Terror – Fakten, Ursachen, Aussichten

Von Maximilian Krah

Mit dem Axtangriff im Regionalexpress nach Würzburg am 18. Juli ist der islamistische Terror in Deutschland angekommen. Fünfundzwanzig Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der Angriff von Würzburg reiht sich ein in das Massaker in Orlando am 12. Juni, bei dem 49 Menschen starben, und in Nizza am 14. Juli mit 84 Toten.

Keine zwei Tage nach dem Würzburger Anschlag stach ein Marokkaner in Südfrankreich mit einem Messer auf eine Mutter und ihre zwei Töchter ein und verletzte eine der beiden lebensgefährlich. Die Anschläge von Paris und Brüssel sind noch in Erinnerung.

Was müssen wir über diesen Terror wissen, worauf können wir uns gefasst machen, und womit hat das alles etwas zu tun?

Bei allen Anschlägen handelten die Terroristen aus einem religiösen, islamischen Motiv heraus. Der Ruf „Allahu Akbar“ – Allah ist groß – gehört zu den Angriffen dazu. Die Täter rühmen sich immer ihrer Beziehung zu der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Und, natürlich, es handelt sich bei den Tätern immer um Muslime. Der Islam erlebt seit dem späten 20. Jahrhundert eine religiöse Radikalisierung. Spielte er noch in den 1950er und 1960er Jahren politisch kaum eine Rolle und waren dementsprechend die Städte des Orients wie Teheran, Bagdad und selbst Kabul lebensfroh, so ist er spätestens seit der Islamischen Revolution 1979 im Iran eine politische Kraft, die in den 1980ern in Afghanistan auch die Sowjets in die Knie zwang.

Erkannt und eingeordnet wurde diese Bedeutung der Religion einschließlich ihres expansiven Charakters bereits 1996 von Samuel Huntington in dem bahnbrechenden Werk vom „Kampf der Kulturen“. Bis heute wird sie besonders in Westeuropa als politisch inkorrekt angesehen und demensprechend ignoriert und bestritten, was die politische Ahnungslosigkeit erklärt.

Weltweit bekennen sich etwa 1,6 Milliarden Menschen zum Islam. Etwa 50 Prozent von ihnen gelten als „konservativ“; sie praktizieren also die Religion und haben deren Wertvorstellungen verinnerlicht, zu denen die Ungleichheit von Mann und Frau, das Verbot der Konversion aus dem Islam zu anderen Religionen und die Verurteilung der Homosexualität gehören.

Unter diesen 50 Prozent Konservativen gibt es die Gruppe der Islamisten, die anders als die eher privat praktizierenden Konservativen in ihrer Religion ein politisches Programm erkennen, das es durchzusetzen gilt. Üblicherweise werden 20 Prozent der Muslime als Islamisten angesehen.

Ihnen gemein ist, dass sie Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres religiös-politischen Programms nicht ablehnen, teilweise sogar befürworten. Schließlich gibt es unter den Islamisten die Gruppe der Dschihadisten, die aktiv den Dschihad, den „Heiligen Krieg“ zur Erlangung des Kalifats, der islamischen Herrschaft, zu führen bereit sind. Als Größenordnung für diese findet sich die Zahl von 0,2 Prozent der Muslime. Das wären 3,2 Millionen Menschen.

Der Islam ist aber kein monolithischer Block, sondern es gibt verschiedene Konfessionen und Richtungen. Die beiden großen islamischen Konfessionen sind die Shia und die Sunna. Etwa 15 Prozent der Muslime sind Schiiten, 80 Prozent Sunniten. Man kann sich die die Konfessionen inhaltlich ein wenig wie Katholiken und Protestanten im Christentum vorstellen.

Die Schiiten verfügen über einen Klerus und haben Heilige, ähnlich den Katholiken. Dementsprechend sind sie im Durchschnitt gläubiger, vermeiden aber eher Extreme. Die Sunniten sind in fünf traditionelle Rechtsschulen gespalten, wobei es kein verbindliches religiöses Lehramt gibt, so dass der sunnitische Islam ähnlich dem Protestantismus sehr pluralistisch ist und offen für Extreme.

Alle Terroranschläge der jüngeren Zeit wurden dementsprechend von Sunniten begangen und richteten sich teilweise auch gegen Schiiten. Der Kampf des IS in Syrien erfolgt nicht, weil der IS etwas gegen Diktaturen hat, sondern weil das Assad-Regime schiitisch geprägt und religiös liberal ist. Es gibt zwar schiitische Islamisten, aber keine schiitischen Terroristen.

Der sunnitische Islam erlebt eine dramatische Wandlung, weil von den fünf traditionellen Spielarten – „Rechtsschulen“ – die hanbalitische dynamisch expandiert. Diese ist bestrebt, alle Gesetze aus dem Koran, der Sunna und dem Konsens der ersten Generationen der Muslime abzuleiten. Deshalb ist sie in allen Fragen von Theologie, Kultur und Moral extrem streng und lässt keine Weiterentwicklung zu.

