Südafrika und Deutsch-Südwest

Auf dem Stundenplan

– Ersatzblätter für fehlende oder verfälschte Schulbücher –

– Folge 12 –


VORSICHT! TRETMINEN IM SCHULBUCH!

Eine geschichtliche Betrachtung von Konrad Wahl

Von Gotthold Ephraim Lessing stammt das Wort:

„Ohne die Geschichte bleibt man ein unerfahrenes Kind.“

Und der englische Historiker Arnold Toynbee meinte sogar:

„Ein Volk, das seine Geschichte vergißt, verschwindet von der Landkarte“.

Fragen wir heute einmal die Absolventen deutscher Oberschulen, was sie z. B. über das Bismarck-Archipel, Tsingtao oder gar Neuschwabenland wissen, wir werden höchstwahrscheinlich ein hilfloses Achselzucken zur Antwort erhalten. Nicht viel anders wird unsere Frage nach den ehemaligen deutschen Schutzgebieten in Deutsch-Südwest, Deutsch-Ostafrika, Togo und Kamerun beantwortet werden, es sei denn, dieser oder jener Oberschüler hätte zufällig einen jener zeitgeistig verzerrten Bewältigungsfilme über MORENGA oder die „daumenbrechenden, deutschen Kolonisten in Togo“ gesehen, die über die bundesdeutsche Fernsehleinwand flimmerten.

Auch bei den älteren Jahrgängen wird man leider nur zu oft auf die nämliche Ignoranz gestoßen, doch kann man zugleich die erstaunliche Feststellung machen, daß sich dieselben Leute durchaus für kompetent genug halten, über die derzeitigen Probleme Südafrikas und „NAMIBIAS“ ein definitives Urteil abzugeben.

Abgesehen einmal von den auftragsorientierten und vorprogrammierten deutschen Zeitungs- und Fernsehjournalisten, die südafrikanischen Buren wie deutschen Südwestlern als letzte Weisheit eine faschistoide Gesinnung attestieren, fallen selbst durchaus gutwillige, bundesdeutsche „Normalbürger“ und Besucher des Landes auf die Schlagworte der nachkriegsbedingten „Re-education“ bzw. des auf Zerstörung ausgerichteten Zeitgeistes herein.

So wundern sie sich beispielsweise darüber, daß die neue Namensgebung für Deutsch-Südwestafrika „NAMIBIA“ bei den deutschstämmigen Landesbewohnern keinerlei Anklang findet, oder darüber, daß die alten Südwestler keine Scham oder auch nur ein peinliches Unbehagen über das von den Geschichts-„Aufarbeitern“ so genannte „deutsche Massaker“ an den Hereros empfinden — und überhaupt, daß man sich in Windhuk und Swakopmund „deutscher als deutsch“ gebärdet.

Die Verwunderung über solche Fragen und Feststellungen ist erstens ein Ergebnis mangelnden geschichtlichen Wissens und des freiwilligen Wissensverzichts, weil der „Normalbürger“ sich nicht aufrafft, sich die geschichtlichen Zusammenhänge, die von den Schulen und Medien verschwiegen oder verfälscht werden, selbst zu erarbeiten. Zweitens rührt die Verwunderung daher, daß den Bundesrepublikanern ganz allgemein jedes Gefühl der Verantwortung und Verpflichtung für das deutsche Volk, seine Geschichte und Zukunft genommen worden ist.

Eine der markantesten Erscheinungen des bundesdeutschen Alltagslebens ist ja wohl der Massentourismus. Man kommt überall hin und gibt mehr oder weniger Zeugnis von seinem neuen Nationalgefühl; so wie z. B. jener Ruhrgebietler, der seinen Mittelklassewagen neben einem Ochsengespann in Terlan anhält und den Weinbauern unter der blauen Schürze der Südtiroler in radebrecherischem Italienisch über den Weg nach Meran befragt, oder auch wie der Schwabe, der auf dem hölzernen Aussichtsturm des Penegal stand und über den Kalterer-See in Richtung Bozen deutend pathetisch ausrief: „Dort drüben liegt BOLZANO!“

Derartige Beispiele auch auf beliebigen anderen Gebieten sind leider nur allzu leicht zu finden, allerdings eben nicht dort, wo man sein Deutschsein seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten gegen fremde, feindliche Einflüsse und Gewalten verteidigen mußte!

