingagenturen für die griechische Misere verantwortlich. Damals warnte Martin Schulz davor, Griechenland mit immer neuen Sparforderungen zu konfrontieren. Es sei schwer genug, die bereits beschlossenen Konsolidierungsschritte „gegen großen Widerstand durchzusetzen“, behauptete er. „Ich halte es für falsch, in einer solchen Situation weitere Maßnahmen draufzusatteln.“

Wichtiger sei es, „als Lehre aus der Griechenlandkrise die Finanzmärkte stärker zu regulieren“, forderte Schulz, der in jenen frühen Tagen der Krise keine Gelegenheit ausließ, „Spekulanten klarzumachen, dass ihre Wetten auf den Konkurs eines Mitgliedstaates der Euro-Zone oder ein Zerfallen des Euro selbst vergeblich sind“.

Geholfen hat es nichts, weshalb Schulz später begann, die Ergebnislosigkeit seiner Bemühungen als Folge der Ungeduld der Beobachter darzustellen. „Man muss nicht bei jeder Verzögerung von ein paar Tagen sofort wieder in Krisengeschrei ausbrechen“, nörgelte er zwei Jahre nach seinem Vorschlag, Griechenland nicht mit immer neuen Sparforderungen zu belästigen. „Man muss den Griechen die nötige Zeit geben“, hieß es nun, denn schließlich ist es die Zeit, die alle Wunden heilt.

Seitdem sind weitere drei Jahre ins Land gegangen, die Aktiven an der Rettungsspitze haben gewechselt, Juncker kam und Draghi ging, Olli Rehn verschwand und Martin Schulz blieb. Aus der geplanten Rettung wurde ein Salami-Untergang, über den an guten Tagen hinweggeschwiegen, der aber an schlechten immer wieder schlechter wurde. „Noch mehr Hilfe wird es nicht geben“, hatte Martin Schulz die zahlenden Zuschauern ringsum bereits 2012 beruhigt. Seitdem sind weitere Milliarden über Milliarden geflossen, die kein anderes Ziel hatten, als den Konkurs Griechenlands so weit zu verschleppen, dass die Gläubiger ihre Forderungen an das Land nicht aus ihren eigenen Büchern streichen müssen.

Längst ist Martin Schulz nicht mehr für die Vergemeinschaftung der Schulden, längst redet er nicht mehr über Kapitalmarktregulierung, Ratingagenturen und darüber, dass die Griechen „die mit der Troika vereinbarten Maßnahmen im Land schnell umsetzen“ müssen. Mittlerweile hat sich Schulz stattdessen darauf verlegt, die Zahlungsländer in die soziale Verantwortung zu nehmen.

Und er warnt natürlich wieder, diesmal davor, dass die Griechen „massiv verarmen“ könnten und die „Weltwirtschaft einen Schock“ erleiden werde. Von einem Ende der Rettung, wie es Schulz vor fünf Jahren für die nahe Zukunft versprochen hatte, ist keine Rede mehr.

„Wir müssen weiter verhandeln. Der Kompromiss ist wichtig für Europa. Auch wenn er dann nur ein Zwischenschritt ist.“


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