Im 18. christlichen Jahrhundert wurde sie durch Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb weiter verschärft, weshalb auch vom „Wahabismus“ gesprochen wird. Sie ist die Staatsreligion in Saudi-Arabien. Obwohl die hanbalitisch-wahabitische Schule traditionell mit nur 5 Prozent Anhängerschaft unter den Sunniten die kleinste Schule war, ist sie wegen der geographischen Lage der Heiligen Stätten Mekka und Medina in Saudi-Arabien wie der enormen Finanzkraft der Saudis die mittlerweile einflussreichste.

Nahezu alle Islamisten und alle Dschihadisten betonen, dass ihr Islamverständnis dem Wahabismus entspricht. Tatsächlich gibt es zwischen dem Islamverständnis des Islamischen Staates und der wahabitischen Lehre in Saudi-Arabien kaum Differenzen; gestritten wird über die Methoden der Durchsetzung und den Machtanspruch. Wahabiten außerhalb Saudi-Arabiens nennen sich Salafisten.

Umfragen unter der muslimischen Bevölkerung Frankreichs belegen, dass diese zunehmend ihre Religion salafistisch versteht. So liegt nach einer Umfrage von 2014 die Zustimmungsrate zum IS mit 16 Prozent nur knapp hinter der von Präsident Hollande mit 18 Prozent. Bei einem muslimischen – sunnitischen –Bevölkerungsanteil von 10 Prozent bedeutet das eine mehrheitliche Zustimmung der französischen Muslime zum IS, mithin ein völliges Verschwimmen von konservativem Islam, Islamismus und Dschihadismus.

Ähnlich irritierend sind die Bilder aus Istanbul nach der Niederschlagung des mutmaßlich von säkularen Offizieren versuchten Militärputsches; dort skandierten die Anhänger des islamistischen Präsidenten Erdogan „Allahu Akbar“, forderten die Todesstrafe und zeigten dabei den ausgestreckten Zeigefinger, ein Symbol des IS.

Die sunnitische Welt befindet sich in einem furchterregenden Wandlungsprozess hin zu Gewalt, Intoleranz und Aggression!

Aus dieser religiösen Entwicklung ergeben sich zwei Terrorgefahren.

Die eine geht von Einzeltätern wie in Orlando, Nizza und Würzburg aus. Nach Deutschland sind in den letzten zwei Jahren etwa zwei Millionen Muslime eingewandert, fast ausschließlich Sunniten, etwa 70% Männer, zumeist in der Altersgruppe von 16 bis 30. In dieser demographischen Gruppe ist der Anteil der Dschihadisten typischerweise am höchsten.

Hinzu kommt die regionale Herkunft; während Türken und Eritreer bislang nicht als Terroristen und Dschihadisten in Erscheinung getreten sind, ist das bei Afghanen, Pakistanis, Tschetschenen sowie Arabern anders. Eingewandert sind aber ganz überwiegend arabische, tschetschenische, pakistanische und afghanische Muslime. Insofern sollte man den Anteil der Dschihadisten unter der seit 2015 immigrierten muslimischen Bevölkerung höher als 0,2 Prozent ansetzen; mir scheinen 0,4 Prozent realistisch.

Das wären 8.000 Dschihadisten, also Männer, die zu allem bereit sind. Im Lichte dieser Fakten ist die Aussage des Kanzleramtsministers, die Migrationswelle der letzten Jahre habe die Terrorgefahr in Deutschland nicht erhöht, nichts als ein leerer Beschwichtigungsversuch.

Diese 8.000 Personen sind nie zuvor einschlägig aufgefallen, deshalb auch nicht in den Polizeicomputern gespeichert. Sie haben auch mehrheitlich keinen Kontakt zu Gleichgesinnten oder gar einer existenten Terrorgruppe. Aber sie sehen im Fernsehen und Internet die Terrorakte und besorgen sich dann über die Homepages des IS und des Unterstützermilieus die Kenntnisse und Motivation, selbst einen zu verüben.

Da diese Vorbereitungen individuell erfolgen, ist es kaum möglich, sie zu entdecken. Wir müssen uns auf regelmäßige Anschläge solcher radikalisierten Einzeltäter einstellen, die wegen ihres Glaubens und der Paradieserwartung ewigen Sex auch das Todesrisiko nicht abschreckt. Es geht deshalb weniger um Prävention als um schnelle, am besten unmittelbare Reaktion, sobald ein solcher Täter zur Tat schreitet.

Es braucht eine umfassende Präsenz von Sicherheitspersonal und eine Stärkung der Selbstverteidigungsmöglichkeiten der Bürger. Wie das aussieht, kann man etwa in Moskau betrachten, wo an jeder Metrostation und jeder Einkaufsmall eine Sicherheitsschleuse aufgebaut ist – oder in Israel, wo die Bürger bewaffnet sind.

Die zweite Terrorgefahr geht von organisierten Gruppen aus, wie sie in Paris und Brüssel zugeschlagen haben. Hier spielen die bestehenden Einwanderermilieus eine Schlüsselrolle. In ganz Westeuropa ist die Integration der islamischen Zuwanderer misslungen, übrigens nicht wegen der fehlenden Integrationsmöglichkeiten der Aufnahmeländer, was man an den erfolgreichen Einwanderern aller anderen Kulturen sieht.