Die Besiedelung des südlichen Afrikas, zu dem „Südwest“ nicht nur geographisch zu zählen ist, war eine Gemeinschaftsleistung holländischer, deutscher und hugenottischer Auswanderer. Sie unterschied sich in wesentlichen Teilen durchaus positiv von dem Landraub und der kolonialen Ausbeutungs- und Ausrottungspolitik in anderen Teilen des afrikanischen Kontinents und Amerikas. Als 1842 der Oranjefreistaat mit der Hauptstadt Bloemfontain gegründet wurde, waren nahezu 50 % der Kolonisten deutscher Abstammung.

Aber schon nach den ersten Gold- und Diamantenfunden wurden im Jahr 1848 Teile dieses Gebietes von England annektiert. England selbst lenkte später den Strom deutscher Einwanderer ins Land, in durchaus eigennütziger Absicht erstmals 1856, als nämlich die britische Regierung Soldaten aus der Deutschen Legion des Krimkrieges zur militärischen Sicherung an der Kafferngrenze ansiedelte. Hier entstanden Orte wie z. B. Suttersheim, Potsdam, Hannover, Hamburg, Braunschweig und Berlin. Die zweite deutsche Einwanderungswelle um das Jahr 1870 bestand hauptsächlich aus Uckermärkern und Pommern, während letztlich 1880 durch die Kapregierung wiederum Deutsche, vornehmlich Landarbeiter und Kleinbauern, die nach der Bismarckschen Sozialgesetzgebung ihre Heimat verließen, ins Land geholt wurden. Diese deutschen Einwanderer machten aus dem trostlosen, unerschlossenen Kaffernland ein blühendes Kleinod.

Als dann 1899 der Burenkrieg unter Ohm Krüger ausbrach, kämpften die deutschen Siedler Schulter an Schulter mit Buren und Hugenotten gegen die Briten, und auch alle deutschen Kolonisten aus Transvaal und Oranje hielten ihrem Gastvolk die Treue. Anläßlich dieses unnötigen, scheußlichen Krieges wurden sie Zeuge der von den Briten angewendeten Strategie der „verbrannten Erde“, der Aufwiegelung der farbigen Bevölkerung (Hereros und Bantus) gegen die weißen Siedler und der Verbringung burischer Frauen, Kinder und Greise in die ersten Konzentrationslager der Weltgeschichte. Über den Toren dieser britischen Lager, in denen ca. 25.000 Buren verhungerten, prangte der Satz: „Right or wrong my country“.

Auch geschah es in diesem Kriege, daß ein Detachement (… ist eine kleinere Truppenabteilung, die aus dem Verband eines größeren Heerkörpers zur Lösung einer selbständigen Kriegsaufgabe abgezweigt ist.) der berüchtigten Lanzenreiter am Fuße der Biggarsberge zwischen Dundee und Ladysmith ihren „Mut“ an Fliehenden, Verwundeten und Sterbenden ausließ, wobei sich bekanntlich ein gewisser Winston Churchill hervortat. Diese „Heldentat“ wurde damals in der britischen Presse unter dem Schlagwort „Pig prikking“ (Schweinestechen) genüßlich kommentiert, wovon die heutige deutsche Wohlstandsgesellschaft sicherlich auch wenig wissen dürfte.

Seitdem die Briten im Kapland regierten (ab 1902), führten sie Kriege gegen die Hereros, Kaffern und Hottentotten und rotteten die dortigen Buschleute aus, was sie aber keinesfalls daran hinderte, Aufwiegler jener Stämme gegen die spätere, deutsche Kolonialverwaltung in Deutsch-Südwest, wie z. B. Witboi, Simon Kopper, Lambert und Morenga indirekt aber wirksam zu unterstützen.

Die Treue der deutschen Kolonisten zu ihrem burischen Gastvolk wurde ihnen nicht gedankt, zumal sie in erster Linie die Last der nachkriegsbedingten Diffamierung durch die Sieger zu tragen hatten. In der Kapkolonie, in der sie keine Arbeit mehr fanden, war nun kein Platz mehr für Deutsche. Britische und jüdische Kapitalgesellschaften fachten erstmals den Wettbewerb zwischen farbigen und weißen Lohnarbeitern an, der naturgemäß zugunsten der Farbigen ausging, da diese durch ihre geringeren Bedürfnisse fügsamer und williger waren.

