Stromsperren-Rekord: Armes Deutschland und reiche BRD

Von Marco Maier

Im letzten Jahr wurde mehr Kunden als bisher der Strom abgestellt. Auch die Gasversorger melden einen enormen Anstieg. Immer mehr Deutschen geht das Geld aus. Immer öfter lautet die Frage der Menschen: „Essen kaufen oder Stromrechnung zahlen?“

Stromzähler-620x330Ein neuer Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts zeigt auf, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland trotz der euphorischen Meldungen von Bundesregierung und Medien wohl nicht so rosig ist, wie immer wieder behauptet. So sind demnach die Netzbetreiber allein im Jahr 2014 ganze 352.000 Mal ausgerückt, um die Stromversorgung zu unterbrechen. Ein neuer Rekord.

Doch die Zahl drückt die Lage nur unzureichend aus, zumal die Versorger im vorigen Jahr fast 6,3 Millionen „blaue Briefe“ verschickten, weil die Kunden mit mehr als 100 Euro im Zahlungsverzug waren. Bei rund 40 Millionen Haushalten macht dies immerhin im Schnitt jeden siebten Haushalt aus. Infolge der schriftlichen Drohung kratzten diese Kunden dann oftmals noch irgendwie das Geld zusammen, um die Rechnung zu bezahlen.

Ähnlich sieht es bei den Gaskunden aus. Dort wurden fast 1,3 Millionen „blaue Briefe“ verschickt und schlussendlich rund 46.500 Kunden das Gas abgedreht. Dort macht der Anstieg der zugedrehten Gashähne während der letzten vier Jahre schon ganze 40 Prozent aus.

Angesichts dieser Zahlen muss man sich fragen, wie weit das noch gehen wird. Denn Dank diverser Ökosteuern steigen die Energiepreise deutlich stärker an als das durchschnittliche Einkommensniveau. Energie avanciert inzwischen neben den Wohnungen selbst zunehmend zu einem Luxusgut. Es nicht nicht zu eruieren, wie viele Menschen in Deutschland sich angesichts dieser Entwicklungen immer wieder zwischen Essen und Strom entscheiden müssen: Kaufe ich mir mit meinem Geld noch was zu essen, oder riskiere ich die Abschaltung des Stroms?

Die Einführung des (immer noch sehr marginalen) Mindestlohns dürfte den Anstieg in diesem Jahr wohl vielleicht etwas einbremsen, doch eine systematische Verbesserung ist längst nicht in Sicht. Das eigentlich doch so reiche Deutschland ist in Wirklichkeit schon arm.


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