Die bestenfalls halb-integrierten muslimischen Einwanderermilieus sind nun das Ziel der neu Ankommenden, denn in diesen finden sie leicht Anschluss. Die Integration erfolgt nicht in die europäische Mehrheitsgesellschaft, sondern in die bestehenden Immigrantenmilieus.

Diese islamischen Migrantenmilieus befinden sich aber ihrerseits bereits im Prozess der Islamisierung. Die direkt aus Krieg und Unruhen hinzukommenden Muslime verstärken nun die Distanz zur Mehrheitsgesellschaft und stärken die Tendenzen zur Entwicklung von Parallelgesellschaften.

Die einwandernden Dschihadisten finden in den sich ohnehin radikalisierenden Migrantenmilieus das Biotop, aus dem heraus sie ihren Heiligen Krieg in Europa führen können. So kam es zu den verheerenden Anschlägen in Paris und Brüssel, bei denen „Altmigranten“ und neu hinzugekommene „Flüchtlinge“ gemeinsam agiert haben.

Dass es zunächst in Frankreich und Belgien geschah folgt daraus, weil es sich dort um bestehende arabische Parallelgesellschaften handelt, die für einreisende arabische Dschihadisten ideale Bedingungen bieten.

In Deutschland ist die überwiegende Zahl der muslimischen Bewohner Türken, so dass eine Integration der einwandernden Araber, Pakistani, Afghanen und Tschetschenen nicht so leicht erfolgt. Die bestehenden Einwanderermilieus der eigenen Nationalität sind noch zu klein und zu wenig radikalisiert, als dass der Prozess des gegenseitigen Hochschaukelns schon beginnen würde.

Mit fortschreitender Einwanderung in den aktuellen Größenordnungen und dem globalen Trend der Radikalisierung des sunnitischen Islam wird es aber dazu kommen, wenn nicht die Politik schnell und beherzt gegensteuert.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geht die Terrorgefahr in Deutschland aber von den unbekannten Dschihadisten aus, die zu Tausenden ins Land gelangt sind und jederzeit wie in Würzburg zuschlagen können. Allein die Beachtung der bestehenden Gesetze hätte dabei den Anschlag verhindern können. Wäre der Täter nämlich vor der Bewilligung der Einreise einem erfahrenen Beamten vorgeführt worden, so wäre sofort aufgefallen, dass der angebliche Minderjährige nicht aussieht wie ein 17jähriger.

Einem erfahrenen Beamten wäre auch aufgefallen, dass der Vorname Riaz und der Nachname Ahmadzai persischen Ursprungs sind, und nicht zu einem paschtunisch sprechenden Afghanen passen. Wie sich herausgestellt hat, war der Name falsch. Der Täter heißt Muhammad Riyadh.

Einem erfahrenen Dolmetscher wäre aufgefallen, dass der verhinderte Massenmörder nicht den afghanischen Paschtu-Dialekt spricht, sondern den pakistanischen. Der Asylantrag wäre damit abgelehnt worden, der „junge Mann“ hätte niemals die teuren „Integrationsleistungen“ für 5000 Euro pro Monat in Anspruch nehmen können.

Existierten die Aufnahmelager außerhalb der EU-Außengrenzen, die ich schon im August 2015 als einzige Lösung beschrieben habe und die Rotgrün verhindert hat, wäre dieser „Flüchtling“ nie ins Land gekommen. Tatsächlich ist der Würzburger Täter wohl niemals einer Einzelfallprüfung unterzogen worden, weil gerade „afghanische“ Flüchtlinge wegen der Priorisierung zugunsten „syrischer“ Flüchtlinge oft Jahre warten müssen, bis endlich ihre Anhörung stattfindet.

Ohne die unsägliche Willkommenskultur hätte es diesen Anschlag nicht gegeben, und das wird für die absehbar folgenden Anschläge genauso gelten. Der Terror ist politisch verursacht, weil man sehenden Auges die Tore zur Hölle geöffnet hat.

Will man die Terrorgefahr nicht weiter anwachsen lassen, muss man so schnell wie möglich die Grenzen schließen. Es dürfen nur solche Menschen in die EU und nach Deutschland hereingelassen werden, die vor der Einreise überprüft wurden, wobei die Aufklärung über die eigene Identität die Pflicht des Migranten ist.

Kriegsflüchtlingen ist in den Camps vor Ort zu helfen, nicht durch Migration nach Mitteleuropa. Die Aufnahme von besonders bedrohten Minderheiten wie Christen, Yeziden und Schiiten per Quote ist nach vorheriger Prüfung der Flüchtlinge immer möglich und auch humanitär geboten – die praktizierte Politik der offenen Grenzen hingegen, die jeden, der deutschen Boden erreicht, willkommen heißt und ins Land lässt, ist nicht moralisch, sondern tödlich.


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