Deutsche Arbeitssuchende fanden damals den zynischen Satz an den Kontortüren angeschlagen, der folgendermaßen lautete: „No Germans need apply“. Die damit verbundene demütigende Herabsetzung der Deutschen sollte noch viel später, nämlich nach der Proklamierung der Deutschen Schutzgebiete in Südwestafrika, zum Ausgang des 19. Jahrhunderts ihre Auswirkungen haben, als nämlich viele Deutsche die Kapprovinz verließen, um in Südwest einen neuen Anfang zu machen.

Der deutsche Anfang in Südwest, jenem Landstreifen zwischen zwei Wüstenregionen, nämlich der Namib und der Kalahari, ist mit dem Namen des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz verbunden, der 1883 das 50.000 qkm große Gebiet Angra-Pequena von einheimischen Stammesfürsten käuflich erwarb und den Hafen Lüderritzbucht gründete. Dieses Land der Fächerpalmen und des gelben Grases, von dem lediglich das vereinzelte Grün der Dornbäume und -büsche abstach, war ursprünglich alles andere als ein Garten Eden. Hier war nichts zu holen oder gar auszubeuten, und die vereinzelten, tümpelartigen, flachen Wasserstellen in den Wüsten, die sogenannten Vleis, dörrten unter einer unbarmherzigen sengenden Sonne oftmals völlig aus.

Dennoch machten sich deutsche Siedler daran, Farmen zu gründen und das mit ihrer Hände Arbeit urbar gemachte Land mit Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Mais, Weizen und Kaffernkorn (heute bekannt als Hirse) zu bestellen, willig unterstützt von Hottentotten- und Hererofamilien, die zu keiner Zeit unter den in „Onkel Toms Hütte“ beschriebenen Drangsalen zu leiden hatten. Brunnen wurden gebaut, das Land vermessen und schließlich Post- und Eisenbahnverbindungen projektiert und gebaut.

In der Kurzen Zeit von 1884 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 hatte die deutsche Kolonialverwaltung eine Infrastruktur auf die Beine gestellt, die ihresgleichen sucht, all das unter Berücksichtigung der dortigen Eigentumsverhältnisse. Denn das Land gehörte zum Teil den eingeborenen Stämmen, wie auch deutschen und englischen Landgesellschaften. Schon damals wurden Schonbezirke (Reservate) für Großwild wie Leoparden, Gamsbockantilopen und andere angelegt, während die deutsche Schutztruppe aus ganzen 1600 Mann bestand – und das für ein Gebiet, das ungefähr die Ausmaße des damaligen Deutschen Reiches hatte!

Es wurden nicht nur Verwaltungsgebäude erstellt, sondern auch Krankenhäuser, Kirchen, Turnhallen und Schulen gebaut und die Schulpflicht für jedermann ab acht Jahren eingeführt. Der deutsche Farmer Herrmann begründete bereits 1891 mit dem Ankauf von 2000 aus Australien eingeführten Merinoschafen einen für die Gegend neuen Industriezweig, und die neugebaute Eisenbahn verband bald die größeren Orte wie Lüderitzbucht – Keetmanshop – Grünau – Windhuk – Grootfontein – Tsumep – Walfischbay und Wsakopmund miteinander. Die Verbindung mit der fernen Heimat wurde von den Schiffahrtslinien Woermann und der Deutsch- Ostafrikalinie, die mit ihren Schiffen „Adolf Woermann“, „Prinzessin“, „Bürgermeister“, „Prinzregent“ und anderen um das Kap der guten Hoffnung fuhren, aufrechterhalten.

Es waren dann zwei Ereignisse, die die ersten Turbulenzen in die junge Kolonie brachten, deren Leistungen vom Deutschen Reich und seinem Parlament nur schwerfällig, ja oftmals widerwillig anerkannt wurden. Gemeint ist die Bekämpfung und Niederschlagung der Herero und Hottentottenaufstände von 1904 – 1908. Hierzu wurde bereits in Verbindung mit dem doppelbödigen britischen Kolonialverhalten einiges gesagt.

Wenn heute jedoch der Eindruck erweckt werden soll, als handelte es sich damals um antikoloniale und antiimperialistische Befreiungskriege gegen eine brutale, deutsche Unterdrückungspolitik, so ist das schlichtweg falsch!

