So weit die Füße tragen (Teil 2)

Was hier beschrieben wird, überschreitet unsere Vorstellung von Leid. Es ist der Tatsachenbericht eines Mann, der aus der Gefangenschaft in Sibirien ausbricht und drei Jahre bzw. 14208 Kilometer zu Fuß heim geht. Als der Journalist Josef Martin Bauer 1955 die authentischen Erlebnisse des Soldaten Clemens Forell – dieser wollte anonym bleiben – in Form eines Buches veröffentlichte, löste er nicht nur wegen der Gefangenenfrage heftige Reaktionen aus.

Auch heute noch bewegt die Geschichte Forells, der nach seiner Heimkehr aufgrund der Arbeit mit Blei keine Farben mehr sehen kann, dem nur noch „Narben an Körper und Seele“ geblieben sind und der die „Gnade des Vergessens“ sucht. Beim Thema der „Gnade des Vergessens“ denkt man unweigerlich an unsere verdrängende Vergangenheitsbewältigung. Trotzdem bleibt diese Odyssee ein spannendes, anrührendes „Abenteuer“.

Forells Flucht ist gezeichnet durch Ängste und dem tierähnlichen Instinkt zu überleben: Immer wieder trifft er auf Menschen, die ihm helfen: Der Lagerarzt Dr. Stauffer, Rentierhirten, Gauner, dies sich als Geldwäscher betätigen, Jakuten, die ihn vor Wölfen retten, ein armenischer Jude und der Hund Willem. Auf seinem Leidensweg wird er typisierend oft nur noch „der Mensch“ genannt.


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