Revolution für den Arsch? Oder was geschah wirklich am 14. Juli 1789?

Von Klaus Lelek

„Sie töten hier Menschen!“ Die Französische Revolution begann mit einer Lüge, die bis heute andauert! – Einige Gedanken zu einem denkwürdigen Ereignis  

Mein Verhältnis zur Französischen Revolution war stets ein vertrautes. Dies liegt vor allem daran, dass jenes Datum – 14. Juli – sich exakt mit meinem Geburtstag deckt. Ich fand es immer toll, an einem solch bedeuteten Tag Geburtstag zu haben. Dementsprechend früh habe ich den Tag verklärt. Meine frühesten Vorstellungen von der ersten modernen Revolution der Weltgeschichte, die den Beginn des heutigen Europas einläuteten, glichen exakt den vom Pulverdampf geschwängerten Stichen von der Erstürmung der Bastille.

In meiner heftigsten Pubertätsphase glaubte ich, ein bis aufs Blut unterdrücktes, versklavtes Volk hätte sich gegen einen Tyrannen und seine Häscher erhoben und diesen in einem pathetischen Kampf niedergerungen. Dabei hätte mich schon die Abbildung des Ereignisses „Die Erstürmung des Gefängnisses“ stutzig machen müssen. Genau genommen liegt in dieser Episode – wie in einem Mikrokosmos – der gesamte Kern der „Revolution“ und der nachfolgenden Ereignisse verborgen.

Die Erstürmung der Bastille - in einer zeitgenössischen, die Ereignisse verherrlichenden Version.
Die Erstürmung der Bastille – in einer zeitgenössischen, die Ereignisse verherrlichenden Version.

Man hatte dort, aufgestachelt durch die politische Propaganda der führenden Köpfe, politische Gefangene vermutet. Aber die Zellen in dem gewaltigen Komplex waren so gut wie leer. Die Revolutionäre, die nach einem kurzen Widerstand das Gebäude stürmten, befreiten vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und Frankreichs prominentesten Sittenstrolch, Marquis de Sade! Der auch heute noch von linken Eliten in Künstlerkreisen verherrlichte Perverse ergötzte sich vorzugsweise an blutüberströmten Frauenärschen.

„Sie töten hier Menschen!“,

soll er gerufen haben, ehe ihn der johlende Pariser Mob befreite. Eine dreiste Lüge. Der Marquise wurde in den Festungsmauern bestens versorgt. Die Bastille war eigentlich nur noch ein teures Beschäftigungsprojekt für weniger als hundert Soldaten, vergleichbar mit dem Spandauer Gefängnis, in dem Rudolf Heß einsaß. Noch pikanter aber ist der Grund seiner Inhaftierung. Der Graf war dort gelandet, weil er mehrere Prostituierte misshandelt – unter anderem gegen ihren Willen zum Analverkehr gezwungen hatte – und diese sich diesbezüglich an ein ordentliches Gericht wandten. Wie bitte? Nutten bringen einen Vertreter des Hochadels in den Knast!?

Revolutionäre waren alle tragende Säulen des “Ancien Régime”

So nach und nach erfuhr ich, unter anderem durch meine intensiven Studien über Rousseau, die französischen Freimaurer und die Aufklärung und nicht zuletzt durch meine jahrelangen Parisaufenthalte, dass das „Ancien Régime“ ein für seine Zeit fortschrittlicher Rechtsstaat war und sein Herrscher Ludwig XVI, jener lange Zeit als dekadenter „Tyrann“ geschmähte Mann ein liberaler, weltoffener und fortschrittlicher König war, der möglicherweise sein Land im Laufe der Zeit nach englischem Vorbild in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt hätte.

Er unterstützte die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung, umgab sich mit klugen Köpfen wie Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette und gab am Vorabend der Revolution sogar die Einwilligung zu einem auf breiter Basis ruhenden Parlament, der „Nationalversammlung“. Im Grunde genommen war die so genannte „Revolution“ der Endpunkt eines langsamen Umwandlungsprozesses, der bereits zu Rousseaus und Voltaires Zeiten eingesetzt hatte.