Das stolze und kriegerische Volk der Herero wurde in unverantwortlicher Weise gegen die meist vorbildlich fürsorglichen deutschen Siedler aufgehetzt. Ehrgeizige Eingeborenenführer wie Morenga und der Hottentotten-Kapitän Simon Kopper sammelten Banden von arbeitsscheuen Viehdieben, Farmbrennern und Mördern um sich und überfielen deutsche Farmen, Bohrkolonnen und Heliographenbauer. Die Angriffe wurden aus der wasserarmen Kalahariwüste unter dem Schutz der linear gezogenen britisch- deutschen Grenze geführt. Die geduldigen Bemühungen der deutschen Kolonialverwaltung, ja selbst mit den Aufwieglern geschlossene Verträge waren nutzlos, da die freiwilligen Abmachungen einseitig nicht eingehalten wurden.

Die von diesen Banden durchgeführten Verbrechen an ihren eigenen Landsleuten und an Deutschen, an schutzlosen Farmersfrauen, Greisen und Kindern, waren grausam und zahlreich, und die heute von deutschen Filmemachern idealisierten Bandenführer schreckten sogar davor nicht zurück, die Brunnen in Wüstengebieten zu verunreinigen oder zuzuschütten – das größte Verbrechen in diesen Regionen überhaupt.

Gegen den Hottentottenkapitän Simon Kopper zog die Deutsche Schutztruppe mit 373 Kamelreitern, 27 Offizieren und 129 eingeborenen Trägern, alles Freiwillige, in die Wüste. Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes kostete uns Deutsche 800 Tote und Vermißte, 1000 Verwundete und 700 an Krankheiten Verstorbene.

Ihr Requiem wurde niemals gesungen. Und doch war, wie alte Südwestler heute noch wissen, die Achtung der „Orlogleute“ z. B. vor dem Hauptmann von Erckert, dem Kommandeur der Eingreiftruppe gegen Simon Kopper, seinerzeit so groß, daß sie bei einer unerwarteten Einzelbegegnung mit ihm ihren Schlapphut gezogen und ihn mit „Morre groote Kapitän“ begrüßt haben.

Wer heute über die deutsche Schutztruppe und ihre Offiziere mitreden oder gar ein Urteil fällen möchte, sollte zuvor das Vermächtnis des in der Kalahari gefallenen Hauptmanns Friedrich von Erckert lesen, wie er es in seinem Tagebuch hinterlassen und wie es von Hans Grimm in seinem bekannten Werk „Volk ohne Raum“ der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

…” In erster Linie die größte Selbstachtung. Nichts Gemeines tun, Leib und Seele reinhalten. Sich stets beherrschen; selbstlos, heiter und mutig sein. Sich sagen, daß eine gerade, aufrechte Haltung auch die Äußerung einer geraden Seele ist. Sich an einfachen Dingen erfreuen, nichts Unmögliches verlangen, an ein erreichbares Ziel aber Geduld, Ausdauer, gesammelten Willen wenden. Bleibe nie im Schmutz. Auch der Beste kann gelegentlich hineingeraten, aber darin zu bleiben braucht niemand…“

Die zweite Erschütterung der Kolonie war der Diamantenfund im Südwesten des Schutzgebietes, der 1910 Anlaß zu einer hitzigen Debatte im Deutschen Reichstag war. Er verschaffte der kaiserlichen Kolonialverwaltung zusätzlich zu ihren sozialdemokratischen und liberalen Widersachern im Reich weitere Feinde in Gestalt des anglo-jüdischen Großkapitals und der Eigentümer der südafrikanischen Diamantenminen. Hatte der Sozialdemokrat August Bebel schon am 1. Dezember 1906 die deutsche Kolonialpolitik als „Eroberung, Unterdrückung und Ausbeutung“ diffamiert, bei der „Brutalität und Grausamkeit an der Tagesordnung“ seien, ohne jedoch jemals seinen Fuß auf südafrikanischen Boden gesetzt zu haben, so war nun die Allianz zwischen deutschen Sozial-Liberalen und ausländischem Großkapital – so unglaublich das auch klingen mag – geschlossen. Wie voraussehbar, meldete Südafrika auch bereits 1912 seinen Anspruch auf Südwest an, den es dann allerdings erst 1949 realisieren konnte, als es nämlich das Mandatsgebiet gegen den Einspruch der UNO und des Haager Gerichtshofs in sein Territorium eingliederte.

Der erste Weltkrieg traf die deutsche Kolonie völlig unvorbereitet, sie war für den Verteidigungsfall nicht gerüstet. Den von den Briten aufgebotenen 60.000 Mann standen ganze 3500 Deutsche gegenüber, die in kleineren Scharmützeln sogar Sieger blieben, in einem Zeitraum von 10 Monaten aber letztlich aus dem Schutzgebiet quasi herausgedrängt wurden. Eine offene Konfrontation auf dem Schlachtfeld vermieden die überlegenen „Sieger“ jedoch tunlichst.

Die südafrikanische Kriegserklärung an das deutsche Kaiserreich und der damit verbundene Einmarsch nach Südwestafrika wurden damals von allen Bewohnern des Schutzgebietes als eine ausgesprochen niederträchtige Handlung beurteilt. Zur Ehrenrettung der Buren muß jedoch daran erinnert werden, daß Botha und Smuts zuvor den südafrikanischen Oberbefehlshaber Beyers sowie den Burengeneral Delarey in die Wüste schicken mußten und den alten General Christian Dewet hinter Gitter brachten, ehe sie ihr schmutziges Geschäft beginnen konnten.

Ein Ereignis, das sich Ende Oktober 1914 bei Nautila, an der Nordgrenze des Schutzgebietes zu Portugiesisch Angola abspielte, blieb im Gedächtnis alle Südwestler haften: Eine deutsche Delegation, die mit dem portugiesischen Fortkommandanten über Lebensmittellieferungen für die Schutztruppe verhandeln wollte, wurde unter fingierten Begleitumständen in’s Fort Nautila gelockt, dort entwaffnet und ermordet, wobei ein angeschossener Polizeidiener den Krokodilen im Kunenefluß noch lebend zum Fraß vorgeworfen wurde. Später verbreiteten die Portugiesen die Legende, es seien die Ovambos und Uknanjamas gewesen.

Im übrigen versuchten die Briten wiederum, die eingeborene Bevölkerung im Damaraland gegen die deutschen Farmer aufzuwiegeln, was zu einem Aufstand der Buschleute und des Bastardstammes führte.

Die eigentliche Leidenszeit für die deutsche Bevölkerung begann aber erst nach Kriegsende, als der britische Administrator Gorges in Windhuk ein Schreckensregiment installierte. Die Engländer gingen nach ihrem bekannten Motto: „All is fair in love and war“ gegen alles Deutsche vor. Sie benötigten zur Stützung ihrer Propagandathese, daß Deutsche unfähig seien über andere zu herrschen, jede Menge deutsche Verbrecher.

Hierzu stellten sie ein sogenanntes „Blaubuch“ zusammen, in dem „deutsche Untaten und Kriegsverbrechen“ dokumentiert werden sollten, und natürlich waren ihnen die belastenden Aussagen selbst berüchtigter Farmbrenner und Mörder, wie z. B. die des Buschmannräubers Harris, gerade gut genug. Schließlich wurden aufgrund derartiger „Ermittlungen“ Abschiebelisten aller Deutschstämmigen erstellt, in denen alle die Personen vertreten waren, die irgendwann einmal mit der Rechtspflege in Berührung gekommen waren, und seien es auch nur Notariatssachen, Erbschaftsangelegenheiten oder Grundstückskäufe.

Nach dem Versailler Diktatsfrieden wurde dann die Hälfte aller Deutschen, darunter Ärzte, Lehrer, Missionare, Pfarrer, Handwerker, Beamte, Kaufleute und Farmer unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen auf den von den Siegern beschlagnahmten Schiffen der Deutsch-Ostafrika-Linie nach Hamburg verfrachtet, was noch als ein unverdientes Entgegenkommen angesehen werden mußte, zumal in Deutsch-Ostafrika und den anderen deutschen Kolonien gemäß § 122 des „Friedensvertrages“ eine 100prozentige Ausweisung erfolgte.

Trotz alledem hat sich das deutsche Element in Südwestafrika über den Zweiten Weltkrieg bis zum heutigen Tage erhalten und durchgesetzt. Die Umgangssprache ist deutsch und nicht das Zirpen und Summen der Buschmänner, nicht die Schnalzlaute der Nama und auch nicht Herero oder Kappholländisch!

Wäre das von Wilson proklamierte „Selbstbestimmungsrecht“ in Südwestafrika 1920 zur Anwendung gekommen, das Land wäre heute deutsch und hieße ganz sicher nicht nach seiner Wüste „NAMIBIA“.

Quelle: Unabhängige Nachrichten. 1987 Bochum

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Ubasser


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