Die Erstürmung des leeren alten Staatsgefängnisses am 14. Juli gleicht daher einer Farce, erinnert samt seinen Hauptdarstellern an ein politisches Kasperletheater. Der französische Adel – bereits zu Zeiten des Sonnenkönigs politisch bedeutungslos – hat sich sprichwörtlich selbst abgeschafft. Das klingt fast nach Sarrazins Erfolgsbuch „Deutschland schafft sich ab“ und in der Tat sind die Parallelen zwischen dem dekadenten Ancien Régime und den Salonkommunisten der Spätmoderne, die in einer Art Todessehnsucht Europa mit muslimischen Wirtschaftsflüchtlingen fluten, beängstigend.

In beiden Fällen sind Fiktionen und Utopien die Triebfedern des Handelns. Die Revolutionäre, Bürger und der Adel träumten von einem klassenlosen Nationalstaat im Sinne Rousseaus (der wiederum Staatskunde lediglich aus einer französischen Übersetzung Platos kannte), die politischen linken Eliten träumen von einem klassenlosen Globalstaat und wollen deshalb die Nationalstaaten Europas abschaffen. In diesem Sinne kann es dann auch keine Obergrenzen für „Flüchtlinge“ geben, weil jeder das Recht hat, sich überall auf der Erde aufzuhalten. Egal wo. Und er muss selbstverständlich auch im Sinne der Gleichbehandlung gut versorgt werden.

Die Schreckensherrschaft der Juristen

Sowohl bei der Französischen Revolution – der Abschaffung des Adelsregimes – als auch bei der Abschaffung Deutschlands spielen Juristen eine Schlüsselrolle. Sie sind viel mächtiger als Politiker, denn sie sind nicht abhängig von der Wählergunst.

Im Grunde genommen sind sie ein Staat im Staate und haben damit konsequenterweise auch den Adel nach der Französischen Revolution als Machtfaktor abgelöst. Der Höhepunkt ihrer Macht gipfelt im berüchtigten „Wohlfahrtsausschuss“, deren führende Mitglieder Danton, Robespierre, Saint- Just, de Séchelles und Couthon durchweg aus Juristen bestanden.

Diese selbstherrlichen Diktatoren im Talar bescherten Frankreich mit der „Schreckensherrschaft“ eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte.

Eine ähnliche Entwicklung – die Machtverschiebung von der demokratischen Politik hin zur „Paragrafendiktatur“ – ist auch im modernen Europa zu beobachten. Juristen verhindern die Abschiebung krimineller Ausländer. Fordern vernünftige Politiker (teilweise durch öffentlichen Druck) harte Strafen für den Sexmob von Köln, verurteilen Richter die Täter nur zu kleinen Bewährungsstrafen.

Ein Dschihadist und Kriegsverbrecher bekommt zwei Jahre Knast, ebenso ein islamistischer Bombenbauer. Und so könnte man die Reihe von Skandalurteilen endlos fortsetzen. Die Justiz hat immer das letzte Wort.

In Paris führte sie 1793 das Land geradewegs in die Militärdiktatur Napoleons. Menschen, die keine Rechtssicherheit mehr haben, die mit ansehen müssen, wie ihr politischer Wille geradezu verhöhnt wird, greifen irgendwann zu Maßnahmen, die jenseits aller Rechtsstaatlichkeit liegen.

Ob die Täter nun Charlotte Corday, Frank S., Thomas Mair oder Karl-Ludwig Sand heißen oder am Ende Gewaltherrschern wie Napoleon, Hitler, Stalin oder Mao zur Macht verhelfen: Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Wiederholungen.

So wie jede Revolution immer in einer Diktatur endete, wird auch der von dekadenten Eliten forcierte Umbau der westlichen Kultursphäre irgendwann in einer feindlichen Übernahme eingesickerter Parallelgesellschaften enden, bei der schon jetzt abzusehen ist, dass sie die positiven Werte der Französischen Revolution wie Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten in die Tonne stampft.

PS: Gestern stand in den Zeitungen, dass der französische Ministerpräsident Hollande wie der Sonnenkönig eigens einen sündhaft teuren Friseur unterhält. Mal ehrlich, hat sich der ganze Aufwand am 14. Juli 1789 wirklich gelohnt??

Repost vom 15. Jul 2016


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